FAQ DER PSYCHE

FAQ der Psyche sind das kleine Lexikon zu Fachbegriffen, Psychotherapie, Diagnosen, Gefühlen und seelischer Gesundheit.

A-B

Was ist Achtsamkeit?

Achtsamkeit ist eine besondere Form der Aufmerksamkeit, die im gegenwärtigen Moment stattfindet. Die Haltung der Achtsamkeit ist bewusst, absichtslos, gegenwärtig, offen und experimentell. Die bewusste Konzentration auf die Gegenwart bedeutet, das anzunehmen, was gerade ist, ohne es verändern zu wollen. Ein Impuls bleibt ein Impuls!

Dabei können drei Dimensionen der Achtsamkeit unterschieden werden, denen unterschiedliche Übungen folgen.

  • fokussiert – weit
  • innen – relational – außen
  • beobachtend – begleitend

Die Praxis der Achtsamkeit hat eine jahrtausendealte Tradition in unterschiedlichen Kulturen und mit unterschiedlichen, teils religiösen, Hintergründen. Der Westen hat erst vor gut 100 Jahren mit einen weiteren Verbreitung begonnen. Trotz der zahlreichen verschiedenen Zugänge eint die Achtsamkeitspraxis die Suche nach dem gesunden und richtigen Leben.

Was ist Aggression?

In der Gestalttherapie ist Aggression positiv besetzt.

Aggression ist verbunden mit Lebenskraft, Vitalität und Veränderung. Jeder Mensch braucht aggressive Impulse für den eigenen Selbstschutz und Selbstwert.

Durch die Unterdrückung von Aggressionen entstehen Depressionen. Sich von Depressionen zu befreien, führt über den gesunden Ausdruck von Aggression und Abgrenzung. Der gesunde Ausdruck von Aggressionen bedeutet, sich aus destruktiven Systemen zu befreien, von ungesunden Beziehungen zu trennen und sich aus Abhängigkeiten zu lösen.

Was sind Ängste?

Ängste kennt jeder Mensch! Eine bedrohliche Situation löst dabei eine körperliche Reaktion, wie Herzrasen, Schwindel, zittern oder Schweißausbrüche aus. Es kommt zu einem Vermeidungsverhalten.

Bei Angst- und Panikstörungen geht das Erleben über eine natürliche bedrohliche Situation hinaus. Es handelt sich dabei um frei flottierende Ängste, Phobien oder Panik. Angst wird als Krankheit bezeichnet, wenn sie unangemessen stark oder anhaltend ist, ohne ausreichenden Grund auftritt, nicht mehr kontrolliert werden kann und/oder Leid verursacht.

Angst zählt zu den hemmenden Gefühlen (Blockadegefühl), die den Kontaktprozess unterbrechen. In der Gestalttherapie wird Angst auch als „Verräter der eigenen Bedürfnisse“ bezeichnet.

Was sind chronische Ängste?

Chronische Angst dient meist der Abwehr von unerträglichem Schmerz. Angst ist der Preis, von diesem Schmerz nicht überschwemmt zu werden.

Wenn Angst das Grundgefühl des Zusammenlebens wird, erstickt alles Lebendige.

Was ist ein Burnout-Syndrom?

Burnout zählt nicht zu den klinischen Diagnosen, sondern ist ein sozial- und arbeitspsychologisches Konstrukt, dass in den 70er Jahren entstanden ist.

Es ist von einem Syndrom die Rede, da es sich um eine Vielzahl an verschiedene auftretenden Symptomen handelt, ohne dass die Entstehung im Detail bekannt ist. Burnout wird als Resultat einer chronischen Arbeits- und interpersonellen Stressbelastung beschrieben. Sie kennzeichnet sich durch eine emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung/Zynismus und eine empfundene reduzierte Leistungsfähigkeit aus.

Zentrale Symptome eines Burnout-Syndroms sind Gefühle der emotionalen Leere, Verlust der Lebensfreude und Zuversicht, deutlich eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit, Schlafstörungen, Rückzug aus dem sozialen Umfeld und Überforderung.

Was sind Burnout Phasen?

