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Newsletter Psychotherapie & Persönlichkeitsentwicklung

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UM WIRKLICH LEBENDIG ZU SEIN, MUSS MAN FÜHLEN 

Was sind Gefühle? Warum sind sie so wichtig? Und warum will man manchmal lieber nicht fühlen und stellt sich emotional ab?
Gefühle sind mit unseren Bedürfnissen, Kernimpulsen und sinnlichem Erleben verbunden. Wir fühlen uns anderen Menschen verbunden, nah oder fern. Wir sind verletzt, wenn wir ausgeschlossen oder abgewertet werden. Wir sind glücklich, wenn wir bekommen, was wir uns tief im Herzen ersehen. Wir fühlen uns genährt und vollständig, wenn unsere Kernbedürfnisse nach Liebe, Resonanz, Kontakt. Vertrauen und Autonomie erfüllt werden. Ohne Gefühle geht nichts. Sie sind die Grundlage unserer Entscheidungen und Handlungen. Gefühle schenken Orientierung und Lebendigkeit, wenn wir uns ganz auf sie einlassen.
Doch die vielen unterdrückten Gefühle führen früher oder später zu Angst vor Gefühlen. Die Angst, dass Gefühle uns überschwemmen, wir keinen Halt mehr finden. Es baut sich eine überdimensionale Angst auf, die Wut, die Trauer, den Schmerz, den Hass nie mehr los zu werden. Doch in Wahrheit können Gefühle uns nicht töten. Was uns tötet, sind die unterdrückten, verdrängten und angestauten Gefühle. Sie lauern im Unterbewusstsein, zeigen sich im Körper in Verspannungen, Enge, Herzrasen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, usw.
Wer sich von den eigenen Gefühlen abschneidet, schneidet sich von sich selbst ab. Auf Dauer führt das zum Selbstverlust, zur Verwirrung, Orientierungslosigkeit, Kompensationsverhalten und seelischen und körperlichen Krankheiten.
In der Therapie zeigt sich dann die Ambivalenz zwischen der großen Sehnsucht wieder mit sich selbst in Kontakt zu kommen, zu fühlen und zugleich die Angst davor. Wer viele Gefühle herunter geschluckt hat, muss diese erstmal wieder auskotzen. An den unterdrückten Gefühlen hängen oft schmerzliche Erfahrungen. Man will die Wut über das Nicht-verstanden-werden oder Nicht-gehört-werden nicht fühlen, die Scham über die Abwertung, die Trauer über den Verlust, die Schuldgefühle bei einer mangelnden Abgrenzungsfähigkeit. Dafür zahlen Menschen einen hohen Preis. Denn nicht nur die schwierigen Gefühle werden nicht mehr ausgedrückt, auch die schönen Gefühle bekommen keinen Raum mehr. Es ist nicht möglich nur die „positiven“ Gefühle wahrzunehmen. Entweder man dreht den Hahn auf oder zu. Der Fokus auf nur gute Gefühle ist eine Fixierung und damit neurotisch. Besonders in esoterischen und pseudospirituellen Kreisen ist die Fixierung auf das grenzenlose Glück, Liebe und Erfolg ein falsches Heilversprechen. Dabei geht die Lebendigkeit verloren, das Authentische und das Glaubhafte. Es wird immer etwas fehlen.
Wieder fühlen lernen, ist ein wichtiger Aspekt im therapeutischen Prozess. Je mehr von den verdrängten und traumatischen Gefühlen verarbeitet ist, desto freier, klarer und stimmiger werden Gefühle. So darf sich eine gesunde Wut, eine gesunde Scham, eine gesunde Trauer genauso zeigen wie eine gesunde Freude und eine gesunde Liebe.
  • Gefühle regulieren Beziehungen
  • Gefühle verhelfen zu Bewertungen
  • Gefühle stoßen Entscheidungen an, vor allem spontane Entscheidungen
  • Gefühle regulieren Intensität des Erlebens
  • Gefühle ermöglichen Prozesse und Veränderung

 

VERWIRRTE GEFÜHLE. DAS TRAUMA KEHRT WIEDER UND WIEDER.

Verwirrte Gefühle sind eng mit Traumaerfahrungen verbunden. Verwirrte Gefühle bringen uns nicht zu uns selbst und führen nicht zu einer Klarheit oder Orientierung. Im Gegenteil. Eine unverarbeitete traumatische Erfahrung kann immer wieder getriggert werden. Es folgen:

  • gesteigerte Angst
  • Panik
  • Gefühle der Verlassenheit
  • Gefühle der Gefühllosigkeit
  • Isolierung und Machtlosigkeit
  • Kontrollverlust
  • Gefühl, das Leben und die Welt sind außer Kontrolle
  • Taubheit und/oder Stimmungsschwankungen
  • Anfälligkeit für viele verschiedene Emotionen, wie Depression, Traurigkeit, Schuld, Wut, Frustration, Angst und Reizbarkeit

 

Hinzu kommen Herzklopfen, Schwitzen, Atemschwierigkeiten, Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafprobleme, etc.

Wir fühlen uns hilflos, kraftlos und ohnmächtig, wenn nicht genug innere und äußere Ressourcen zur Verfügung stehen. Häufig stehen dahinter kindliche traumatische Erfahrungen, die in aktuellen Situationen wieder zum Leben erweckt werden und uns von uns selbst trennen. Wir sind dann mehr mit dem Trauma verbunden als mit uns selbst. Unbewusst wird das Trauma festgehalten aus der Illusion heraus, man könnte es so kontrollieren oder in Schach halten. Jedoch ist das Gegenteil der Fall. Das Trauma trennt die Selbstverbindung, erzeugt Stress und macht handlungsunfähig.

Als Kind sind wir abhängig von der Präsenz und Fürsorge der Eltern. Um sich gesund zu entwickeln, brauchen Kinder Liebe, Vertrauen, Resonanz, Kontakt und Autonomie. Werden diese Kernbedürfnisse nicht erfüllt, weil Eltern selbst traumatisiert, bedürftig, nicht bei sich oder emotional nicht anwesend sind, bekommen Kinder existentielle Angst. Es entwickeln sich früh Überlebensstrategien aus Leistung, Perfektionismus, Kontrollverhalten, Emotionales nicht so nah an sich ran lassen oder Hochsensibilität. Das Verhalten ist Ausdruck einer mangelnden Autonomieentwicklung, einer fehlenden Grenze und traumatischen Stress.

Verwirrte Gefühle entstehen aus traumatischen Erfahrungen. Es braucht eine professionelle Begleitung, um das Trauma emotional zu distanzieren. Mit der gesunden Distanz und Desidentifikation wird der Stress nachverarbeitet und die Selbstverbindung wieder hergestellt. Mit der Selbstverbindung lösen sich die verwirrten Gefühle. Klarheit, Ruhe und Stabilität kehren wieder ein.

GEFÜHLE WIEDER FÜHLEN

Ein Großteil unseres Bestrebens liegt darin, Schmerzen zu vermeiden und der Wahrheit nicht ins Auge zu sehen. Dafür wird ein hoher Preis bezahlt – man kommt nicht bei sich selbst an, ist mehr im Aussen bei den Erwartungen von anderen, hat ein stärkeres Kompensationsverhalten, verstrickt sich in emotionalen Abhängigkeiten. Gefühle werden der Situation nicht mehr angemessen wahrgenommen. Sie sind zu viel oder zu wenig. Für einen authentischen Gefühlsausdruck müssen erstmal alle alten, unterdrückten, verdrängten Emotionen Raum bekommen und gefühlt werden. So darf sich alter Schmerz lösen und Gefühle verändern.

