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Newsletter Psychotherapie & Persönlichkeitsentwicklung

In meinem Newsletter informiere ich über Themen rund um die Praxis, Workshops, Angebote, Buchempfehlungen  & Wissenswertes über Psychotherapie & Persönlichkeitsentwicklung.

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SELBSTMITGEFÜHL STÄRKEN

Selbstmitgefühl ist eine wesentliche Fähigkeit um alte Wunden zu heilen und das Selbstwertgefühl zu stärken. Abwertungen, Demütigungen, ins Leere gehen, Nicht-gehört oder Nicht-gesehen-Werden lassen schwächen unser Selbstwertgefühl. Wir definieren uns dann vielleicht über Leistung, Erfolg und gutes Aussehen. Doch all dies ist endlich und macht abhängig von Äußerlichkeiten. Das darf nicht falsch verstanden werden. Leistung und Erfolg sind schöne Qualitäten und können das Leben sehr bereichern. Doch es wird mühsam und anstrengend, wenn der Selbstwert darüber definiert wird.

Selbstmitgefühl hilft, die Höhen und Tiefen des Lebens zu nehmen, wie sie sind und daran zu wachsen anstatt daran zu zerbrechen. Uns selbst mit einem liebevollen Blick anzusehen, wenn wir gescheitert sind oder uns Selbstvorwürfe machen, ist Balsam für Herz und Seele. Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, den Blick nicht nur auf unsere Fehler zu richten und zu denken, dass man unfähig ist. Wir können viel mehr bewältigen als wir denken. Es ist in Ordnung festzustecken, um sich dann zu sortieren und wieder weiterzugehen.

SELBSTLIEBE VERSIS EGOISMUS  

Immer noch gibt es Irritationen über Selbstliebe und Egoismus. Was ist damit gemeint? Selbstliebe bedeutet, dass du auf deine seelische und körperliche Gesundheit achtest. Wenn die Seele zur Ruhe kommt, eigene Themen aufgearbeitet werden, wird auch der Körper ruhig und friedvoll. Das tut nicht nur uns selbst gut, sondern auch unseren Gegenübern. So entsteht eine Win-Win-Begegnung.

Egoismus sieht nur sich selbst, nicht den Anderen. Es bedeutet stolz, selbstbezogen und narzisstisch zu sein. Wir beuten andere emotional aus, manipulieren, um uns selbst gut zu fühlen. Das führt letztlich zur Selbstzerstörung.

Oft bekommt man selbst nicht mit, wie manipulierend man eigentlich unterwegs ist. Menschen mit wenig Selbstwertgefühl verhalten sich oft manipulierend, um Anerkennung zu bekommen oder geliebt zu werden. Sie helfen anderen Menschen, um sich selbst wie ein „guter Engel“ zu fühlen. Sie gehen über eigene und fremde Grenzen und verleugnen sich am Ende selbst, was wieder zu Selbstvorwürfen führt. Damit geht die Selbstachtung verloren. Wenn dann irgendwann die Erschöpfung des Verhaltens spürbar wird und ein Burnout sich abzeichnet, wird oft erkannt, dass man aus dem fehlenden Selbstwert heraus viel gegeben und nichts zurück bekommen hat. Verletzungen entstehen nicht nur durch das, was uns andere angetan haben , sondern auch wie wir mit uns selbst umgehen.

Selbstmitgefühl hilft, wieder bei sich selbst anzukommen. Zu erkennen, wie sehr man sich selbst verleugnet hat, um anderen zu gefallen, ist schmerzhaft. Der Schmerz heilt, mit dem liebevollen Blick auf uns selbst. Daher ist Selbstmitgefühl eine Qualität, um sich selbst wieder zu achten, sich zu vertrauen, zu respektieren und zu lieben.
Im Bemühen um Selbstmitgefühl bemessen wir unseren Wert nicht nach unseren weltlichen Erfolgen und vergleichen uns nicht mit anderen.

DER PREIS FÜR MANGELNDES SELBSTMITGEFÜHL

Der Preis für mangelndes Selbstmitgefühl zeigt sich nicht nur in den harten Urteilen über uns selbst. Häufig wird Selbstmitgefühl auch mit Selbstmitleid verwechselt. Selbstmitleid zeigt sich, wenn man sich in seine eigenen Probleme verstrickt, man sich selbst bedauert und die Menschen um sich herum vergißt.