Es gibt heutzutage verschiedene Ansätze um die Phasen eines Burnouts zu beschreiben. Das bekannteste Phasenmodell stammt von Prof. Burisch:

  1. Vermehrte idealistische Begeisterung
  2. Distanz und reduziertes Engagement
  3. Emotionale Reaktionen
  4. Abbau der kognitiven Leitungsfähigkeit
  5. Desinteresse, Gleichgültigkeit
  6. Körperliche Symptome und Depersonalisation
  7. Verzweiflung, Zusammenbruch

C-D

Was ist eine Depression?

Depressionen sind erlebte Enge, Starre, Sinnlosigkeit.

Eine Depression kann durch viele unterschiedliche Faktoren (Krisen, Medikamente, körperliche Erkrankungen, etc. ) ausgelöst werden.

Betroffene leiden unter einer gedrückten, pessimistischen Stimmungslage und Niedergeschlagenheit, aus der sie sich nicht selbst befreien können. 

Symptome sind Interessenverlust, Antriebslosigkeit, ängstliche Grundstimmung, Müdigkeit, Druckgefühle in der Brust, Denkhemmung und Grübelneigung, herabgesetzte Konzentrationsfähigkeit, mangelnder Selbstwert und Selbstvertrauen.

Entlastung schaffen und unterdrückte Gefühle zum Ausdruck bringen, sind hilfreich. Hinter Depressionen können
auch oft eine ungelebte Trauer stecken.

E-F

Was ist Eifersucht?

Eifersucht hängt wenig mit Liebe zusammen, obwohl wir oft davon überzeugt sind.

Der eifersüchtige Mensch ist selten ein Mensch, der liebt, sondern ein Mensch, der geliebt werden muss. Er braucht von außen die Bestätigung, ein liebenswerter Mensch zu sein.

Eifersucht ist die Emotion des doppelten Zweifels: an sich selbst und des anderen.

Eifersucht ist verbunden mit:

  • einem Mangel an Selbstwert
  • ein fehlen an Überzeugungen, grundsätzlich ein liebenswerter Mensch zu sein
  • ein Mangel an Selbstliebe
  • Wut, Trauer, Ohnmacht und Scham

Was ist Emotional Eating?

Essen und Emotionen stehen in einem komplexen Zusammenhang. Fast jeder kennt das Verhalten, dass bei seelischen Belastungen, Stress oder Traurigkeit, die Lust auf Süßes oder ein mehr an Essen steigt. In einem gewissen Ausmaß ist das ganz natürlich. Schwierig wird es, wenn nicht mehr zwischen richtigem Hunger und emotionalen Hunger unterschieden werden kann. Diese Koppelung von psychischem Stress und Kalorienzufuhr wird als „Emotional Eating“ bezeichnet.

Emotionalen Essern bringt die Nahrungsaufnahme in belastenden Situationen Erleichterung, ohne vorher hungrig gewesen zu sein. Oft werden dabei große Mengen an hochkalorischen Nahrungsmitteln, die stark fett- oder zuckerhaltig sind, konsumiert. Grund hierfür ist, dass sie dem Stresshormon Cortisol entgegen wirken.

Es können zwei Formen von Stress-Essern unterschieden werden – die „Verbieterinnen“ und die „Erlauberinnen“. Die Vermieterinnen versuchen durch Selbstkontrolle das Chaos in ihrem Leben in den Griff zu bekommen. Die Motivation dahinter ist der Gedanke: Wenn ich mein Körpermaß begrenze, begrenze ich mein Leiden. Bei den Erlauberinnen wird so lange gegessen bis gar nichts mehr gespürt wird. In beiden Fällen gibt es eine innere Stimme, die sagt, dass es nicht genug gibt, um das zu bekommen, was sie brauchen. 

Die Gefühle weisen den Weg aus dem leidvollen Kreislauf. Spüren lernen, was wirklich fehlt. Sich selbst wertschätzen und von anderen wertgeschätzt zu werden, sind wesentliche Einflüsse auf unser emotionales Gleichgewicht.

Was sind Essstörungen?

Essstörungen zeichnen sich durch ein gestörtes Essverhalten aus, das mit der Aufnahme an zu großer oder zu niedriger Nahrungsmengen einhergeht. Es gibt viele Unterformen gestörten Essverhaltens. Im klinischen Kontext werden jedoch unterschieden die Magersucht, Bulimie, Bing-Eating und Adipositas (Fettleibigkeit).