Wer durch den Schmerz geht, wird frei. Wer auf den Ausdruck von Gefühlen verzichtet und verdrängt, lässt die Fähigkeit degenerieren, Gefühle zu empfinden. Damit geht ein Selbstverlust einher. Der Kontakt mit den eigenen Gefühlen und Körperempfindungen stellt die Verbindung mit uns selbst wieder her. Mit der Anerkennung der eigenen gefühlten Wahrheit, wird Raum frei für klare Entscheidungen. Vielleicht trennt man sich von dem lieblosen Partner, kündigt die ausbeuterische Arbeitsstelle, erkennt die eigenen destruktiven Glaubenssätze, löst sich von den bedürftigen Eltern, kann einen Verlust loslassen und geht selbstbestimmt und selbstverantwortlich den eigenen Weg.

Gefühle zu erforschen, ist Teil eines therapeutischen Prozesses. Welches Gefühl taucht auf? Wie zeigt es sich im Körper? Woher kennt man das Gefühl? Was braucht es – Halt, Trost, Verständnis? Destruktive Gefühle sind von gesunden Gefühlen zu unterscheiden, die sich in einer gesunden Wut, gesunden Angst, gesunden Scham, gesunden Trauer zeigen.

  • Chronische Angst dient meist der Abwehr von unerträglichem Schmerz. Sie ist der Preis dafür, von diesem Schmerz nicht überrollt zu werden.
  • Ängste sind der Verräter an den eigenen Bedürfnissen. Zu lange wurden Bedürfnisse unterdrückt, nicht ausgedrückt und nicht befriedigt. Angst ist ein Blockadegefühl, die Entwicklung ist gestoppt und der Selbstkontakt verloren.
  • Schuldgefühle binden auf destruktive Weise an ein System. Es treten Schuldgefühle auf, wenn man sich von dem Familiensystem lösen möchte, da der Verlust der Zugehörigkeit droht. Schuldgefühle können Ausdruck eines unbewussten Abgrenzungsverbots sein.
  • Scham entsteht in destruktiven Beziehungen aus Beschämungserfahrungen. Man wurde abgewertet, manipuliert, missbraucht. Scham bezieht sich immer auf die ganze Persönlichkeit und stellt den eigenen Wert in Frage.
  • Wut stellt sich häufig ein, wenn der Fortbestand einer Bindung bedroht ist. Hinter einer Wut steht oft Trauer und eine enttäuschte Liebe. Hass entsteht aus einer verletzten Liebe.
  • Depressionen sind häufig mit einer ungelebten Trauer verbunden. Mit der Trauer und dem damit verbundenen Loslassen kann die Depression gehen.
  • Hochsensibilität ist eine Überlebensstrategie aufgrund traumatischer Erfahrungen. Es fehlt die gesunde Grenze. Dies gilt auch in Bezug auf ADHS-Syndrom, was eine Folge der Hochsensibilisierung ist.
  • Ekel taucht häufig bei sexuellen oder emotionalen Missbrauch auf.

 

PSYCHOSOMATIK – DIE ERSCHÖPFTE SEELE 

Psychosomatik kennt jeder, der unter einer belastenden Situation leidet: Herzklopfen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Unruhe, Durchfall, Müdigkeit, Migräne, Bluthochdruck, Verspannungen. Der Körper ist außer Balance geraten und es stehen keine Ressourcen mehr zu Verfügung, um Stress zu verarbeiten. Der Kontakt zu uns selbst ist blockiert. Oft zeigt es sich in weiteren Aussagen wie „Ich habe mich selbst verloren“, „Ich habe keine Vertrauen mehr in mich“, „Mir fehlt es an Selbstwertgefühl“, „Ich kann mich selbst nicht lieben“, „Tief im Inneren lehne ich mich ab.“

Betroffene haben häufig jahrelange Arztbesuche hinter sich, viele Heilverfahren ausprobiert und jede Menge Medikamente geschluckt. Manchmal gelingt der medizinische Therapieprozess, manchmal jedoch auch nicht. Wenn keine medizinischen Ursachen gefunden werden, können seelische Konflikte und insbesondere Traumata die Ursache sein.

Eine ganzheitliche Betrachtungsweise ist die Grundlage der Psychosomatik. Jede Erfahrung ist körperlich. Traurigkeit und Weinen geht nicht ohne Tränen, Stress nicht ohne körperliche Verspannung.

Symptome haben in der Regel eine lange Entstehungsgeschichte. Sie sind per se ein Paradoxon, da Symptome auf der einen Seite stören und auf der anderen Seite schützen. Daher ist die Funktionalität der Symptome in der Therapie wesentlich. Vor was schützt das Symptom? Das innere Festhalten an Symptomen ist der Ruf des inneren Kindes nach der elterlichen Fürsorge. Es macht auf den Mangel und auf traumatische Erfahrungen in der Kindheit aufmerksam. So kann sich in der Kindheit ein unbewusstes Stressornetzwerk bilden, was später im Erwachsenenleben zu körperlichen Symptomen führt. Der damals sinnvolle Schutzmechanismus wird später zu einer chronisch dysfunktionalen Fixierung.

Gestalttherapie ist durch den ganzheitlichen Ansatz bereits eine psychosomatische Methode par excellence.

Das Gefühl im Hier&Jetzt ist einer der wichtigsten Brücken zwischen seelischem und körperlichem Verstehen. Es braucht Zeit, Mut und den Willen zur Veränderung, um wieder ein seelisches Gleichgewicht herzustellen und festgefahrene Muster zu verändern. Das Lösen aus emotionalen Verstrickungen, das Loslassen der Vergangenheit und die Wiederherstellung des Kontakts mit sich selbst sind der selbstregulierende Weg. Was über Jahre entstanden ist, lässt sich nicht in ein paar Therapiesitzungen lösen, sondern wird Schicht für Schicht ins Bewusstsein geholt und integriert.

WENN DIE KINDHEIT KRANK MACHT 

NEUE FORSCHUNGEN

Neue Forschungen belegen den Zusammenhang zwischen traumatischen Erfahrungen und körperlichen Erkrankungen wie Krebs, Rheuma, Bluthochdruck, Diabetes, Adipositas, Morbus Crohn, Neurodermitis, Zysten, Borreliose, Multipler Sklerose, Alkoholsucht, Manisch-Depressiv, Essstörungen.

Traumata sind seelische Verletzungen, die Stress- und Schockreaktionen auslösen. Sie werden begleitet von Gefühlen der Ohnmacht, Kontrollverlust, Hilflosigkeit. Wenn nicht genügend Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Stress zu bewältigen, bleibt er im Körpergedächtnis und wirkt unbewusst auf Seele und Körper ein.

Die seelische Dauerbelastung löst Entzündungsprozesse aus, die immer mehr das Immunsystem schädigen.

Untersuchungen zeigen, dass chronischer Stress die Nervenaktivität der Amygdala dauerhaft befeuert und kontinuierlich Entzündungsstoffe produziert werden. So werden chronische Entzündungen im Körper angeregt, ohne das eine Infektion vorausgegangen sein muss. Allein der seelische Stress sorgt für die Entzündungsherde im Körper und die Schwächung des Immunsystems. Psychosomatische Beschwerden sind daher bereits mehr als ein Alarmsignal und manifestieren sich in Erkrankungen.

WOHER KOMMT CHRONISCHER STRESS?

Chronischer Stress oder auch traumatischer Stress liegt ursächlich größtenteils in der Kindheit. Als Kind ist man abhängig von den Eltern. Man muss das nehmen, was man vorfindet, hinterfragt es nicht und passt sich an. Man unternimmt extreme Anstrengungen, um die Kernbedürfnisse nach Liebe, Vertrauen, Kontakt, Resonanz und Autonomie erfüllt zu bekommen. Wenn Kinder immer wieder ins Leere laufen, entstehen Leere-Erfahrungen und Überlebensstrategien werden entwickelt. Sie sichern das Überleben, doch das Gefühl von Leben und Stabilität stellt sich nicht ein. Mit einer Überlebensstrategie ist immer der traumatische Stress verbunden. Daher ist es in Therapien wichtig, die Überlebensstrategien zu erkennen, zu würdigen und daran zu arbeiten, sie als Alltagsbegleiter loszulassen.