Selbstmitgefühl hat auch nichts mit Selbstverwöhnung zu tun, wie noch eine Süßigkeit oder noch ein Kleidungsstück. Das Mitfühlende ist gerade sich nicht mit Essen oder Shopping zu belohnen, sondern sich aktiv für die eigene Gesundheit einzusetzen.
Mangelndes Selbstmitgefühl zeigt sich von der Selbstablehnung über die Selbstverachtung bis hin zum tief verwurzelten Selbsthass. Menschen halten an toxischen, missbräuchlichen, abwertenden Beziehungen fest. Oft denken sie auch noch, sie sind selbst schuld und müssten sich nur noch mehr anstrengen. Oder sie fühlen sich in ihrem Körper nicht wohl und meiden jeden Blick in den Spiegel, hungern sich aus, stopfen sich voll oder fügen sich Selbstverletzungen zu. Sie sind sich selbst gleichgültig. Sie gehen unachtsam mit sich selbst um und vernachlässigen ihre Grundbedürfnisse nach Schlaf, Ernährung und Bewegung. Immer mehr an Leistung ist das einzige Credo, was jedoch niemals nährt und nur die die Gier weiter füttert.

Mangelndes Mitgefühl geht mit viel Kränkungen einher. Menschen geraten bei Kritik außer sich oder glauben alles, was über sie gesagt wird, weil sie nichts entgegen setzen können. Sie verharren in Angst, eines Tages als Betrüger enttarnt zu werden, weil sie nicht daran glauben, etwas Gutes im Leben verdient zu haben.

MITGEFÜHL MIT SICH SELBST
Ein Schlüssel für Zufriedenheit 

Mitgefühl ist etwas vollkommen anders als Ichbezogenheit. Menschen, die echtes Mitgefühl mit sich selbst haben, sorgen für sich selbst, ohne dabei die Gefühle und Bedürfnisse anderer aus den Augen zu verlieren. Eigentlich ist es erst die Grundvoraussetzung, um für andere da zu sein. Denn wer einen liebevollen Umgang mit sich selbst pflegt, auf das seelische und körperliche Wohlbefinden achtet, kann umso mehr für andere da sein.

Selbstmitgefühl ist wie das Aufladen unserer Batterien. Der wohlwollende Blick auf uns selbst, ist auch der Blick, den wir uns als Kind von unserer Eltern gewünscht haben. So wie wir sind, sind wir gut genug. Wir müssen uns nicht ausbeuten und auch nicht ausbeuten lassen, um ein wertvoller Mensch zu sein. Wir dürfen oder müssen auch NEIN sagen zu Menschen und Dingen, die uns nicht gut tun. Der Umgang mit gesunden Grenzen ist elementar für unser Selbstwertgefühl.

Mitgefühl mit sich selbst heißt auch, sich realistische Ziele zu setzen. Realistische Zielsetzungen sind frei von den Erwartungen anderer und was sie über uns denken. Wünsche und Visionen, die von Herzen kommen, sind realistischer, da sie mit uns selbst verbunden sind. Das führt dazu, dass wir motiviert sind und nicht so schnell aufgeben, sie zu erreichen.

Mitgefühl bewahrt vor dem Sog der Selbstabwertung. Niederschläge und Misserfolge kennt jeder Mensch. Mit einer gesunden Portion Mitgefühl müssen wir uns jedoch nicht selbst abwerten, sondern können klar auf die Fehler schauen, aus ihnen lernen und passendere Wege einschlagen.

Selbstmitgefühl ist auch eine Fähigkeit sich selbst zu beruhigen bei emotionalen Leid. Wer mit einem sicheren Bindungsstil aufgewachsen ist, hat weniger Schwierigkeiten Hilfe anzunehmen, sich geborgen zu fühlen und sich mit einem mitfühlenden Blick zu begegnen. Wer weniger gute Startbedingungen ins Leben hatte und keine sichere Bindung erfahren hat, muss das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit erst ganz neu lernen. Es ist nicht leicht, aber auch nicht unmöglich. Die vergangenen Bindungserfahrungen sind gemacht und andere Eltern können wir uns nicht mehr zulegen, daher sind wir als Erwachsene gefordert von der Vergangenheit loszulassen und uns selbst gute Eltern zu werden. Dies gelingt mit dem mitfühlenden Blick auf uns selbst, sich selbst anzunehmen und sich selbst vergeben zu können.

MITGEFÜHL & MITLEID IN BEZIEHUNGEN 

Wie oft wird gesagt „Ach, das tut mir leid“, was klingen mag, wie ein Schlag ins Gesicht. Mitleid macht schwer. Mitleid entfremdet. Keiner will das Leid eines Anderen tragen. Es kann auch keiner. Das fremde Schicksal ist zu schwer, das eigene Schicksal kann man bewältigen. Es gehört zu uns und wir können daran wachsen.

Wer jedoch in Beziehungen zu viel Verantwortung übernimmt, ist schnell im Mitleid gefangen. Man versucht vielleicht die Probleme des Anderen zu lösen oder Ratschläge zu geben, vielleicht vermeidet man es auch Schönes von sich zu erzählen, um den Anderen nicht zu kränken. Im Mitleiden ist jedoch keinem geholfen. Für alle Beteiligten ist es eine Last. Meistens nimmt man sogar eher Abstand von Menschen, die leiden, weil man Angst hat, hineingezogen zu werden oder sich als wirkungslos zu erfahren. Oder man ist so mit dem Leid des Anderen identifiziert, dass ein eigenes freies Leben nicht mehr möglich ist.