Essstörungen sind häufig begleitet von anderem psychiatrischen  und psychosomatische Erkrankungen, wie depressive Störungen, Angststörungen, Suchterkrankungen, bestimmte Persönlichkeitsstörungen, Borderline-Störung und selbstverletzendes Verhalten.

Essstörungen sind nach leibtherapeutischer Sicht Identitätsstörungen. Der Mensch ist tief verunsichert in seiner Identität, oft als Ursache traumatischer Erfahrungen. 

Der Zugang zum unzerstörbaren Kern und der Schutz des eigenen Raums sind in der Therapie unerlässlich. 

G-H

Was ist Geborgenheit?

Geborgenheit hat zwei Gesichter.

Es gibt die Sehnsucht nach Geborgenheit, die uns blind macht und uns an Menschen bindet, die uns nicht gut tun.

Und es gibt die Geborgenheit als unbändige Kraft, die wir brauchen, um Bindungen einzugehen und gesunde Beziehungen zu entwickeln.

Geborgenheit ist ein Beziehungsgefühl. Es entsteht in Beziehung zu Menschen, bei denen wir uns zuhause fühlen. Wir dürfen uns zeigen als diejenigen, die wir sind – ohne Maske und ohne Scham.

Was ist psychische Gesundheit?

Gesundheit wird nach dem Gestaltansatz als ein ungestörter Kontakt nach innen und außen definiert und die Fähigkeit eines Menschen, seine psychischen, geistigen, physischen und sozialen Bedürfnisse ohne Schaden für sich und seine Umwelt zu befriedigen. Das beinhaltet beispielsweise in Stresssituationen die individuellen Möglichkeiten, sich stimmig zur Situation und sozialen Umwelt abgrenzen zu können. 

„In der Gestalttherapie unterscheidet man nicht zwischen Gesunden und anderen Kranken. Gestalttherapie, oder einfach „Gestalt“ ist vielmehr eine Lebenseinstellung die praktische Konsequenzen hat. Es geht um dich und mich und unsere Erfahrung hier & jetzt. Wachstum ist hier das richtigere Wort als Therapie. Wachstum: spontaner, lebendiger und glücklicher zu sein. Den eigenen Kern mehr wertschätzen. Halberledigtes vollenden und neue Schritte wagen.“
Bruno Paul De Reck

Was ist Gestalttherapie?

Auf der theoretischen Ebene stammt der Begriff der „Gestalt“ aus der Gestaltpsychologie und hat wenig mit der oft verwechselten Gestaltungstherapie zu tun. 

Eine Gestalt ist mehr als die Summe seiner Einzelteile. Sie ist eine Ganzheit und Ordnung aus primären Einheiten von Erleben und Verhalten. Gestalttherapie ist ein ganzheitliches Therapieverfahren, dass die körperlich, seelisch und geistige Integration eines Menschen im Umfeld seiner Umgebung zum Ziel hat. Eng mit der Gestalttherapie verbunden sind ihre Begründer der Psychoanalytiker Fritz Perls, der Psychologieprofessor Ralf Hefferline und der Linksintellektuelle Paul Goodman in den 40er Jahren.

„Gestalt ist eine sinnvoll organisierte Ganzheit.“ (Perls, 1951)

Was sind Gestalttherapeuten?

Gestalttherapeuten sind keine weiße Wand, im Gegenteil. 

Gestalttherapeuten bringen sich aktiv in den therapeutischen Prozess ein. Sie drücken ihre Resonanz, Gefühle und Wahrnehmung aus. Sie stützen, provozieren und fordern. Sie decken das Vermeidungsverhalten auf und konfrontieren mit unangenehmen Wahrheiten. 

Die Haltung des Gestalttherapeuten zeigt sich ebenfalls dadurch, dass er Erklärungen, Interpretationen, Rechtfertigungen und Begriffsbildungen im allgemeinen ablehnt.

Was sind Glaubenssätze?

Glaubenssätze sind innere Überzeugungen, die aus eigenen Erfahrungen stammen oder aus der Familie/Bezugsperson übernommen wurden. Dabei handelt es sich um stresserzeugende Einstellungen, die uns daran hindern, das eigene Potential voll auszuleben.

