Körperwahrnehmung – Übungen für den Alltag

WENIGER STRESSERLEBEN UND MEHR KÖRPERBEWUSSTSEIN

Das tägliche Trainieren der eigene Körperwahrnehmung stärkt das Körperbewusstsein. Der Körper ist der Zugang zur Welt. Über unsere Sinne nehmen wir Kontakt zur Umwelt auf und treten in Interaktion. Jede Erfahrung ist körperlich!

Durch Stress und Traumata werden die Empfindungen des Körper eingeschränkt oder völlig blockiert. Viele Menschen nehmen sich selbst nicht mehr richtig wahr und sind in einer Art Funktionsmodus gefangen ohne wirklich Kontakt zum eigen Körpererleben zu haben. Durch zu viel an „Kopfarbeit“ wird die Körperwahrnehmung zusätzlich lahmgelegt. Dabei verzichten wir auch auf die Wahrnehmung unserer wahren Bedürfnisse, die uns immer wieder zu uns selbst führen. Der Preis der Verlust des Selbstkontakts.

Unser Körperbewusstsein macht uns handlungsfähig. Je besser wir unseren Körper wahrnehmen, desto besser kann man auf eigene Bedürfnisse reagieren und Gefahren von außen abwenden. Durch tägliches Training kann jeder seine Körperwahrnehmung stärken und damit auch das Gefühl der Verbundenheit und die Präsenz im Hier&Jetzt.

Wesentlich ist nicht die Dauer, sonder die Regelmäßigkeit! Jeden Tag ein paar kleine Übungen und du wirst den positiven Unterschied spüren.

1. KONZENTRIERE DICH AUF EINE KÖRPERSTELLE

Beginne deine Körper mit deiner Wahrnehmung auf sinnliche Empfindungen zu scannen. Du kannst bei den Fußspitzen beginnen und dann einmal den Körper Stück für Stück bis zum Kopf durchwandern.

Nehme die im Anschluß eine bestimmte Körperstelle vor, worauf du deine Aufmerksamkeit richtest. Das kann eine Fußzehe sein, dein Knie oder deine Hand.

Nun versuche so genau wie möglich hinein zu spüren in die Körperstelle und zu beschreiben, was du wahrnimmst – ohne zu bewerten. Das kann ein Kribbeln sein, Kälte oder Wärme, ein Ziehen, ein Luftzug, ein Schmerz, ein Taubheitsgefühl, Leichtigkeit oder Schwere.

2. BESCHREIBE DEINE EMPFINDUNG

Versuche nun deine Empfindungen in Worte zu fassen. Manchmal ist das gar nicht so leicht, wenn man das nicht gewöhnt ist. Worte zu finden, ist hilfreich, eine Verbindung zwischen Geist und Körper herzustellen.

Es geht nicht um eine Bewertung in gut oder schlecht, sondern um eine direkte Beschreibung des „Wie?“. Beispiele: kalt, warm, empfindlich, schwer, leicht, locker, angespannt, kribblig, steif, stark, schwach, weit, …

3. TRAINIERE DEINE BEWEGLICHKEIT

Körperliche Aktivitäten stärken dein Körperbewusstsein. Ein starkes Körperbewusstsein hilft dir, schneller und besser körperliche Stresssymptome als auch Entspannungsreaktionen wahrzunehmen. Dein Körper gibt dir immer ein „Feedback“, wie es dir gerade wirklich geht.

Deine Beweglichkeit kannst du mit allem, was dir Freude macht trainieren … Yoga, Wandern, Radfahren, Tai Chi, Spazieren, Skifahren, etc.

4. SPÜRE BEWUSST DEN BODEN

Wenn es dir schwerfällt, deine Körper zu spüren, lege dich auf den Boden. Im Yoga gibt es die Shavasana-Haltung, Ruhehaltung, wo du deine  Körper ganz schwer werden lässt und loslässt. Lasse dich immer tiefer in den Boden sinken. Das gibt dem Körper etwas, worauf er sich beziehen kann und es wird dir leichter fallen, deinen Köper wahrzunehmen.

5. TRAGE EINE LOCKERE KLEIDUNG

Lockere und fließende Kleidung unterstützt dich, deinen Körper durch den leichten Kontakt mit der Kleidung, besser wahrzunehmen.

6. TRAINIERE DEINE SINNE

Deine Sinne – hören, sehen, riechen, schmecken, tasten – zu trainieren, kannst du wunderbar unkompliziert in den Alltag  integrieren. Beispiele: beim Duschen das Wasser spüren, beim Spazieren mal nur auf die Geräusche hören oder dich auf das, was du riechst, konzentrieren. Beim Essen wirklich schmecken und riechen. Alle diese vielen kleinen Übungen im Alltag, helfen dir zu einer besseren Körperwahrnehmung.

7. ACHTE AUF DEINE KÖRPERREAKTIONEN BEI ENTSCHEIDUNGEN

Ganz alltagsnah ist auch das Bewusstsein zu schärfen, wie dein Körper auf Entscheidungen reagiert. Sobald du eine Entscheidung zu treffen hast, das können ganz kleine Entscheidungen sein, wie „Was esse ich zu Mittag?“, oder „Treffe ich mich heute Abend mit meiner Freundin?“ – achte darauf wie dein Körper auf die Entscheidungsoptionen reagiert. Du wirst bemerken, dass es einen Unterschied macht und dein Körper weiß, was dir gut tut.

8. DEN ATEM WAHRNEHMEN

Das mag dir vielleicht langweilig vorkommen, aber diese Übung ist besonders hilfreich deinen Körper zu zentrieren und wieder bei dir anzukommen. Wir sind den Tag über viel beschäftigt und es kann vorkommen, dass wir das Gefühl erleben irgendwie nicht ganz bei uns zu sein oder zu die über das Außen zu grübeln. Dann konzentriere dich auf das Ein- und Ausatmen und du wirst bemerken, dass du immer mehr wieder ins Zentrum deiner Selbst kommst.

„Ich habe begonnen, mich intensiver zu erleben. Dadurch ist man wieder jemand. Ich habe viele kleine Dinge den Tag über wahrgenommen, die ich früher nicht beachtet habe. Ich habe begonnen, mir die Zeit zu nehmen und schließlich habe ich mich gefragt, was ich will und was ich nicht will, wer ich bin.“