Wer eine ablehnende Haltung gegenüber dem eigenen Leiden hat, wird unmöglich das Leid es Anderen sehen. Denn dazu müsste das eigene Leid anerkannt werden. Die Augen werden verschlossen und die Beziehung entfremdet sich. Menschen in Not bleiben alleine zurück. Menschen Mitgefühl zu schenken, im Kontakt zu bleiben, geht nur über das Zulassen und Anerkennen des eigenen Leides. Wer durch die eigene Trauer, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Schmerz, Wut geht, hat keine Angst vor den Gefühlen von Anderen und kann Beistand leisten, ohne sich in das Leid des Anderen zu verstricken. Wer bereit ist, den eigenen Schmerz zu fühlen, kann sich auch anderen Menschen und ihrem Leid zuwenden.

Mitgefühl öffnet die Herzen. Mitgefühl ist ein Beziehungsgefühl. „Ich fühle mit dir und bin ganz für dich da, aber ich leide nicht mit“. Diese Haltung äußert Respekt und Anteilnahme. In der emphatischen Anteilnahme steckt Verbundenheit und Gemeinschaft. Der Respekt vor dem Schicksal eines jeden Menschen bringt die Würde und Achtung zu zurück. Im Mitgefühl lassen wir uns von dem Schicksal eines anderen Menschen berühren und bringen unsere Anteilnahme zum Ausdruck. Wir stehen zur Seite, erkundigen uns nach dem Wohlergehen, hören aufmerksam zu und sind präsent. Wir beginnen nicht, das Schicksal zu tragen oder es zu lösen zu wollen. So würde die Achtung verloren gehen.

PSYCHOTHERAPIE FÜR FÜHRUNGSKRÄFTE & IM BERUFLICHEN KONTEXT

Berufliche Fragestellungen sind im psychotherapeutischen Prozess nicht nur sehr spannend, sondern sind immer gefragter. Viele Jahre stand die körperliche Fitness im Vordergrund. Heute wird die psychische Gesundheit immer relevanter. Investitionen von Unternehmen in Angebote zur mentalen Gesundheit für Führungskräfte und Mitarbeiter nehmen deutlich zu.

„Das Führungskäfte-Coaching bewährter Prägung ist bei der heutigen schnelllebigen Zeit und den wachsenden Anforderungen nicht mehr passend. Psychotherapie für Führungskräfte bearbeitet Faktoren wie der Übertragung, Projektion, Verdrängung, Verstrickung und den biografischen Hintergrund von beruflichen Erfolgen und Misserfolgen. Die familiären Zusammenhänge zu erkennen und aufzulösen, helfen die Selbstwirksamkeit zu stärken, sich weniger in destruktive Beziehungskonstellationen zu verstricken und Stress nachhaltig zu verarbeiten.“

Psychotherapie für Führungskräfte setzt nicht nur auf den Umgang mit Stress, sondern bezieht insbesondere das eigene Familiensystem mit ein. Immer wieder ist zu beobachten, wie sich private und berufliche Themen vermischen. Ungelöste Konflikte in der Ursprungsfamilie werden häufig in den Firmen unbewusste reinszeniert. Nicht nur eigene Leistungsanforderungen und Glaubenssätze zeigen sich, sondern gerade die zwischenmenschlichen Beziehungen sind voll von Projektionen. Im therapeutischen Prozess ist es wichtig zu differenzieren und den Konflikte am Ursprung anzupacken, um dann eine Lösung auf der beruflichen Ebene zu erlangen.

BERUFLICHER MISSERFOLG „OHNE WURZEL KEINE FLÜGEL“ 

Beruflicher Misserfolg hat häufig einen Hintergrund in der eigenen Familiengeschichte. Ungelöste emotionale Verstrickungen, falsche Loyalitäten, unbewusste Identifikationen oder eigene Traumata führen zu Blockaden, die den beruflichen Weg erschweren. Eigene Kompetenzen werden nicht gesehen, falsche Wahl des Berufs oder Arbeitsplatzes, fehlende Aufträge oder Kunden, Geldsorgen, Arbeitslosigkeit, Konflikte am Arbeitsplatz, Überforderung, Mobbing, Pleiten sind beruflichen Themen, die unter dem Systemkontext betrachtet werden können.

Um erfolgreich agieren zu können, braucht es einen guten Platz im System – in der Familie, am Arbeitsplatz. Es braucht ausreichend Ressourcen, um Entwicklung und Wachstum hervorzubringen. Hindernisse können eigene und übernommene Traumata aus den Generationen sein. Unbewusst kann man sich mit einem Schicksal aus dem Familiensystem identifizieren und erlebt das gleiche Schicksal. Auch übernommene Glaubenssätze sind eine Blockade, die dem eigenen Erfolg unbewusst im Weg stehen. Gerade in Geldangelegenheiten gibt es häufig innere Überzeugungen, die den Erfolg verhindern. Manchmal fehlt auch die Kraft ,die nötigen Schritte für den Erfolg zu unternehmen, man bleibt in Illusionen stecken und flüchtet vor der Realität.