„Im Einklang zu sein mit den Eltern heißt zu nehmen, was man bekommen hat und auf das zu verzichten, was man nicht bekommen konnte. Erst die emotionale Annahme des Verzichts lässt die Seele wirklich frei werden. Solange wir unbewusst noch hoffen, von den Eltern das zu bekommen , was man vermisst hat – Liebe, Vertrauen, Kontakt, Resonanz, Autonomie – halten wir unbewusst die Eltern fest. Wir verstricken uns in Partnerschaften, die diese Bedürfnisse nicht erfüllen können und entwickeln seelische und körperliche Krankheiten, in der kindlichen Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Nähe und Zuneigung gefangen.“
Stephan Hauser, Experte für Symptom- und Körperaufstellungen

BEISPIELE AUS THERAPEUTISCHEN BEOBACHTUNGEN

In der Fachliteratur finden sich zahlreiche Beispiele für Zusammenhänge zwischen traumatischen Erfahrungen in der Kindheit und Krankheiten. Ich habe ein paar Beispiele (Stephan Hauser „Auch wenn es mich das Leben kostet“) aufgeführt, die jedoch nicht als Verallgemeinerungen zu verstehen sind. Jeder Mensch hat andere Erfahrungen und verarbeitet Stress auch anders, daher muss im jedem einzelnen Fall geforscht werden, was der familiäre Hintergrund und die seelische Verstrickung sein könnte. Unheilbare Erkrankungen lassen sich auch nicht mit Psychotherapie heilen, aber die Seele kann Ruhe finden. Durch einen gelassenen und souveränen Umgang mit Krankheit wird der Stress reduziert und das Lebensgefühl steigt.

Patientin mit Zahnproblemen
Symptomatik: hohe Sensibilität an den Zähnen, wiederkehrende Entzündungen, Zähne waren schon immer ein Problem
Traumaursache: Identifikation mit der älteren Schwester des Vaters, die mit drei Jahren an einer Gehirnhautentzündung gestorben ist und darüber in der Familie geschwiegen wurde

Patientin mit Dystonie (Bewegungsstörung)
Symptomatik:15 Jahre Schiefhals und Krämpfe
Traumaursache: Abtreibung mit 17 Jahren durch Zwang der Mutter, Verlust- und Abtreibungstrauma der Patientin

Patientin mit Asthma
Symptomatik: Erstickungsanfälle
Traumaursache: Geburtstrauma, die Angst bei der Geburt zu sterben, Kaiserschnitt und Brutkasten. Zusätzliche Belastung der Mutter in der Schwangerschaft durch den Tod des Vaters der Mutter.

Patient mit Bluthochdruck
Symptomatik: 35-Jähriger leidet drei Jahre unter Bluthochdruck
Traumaursache: Vater hat die Familie verlassen als der Patient 17 Jahre alt war. Er hat die Rolle des Vaters übernommen. Die Liebe zu seinem Vater hat er aus Liebe zu seiner Mutter unterdrückt und zurückgehalten

Aus systemischer Sicht stehen berufliche Themen häufig im Zusammenhang mit der Beziehung zum Vater. Bei Bluthochdruckpatienten zeigen sich als hintergründige Familiendynamik oft eine Liebe, die zurückgehalten wird oder werden muss.

Patientin mit Drehschwindel
Symptomatik: Erkrankung im Innenohr und Schwindelanfälle
Traumaursache: Mutter der Patientin hat zwei Kinder verloren. Durch das Verlusttrauma war die Mutter emotional nicht mehr für die Patientin erreichbar.
Die hilfebedürftige Symptomatik des Schwindels war ein unbewusster Ausdruck einer Sehnsucht nach Nähe, Geborgenheit und Halt von der Mutter

Patientin mit Morbus Crohn
Symptomatik: Darmentzündung
Traumaursache: Verlusttrauma der Mutter. Sie hatte ihre Eltern verloren und der Vater war alkoholkrank. Die Patientin konnte keinen Kontakt zur Mutter herstellen ohne nicht von dem Trauma überwältigt zur werden und verzichtete auf die Nähe der Mutter.

Bei Morbus-Crohn Patienten konnte beobachtet werden, dass die Mutter der Patienten entweder an ihre Herkunftsfamilie, an einen früheren Partner oder auch an ein verlorenes oder abgetriebenes Kind gebunden war. Diese Bindung belastete die Bindung der Patienten an die Mutter. Die Sehnsucht nach der Nähe zur Mutter muss aufgegeben werden, um mit dem in Einklang zu kommen, was war.

In der systemischen Arbeit zeigen sich beispielsweise bei Depressivität, dass Menschen nicht möglich war oder erlaubt wurde, einen Elternteil oder beide in ihr Herz zu nehmen. Dies führt zu dem von Depressiven häufig empfundenen Grundgefühl verlassen und innerlich leer zu sein. Der Ursprung dafür liegt oft bereits in einer frühkindlichen Bindungsstörung, auch wenn das depressive Verhalten sich mit erst in einer späteren Lebensphase zeigt. (Prof. Dr. Franz Ruppert, System- und Traumatherapeut)

WIE LÄUFT EIN THERAPIEPROZESS AB? 

Inzwischen kombiniere ich immer öfters die Online-Autonomie-Aufstellungen mit Einzelsitzung Gestalttherapie als Therapieplan. Insbesondere bei körperlichen Symptomen, Bindungs- und Beziehungsschwierigkeiten sowie frühen traumatischen Erfahrungen erweist sich die Kombination als besonders wirksam.

Mit den Aufstellungen wird an der inneren Struktur gearbeitet, die notwendig ist, um Stress nachzuverarbeiten und in Zukunft besser mit Stress umzugehen – ohne Symptome zu entwickeln. Im gestalttherapeutischen Arbeiten wird die Wahrnehmung des Körpers und der Gefühle geschult, um einen Raum auch für die verdrängten schwierigen Gefühle zu schaffen. Durch die Praxis der Achtsamkeit entsteht Schritt für Schritt ein sicherer Umgang mit schwierigen Gefühlen. Man macht die Erfahrung, dass schwierige Gefühle kommen und gehen. Die Angst vor der Angst darf sich nach und nach lösen, wenn schmerzliche Gefühle gefühlt werden anstatt verdrängt.

Heilungsprozesse entstehen durch das „Bonding“ mit dem verlorenen inneren Kind.

Oft wird das kindliche Selbst verwechselt mit dem Schweren in der Kindheit und findet kein Gehör. So wird wiederholt die Erfahrung gemacht, Nicht-gesehen und Nicht-gehört zu werden. Es treten innere Widersprüche und verwirrte Gefühle auf, die die Selbstentfremdung zwischen den Selbstanteilen aufrechterhalten. So entsteht eine Abkoppelung von Emotionen, ein Sucht- und selbstzerstörerisches Verhalten sowie ein Hin- und Herschwanken zwischen Verletzlichkeit und Kontrolle, Liebe und Hass, Nähe und Distanz, Scham und Stolz. Es besteht ein großes Verlangen geliebt zu werden, sich geborgen und willkommen zu fühlen und zugleich unsichtbar zu sein. Doch passiert es immer wieder, dass man sich ängstlich an andere klammert, um sie dann wieder wegzustoßen. Selbsthass und wenig Toleranz für die Fehler anderer sind Teil des Ausdrucks der inneren Spaltung. Die innere Spaltung wird durch den therapeutischen Aufbau der Beziehungen zwischen den Selbstanteilen überwunden.

