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Wie äußert sich Perfektionismus?

Perfektionismus kann krank machen, wenn der gesunde Aspekte dieser Qualität verloren geht. Dahinter stehen übermäßige leistungsbezogene Haltungen und Handlungen sich selbst und anderen gegenüber. Oft folge eine harte Selbstbestrafung, wenn es nicht gelingt, die extremen und rigiden selbst auferlegten Standards einzuhalten.

Empfundene Misserfolge oder Fehler führen dazu, dass sich Perfektionisten sich erschöpft, besorgt und wertlos fühlen. Perfektionisten glauben, dass sie erfolglos wären, wenn sie ihre hohen Standards und ihre Selbstbestrafung zurückhalten. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Eigenschaft des Perfektionismus oft mit mit Depressionen, Angst und Persönlichkeitsstörungen verbunden ist.

Es können drei Typen von Perfektionisten unterschieden werden, mit den Menschen zu kämpfen haben: 1. selbstbezogener Perfektionismus, 2. sozial bezogener Perfektionismus und 3. auf andere bezogener Perfektionismus.

Menschen mit einem hohen selbstbezogenen Perfektionismus haben extrem hohe Ansprüche an sich selbst und die zu erledigenden Aufgaben. Wenn sie einen Fehler machen, können sie von hyperkritisch bis zu depressiv reagieren. Sie sind in Gedanken ständig mit dem Wunsch und Bedürfnis nach dem „perfekten“ Ergebnis beschäftigt. Das kann zu Konzentrationsschwierigkeiten, Ängsten und Verzögerungsmechanismen führen. Sobald das Ziel erreicht ist, neigen Perfektionisten dazu ihr Leistung nicht wertzuschätzen, sondern  zu minimieren. In Studien zeigte sich ein Verbindung zur Magersucht.

Menschen mit einem sozial orientierten Perfektionismus glauben, das andere sehr hohe Ansprüche an sie haben. Sie haben Angst vor der Kritik und Strafe anderer, wenn sie deren (vermeintlichen) Erwartungen nicht erfüllen. Damit geht die mangelnde Fähigkeit Grenzen zu setzen einher und ein „Nein“ wird meistens zu einem „Ja“. Der Selbstwert der Personen ist abhängig von der Zusprechung anderer, was sie oft in eine Notlage bis zur Selbstaufgabe bringt. Sie sind der Überzeugung nur gemocht zu werden, wenn man perfekt ist. Auf Dauer führt das zu einem sozialen Rückzug, Wutgefühlen und/oder psychischen Beeinträchtigungen.

Ein auf andere bezogener Perfektionismus stellt hohe Ansprüche an andere. Sie reagieren überkritisch auf die Fehler anderer und sind mehr als enttäuscht, wenn ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Oft folgt aufgrund dessen eine starke Abwertung und Ablehnung der anderen Person.

Buchempfehlungen

Perfektionismus: Wenn das Soll zum Muss wird., Raphael Bonelli (2014)

Perfektionismus und seine vielfältigen psychischen Folgen: Ein Leitfaden für Psychotherapie und Beratung., Nils Spitzer (2016)

Gut reicht völlig: Selbstbewusste Wege aus der Perfektionsfalle., Bettina Stackelberg (2013)

Weiblicher Narzissmus: Der Hunger nach Anerkennung., Bärbel Wardetzki (2007)

Eitle Liebe: Wie narzisstische Beziehungen scheitern oder gelingen können., Bärbel Wardetzki (2009)

Ohrfeige für die Seele: Wie wir mit Kränkung und Zurückweisung besser umgehen können., Bärbel Wardetzki (2004)

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