Im beruflichen Kontext geht es häufig um die fehlende männliche Kraft. Vaterthemen tauchen immer wieder auf und zeigen, dass die Vaterfigur gefehlt hat oder kein Zugriff auf männlich dominierte Ressourcen vorhanden ist. Auch ein verletzter Selbstwert durch seelische Erfahrungen, können Ursache für berufliche Blockaden sein.

Ohne Wurzeln keine Flügel – Um sich entwicklen zu können und vorwärts zu gehen, braucht es einen Boden. Wer gut verwurzelt ist, seine Wurzel kennt und anerkennt, überwindet Hindernisse, erkundet mit Freude und Zuversicht neue Landschaften und bleibt sich selbst in den entscheidenden Lebensfragen treu.

GESUND FÜHREN

Gesund führen ist in erster Linie Selbstführung. Jede Arbeit an sich selbst zahlt sich am Ende aus. Um authentisch zu agieren, als vertrauensspendend von Mitarbeitern wahrgenommen zu werden und selbstsicher aufzutreten, braucht es einen emotionalen Boden. Rein kognitiv durch das Erlernen von Verhaltensweisen oder nur den Blick aufs Außen gerichtet, wird es keine innere Stabilität geben. Innere Stabilität und Souveränität erwächst mit dem Blick nach Innen.

Gesund führen, heißt auch, sich um seine seelische und körperliche Gesundheit aktiv zu kümmern. Als Führungskraft hat man eine Vorbildfunktion. Es ist nicht schön eine gestresste, aggressive, genervte, unkonzentrierte Führung vor sich zu haben. Ständig keine Zeit zu haben, keine Rückmeldungen zu geben, ist kein Ausdruck von Wichtigkeit, sondern von mangelnder Wertschätzung und falschen Prioritäten.

Stress ist ungesund! Mir begegnen immer wieder Menschen, die beteuern unter Stress besser arbeiten zu können und mehr zu leisten. Ich mache da ein Fragezeichen dran. Warum? Weil es meistens Menschen sind, die noch nie erfahren haben, ohne Stress und unter Druck zu arbeiten.

Stress verhält sich wie ein Suchtmittel. Wer bereits früh in seiner Kindheit mit Stress konfrontiert war, hat früh Überlebensstrategien entwickelt. An einer Überlebensstrategie hängt jedoch immer der unverarbeitete Stress von damals, der sich im Körper und der Seele ausbreiten. Die Folgen sind Gereiztheit, mangelnde Konzentration, Schlafstörungen, Suchtverhalten, Herz-Kreislauf-Probleme, Migräne, Tinnitus, und so weiter.

Überlebensstrategien werden nicht einfach so aufgegeben und sind im therapeutischen Prozess „Schwerstarbeit“. Es gilt erstmal die Ruhe auszuhalten und sich achtsam mit den eigenen „falschen“ Strategien auseinanderzusetzen. Es gilt das dahinter liegende Stressornetzwerk mit den einzelnen Stressoren zu identifizieren und Schritt für Schritt zu bearbeiten.

Wer sich ich selbst gut kennt, kann sich auch seinen Mitarbeitern öffnen und eine gesunden Führungsstil entwickeln. Gesunde Führung entspringt aus einer Haltung. Daher braucht es auch Zeit, denn eine Haltung ist ein verinnerlichte Erfahrung mit Grund und Boden.

TRAINING: MINDFUL LEADERSHIP 

Unter dem Begriff „Mindful Leadership“ werden verschiedene Trainingsprogramme angeboten, die die Praxis der Achtsamkeit in den Führungsalltag integriert.

„Eine achtsame Führungskraft verkörpert Führungspräsenz, indem sie Konzentration, Klarheit, Kreativität und Mitgefühl zum Wohle anderer entwickelt.“ Janice Marturano

Das Wesentliche in diesem Zitat ist meines Erachtens das Wort „verkörpert“. Hier drückt sich die Haltung aus, die täglich geübt werden muss. Wenn man etwas verkörpert, hat man es sich einverleibt, ist in Fleisch und Blut übergangen. Man muss nicht darüber nachdenken oder sich erkämpfen oder kontrollieren. Nein, es drückt vielmehr den Zustand „ICH BIN“ aus. Diese Authentizität, die auch vielfach in den Medien und diversen Managementbüchern leichtfertig herbeigerufen wird, ist jedoch in Wahrheit harte Arbeit an sich selbst. Es dauert mitunter Jahre sich von alten Gewohnheiten zu befreien und sich Neues einzuverleiben. Und es bedarf der täglichen Praxis. Das soll jedoch nicht abschrecken, sondern einladen sich näher mit der Praxis der Achtsamkeit zu beschäftigen.

