Praxisgespäche Blog Psychotherapie

Angstbewältigung in der Gestalttherapie

Aus Sicht der Gestalttherapie ist Angst der Verräter an den Bedürfnissen, die den Kontaktprozess hindern und hemmen.

Die Differenzierung zwischen Furcht und Angst ist hierbei wesentlich. Angst als Erregungsangst zeigt sich auf der körperlichen Ebene durch ein unangenehmes Gefühl der Beklemmung im Brust- und Halsbereich, das sich mit der aufsteigenden Erregung bei einem neuen, ungewohnten, aufregenden fremden Kontakt zuweilen einstellt und immer mit einer Störung des freien Atemflusses verbunden ist. Die eigenen Bedürfnisse werden zur Bedrohung und von der aufkommenden Angst unterdrückt. Der Weg die eigenen Bedürfnisse wieder zu spüren, bedeutet der Angst in die Augen zu schauen und als transformierendes Element zu atmen. Das Annehmen der Angst ist der erste Entwicklungsschritt. Man kann nur mit der Angst gehen und sehen wie sie sich in ein handlungsmotivierende Gefühle wie Furcht oder Wut oder einfach Lust des Schaffens und Sich-Ausdrückens verwandelt.

Im psychotherapeutischen Kontext ist die Angst der Richtungsweiser für persönliche Veränderung: „Wo die Angst ist, geht’s lang“. In der gestalttherapeutischen Betrachtung ist die Angststörung vorrangig als Beziehungsproblem zu sehen und so zu behandeln. Der Klient verharrt regelrecht zwischen dem Wunsch nach Autonomie und dem Wunsch nach Sicherheit durch Zugehörigkeit. Ziel der beziehungsorientierten Therapie ist es den Konflikt zwischen Autonomiewunsch und Abhängigkeitswunsch besser zu bewältigen, d.h. eine Brücke zwischen den beiden extremen Polen herzustellen.

„Der angstfreie Mensch ist eine Vision, die Angst macht. Denn ohne Angst ist das Leben weniger lebenswert. Es gäbe dann auch nichts mehr, um das man Angst haben müsste. Eine positive Zukunft der Angst könnte somit darin bestehen, dass dieser ihr Stellenwert als Indikator für Veränderung eingeräumt wird, sie vielleicht sogar als Wegweiser verstanden wird, aus eingefahrenen, verkrusteten, überregelten Wegen auszubrechen und Schritte zu mehr Lebensnähe, Komplexität aber damit auch weniger Vorhersagbarkeit und Kontrolle zu wagen. Angst ist nicht nur als eine Störung sondern auch als Ressource zu begreifen.“ Jürgen Kriz (2003)

Buchempfehlungen

Trauma-Heilung: Das Erwachen des Tigers. Unsere Fähigkeit, traumatische Erfahrungen zu transformieren., Peter Levine (1999)

Den Sprung wagen: Wie wir uns von destruktiven Gewohnheiten und Ängsten befreien., Puma Chödrön (2012)

Die Angst, der Buddha und ich., Doris Iding (2013)

Vom Sinn der Angst., Verena Kast (2007)

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