Beispiele

  • Starke Menschen brauchen keine Hilfe
  • Ich muss besser sein als andere, um Anerkennung zu bekommen
  • Es muss immer eine perfekte Lösung geben
  • Ich muss perfekt sein
  • Ich darf niemanden weh tun
  • Ich muss immer für andere da sein
  • Ich darf keine Fehler machen

Glaubenssätze zu lösen, ist eine emotionale Erleichterung und macht den Weg frei, das Eigene zu leben.

I-J

K-L

Was sind Lebenslügen?

Lebenslügen sind alles die Geschichten, wo sich Menschen selbst etwas vormachen und sich selbst anlügen. Sie entstehen, um der Wahrheit nicht ins Auge schauen zu müssen. Sie wahren den Schein nach außen, doch innerlich bleibt es leer.

Lebenslügen entwickeln sich aus der Angst vor sozialer Ausgrenzung, aus vorherrschenden Tabus, der Unfähigkeit loszulassen und den Schmerz zu durchleben. 

M-N

Was ist Niedergeschlagenheit?

Niedergeschlagenheit ist das Gefühl, so stark belastet zu sein, dass Freude am Leben dem Druck im Leben weicht. Die krankhafte Form der Niedergeschlagenheit ist eine Depression. 

Entlastung ist ein Kernelement, um wieder ins Leben zurückzufinden. 

O-P

Was ist Pseudoautonomie?

Unsicher-gebundene Menschen entwickeln häufig eine Pseudoautonomie. Aufgrund traumatisierter Eltern sind sie früh herausgefordert eigenständig zu sein und auf Unterstützung zu verzichten. Die eigenen Bedürfnisse werden kaum noch gespürt und die Aufmerksamkeit verlagert sich auf das Außen. Die Menschen sind in einem permanenten Stresszustand.

Symbiotische Bedürfnisse nach Nähe werden über intellektuelle Leistungen und angepasstes soziales Verhalten kompensiert. Die Anstrengungen, um Anerkennung zu bekommen, sind meistens nicht erfolgreich und führen zu Enttäuschungen. Das nährt das Misstrauen und das Gefühl alleine zu sein. Es werden viele verstrickte Beziehungen eingegangen gepaart mit sozialem Rückzug.

Was ist Psychosomatik?

Psychosomatische Beschwerden bedeuten für die Betroffnen ein körperliches Leiden ohne eine ausreichende organische Ursache. Die körperlichen Beschwerden werden durch psychischer und psychosoziale Belastungen hervorgerufen.

Eine Trennung von psychosomatische Erkrankungen und rein psychischen oder somatischen Erkrankungen wird heute nicht mehr vorgenommen. Körperliche Erkrankungen haben Einfluss auf die Seele und seelische Belastungen haben eine beeinträchtigende Wirkung auf den Körper.

Aus Sicht der Gestalttherapie handelt es sich bei psychosomatischen  Symptomen beispielsweise um eine chronisch dysfunktionale Retroflektion, d.h. Bedürfnisse oder eine gesunde Abgrenzung  werden nicht ausgedrückt und die Energie richtet man dann gegen sich selbst.

Retroflexive Impulse könnten sein: Zähneknirschen, Magenkrämpfe, Kopfschmerzen, Verspannungen.

Was sind Projektionen?

Projektionen sind äußere Illusionen, die durch innere Realitäten entstehen. Sie sind in erster Linie unbewusste Mechanismen, die uns den Blick auf andere Menschen verstellen. Wir sehen den anderen nur durch unsere „Brille der Projektion“ und nicht vollständig. 

Projektionen gehören zum menschlichen Alltag. Oftmals handelt es sich bei Projektionen, um Charaktereigenschaften, die wir an uns selbst nicht wahrnehmen und dem anderen zuschreiben. Dabei kann es sich um negative Aspekte handeln, die wir in uns ablehnen, genauso wie positive Aspekte, wie beispielsweise bei der Bewunderung. 

Je weniger ein Mensch sich selbst und seiner innere Realität begegnen kann, desto mehr verkennt er die Realität durch Projektionen.

Q-R

Was ist Resilienz?

Resilienz sind unsere inneren Widerstandskräfte, die uns in belastenden Situationen unterstützen, diese gut zu überstehen.