Das Gute an der Praxis der Achtsamkeit ist, dass man einfach loslegen kann. Man braucht keine spezielle Kleidung oder Orte oder Equipment. Jeder kann sofort loslegen.
Mindel Leadership bedeutet ganz präsent zu sein, im Hier & Jetzt, und mit dieser Präsenz anderen Menschen zu begegnen.

„Beim Leadership geht es nicht um Titel, Positionen oder Flowcharts. Es geht darum, dass ein Leben ein anderes beeinflußt.“ John C. Maxwell

Daher ist es so wichtig, gut mit sich selbst im Kontakt zu sein und zu erkennen, wenn dies nicht der Fall ist. Wer mit sich selbst gut verbunden ist, ist verbunden mit seinen eigenen Werten, der persönlichen Ethik, mit dem was unverhandelbar ist. Man ist selbst der Steuermann seines eigenen Bootes, kann Grenzen setzen und auch Grenzen achten.

ORGANISATIONSAUFSTELLUNGEN

Ein bewährte Methode im beruflichen Kontext sind die Organisationsaufstellungen. Auch hier gibt es bereits zahlreiche Art&Weisen, wie gearbeitet werden kann. Im Gruppen- und Einzelsetting, mit Teams und als Begleitung von Innovations- und Veränderungsprozessen. Unterschieden werden können bei der Arbeit mit den Raumbildern:

> diagnostische Aufstellungen: Sichtbarmachen von Organisations- und Beziehungsdynamiken
> auf Veränderung zielende Aufstellung: Sinnvolle und nützliche Veränderungen
> Szenarienaufstellungen: Ausprobieren von Handlungen

Erfahrungsbericht

In einer Organisationsaufstellung mit dem Anliegen „Wir kann die Arbeit gut gemacht werden?“ hat sich gezeigt, dass die Führungskräfte einzelner Abteilungen noch nicht in ihre Rolle hineingewachsen sind. Es wurden zu wenig Führungsaufgaben übernommen und zu viel operative Aufgaben, was zu einer Überforderung und Frustration führte. Die Entwicklung der strategischen Ausrichtung an den lang- und kurzfristigen Zielen stand bei den Führungskräften nicht im Vordergrund, sondern die Bewältigung der täglichen Büroaufgaben. Die Verteilung auf die zuständigen Mitarbeiter wurde nicht vorgenommen, sondern noch viel zu viel von den Führungskräften selbst erledigt.

Nach der Aufstellung haben Gespräche stattgefunden, was es braucht, um die Führungskräfte in ihrer Entwicklung und Rolle zu unterstützen. Im Laufe eines Jahres hat es einen Wechsel in den Positionen gegeben. Es hat sich herausgestellt, dass viele Jahre zuvor unter einer anderen Leitung, die Positionen als Führungskraft an Personen gegeben wurden, die gar keine Führungskraft werden wollten. Damit gab es gar keine eigene Motivation und auch unbewusster Widerstand, die Rolle als Führungskraft einzunehmen.

Durch die Organisationsaufstellung konnten die relevanten Hindernisse erkannt und im folgenden Veränderungen in Angriff genommen werden.

ONLINE-AUTONOMIE-AUFSTELLUNGEN IM BERUFLICHEN KONTEXT

Die Online-Autonomie-Aufstellungen sind im beruflichen Kontext eine wirksame Methode, um Berufliches vom Privaten zu trennen und Themen an der Wurzel zu bearbeiten. Der Aufbau einer gesunden Grenze führt zu mehr Ruhe, Gelassenheit und Stabilität.

ERFAHRUNGSBERICHT EINES KLIENTEN

Eine Führungskraft kam mit dem Anliegen, dass er von einer Mitarbeiterin regelrecht gemobbt wird und er sich besser abgrenzen möchte. Es gab falsche Anschuldigungen, eine vergiftete Atmosphäre und immer wieder Eskalationen. Die Situation war für den Klienten äußert belastend. Es zeigten sich Verunsicherung, Antriebslosigkeit, Ohnmachtsgefühle und Erschöpfung.

