Liebe in Zeiten von Corona

In der April Ausgabe des Frauenmagazins ? MADONNA wurde ein Artikel von mir „Liebe in Zeiten von Corona“ veröffentlicht.


Liebe in Zeiten von Corona


Liebe in Zeiten von Corona


Liebe in Zeiten von Corona

Über Wochen mit dem Partner im 24-Stunden Corona-Hausarrest ist für Paare eine enorme Herausforderung. Viele Paare sind mir der neuen Nähe überfordert. Soll man dem Partner einfach aus dem Weg gehen? Wie viel Reden oder Schweigen ist hilfreich? Die verordneten „Abstandhalter“ lassen die psychischen Belastungen immer stärker zunehmen. Viele können nicht aus dem Haus, haben keine Rückzugsmöglichkeiten und finanzielle Sorgen. Gereiztheit, Verärgerung, Zynismus, Sarkasmus: Das sind typische Reaktionen einer Belastungssituation und die Nebenwirkungen unserer Quarantäne. Was hilft der Liebe in Zeiten von Corona?

1. Mit den Erwartungen runtergehen

Erwartungshaltungen gehen mit einer hohe Enttäuschungsquote einher. Vor allem die oftmals unrealistischen Erwartungen, dass der Partner eigene Defizite ausgleicht, führen zu Frust und Ärger. In Zeiten von Corona können die Erwartungen an den Partner steigen, da wir weniger Aufmerksamkeit, Anerkennung und Lob von anderen bekommen. Daher ist es hilfreich, sich den eigenen Erwartungen bewusst zu werden und daraus Bedürfnisse zu formulieren. Das erzeugt weniger Druck. Je mehr ein Partner gut für sich selbst sorgen kann und durch eigene Aktivitäten Grundbedürfnisse stillt, desto weniger Erwartungen werden an den Partner gestellt und Spannungen reduziert.

2. Miteinander reden

Unausgesprochenes birgt eine Menge Konfliktpotential. Häufig kochen die Emotionen hoch und aggressives Verhalten durch Beschimpfungen, Vorwürfen oder Rachegelüsten halten immer mehr Einzug in das Beziehungsgeschehen. Im Corona-Hausarrest bekommen die Themen, die sonst eher vermieden werden, eine größere Bedeutung. Schweigen ist hier die falsche Strategie. Miteinander reden ist die erste Wahl, um die Verbindung zum Partner herzustellen. Dabei gibt es einige hilfreiche Regeln: 1. Stelle deinem Partner Fragen, 2. Höre deinem Partner zu, 3. Unterbreche deinen Partner nicht, 4. Gehe nicht gleich in die Verteidigung, sondern lasse das Gesagt wirken, 5. Erzähle deinem Partner, was dich bewegt und was du dir wünscht.

3. Grenzen setzen – Grenzen achten

Leben auf engem Raum, zu viel gemeinsame Zeit, da passieren schnell Grenzverletzungen. Grenzverletzungen hinterlassen emotionale Spuren und können tiefe Wunden hinterlassen. Damit es soweit nicht kommt, müssen Grenzen klar und deutlich ausgesprochen werden. Jeder Mensch hat andere Grenzen. Was für den einen noch zu tolerieren ist, geht für einen anderen gar nicht. In einer Beziehung geht es eben nicht nur um die eigene Grenzen, sondern auch um die Grenzen des anderen. Ein respektvoller Umgang mit Grenzen ist ein Ausdruck einer gesunden Beziehung und in Zeiten von viel räumlicher Nähe ein „Entspannungsbooster“.

4. Den Humor nicht verlieren

Gemeinsam lachen ist nicht nur gut für das Immunsystem, sondern wirkt auch positiv auf die Beziehung. Humor zählt damit zu den wichtigsten Beziehungsqualitäten. Anstatt aufgrund der Krise in Zynismus, Sarkasmus oder Resignation zu verfallen, hilft Humor über schwierige Situationen hinweg. Humor bringt eine Form der Gelassenheit in den Alltag, baut Stress ab und wirkt gegen Depressionen.

5. Erotik gegen Ängste

Paare haben es in der Corona-Krise leichter als Singles. Der Geschlechtspartner muss nicht noch gefunden werden. Doch die Nähe kann auch ganz schnell ins Gegenteil umschlagen und Sex macht keinen Spaß mehr. Für eine sexuelle Anziehung ist das Wechselspiel zwischen Nähe und Distanz essentiell. Was durch reale Nähe und Distanz im Alltag bewerkstelligt wurde, ist jetzt in der Krise emotional zu bewältigen. Das funktioniert gut, wenn Menschen gut bei sich sein können, d.h. sie wechseln mit der Aufmerksamkeit zwischen sich selbst und dem Partner. Grundsätzlich ist Sexualität die beste Möglichkeit, um Ängste zu vertreiben.

6. Bewusste Pausen

Die Zeit zu Hause kann schnell dazu führen, dass Haushalt, Home-Office, TV schauen ineinander übergehen. Das kann schnell zu einer Überforderung und Überreizung der Nerven führen, was wiederum Konfliktpotential in sich trägt. Daher ist es wichtig bewusste Pausen, ob gemeinsam oder alleine, fix einzuplanen. Pausen beruhigen, bauen Stress ab und bringen wieder mehr Gleichgewicht in den Alltag.

7. Stressfaktoren reduzieren

Stress ist der schleichende Tod für jede Beziehung. Der verordnete „Hausarrest“ erhöht den Stresspegel, da viele neue und ungewohnte Situationen zu bewältigen sind. Daher muss aktiv daran gearbeitet werden, Stressfaktoren zu reduzieren. Strukturen aufbauen, sich gegenseitig unterstützen, miteinander reden, Zeiten für sich alleine planen, sind Faktoren die im Alltag helfen.

8. Verständnis entwicklen und Wertschätzung 

Gerade jetzt ist es besonders wichtig gegenseitiges Verständnis zu entwicklen. Partner sind schneller überfordert, gereizt und es werden Dinge gesagt, die man später bereut. Sorgen und Ängste greifen das Nervenkostüm in erheblichem Maße an. Den Partner in Arm nehmen, kleine Freuden in den Alltag integrieren, mal beide Augen zu drücken und den Blick auf die liebevollen Seiten des Partner werfen, bringen Entlastung und Entspannung. Auch der Ausdruck von Wertschätzung mit einem kleinem „Danke“ kann wahre Wunder bewirken.

9. Das Stabile stärken

In der Regel ist man mehr damit beschäftigt, was nicht läuft in der Beziehung anstatt mit den Dingen die funktionieren. Für ein entspannteres Miteinander ist es hilfreich sich auf die positiven und stabilen Elemente in der Beziehung zu konzentrieren. Die Formel für eine stabile Beziehung zeichnet sich durch das Verhältnis von Positivem und Negativen mit 5:1 aus.

10. Emotional unabhängig werden 

Das vielleicht Schwierigste ist, sich vom Partner emotional unabhängig zu machen. Nur weil der Partner einen schlechten Tag hat, muss man selbst nicht auf die gute Laune verzichten. Hilfreich für eine gute Emotions- und Stressregulation ist nicht alles persönlich zu nehmen. Dann fällt es leichter, die Meinung oder das Verhalten des anderen stehen zu lassen, ohne das man darauf mit Widerstand reagieren muss.