Minderwertigkeitsgefühle: „Komme im Job nicht klar“

MINDERWERTIGKEITSGEFÜHLE IM BERUFLICHEN ALLTAG 

Minderwertigkeitsgefühle wiegen schwer und erzeugen im Berufsalltag jeder Menge Stress. Irgendwie kommt man einfach nicht klar und auch ein Jobwechsel bringt häufig nicht die notwendige oder ersehnte Veränderung.

Unsicherheiten, Ängste, Abwertungen prägen den Tag genauso wie Größenphantasien und Überlegenheit. Immer wieder ist man mit emotionalen Höhenflügen und depressiven Phasen konfrontiert. Zusätzlich entstehen Gefühle von Druck, Überforderung und Energieverlust. Die eigene Verletzlichkeit, die andauernden Kränkungen sind schwer zu verkraften und werden oftmals überspielt mit überhöhter Freundlichkeit und noch mehr Leistung. Auf Dauer führt das ins emotionale AUS.

Jedes Wort von Kollegen, Mitarbeitern und dem Chef wird auf die Waagschale gelegt. Wie könnte er oder sie das gemeint haben? Was habe ich falsch gemacht? Wie bekomme ich nur die Anerkennung? sind die quälenden Fragen. Man glaubt, man könnte etwas „richtig“ machen, dabei  geht es nicht um das Machen, sondern um das Fühlen. Unsere verdrängten Gefühle der Verletzung sind noch nicht geheilt, daher sind wir weiter angreifbar. Oft versteht unser Gegenüber gar nicht, was los ist. Hinzu kommt, dass diese Themen auch am falschen Ort, dem Arbeitsplatz, ausgetragen werden. Im Beruf handelt es sich überwiegend um Projektionen und Übertragungen, die uns das Leben schwer machen. Wir versuchen mit Kollegen unbewusst eigene innere Themen zu lösen und reinszenieren die Verletzungen in der Kindheit im Berufsalltag. Das führt zusätzlich zu Verwirrung und Ärger.

DAS GEFÜHL DER MINDERWERTIGKEIT KOMMT AUS DER KINDHEIT 

Minderwertigkeitsgefühle haben ihren Ursprung in der Kindheit. Wir sind nicht gesehen und gehört worden, wurden abgewertet oder abgelehnt. Vielleicht wollten die Eltern oder ein Elternteil keine Kinder, vielleicht haben die Eltern selbst keinen stabilen Zugang zu sich selbst oder projizierten eigene Wünsche auf das Kind. Vielleicht liegt auch ein Geburtstrauma vor, was ein gesundes Selbstgefühl blockiert.

Auszug aus einem Fallbeispiel eines Klienten:

„Mein Vater hat meine Arbeit immer noch nicht verstanden und ich habe das Gefühl, dass ich mich ständig rechtfertigen muss. Und tue es auch.

Das Gespräch mit einem neuen Projektleiter verlief gut und ich denke, wir liegen auf einer Wellenlänge. Leider wurde mir mitgeteilt, das meine Idee nicht umgesetzt wird. Ich habe geweint und es hat mir die Kehle zugeschnürt. Ich war gekränkt und mein wunder Punkt der Minderwertigkeit wurde berührt.

In der Therapie ist mir bewusst geworden, wie viel Verletzlichkeit in mir steckt und wie groß mein innerer Druck ist. Ich bekam kaum Luft und die Kehle schmerzte. Wieder saß ich da und es flossen nur die Tränen.

Ich kann meinen Wert nicht spüren. Auf der Kopfebene bekomme ich einen Zugang zu allem, was ich schon beruflich gemacht habe, aber emotional bekomme ich ihn nicht. Ich kann meine Arbeit nicht einschätzen. Mir fehlt ein natürlicher Zugang zu meinem Wert. Ich werte mein Verhalten in gut und schlecht, obwohl ich weiß, dass Moral hier keinen Platz hat. Aber ich sehe für mich keine Alternative. Ich erhöhe mich über andere oder stelle mich unter sie, ich fühle mich minderwertig. Zudem verurteile ich mich selbst für mein Denken und Fühlen. Ich finde keine Alternative. Mein Druck im Hals wird groß und stark. Die Tränen bitter.

Ich kenne das Verhalten der Auf- und Abwertung von meinem Vater. Er macht es selbst bei anderen und ich habe es so als Kind gelernt. Auch mir gegenüber fühle ich seine Ambivalenz. Auf der einen Seite Stolz und auf der anderen Seite Verachtung. Das schmerzt mich sehr. Ich erkenne die Anerkennung von meinem Vater vom Kopf, aber sein Herz kann er nicht öffnen. Ich weiß das und trotzdem habe ich es für mich emotional noch nicht geklärt. Mein Vater möchte, dass ich unabhängig bin und abhängig zugleich. Wie kann ich mich aus diesem Dilemma befreien? Was ist mein Wert?

Die Therapeutin fragt mich, wo ich im Körper ich meinen Selbstwert spüre. Ich finde keinen Platz. Wo ist mein natürlicher Selbstwert? Ich möchte Menschen nicht mehr abwerten oder mich minderwertig fühlen.“

Minderwertigkeitsgefühle gehen immer auch mit dem Gefühl der Grandiosität einher. Beides sind Abwehrmechanismen. Sie sind Ausdruck der Selbstentfremdung. Die Unverbundenheit mit dem eigenen Selbst wird zu einer inneren Zerreißprobe. In der Therapie gilt es die verdrängten Gefühle behutsam zuzulassen, um ihre Bedeutung und auch Schutzfunktion zu erkennen. Das ermöglicht Verständnis und Mitgefühl für sich selbst zu entwickeln und Wunden heilen zu lassen. 

Erst wenn die eigenen Minderwertigkeitsgefühle und deren Ursachen geklärt sind, werden die damit verbundenen Anstrengungen im Berufsleben weniger. Dann müssen nicht mehr die Kollegen, Mitarbeiter oder der Chef herhalten, um das eigene innere Dilemma zu lösen. Wir können aufhören zu projizieren und Schritt für Schritt aus der Abhängigkeit aussteigen. Dann entwickelt sich das Gefühl von authentischer Souveränität, Ruhe, Kraft und Stabilität.

Autonomie-Aufstellung

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Die Autonomie-Aufstellung ist ein Online-Aufstellungsformat mit Figuren. Die systemische Aufstellungsmethode dient dem Aufbau gesunder Grenzen, der Selbstverbindung und Verarbeitung von emotionalen Stress. Glaubenssätze, Traumata können bearbeitet werden sowie Konflikte in Beziehungen.

Eine Autonomie-Aufstellung mit Figuren (Holzklötze als Stellvertreter) findet online via Videokonferenz statt.

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