Wir werden im Leben nicht umhinkommen traurigen, schmerzhaften oder negativen Erlebnissen ausgesetzt und mit ihnen konfrontiert zu sein. Wir können versuchen auszuweichen, zu verdrängen, nicht wahrzunehmen oder uns abzulenken. Das ist für eine gewisse Zeit und für bestimmte Situationen auch eine Möglichkeit. Jedoch macht es das Leben leichter und selbstbestimmter, wenn wir mehr als eine Möglichkeit haben.

Resilienzkräfte helfen, uns mit den belastenden Situationen zu konfrontieren, ihnen in die Augen zu schauen, uns Unterstützung zu holen und Entscheidungen zu treffen.

Resilienzkräfte sind Optimismus, Akzeptanz, Verantwortungsübernahme, Selbstwirksamkeit, Lösungsorientiertheit, Zukunftsgestaltung.

Was ist eine Retraumatisierung?

Die Symptome einer Retraumatisierung sind völlig anders als bei einer Traumatisierung, obwohl eine Traumatisierung zugrunde liegt. Bei einer Retraumatisierung funktionieren die Abwehrmechanismen bzw. die gelernten Überlebensstrategien nicht mehr. Es kommt zu einer Überflutung mit alten Erinnerungen und Emotionen. Das erneute Durchleben findet in der Gegenwart statt und der Betroffene ist den Symptomen hilflos ausgeliefert. 

Mit einem Trauma können Menschen leben, wenn auch eingeschränkt. Bei einer Retraumatisierung ist das nicht möglich und es geht um das blanke Überleben. Die normalen Ich-Funktionen sind außer Kraft gesetzt und man agiert wie das traumatisierte Kind. Es ist nicht möglich eine Beobachter-Position einzunehmen, strukturiert zu denken oder zu handeln und als Erwachsener zu agieren. Die Ich-Funktionen müssen mit viel Arbeit erst wieder etabliert werden.

S-T

Was sind Schuldgefühle?

Es ist wichtig zwischen Schuld und Schuldgefühlen zu unterscheiden. Wer Schuld auf sich geladen hat, wie Täter zu ihren Opfern, müssen Verantwortung übernehmen, ihre Schuld eingestehen und sich entschuldigen. Erst dann können Verletzungen heilen und Täter und Opfer ihre Würde wiedererlangen.

Schuldgefühle können auf eine Ungleichgewicht zwischen Geben und Nehmen hinweisen. 

Schuldgefühle deuten auf ein unbewusstes Abgrenzungsverbot hin. Falsche Verpflichtungsgefühle, moralische Wertvorstellungen oder übernommene Glaubenssätze schwächen das Eigene. Ein wichtiger Schritt ist die gesunde Abgrenzung zu lernen und das Eigene zu stärken. 

Was ist Sucht?

Sucht und Suchtstörungen sind psychische Abhängigkeiten, die mit einem dranghaft erlebten Verlangen einhergehen. Unterschieden wird zwischen Abhängigkeit und Missbrauch (schädlicher Gebrauch). Neben einer psychischen Abhängigkeit kann es auch zu einer körperlichen Abhängigkeit kommen, die sich in Entzugserscheinungen wie Unruhe oder Angst ausdrückt.

  • Sucht ist ein ständiger Kampf zwischen Kontrolle und Maßlosigkeit
  • Sucht vernebelt und ist eine Flucht aus der Realität
  • Sucht verweigert Verantwortung
  • Sucht ist eine Unfähigkeit zur Aufrichtigkeit gegen sich selbst
  • Sucht & Sehn sucht gehören zusammen

Den einen Weg aus der Sucht gibt es nicht. Jeder hat einen anderen Genesungsweg.

Was ist Stress?

„Unter dem Begriff Stress wird allgemein ein subjektiver Zustand verstanden, in dem Betroffene sich einer für ihn unangenehmen Situation oder Umständen ausgesetzt fühlt, die er weder vermeiden noch in seinem Sinn beeinflussen kann. Entweder fehlen ihm die Bewältigung die Kompetenzen, oder ihm stehen nicht ausreichend Ressourcen zur Verfügung.“ (Miriam Prieß, 2015)

Stress ist eine natürliche Reaktion unseres Körpers auf eine Herausforderung. Er wird durch innere und äußere Reize hervorgerufen und bewirkt, dass wir zu „Höchstform“ auflaufen. Wir erleben in Stresssituationen eine erhöhte Aufmerksamkeit, alle Sinne sind geschärft, mit einem Ansteigen von Puls und Blutdruck. Die Atmung wird schneller und die Muskeln spannen sich an. Dies war in sehr frühen Zeiten der Menschengeschichte eine wichtige Überlebensreaktion, die in einer Gefahrensituation zu Flucht oder Angriff führte.