Der Kontakt mit dem erwachsenen/wahren Selbst schafft den sicheren Raum für unser kindliches Selbst. Die Bedürftigkeit und unser Potential der kindlichen Selbstanteile brauchen unsere Aufmerksamkeit. So kann sich eine Beziehung zu unseren Selbstanteilen aufbauen, die den therapeutischen Prozess im Sinne der Selbstheilung, Selbstbestimmung und Selbstermächtigung folgen.

Mit der therapeutischen Arbeit wird nach und nach der Raum und die Sicherheit geschaffen, schwierige Emotionen zu bewältigen und zu lösen. Es können sich Schritt für Schritt die emotionalen Ursachen für Belastungen zeigen und bearbeitet werden.

WAS KANN THERAPIE LEISTEN?

Im besten Fall kann Therapie die Seele wieder ins Gleichgewicht bringen, die Autonomie stärken und die Selbstheilungskräfte aktivieren. Damit verbunden ist die Selbstintegration, das Ankommen bei sich selbst. Jeder Mensch spürt sehr genau, ob er mit sich verbunden ist oder nicht. Die Sehnsucht nach Selbstvertrauen, Selbstverbindung, Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl und Selbstliebe ist groß.

Wie die Begriffe zeigen, handelt es sich immer um einen Beziehungsaspekt. Die Beziehung zwischen unserem ICH und unserem wahren SELBST. Zugleich spiegeln sie die fünf Kernbedürfnisse in der Kindheit wider:

VERTRAUEN: Ich vertraue mir selbst.

KONTAKT: Ich bin mit mir selbst verbunden.

AUTONOMIE: Ich bin mir meiner selbst bewusst.

RESONANZ: Ich bekomme, was ich brauche.

LIEBE: Ich liebe mich selbst.

Therapie kann nur Zugänge öffnen und Erklärungsangebote für Symptome machen. Jeder Klient entscheidet selbst, an welchen Themen er/sie arbeitet, was zu vertiefen und was im Moment offen bleiben kann oder sogar muss.

Eine Faustregel ist: körperliche Symptome sind oft Trauma-Erinnerungen.

Infos zu den Online-Autonomie-Aufstellungen hier

NEUROBIOLOGISCHE EBENE & TRAUMATISCHER STRESS

Auf der neurobiologischen Ebene ist das therapeutische Ziel die Gedächtnisrekonsolidierung. Durch traumatischen Erfahrungen werden die Selbstanteile fragmentiert, d.h. die gesunden Selbstanteile abgespalten. Es bilden sich Überlebensstrategien, die für den Zeitpunkt oder Zeitspanne der traumatischen Erfahrung existentiell waren, aber in aktuellen Situationen oder Beziehungen sich als destruktiv und anstrengend erweisen. An jeder Überlebensstrategie hängt der traumatische Stress.

Traumata sind Stressoren und werden als Ursache für eine gestörte Entwicklung der Autonomie gesehen. Die Fähigkeit, sich von anderen ohne Schuldgefühle abgrenzen zu können, andere Menschen nicht für eigene Bedürfnisse zu missbrauchen oder nicht missbraucht zu werden und sich selbst als vollständig wahrzunehmen, ist wenig bis gar nicht vorhanden. Als Kompensation für die mangelnde Autonomie werden destruktive Symbiosemuster entwickelt, die emotionale Abhängigkeiten schaffen und unfrei machen. Die Wahrnehmung und Erfüllung der eigenen Bedürfnisse ist blockiert.

Für die Integration der Selbstanteile und Entwicklung der Autonomie braucht es eine innere Grenze, die den eigenen Raum schützt und die Traumata als Erinnerung in der Vergangenheit speichert.

GEDÄCHTNISREKONSOLIDIERUNG ALS SELBSTHEILUNGSPROZESS

Das Gehirn hat bis ins hohe Alter die Fähigkeit, frühere als Erinnerung gespeicherte Traumata zu löschen.

Neue Forschungen aus der Epigenetik zeigen:
„Die gute Nachricht ist, dass eine erfolgreiche traumapsychotherapeutische Behandlung zwar nicht die Sequenz des Genom verändert, wohl aber heilend bis in die epigenetischen Mechanismen der Stressregulierung und die Reparatur der DNA hineinwirkt.“
(Morath 2014: Effects of Psychotherapy on DNA Strand Break Accumulation Originating from Traumatic Stress).

Unbewältigte Traumata sind Fehlspeicherungen im Gehirn. Die gesunde Distanz zum Erlebten fehlt und kann daher immer wieder getriggert werden. Der Aufbau einer gesunden Distanz durch eine Abspeicherung in der Vergangenheit ist therapeutisch wichtig. „Vieles, was wir erleben haben, ist unbewusst als Reaktionsmuster unserer Körpers auf bestimmet Ereignisse gespeichert. Deshalb können auch vorgeburtliche Erfahrungen erinnert werden, z.b. ein Abtreibungsversuch, künstliche Befruchtungen, ungewollte Schwangerschaft. Die Tatsache, dass wir uns nicht bewusst erinnern, bedeutet nicht, dass wir es nicht erlebt haben.“

DAS LEBEN GESTALTEN

Inzwischen habe ich meinen zweiten Geburtstag im Lockdown verbracht. In der Lebensmitte angekommen und herausgefordert durch die anhaltende Corona-Pandemie, stelle ich mir erneut die Fragen, was die wahren Bedürfnisse sind und inwieweit man sich von den äußeren Bedingungen beeinflussen lässt, um das eigene Leben zu gestalten. Den Impuls dazu hat mir einer meiner Ausbilder gegeben, der vor zwei Wochen geschrieben hat:

„Liebe Freunde, liebe Kolleg*innen,
wenn ich heute mit 80 Jahren auf mein Leben zurück blicke, erfüllt mich eine tiefe Dankbarkeit.

Dank an meine Eltern
Im Sommer 1940 befand sich Deutschland in Krieg. Bevölkerungsgruppen wurden vom Nazi-Regime unterdrückt, verfolgt und vernichtet – darunter auch Bekannte und Freunde meiner Eltern. Die Zukunft war ungewiss. Ein Kind in diese verwirrte und gefährdete Welt zu setzen spricht für Mut und Vertrauen. Dafür danke ich meinen Eltern. Diesen Mut und dies Vertrauen brauchen wir auch heute.

Als ich vor 40 Jahren die Vision von einer Therapie hatte, konnte ich nicht ahnen, dass diese Vision sich erfüllen wird. Das ist ein weiterer Grund dafür dankbar zu sein.“

Die Worte haben mich berührt. Sie schenken Mut, sich selbst treu zu bleiben und auch unter widrigen Umständen die eigenen Ziele und Vision nicht aufzugeben.

SICH SELBST AM HERZEN LIEGEN

Wie oft richten wir am Tag die Aufmerksamkeit auf unsere Umwelt? Auf die Bedürfnisse und Erwartungen von anderen? Wir machen uns Druck, Stress und haben vielleicht auch Schuldgefühle, wenn wir nicht so „funktionieren“, wie wir glauben, dass andere uns haben wollen. Dafür zahlen wir ein hohen Preis, der zu Energieverlust und Abhängigkeit führt anstatt zu einer inneren Balance und Freiheit.

Wenn wir immer nur den Blick nach außen werfen, verlieren wir Stück für den Stück den Blick auf uns selbst. Ganz allmählich, schleichend, werden wir immer abhängiger von anderen Menschen: was sie denken, was sie fühlen, was sie erwarten, was sie brauchen. Oft verbunden mit der Hoffung, selbst gesehen und gehört zu werden.

Schließe für einen Moment die Augen und richte den Blick nach innen.
Was brauchst du gerade jetzt?