Mein Vorschlag war eine Beziehungsklärung mit der Mitarbeiterin mit der Methode der Autonomie-Aufstellung. Es hat sich bereits nach der Aufstellung eine positive Wirkung gezeigt, so dass an dieser Stelle keine weitere Arbeit notwendig war.
Rückmeldung des Klienten:

„Mithilfe der durch Dr. Belke durchgeführten Autonomieaufstellung hat mein inneres Ich es geschafft sich abgrenzen zu lernen und das ganz ohne schlechtes Gewissen und Schuldgefühle. Am Anfang war ich etwas skeptisch und hab mir eigentlich nicht vorstellen können, dass das zu diesem Erfolg führen kann. Ich habe Autonomieaufstellungen im beruflichen als auch im familiären Umfeld mit Dr. Belke durchgearbeitet und muss sagen, dass ich wirklich begeistert davon bin. Der Effekt ist nachhaltig und geht wirklich tief, die belastenden toxischen Verbindungen konnten für mich aufgelöst werden und der daraus resultierende Schmerz war sehr bald darauf nicht mehr zu spüren. Ich habe insgesamt das Gefühl, dass ich wieder freier und mehr bei mir selbst bin. Mir hat das wirklich sehr geholfen.“

OHNE EINE GESUNDE GRENZE WIRD’S KOMPLIZIERT

Seit ich die Autonomie-Aufstellungen in meine Arbeit integriere und noch stärker den Fokus auf eine gesunde Autonomieentwicklung lege, sehe ich Beziehungen nochmals unter einem anderen Blickwinkel. Grenzen setzen und Grenzen achten, sind der Kitt in Beziehungen, um sich weiterzuentwickeln, sich zu unterstützen, kooperativ zu handeln und Win-Win-Situationen zu kreieren anstatt sich gegenseitig zu blockieren, zu manipulieren und auszubrennen.

Dabei geht es nicht nur um Paarbeziehungen, sondern um die grundsätzliche Gestaltung von Beziehungen. Es gehört immer eine gesunde Distanz und gesunde Nähe zu einer Beziehung, um das eigentliche Paradoxon von Freiheit und Verbundenheit zu leben. Menschen möchten frei und unabhängig sein und sich zugleich zugehörig fühlen, eingebunden in eine Gemeinschaft. Es ist existentiell notwendig, vertrauensvolle Menschen um sich zu haben, wo man sich mit seinen Stärken und Schwächen zeigen kann, wo man um Hilfe fragen und diese annehmen kann genauso wie man sein Gegenüber unterstützt.

In der Alltagssprache würde man von einer Beziehung auf Augenhöhe sprechen. Jeder wünscht sich diese, doch ich beobachte, wie wenig im Grunde an Wissen und an Fähigkeiten vorhanden sind, dies im Alltag umzusetzen. Es reicht nicht, sich eine Beziehung auf Augenhöhe zu wünschen oder den Anforderungskatalog an das Gegenüber zu formulieren, sondern es gehört auch dazu, alle diese Fähigkeiten selbst zu erlernen.

Die gesunde Grenze bietet überhaupt erst die Möglichkeit einen Kontakt herzustellen. Ohne eine gesunde Grenze sind wir entweder mehr bei dem anderen als bei uns selbst oder wir sind in der Überabgrenzung. Eine gesunde Grenze bezieht immer den Anderen mit ein.

So möchte ich einige Aspekte für eine gesunde Grenze in Beziehungen aufgreifen. Vielleicht ist es ein Anstoß, sich über das eigene Beziehungsverhalten Gedanken zu machen und Grunddynamiken zu beobachten.

WENN DER ANDERE SICH ANDERS VERHALTEN WÜRDE, WÜRDE ES MIR GUT GEHEN

Wenn das Wörtchen WENN nicht wäre …

Das eigene Glück machen Menschen viel zu sehr von anderen Menschen abhängig. So wird kostbare Zeit und Energie verschwendet, sich mit Dingen zu beschäftigen, die man nicht ändern kann. Kein Mensch in der Welt ist dazu fähig, einen anderen Menschen zu verändern. Man kann noch so lieb, brav, nett, angepasst, verständnisvoll, fordernd, manipulativ sein. Es funktioniert nicht und ist am Ende nur zum Scheitern verurteilt. Es gibt nur Verlierer und keine Gewinner.

Eine Veränderung kann man nur bei sich selbst bewirken oder in einer Beziehung, wenn beide das wollen und jeder für sich, den eigenen Prozess aktiv verfolgt. Einer alleine reicht nicht.

Wenn er/sie mal an sich arbeiten würde, hätten wir keine Probleme und mehr Harmonie.“

„Wenn mein Freund/ Freundin nicht alles bei mir abladen würde, wäre es mir leichter.“

„Wenn mein Freund/ Freundin mich wirklich lieben würde, wäre ich endlich glücklich.“

„Wenn er/sie nicht so viel Zeit bei der Arbeit, beim Sport, bei Freunden verbringen würde, wäre unsere Ehe besser.“

Das sind Kernsätze, die nicht nur in der Therapie auftauchen, sondern überall. Es dreht sich immer wieder um die Anderen – den blöden Chef, die arrogante Kollegin, den schrecklichen Ex-Mann/Ex-Frau, egoistische Freunde und was der Andere tut oder nicht tut. Wie viel Verständnis man für die Situation des Anderen aufbringt, warum man gerade nicht das bekommt, was man braucht. Man wartet, hat Verständnis, entschuldigt, diskutiert, fordert, aber im Grunde ändert sich gar nichts. Null komma null.