Heute haben sich die Stresssituationen verändert und in den seltensten Fällen müssen wir mit Flucht oder Angriff reagieren. Das Ventil für die Anspannung ist verloren gegangen und richtet sich bei einer dauerhaften Belastungen immer stärker gegen sich selbst mit körperlichen und seelischen Stresssymptomen.

Was ist der Unterschied zwischen Stress & Burnout?

Ein entscheidender Unterschied zwischen Stress und Burnout ist, dass Stress auch durchaus positiv sein und erlebt werden kann, während Burnout ein Zustand völliger psychischer und körperlicher Erschöpfung ist. Oft lässt sich das Burnout-Syndrom kaum von einer Depression abgrenzen, so dass Burnout auch als Erschöpfungsdepression bezeichnet wird.

Stress und Burnout stehen allerdings in einem engen Zusammenhang und zeigen Gemeinsamkeiten auf der seelischen und körperlichen Ebene. Auch kann Stress der Auslöser für ein Burnout sein.

Bezeichnend für ein Burnout ist, dass sich die Anzeichen langsam und stufenweise entwickeln. Insbesondere im Arbeitskontext sind die Prozesse schleichend und oft erst erkennbar, wenn „der Zug“ schon abgefahren ist. Zu Beginn steht oft ein hohes Engagement und Motivation für eine Sache, die viel Kraft nimmt aber durch Anerkennung etc, wieder reingeholt wird. Es werden dauerhaft immer mehr eigene Grenzen übertreten, um ein Ziel zu erreichen bis die eigenen Grenzen und Bedürfnisse nicht mehr wahrgenommen werden. Es folgt ein Gefühl des „Ausgebranntseins“ und Energielosigkeit.

Was sind Stresssignale?

Sobald Stress zu einem dauernden Phänomen wird und die Intensität des Auftretens steigt, braucht der Mensch gezielte Bewältigungsstrategien. Wenn diese fehlen, wird die Situation zunehmend als bedrohlich erlebt und Gefühle von Hilflosigkeit breitet sich aus. Stresssignale können sich auf verschiedenen Ebenen bemerkbar machen:

Körperliche Ebene

  • Unbegründetes Schwitzen
  • Nacken-, Schulter- oder Rückenschmerzen
  • Magen- und Verdauungsprobleme
  • Kopfschmerzen
  • Atemprobleme
  • Kreislaufprobleme (erhöhter Puls, Blutdruck)
  • Rasche Ermüdung, Erschöpfung
  • Schlafstörungen

Psych./ Emotionale Ebene

  • Aggressivität
  • Niedergeschlagenheit
  • Depression
  • Selbstzweifel
  • Nervosität
  • Überempfindlichkeit
  • Gefühl von Nutzlosigkeit
  • Pessimismus
  • Probleme abschalten zu können
  • Lustlosigkeit

Kognitive Ebene

  • Mangel an Konzentration
  • Abschweifende Gedanken
  • Einschränkung der Wahrnehmung
  • Vergesslichkeit
  • Mühe mit Neuem
  • Entscheidungsschwierigkeiten
  • Negative Zukunftsgedanken

Verhaltensebene

  • Beeinträchtigung, Vernachlässigung sozialer Beziehungen
  • Abbau von Teambereitschaft
  • Störung von Kommunikation
  • Spannungen, Streit, Mobbing
  • Neid, Eifersucht
  • Häufung von Fehlern, Unfällen
  • Erhöhte Krankheitsrate
  • Innere Kündigung, Ausstiegsszenarien
  • Unregelmäßiges, Ungesundes Essen

Was ist Symbiose?