Um einen gesunden Energielevel zu erreichen, braucht es den Fluß von Geben und Nehmen und die Frage, was die eigenen wahren Bedürfnisse sind. Manchmal kann das vielleicht irritierend sein, weil man die Frage so selten an sich selbst richtet. Manchmal ist es auch verwirrend oder kann Schamgefühle hervorrufen, weil man es einfach nicht weiß. Daher nicht gleich wegrennen. Richte mit Geduld und Mitgefühl den Blick nach innen. Es ist nicht immer leicht, seine wirklichen Bedürfnisse zu spüren. So viele „Sollest“ und „Müsste“ stehen im Weg, die den Kontakt zu den wahren Bedürfnissen verstellen.

Manchmal sind die wahren Bedürfnisse überlagert und es kommt zu vorschnellen Bedürfnisbefriedigungen. Dazu zählen Konsumverhalten, wie Alkohol, Zigaretten, Shoppen, Medienkonsum. All dies bringt kurzfristig eine Entspannung, hat jedoch in der Regel wenig nachhaltigen Effekt. Es ist eher der Impuls, schwierige Gefühle erst gar nicht aufkommen zu lassen und sie mit übereilter Bedürfnisbefriedigung zu betäuben oder zu verdrängen.

Schwierige Gefühle sind jedoch ein Signal, ein Hinweis auf unseren wahren Bedürfnisse, die nicht erfüllt sind. Das Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse ist ein Prozess. Manchmal auch verbunden mit Angst, Scham und Schuldgefühlen. Zu oft hat man sich vielleicht verbiegen müssen oder hat sich angepasst. Man durfte das Eigene, das Individuelle nicht leben und nicht zeigen.

Das Spüren und Erfüllen der wahren Bedürfnisse bereitet tiefste Freude. Es nährt sprichwörtlich Seele und Herz. Wir werden plötzlich ruhig anstatt getrieben, klarer anstatt verwirrt, freudvoller anstatt ängstlich.

VON DER FREMDABHÄNGIGKEIT ZUR SELBSTABHÄNGIGKEIT

Abhängigkeit ist oft sehr negativ besetzt. Vermutlich liegt es daran, dass so viele Menschen eine ungesunde Form der Abhängigkeit erlebt haben, die auf Druck, Stress, Erwartungen, Abwertungen, Anpassung, Angst und Schuldgefühlen beruht.

Als Kind sind wir abhängig von unseren Eltern. Wir sind darauf angewiesen, dass wir gehört, gesehen und in unseren Bedürfnissen gespiegelt werden. Wenn die Grundbedürfnisse nach elterlicher Resonanz, Kontakt, Vertrauen, Nähe, Liebe nicht erfüllt werden, kommen Kinder in emotionalen/ traumatischen Stress und entwickeln Überlebensstrategien wie Anpassung, Abspaltung der Bedürfnisse, Perfektionismus, Kontrollverhalten, Aktionismus, Rationalität, Funktionieren, Nicht-Fühlen. Die Überlebensstrategien sichern das Leben, aber trennen von dem positiven sicheren Lebensgefühl – der Lebensfreude, der Selbstliebe und des Urvertrauens.

Je nach den traumatischen Stresserfahrungen in der Kindheit kann eine zunehmende Selbstentfremdung entstehen, die sich in den Gefühlen äußert, wie „Ich bin nicht bei mir“, „Ich weiß nicht, was ich fühle“, „Ich fühle mich außerhalb von meinem Körper“, „Ich kann mir selbst nicht vertrauen“, „Ich bin falsch“, …
Man fühlt sich unsicher in sich selbst und sucht im Außen nach Sicherheit. Die Erfahrungen aus einem Trauma suggerieren „Unsere Empfindungen haben ihren Ursprung nicht ins uns selbst. Andere Menschen bewirken, dass es uns schlecht geht, und nur andere Menschen können bewirken, dass es uns gut geht.“ (Trauma-Ausbilderin im Forschungscenter Massachusetts)

So kann eine traumatische Erfahrungen in eine emotionale Abhängigkeit führen, die sich destruktiven anstatt in konstruktiven Abhängigkeiten äußert. Die traumatisierten kindlichen Anteile können sich durch den entstandenen Stress nicht weiterentwickeln. Es bleiben unerfüllte Sehnsüchte in Bezug auf die Eltern, die unbewusst weiter im Außen gesucht werden, auch wenn man bereits erwachsen ist. So werden die kindlichen Bedürfnisse auf Partner oder Arbeitskollegen projiziert, die mit den hohen Erwartungen überfordert sind und innerlich auf Abstand gehen. Dies wiederum erfährt man als Kränkung oder Ablehnung und nährt den Selbstzweifel. Die Negativ-Spirale in eine Fremdabhängigkeit beginnt.

In der Therapie führt der Weg weg von der Fremdabhängigkeit hin zu sich selbst – in die Selbstbestimmung, Selbstermächtigung, Selbstabhängigkeit. Die Stärkung des wahren Selbst/ erwachsenen Selbst öffnet den Raum für den eigenen kindlichen Anteil. Dem kindlichen Anteil, der Kontrollverlust, Ohnmacht, Hilflosigkeit erfahren hat, steht allmählich ein erwachsenes inneres Selbst gegenüber, dass genau diese Bedürfnisse erfüllen kann. So entsteht emotionale Unabhängigkeit, die wiederum erst eine Begegnung auf Augenhöhe und eine konstruktive Abhängigkeit zu Anderen ermöglicht.

STRESSORBASIERTE PSYCHOTHERAPIE

In der Therapie verwende ich sehr häufig den Begriff des Traumas. Das mag vielleicht erstmal etwas irritiertend sein. Manchmal löst es vielleicht auch Widerstand aus, sich selbst damit in Verbindung zu bringen.

Traumata werden als Ursache für eine gestörte Entwicklung der Autonomie gesehen. Die Fähigkeit, sich von anderen ohne Schuldgefühle abgrenzen zu können, andere Menschen nicht für eigene Bedürfnisse zu missbrauchen oder nicht missbraucht zu werden und sich selbst als vollständig wahrzunehmen, sind Aspekte einer Autonomie-Entwicklung. Als Kompensation für die mangelnde Autonomie werden destruktive Symbiosemuster entwickelt, die emotionale Abhängigkeiten schaffen. Die Wahrnehmung und Erfüllung der eigenen Bedürfnisse ist blockiert.

Für die Integration der Selbstanteile und Entwicklung der Autonomie braucht es eine innere Grenze, die den eigenen Raum schützt und unbewusst wirkende Traumata/ Stressoren entfernt.

Ein Trauma ist auf einer biologischen Ebene unbewältigter Stress.

Sobald wir Stress erfahren und nicht genug Ressourcen zur Verfügung haben, um diesen zu verarbeiten, bleibt er im Körper „liegen“. Unverarbeiteter Stress bildet auf Dauer ein Stressornetzwerk. Dieses innere Stressornetzwerk zeigt sich in den Überlebensstrategien und in den alltäglichen Triggern. Die emotionale Ladung dahinter ist noch nicht verarbeitet und ruft die gleichen Gefühle von Hilflosigkeit, Ohnmacht, Kontrollverlust wie zum Entstehungszeitpunkt hervor. Es gibt noch keine Differenzierung der Zeit – zwischen damals und heute. Gefühlt findet alles jetzt statt.

In der stressorbasierten Therapie, die ich mit der Gestalttherapie verbinde, ist das Ziel, die unbewussten und verdrängten Stressoren ausfindig zu machen und den Stress nachzuverarbeiten. Dadurch wird die emotionale Ladung auf der neurobiologischen Ebene gelöscht und der Mensch erlebt nach und nach mehr innere Ruhe und Stabilität. Dadurch wird der eigene Handlungsspielraum erweitert und sich wiederholende Muster aufgebrochen.