Jeder hat eine andere Lebensgeschichte, andere Bedürfnisse, andere Werte, andere Meinungen, andere Zukunftspläne. Entweder es passt oder es passt nicht. Und mit dem „Es passt“, ist nicht gemeint nur auf sein Recht zu pochen, sondern mit der gesunden Grenze den Kontakt herzustellen, um sich auszutauschen, sich zu arrangieren, sich zu verständigen, sich um Kooperationen zu bemühen. Doch dazu gehören zwei „Willige“.

In toxischen Paarbeziehungen zeigen sich häufig Dynamiken, die mit Leere-Erfahrungen verbunden sind. Man gibt viel rein und bekommt nichts zurück. „Ich liebe den Menschen so sehr, aber er/sie ist nicht da, ruft nicht an, hat keine Zeit, viele Ausreden, arbeitet zu viel, hört mir nicht wirklich zu, etc..“, sind wiederholende Aussagen. An dieser Stelle sollte sich jeder fragen, ob man mit einem Menschen lebenslang glücklich sein kann, der unzuverlässig ist, das Wort nicht hält, dich ängstlich fühlen lässt, kein Aufeinanderbeziehen vorhanden ist? Was liebst du daran, schlecht behandelt zu werden? Hier wiederholen sich alte Kindheitserfahrungen in aktuellen Beziehungen.

Loslassen und sich Menschen suchen, wo es besser passt, ist die Herausforderung im Erwachsenenleben. Sie sind Teil der Autonmieentwicklung. Darin spiegelt sich die eigene Würde wieder und der Respekt vor dem Anderen. Dazu zählt insbesondere, sich den eigenen destruktiven Beziehungsmustern zu stellen und aufzuarbeiten. Denn wer hier nicht an sich arbeitet, kommt in der nächsten Beziehung mit großer Wahrscheinlichkeit wieder in das gleiche Fahrtwasser.

•Wie gehst du mit der Abgrenzung, einem NEIN von anderen um?

•Was tust du alles, um Anerkennung zu bekommen?

•Wie viel Verständnis hast du für das Fehlverhalten von anderen?

•Wie oft bist du anderen behilflich, ohne das der Andere gefragt hat?

•Wie sehr kannst du die Bedürfnisse des Anderen schon in den Augen lesen?

•Wie verantwortlich fühlst du dich für das Glück der anderen?

•Wie sehr kennst du mehr die Themen der Anderen als die eigenen Themen?

•Wie oft hast du das Gefühl erschöpft und ausgebrannt zu sein?

DER RAUM DES ANDEREN 

Im Raum des Anderen haben wir nichts verloren. Jeder Mensch hat das Recht sein Leben so zu gestalten und zu leben wie er/sie will und muss dafür die Konsequenzen tragen. Richten wir mehr die Aufmerksamkeit auf den Anderen – den Freund, die Freundin, die Eltern, die Kollegen – als auf uns selbst, entsteht Abhängigkeit. In der Regel sind es die kindlichen Abhängigkeitsmuster, die sich in den späteren Beziehungen wiederholen. Unbewusst sind wir immer noch mit den Eltern emotional verstrickt und nicht frei und autonom. Wir handeln aufgrund alter Erfahrungen, ohne sie als vergangen gespeichert zu haben. Das führt dazu, dass wir andere Menschen durch eine falsche Brille sehen und nicht ganz wahrnehmen. Wir agieren mit alten Beziehungsmustern, wundern uns dann, das Beziehungen nicht funktionieren und hängen es dem Anderen um.

Die gute Nachricht ist, das muss nicht so bleiben. Jeder kann den Raum des Anderen verlassen und wieder zu sich selbst zu kommen. Beziehungen werden automatisch ruhiger, stabiler, harmonischer, wenn Menschen mehr bei sich selbst sind. Menschen, die eine gute Selbstverbindung haben, wirken anziehend. Sie sind in ihrer Selbstachtung, wissen um die eigenen Grenzen und können die Grenzen anderer achten. Sie richten die Aufmerksamkeit auf sich selbst, um mit diesem souveränen ICH in Kontakt zu bleiben. Denn ein klares ICH und ein klares DU ergeben ein klares WIR (Martin Buber).

Wenn emotional keine Abhängigkeiten bestehen, kann man einfach da sein, Menschen wirklich unterstützen und hilfreich sein. Sobald emotionale Abhängigkeiten im Spiel sind, ist das eigene Handeln nicht mehr frei, sondern manipulativ, anstrengend, dominant, angepasst. All die angeblichen Hilfen haben einen Beigeschmack. Und das spürt auch das Gegenüber.

Therapeutisch ist der Weg, den Raum des Anderen zu verlassen, indem man sich aus den unbewussten kindlichen Abhängigkeiten löst, die introjizierten Eltern loslässt und bei sich ankommt. Dann steht die ganze Lebenskraft zur Verfügung, das Selbstwertgefühl wächst und die innere Freiheit wird spürbar.