Der Begriff Symbiose stammt aus der Biologie und bezeichnet eine sehr enge Beziehung zwischen zwei Lebewesen, die sich im gegenseitigen Nutzen dienen und wachsen. Bei Paaren wäre es die Beziehung auf Augenhöhe, die eine konstruktive Symbiose eingeht. Daher ist es wichtig, zwischen konstruktiver und destruktiver Symbiose zu unterscheiden. 

Merkmale einer konstruktiven Symbiose

  • alle Beteiligten haben das Gefühl, es geht gerecht zu
  • Ausgleich zwischen Geben und Nehmen
  • gesunde Form von Liebe mit einem klaren JA oder NEIN für die Beziehung
  • Egoismus und Altruismus sind eins
  • gegenseitige Achtung von Grenzen
  • Anteilnahme an schwierigen Gefühlen 
  • Gefühl von Zusammengehörigkeit und Verbundenheit ohne emotional abhängig zu sein
  • gesunde Balance zwischen  Nähe und Distanz

Merkmale einer destruktiven Symbiose

  • Ausübung von Kontrolle und dominanten Verhalten
  • Macht über andere ausüben durch Angst, Druck und Manipulation
  • Unterwerfung und Anpassung an andere, Selbstaufgabe
  • emotionale Abhängigkeit
  • andere für eigene Zwecke benutzen und manipulieren
  • kein Verständnis und Rücksicht auf Bedürfnisse von anderen
  • Schuldgefühle
  • Aggressionen und hoher Druck auf die Abhängigen
  • falsche Liebsbezeugungen, falsches WIR-Gefühl
  • Liebe wird verwechselt mit anklammern, besitzen wollen, rivalisieren, unter Druck setzen, Erwartungen 

Was ist Trauer?

Trauern ist ein emotionaler Prozess. Im Trauern lassen wir los und verabschieden uns. Das was war, wird nie mehr sein und verursacht Schmerzen, den viele Menschen verdrängen. Sie haben Angst vor dem Schmerz, dem Verlust, der Leere. 

Trauer ist für das Leben und Überleben wichtig. Es ist ein heilsamer Prozess, der Wunden schließt und uns wieder für Neues öffnet. Trauer hat einen Anfang und ein Ende. 

Wer der Trauer aus dem Weg geht, bleibt in der Vergangenheit stecken. Die Anerkennung des Verlusts wird geleugnet und der Kampf gegen das Schicksal beginnt. Das Mitgefühl für Andere erkaltet, da eigene Gefühle nicht zugelassen werden.

Trauernde benötigen andere menschen, die Trost und Mitgefühl schenken.

U-W

Was ist innerer Widerstand?

Oft ist Widerstand gar nicht so leicht zu erkennen. Er äußert sich darin, dass wir eigene ungute Gefühle, wie Schuld, Scham, Minderwertigkeitsgefühle auf andere projizieren und den Anderen abwerten. Auch wenn andere Menschen der Auslöser für unsere unguten Gefühle sind, sind wir selbst für unsere Gefühle verantwortlich und nicht der Andere. Es sind und bleiben die eigenen Gefühle, die jeder nur für sich klären und bewältigen kann. 

Widerstand kann sich auch zeigen in der Vermeidung von Situationen, Begegnungen oder dem Nicht-erledigen von Dingen, die wir uns vorgenommen haben. Dahinter stecken oft schlechte Erfahrungen und Ängste. Der innere Widerstand will vor weiteren Verletzungen schützen. Das kann jedoch dazu führen, dass wir uns vor neuen Erfahrungen verschließen und Wachstum behindern. 

Achtsamkeit hilft beim Umgang mit dem eigenen Widerstand, indem wir aufmerksam und ohne Wertung den Widerstand kennenlernen. 

X-Z

Was sind Zwänge?

Zwänge kennen auch viele gesunde Menschen, beispielsweise wie das Bedürfnis nach übertriebener Sauberkeit oder einer bestimmten Ordnung.

Zwangsstörungen stehen den Angststörungen sehr nahe. Die Handlungen führen zu einer deutlichen Beeinträchtigung des Alltags. Es besteht der innere Drang, bestimmte Dinge zu denken oder zu tun.

Menschen mit Ängsten brauchen Halt, Schutz und stabile Beziehungen.

Von der Starre immer wieder in die Bewegung kommen und Übergänge gestalten sind kreativ-therapeutische Methoden.