Der Aufbau der Beziehung zu sich selbst durch die Beziehung der Selbstanteile, bringt die Selbstregulation in Gang. Es ist das angeborene Streben des Körpers nach Vollständigkeit und Ganzheit, wenn er aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die Erfahrung der Selbstregulation lässt das Selbstvertrauen wachsen, führt von der Ohnmacht zur Selbstermächtigung und von der Hilflosigkeit zur Freiheit.

Dies ist ein neuer und innovativer Ansatz in der Psychotherapie, der sich aus den neurobiologischen Forschungen ergeben hat. Das Gehirn hat bis ins hohe Alter die Fähigkeit, frühere als Erinnerung gespeicherte Traumata zu löschen. (Kindertraumatherapeut Thomas Hensel)

Eine Belastungserfahrung kann einen subjektiv bedeutsamen Stressor entstehen lassen. Bildlich gesprochen entsteht ein psychosomatisch wirksamer Entzündungsherd. Dieser zeigt sich in körperlichen Symptomen und seelischem Leid. Ziel ist es, die Stressoren zu identifizieren und sich dann von ihnen durch den Aufbau einer gesunden Grenze zu distanzieren. Stress kann immer nur Schicht für Schicht verarbeitet werden. Daher brauchen Psychotherapien auch ihre Zeit. Was über Jahre entstanden ist, lässt sich nicht in ein paar Wochen auflösen. Die Seele gibt immer nur soviel preis, wie auch verarbeitet werden kann.

Das Autonomie-Diagramm, welches ich zu Beginn einer Therapie gerne ausfüllen lasse, gibt erste Hinweise auf unverarbeiteten Stress und vorhandene destruktive Symbiosemuster, die die Autonomieentwicklung und damit die Stressbewältigung blockieren.

VON DER SELBSTENTFREMDUNG ZUR SELBSTVERBINDUNG 

Niedergeschlagenheit, depressive Phasen, Ängste und auch psychosomatische Beschwerden wie Migräne, Verspannungen, Bauchschmerzen, zu viel oder zu wenig Essen gehen mit einer mangelnden Selbstverbindung einher. Der Kontakt zu sich selbst ist brüchig oder nicht mehr spürbar. Die Grenze zwischen dem eigenen Selbst und anderen verschwimmt. Die Aufmerksamkeit ist mehr auf die Erwartungen, Vorstellungen oder Meinungen von anderen gerichtet als auf das Eigene. Bewusst oder unbewusst ist man mit bestimmten Rollen identifiziert. Eine Überidentifikation mit der Arbeit führt auf Dauer zum Burnout, da die Grenzen nicht mehr klar wahrgenommen werden.

Je mehr die Aufmerksamkeit im Außen liegt, desto stärker wird die emotionale Abhängigkeit, die über kurz oder lang zur Selbstentfremdung führt. Selbstentfremdung bringt Menschen weg von ihren Gefühlen, ihren Bedürfnissen und ihrer Lebenskraft.

Der Überlebensmodus durch Funktionieren, Perfektionismus, Aktionismus, Kontrolle, Leistungsorientierung, Anpassung und Größenphantasien erzeugt enormen Stress. Wie ein Getriebensein wird der Alltag erlebt, der nie zur emotionalen Fülle beiträgt, sondern die Leere oder Mangelerleben immer weiter nährt.

Der Mensch hat immer die Sehnsucht nach Vollständigkeit. In der Verbindung mit sich selbst – dem wahren Selbst – erlebt jeder Mensch seine Vollständigkeit, innere Fülle und Kraft. Das wahre Selbst ist unabhängig und frei, muss nichts leisten, um geliebt zu werden und spürt den Wert in sich selbst. Das wahre Selbst ist der unzerstörbare innere Kern, den jeder Mensch in sich trägt.

Die Selbstverbindung ist der Weg, seelische und psychosomatische Beschwerden aufzulösen.

DAS FALSCHE SELBST ALS ÜBERLEBENSSTRATEGIE 

Das falsche Selbst agiert aus dem Überlebensmodus. Hier sind die Überlebensstrategien und Glaubenssätze beheimatet. Sie entstehen aus eigenen oder übernommenen Traumata. Der Verlust eines Menschen kann so tief gehen, dass die Seele nicht mehr erreichbar ist. Kinder laufen bei Eltern emotional ins Leere, wenn diese die Verstorbenen in ihrer Seele unbewusst festhalten. Kinder strengen sich über die Maßen an, um gesehen und gehört zu werden. Meistens ohne jemals die Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen, die sie gebraucht hätten. Oder es entstehen Glaubenssätze wie „Ich brauche niemanden“, „Ich muss perfekt sein“, „Immer werde ich enttäuscht.“ Der Kontakt zum eigenen wahren Selbst geht verloren und es entsteht ein falsches Selbst.

Das falsche Selbst zeigt sich in Verhaltensweisen, wie einer übermäßigen Stärke und Dominanz, manischen Phasen, narzisstischem Drang, maßlose Wut, Bindungsangst, umherirrender Geist und in negativen Glaubenssätzen über sich selbst. Das falsche Selbst ist immer mit Stressoren und unverarbeiteten Stress verbunden.

Menschen mit einem gesunden Selbstverbindung und gesunder Selbstliebe wissen, dass sie nicht perfekt sein müssen, dass sie anderen nicht überlegen sein müssen oder sie dominieren müssen. Sie dürfen Fehler machen und haben trotzdem das sichere Gefühl wertvoll zu sein. Sie müssen andere nicht beeindrucken und Bewunderung erfahren oder andere idealisieren. Sie leben aus sich selbst heraus – frei, authentisch, unabhängig.

DIE CORONA-KRISE ALS TRIGGER FÜR FRÜHERE TRAUMATA 

Seit fast einem Jahr sind Menschen gezwungen sich aus dem Weg zu gehen, Distanz zu halten und mit all den Sorgen und Nöten emotional fertig zu werden. Damit wird die Corona-Krise automatisch zum Trigger für frühere Traumata, die bislang verdrängt wurden und jetzt reaktiviert werden können. Trigger sind Auslöser und Hinweisreize, die unverarbeitete schwierige Erfahrungen wieder in das gegenwärtige bewusste Erleben bringen.

Der Eingriff von außen auf das Leben und die stärker wahrgenommene Fremdbestimmung rücken Gefühle von Ohnmacht, Hilflosigkeit und Kontrollverlust in den Vordergrund. Belastende Erfahrungen aus der Kindheit, die aus dem Gedächtnis verbannt wurden, können dadurch wieder aktiviert werden und führen damit zu seelischen Beschwerden oder zu körperlichen Symptomen.

Durch die Einschränkungen des Alltags in der Corona-Krise können Kompensationsmuster nicht mehr ausgelebt werden, die im Laufe des Lebens entstanden sind, um die überwältigenden Gefühle von damals nicht zu fühlen. Oder die bis dato aufgebauten Kompensationsmuster funktionieren nicht mehr wie gewohnt und bringen die Seele durcheinander.

Spürbar wird, wie fragil die eigenen Kompensationsmuster eigentlich sind, die als Überlebensstrategien zwar das Überleben sichern, aber kein Leben ermöglichen.

Überlebensstrategien sind immer verbunden mit unbewussten oder bewussten Stress. Das kann zu Bluthochdruck, Nervosität, Unruhe, Schlafstörungen, Verspannungen, Verdauungsproblemen, schwierigem Essverhalten, etc führen. All dies sind letztlich Symptome, die auf den unverarbeiteten Stress aufmerksam machen. Oftmals ist dieser Stress in der Kindheit entstanden und wird durch aktuelle Konflikte und Krisen, sogenannte Trigger, reaktiviert. Die Grenzen zwischen den verdrängten Erfahrungen von damals und heute sind nicht vorhanden. Die ganze Wucht der Gefühle überschwemmt die Seele. Die weitere Verdrängung führt zu weiteren Symptomen.

