Essstörungen: Diagnostische Störungsbilder

ESSSTÖRUNGEN AUS MEDIZINISCHER SICHT 

Die medizinische Definition von Essstörungen finden sich in der Inter- nationalen Klassifikation psychischer Störungen – ICD 10. Er bietet einen Orientierungsrahmen und ermöglicht einen interdisziplinären Austausch. 

Essstörungen äußern sich durch ein gestörtes Verhältnis zum Essen und zum eigenen Körper. Es werden verschiedene Formen der Essstörung unterschieden. Dabei sind die Grenzen häufig fließend. Essstörungen betreffen Frauen genauso wie Männer, obwohl in der Öffentlichkeit wenig über Essstörungen bei Männern gesprochen wird. 

In der medizinischen Diagnostik laut ICD 10 werden zwei Störungsbilder benannt. 

  • Magersucht – Anorexia nervosa
  • Bulimia nervosa 

 

Im amerikanischen Kassifikationssystem DSM-IV gibt es noch ein drittes aufgeführtes Störungsbild: 

  • Binge Eating Disorder 

 

Die Diagnose Adipositas (Fettleibigkeit, krankhaftes Übergewicht) ist nicht in der Klassifikation von seelischen Störungsbildern aufgenommen und wird im medizinischen Verständnis auf eine Ernährungs- und Stoffwechselkrankheit zurückgeführt. Aus therapeutischer Sicht ist diese Perspektive zu kurz gegriffen. 

Alle drei bzw vier Störungsbilder gehen auf multifaktorielle Ursachen zurück. Darunter sind zu verstehen:

  • Soziokulturelle Faktoren
  • gestörte Beziehungen zu Familienmitgliedern
  • Schwiergigkeiten mit der weiblichen und männliche Geschlechterrolle
  • Störung des Körperschemas
  • traumatische Kindheitserlebnisse
  • genetische Faktoren
  • Persönlichkeitsfaktoren

DIAGNOSTISCHE RICHTLINIEN 

Diagnostische Richtlinien laut IDC 10 und DSM-IV: 

Magersucht – Anorexia nervosa 

Bei der Magersucht handelt es sich um selbstverursachtes, deutliches Untergewicht verbunden mit der übersteigerten Idee, trotz Untergewicht dick zu sein. 

  • tatsächliches Körpergewicht ist 15% unter dem Body-Mass-Index BMI von 17,5 und darunter. 
  • Herbeiführung des Gewichtsverlust durch:
    • Vermeidung von hochkalorischen Speisen
    • selbstinduziertes Erbrechen
    • selbstinduziertes Abführen
    • übertriebene körperliche Aktivitäten
    • Gebrauch von Appetitzüglern oder Abführmitteln
    • ständige Gewichtskontrolle 
  • Körperschema-Störung: die Angst, zu dick zu werden oder zu sein
  • Ausbleiben der Regel bei Frauen, bei Männern Libidoverlust 

Bulimia nervosa 

Der der Bulimie handelt es sich um Essattacken, die mind. 2-mal wöchentlich auftreten, gefolgt von dem Versuch durch Erbrechen, Abführen oder anderer Maßnahmen einer Gewichtszunahme entgegenzuwirken. 

  • andauernde Beschäftigung mit Essen und eine unwiderstehliche Gier nach Essen 
  • Fressanfälle mit Aufnahme von unnatürlich großen Nahrungsmengen:
    • hochkalorischen Speisen
    • Nahrungsmittel werden schnell gegessen
    • Schuldgefühle und depressive Zustände nach dem Fressanfall
    • Gefühl von Kontrollverlust
    • Willentliches Erbrechen
    • Missbrauch von Medikamenten
    • Diäten und Fasten
    • Störungen des Köperschemas
    • Sozialer Rückzug 

Binge Eating Disorder 

Bei der Binge Eating Disorder kommt es zu wiederkehrenden Essanfällen, bei denen in kurzer Zeit große Mengen an Nahrungsmitteln konsumiert werden. Es werden im Anschluß keine Maßnahmen durchgeführt, um eine Gewichtszunahme zu verhindern. 

  • Essanfälle, die mind. 2-mal in der Woche seit 6 Monaten stattfinden
  • Schnelles Essen und Schlingen
  • Gefühl von Kontrollverlust
  • Gefühle des Ekels, der Depression und der Schuld nach einem Essanfall 

Die Binge Eating Störung ist oft mit Adipositas, starkem Übergewicht, verbunden. 

Adipositas/ Fettsucht 

Die Begriffe Adipositas und Fettsucht wurden von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung eingeführt. Als erkrankt werden Menschen bezeichnet, deren Körperfgewicht 30% über dem Normalgewicht nach dem Body-Mass-Index liegt. 

Adipositas kann in einer körperphänomenologischen Definition eine Essstörung sein, wenn die Kernelemente der diagnostischen Definition erfüllt sind: 

  • Identitätsstörung
  • Verschwinden des inneren Kerns
  • Gestörte Balance im Körpererleben und Körperbild