REVUE: EIN JAHR ONLINE-AUTONOMIE-AUFSTELLUNGEN

Ein Jahr arbeite ich nun schon intensiv mit den Online-Autonomie-Aufstellungen. Entweder als eigenständigen Prozess oder in Kombination bzw. Wechsel mit den klassischen 50-Min-Settings. Die Erfahrungen sind durchweg positiv und effektiv. Bereits nach den ersten Aufstellungen sind Entlastungen spürbar. Klienten berichten, wie sie wieder mit sich selbst im Kontakt sind und sich freier und unabhängiger fühlen.

Die Aufstellungsmethode arbeitet an der Ich-Struktur:

  • Aufbau eines gesunden inneren Distanz und eigenen Raums
  • Stärkung der Selbstverbindung
  • emotionale Distanzierung und Nachbearbeitung von traumatischen Stress

 

Der zugrunde liegende Lösungsalgorithmus basiert auf dem Ansatz der Gedächtnisrekonsolidierung (Thomas Hensel, Stressorbasierte Psychotherapie). Die neueren Forschungen belegen, dass das Gedächtnis auch nach traumatischen Erfahrungen reversibel ist, was frühere Traumaansätze nicht berücksichtigen. Damit eröffnen sich ganz neue Perspektiven auf die Bewältigung von Traumata und emotionale Entlastung von Stresserleben.

DANKE FÜR DIE ERFAHRUNGSBERICHTE ❤︎

Ich möchte mich herzlich für die Erfahrungsberichte bedanken und freue mich, diese teilen zu dürfen:

Klientin: „Die Autonomie-Aufstellung hat mir dazu verholfen, die Sicht auf eingefahrene Muster zu verändern, zu reflektieren, was hinter langjährigen Abwehr- und Überlebensmechanismen steckt und wie ich in weiterer Folge in Momenten, die mich triggern, bestmöglich bei mir und mit mir verbunden bleiben kann. Es ist eine tolle Möglichkeit, um einen wertfreien Blick auf emotional behaftete Themen zu gewinnen und ein guter, wichtiger Weg um alte Wunden heilen zu lassen. Fr. Belke geht mit ihrer einfühlsamen Art und Weise verständnisvoll und achtsam mit den zu bearbeiteten Themen um und lenkt durch gezielte Fragestellungen dazu an, lösungsorientiert zu denken und selbstständige Erkenntnisse zu gewinnen.“

Klient: „Mithilfe der durch Dr. Belke durchgeführten Autonomieaufstellung hat mein inneres Ich es geschafft sich abgrenzen zu lernen und das ganz ohne schlechtes Gewissen und Schuldgefühle. Am Anfang war ich etwas skeptisch und hab mir eigentlich nicht vorstellen können, dass das zu diesem Erfolg führen kann. Ich habe Autonomieaufstellungen im beruflichen als auch im familiären Umfeld mit Dr. Belke durchgearbeitet und muss sagen, dass ich wirklich begeistert davon bin. Der Effekt ist nachhaltig und geht wirklich tief, die belastenden toxischen Verbindungen konnten für mich aufgelöst werden und der daraus resultierende Schmerz war sehr bald darauf nicht mehr zu spüren. Ich habe insgesamt das Gefühl, dass ich wieder freier und mehr bei mir selbst bin. Mir hat das wirklich sehr geholfen.“

Klientin: „Seitdem ich mit Julia zu arbeiten begonnen habe, fühle ich mich vollständiger, präsenter und bin „mehr bei mir“. Diese Wahrnehmung stimmt sehr gut mit den sich über den Lauf der Zeit veränderten Ergebnissen der Autonomie-Aufstellung überein: In den Punkten, in denen ich zu Beginn der Arbeit weiter von mir entfernt war, zeigt sich jetzt mehr Übereinstimmung mit mir und ein gesundes Verhältnis zu „meinen Anteilen“. Es hat mir sehr beim Verstehen geholfen und mich stolz gemacht, meine Empfindungen über meinen veränderten Zustand klar in Form der Autonomie-Aufstellung zu sehen.“

ACHTSAMKEIT – SCHATZSUCHE IM ALLTAG

So langsam zeigen sich die ersten Sonnenstrahlen, die die Zuversicht im Herzen wachsen lassen. Das Gesicht kurz in der Sonne wärmen, ein Duft von Frühling und ein Lächeln im Vorbeigehen von einem Unbekannten, können Schätze des Alltags sein.

Die Krise fordert allen Menschen viel ab – Geduld, Einsamkeit, Monotonie, Ängste und Sorgen. Viele erleben den Alltag als Tretmühle und als eine Last. Umso mehr sind wir auf die Momente des Glücks, des inneren Friedens und der Hoffnung angewiesen. Jeder Mensch hat seine eigenen Schätze des Alltags. Es ist die Einladung bewusst diese zu erleben und ins Schatzkästchen des Herzens zu legen.

Achtsamkeit kann helfen, die Schätze des Alltags zu erkennen und zu genießen. Achtsamkeit ist nicht nur das Bild von einem meditierenden Menschen, der sich in Stille und Abgeschiedenheit zurück zieht. Achtsamkeit ist die bewusste Lenkung der Aufmerksamkeit auf das Hier & Jetzt, der Einsatz unserer Sinne und sich zu erden.

Achtsamkeit ist Beziehung. Wir gehen in Beziehung mit uns selbst und mit unserer Umgebung. Indem wir bewusst wahrnehmen, gehen wir Kontakt. Wir stellen eine Verbindung her zu unseren Gefühlen, unserer Wahrnehmung, zu der Natur, zu den Tieren, zu den Menschen. Jeder Gruß und jedes Lächeln ist ein Akt der Beziehung.

RELATIONALE ACHTSAMKEIT

Gerade durch die strikten Maßnahmen des Social Distancing kann insbesondere die relationale Achtsamkeit unterstützend wirken. Achtsamkeit wird oft gleichsetzt mit „Bei-sich-sein“ oder „Bei-sich-bleiben“. Dies ist auch ein wichtiger Teil der Achtsamkeit und ein Schlüssel für ein intensiveres Leben. Doch möchte ich die Aufmerksamkeit aktuell auf die relationale Achtsamkeit, auf Beziehungen, in den Fokus rücken.

Relationale Achtsamkeit richtet sich auf unsere Umwelt und Interaktionen. Alle Menschen sind relationale Wesen, wir entwickeln uns nur im Kontakt mit unserer Umwelt. Daher ist es umso spannender genau diesen Teil der Achtsamkeit bewusst zu machen. Dabei geht es nicht nur um die zwischenmenschlichen Kontakte, sondern auch um den Kontakt zu unserer Umwelt – den Stuhl, auf dem wir sitzen, den Baum, den wir anschauen, das brennende Teelicht, das wir sehen, den Vogel, den wir hören ….

Achtsamkeit wird häufig nur über das körperliche Spüren oder die Wahrnehmung mentaler Prozesse gelehrt. Jedoch ist dies oft problematisch, insbesondere für Menschen mit seelischen Schwierigkeiten. Sie spüren zu wenig, werden verwirrt oder es werden problematische Assoziationen getriggert. Manchmal findet eine starke Selbstabwertung statt, wenn nicht so viel „gespürt“ wird. Achtsamkeitsübungen können daher äußerst kontraproduktiv sein, wenn der Fokus zu sehr auf die innere Achtsamkeit gerichtet wird. Oft ist es leichter Objekte oder Geräusche wahrzunehmen und die äußere Achtsamkeit zu praktizieren.

Wenn wir den Fokus auf das Beziehungsgeschehen, das Dazwischen richten, verschwindet die Fokussierung auf das, was scheinbar fehlt und was scheinbar unbedingt gebraucht wird. Relationale Achtsamkeit kann eine Nahrung sein für das Gefühl der Verbundenheit, was gerade in der aktuellen Krise dem Erleben nach immer mehr verloren geht.

EINE GESCHICHTE – DAS PERFEKTE HERZ

Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich, und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, was sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter mit seinem schönen Herzen.

Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: “Nun, Dein Herz ist nicht mal annähernd so schön, wie meines.” Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an.

Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig, und es gab einige ausgefranste Ecken…..genauer… an einigen Stellen waren tiefe Furchen, wo ganze Teile fehlten.

Die Leute starrten ihn an. Wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner, dachten sie? Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: “Du musst scherzen”, sagte er, “Dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und Deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen.”

“Ja”, sagte der alte Mann, “Deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit Dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen, und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten. Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen.

Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde und ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?”

Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen. Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Der alte Mann nahm das Angebot an, setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde des jungen Mannes Herzen. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte. Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen. Sie umarmten sich und gingen weg, Seite an Seite.

WEIHNACHTEN, NEUES JAHR & NEUE PRAXIS 

Endlich ist es mit der neuen Praxis soweit, was mich sehr freut 🙂 Hier und da sind noch ein paar Feinjustierungen, aber das große Ganze ist schon mal fertig. Ich möchte mich bedanken, dass jeder so flexibel und unkompliziert die Zwischenlösung angenommen hat. Vielen lieben Dank nochmals!

Mit der neuen Praxis soll es auch neue Angebote geben. Sobald wieder Gruppen erlaubt sind, wird es Selbsterfahrungs-Wochenenden mit max 6 Personen geben, gestalttherapeutische Familienaufstellungen und spezielle Aufstellungsformate, wie beispielsweise „Das innere Team“ und „Ressourcen-Aufstellungen“.

Auch habe ich endlich mein ganze Therapiewerkstatt da mit einer kleinen Auswahl an Musikinstrumenten, Stoffen, Stofftieren, Malutensilien und Aufstellungsmaterial. Meine Bibliothek ist natürlich mitgekommen und lädt alle zum Stöbern ein. Es sind nicht nur Fachbücher, sondern auch Bücher unter der Rubrik Lebenshilfe, Achtsamkeit, Buddhismus und Spiritualität. Natürlich fehlen auch nicht Romane von einem meiner Lieblingsautoren des Psychotherapeuten Ervin Yalom. 

NEUE WEBSITE

Im Zuge des Umzugs hat sich auch die Website verändert. Die einzelnen Angebote und auch Methoden werden ausführlicher beschrieben. Auch gibt es einen Blog „Psychotherapie & Persönlichkeitsentwicklung“ und die FAQ’s der Psyche mit kurzen Infos. Hier kommt immer wieder etwas Neues dazu und wird weiter wachsen 🙂

ONLINE-AUTONOMIE-AUFSTELLUNG

Besonders freue ich mich über das neue Online-Aufstellungsformat der Autonomie-Aufstellung. Diese spezielle Aufstellungsmethode wurde von dem Münchner Psychiater und Systemtherapeut Dr. Ero Langlotz entwickelt.

Ich bin sehr dankbar, bei ihm habe lernen zu dürfen und bin mit Begeisterung dabei. Ich habe viel Erfahrung mit Aufstellungen und auch verschiedene Formate kennengelernt. Das besondere an dieser Methode ist die Nachverarbeitung von Stress und die Gedächtnisrekonsolidierung. Das heißt, traumatische, verletzende Erfahrungen werden nachverarbeitet und emotional „gelöscht“. Die emotionale Ladung des Traumas und die Trigger sind danach nicht mehr präsent. Dadurch entsteht eine innere Ruhe, Stabilität und inneres Gleichgewicht.

Wesentlich in der Arbeit ist die Selbstverbindung, die uns vollständig und unabhängig macht. Durch eigene traumatische Erfahrungen, übernommene Familientraumata und Beziehungskonflikte werden wir von unseren Selbstanteilen getrennt. Dadurch entsteht immer wieder eine emotionale Abhängigkeit und die gesunde innere Grenze geht verloren. 

Mit der Autonomie-Aufstellungen können Beziehungen zu Partnern, Eltern und Freunden geklärt werden, um sich auf Augenhöhe zu begegnen und Konflikte zu lösen. Die Methode eignet sich besonders gut für die Nachverarbeitung traumatischer Erfahrungen und körperliche Symptome, die einen seelischen Hintergrund haben. 

Für mehr Informationen können wir gerne ein Vorgespräch vereinbaren. 

ZUVERSICHT: DAS NEUE JAHR IM WANDEL

Das neue Jahr wird einen eingreifenden Wandel mit sich bringen. Die Pandemie hat die Gesellschaft verändert. Wie kommen wir wieder in Kontakt? Was haben wir gelernt, was vielleicht auch verlernt? Was braucht es an Fähigkeiten und Widerstandskräften, um dem neuen Jahr mit Zuversicht und Vertrauen entgegen zu blicken?

Das Jahr 2020 und die Einsamkeit

Wenn ich einen Blick zurückwerfe, wird ein Gefühl sehr präsent – Einsamkeit. Das große Tabu Einsamkeit rückt in das Scheinwerferlicht der Gesellschaft. Aus Angst und Scham wird dieses mächtige Gefühl oft versteckt. Die Corona-Krise holt die Einsamkeit aus ihrem Versteck und macht sie öffentlich. Sie wird sichtbar und dadurch greifbarer. Die Scham sinkt, da wir feststellen, dass wir in diesem Gefühl nicht alleine sind. Nicht nur Alleinstehende trifft dieses Gefühl, auch in Partnerschaften und Freundschaften kann man sich einsam fühlen. So ist Einsamkeit die Todesursache Nummer 1, wie Studien zeigen. Einsamkeit führt zu Depressionen, Ängsten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Alzheimer, usw.

 Was hilft gegen die Einsamkeit, dem Gefühl der inneren Leere? Wenn wir uns wieder als Mensch begegnen und mit unseren natürlichen Fähigkeiten in Resonanz gehen und miteinader zu reden. Gegen Einsamkeit hilft > gesehen zu werden, gehört zu werden, wahrgenommen zu werden. Anstatt Abwertung und Gleichgültigkeit brauchen Menschen Wertschätzung, ein liebes Wort der Anerkennung. Es sind die vielen kleinen und kurzen Begegnungen im Alltag, die unser Leben bereichern können und uns zeigen, wir sind nicht alleine.

Das Jahr 2021 und die Kraft der Zuversicht

Das neue Jahr wird uns den Weg aus der Corona-Krise weisen und die globale einschneidende Erfahrung wird Neues bringen. Wir können wir dem Neuen und vielleicht Unbekanntem begegnen?

 Die Kraft der Zuversicht schenkt Motivation, Optimismus und Kreativität. Die innere Haltung ist geprägt von dem Wissen: „Es wird auch wieder besser werden.“, „Jede Krise hat ein Ende“, „Nach einem Tief geht es auch wieder bergauf.“ Zuversicht lässt uns hoffen und die anstehenden Aufgaben in die Hand nehmen. Krisen sind positiv betrachtet, der Herd für Kreativität. Jeder muss mit den Veränderungen einen Weg auf seine ganz eigene Art und Weise finden. Vielleicht sich neu erfinden, neue Fähigkeiten erlernen und verborgene Potentiale erkennen. Die Kraft der Zuversicht ist der Zündstoff.

 So wünsche ich allen den Funken der Zuversicht, schöne Feiertage und einen guten Beginn im Neuen Jahr 🙂