BEZIEHUNG AUF AUGENHÖHE 

Das wahre Selbst – dieses wahre, souverän ICH ist die Basis für die Begegnung auf Augenhöhe. Wer sich selbst nicht gefunden hat, hat es schwer, eine Beziehung auf Augenhöhe führen. Auf Augenhöhe zu sein, bedeutet im Kontakt mit anderen bei sich selbst zu bleiben und nicht sich zu verlieren oder sich selbst zu verleugnen. Wer gut mit sich selbst verbunden ist, kann auch mit schwierigen Menschen umgehen und in seiner Ruhe und Kraft bleiben.
In einer Beziehung auf Augenhöhe schaue ich mit einem liebevollen Blick auf mich selbst und den anderen. Geben und Nehmen ist in einem Gleichgewicht.
Wie respektvoll geht dein Partner/Partnerin, Freund/Freundin oder Kollege/Kollegin mit dir um? In jeder Beziehung ist es ratsam gleich zu Beginn wahrzunehmen, welche Dynamiken sich zeigen. Oft wird zu wenig darauf geachtet, welche Qualitäten der Andere mitbringt und wie sie mit den eigenen Werten zusammen passen. Wenn dir Zuverlässigkeit wichtig ist, wirst du mit großer Wahrscheinlichkeit mit keinem unzuverlässigen Partner glücklich. Auch Angst hat in einer Beziehung nichts zu suchen – Angst vor Ablehnung, Angst den anderen zu verlieren, Angst nicht gut genug zu sein, etc. Das Eine ist also, sich über die Qualitäten und Fähigkeiten des Anderen bewusst zu werden, da wir sie nicht ändern können und auf der anderen Seite, die eigene Selbstverbindung und damit das Selbstwertgefühl zu stärken.
Der eigene Raum ist ein Synonym für eine starke Beziehung zu uns selbst. Wir sind verbunden mit unserem wahren, erwachsenen Selbst und dem Potential des kindlichen Selbst. Das Grundgefühl „Ich bin okay ohne etwas zu leisten oder gebraucht zu werden.“ ist vorhanden sowie die Fähigkeit sich abzugrenzen ohne Schuldgefühle und anderen zu schaden. Man trägt für sich selbst und seine Bedürfnisse die volle Verantwortung.

 ABGRENZUNG & GEGENABGRENZUNG

Mit der gesunden inneren Grenze weiß man um die eigenen Grenzen und achtet auch die Grenzen des Anderen. Meine Beobachtungen sind, dass beides, Grenzen setzen und Grenzen achten, schwierig ist.

Grenzen setzen ist oft mit Ängsten vor Ablehnung begleitet, so dass man dem eher aus dem Weg geht. Anstatt eine gesunde Grenze zu setzen, richtet man die Energie gegen sich selbst, was sich in Selbstvorwürfen bis zum Selbsthass oder in psychosomatischen Symptomen zeigt. Oder man geht ganz aus dem Kontakt in die Überabgrenzung. Man lässt den anderen einfach stehen, sagt nicht offen, was einem selbst zu viel ist, sondern wechselt Themen, zeigt kein Interesse bis hin zum Ghosting. Das hat allerdings mit Grenzen setzen nichts zu tun, sondern zeigt nur die mangelnde Fähigkeit in Kontakt zu gehen. Die Konfrontation und Auseinandersetzung wird gescheut. Die Vermeidung wird Teil einer Pseudoautonomie, die die mangelnde Kontaktfähigkeit noch weiter verstärkt.
Grenzen setzen, ist Kontakt. Grenzen setzen heißt, dem Anderen klar zu sagen, was man geben kann und was nicht. Genauso, wie sich auch aus einer destruktiven Beziehung zu verabschieden.

Grenzen achten, ist genauso schwer, insbesondere für emotional abhängige Menschen. Sie sind übergriffig, dominant und manipulativ, ohne dass es ihnen bewusst ist. Da sie mehr im Raum des Anderen sind, fühlt sich dies für emotional abhängige Menschen sogar oft stark, fürsorglich und hilfsbereit an. Sie bekommen nicht mit, dass sie keine Grenzen achten und sich ständig bei anderen einmischen. Erkennen lässt sich dies, wer sich oft erschöpft oder überfordert fühlt. Diese Menschen ziehen häufig ihren Selbstwert daraus, für andere da zu sein oder fühlen sich nur wertvoll, wenn sie etwas leisten oder gebraucht werden. Damit geht jedoch ein übergriffiges Verhalten einher, was andere Menschen auf Distanz gehen lässt oder nur bedürftige Menschen anzieht.

DAS FALSCHE SELBST

Therapeutisch spiegelt sich hier das eigene falsche Selbst wieder bzw. der eigene Schatten. Das falsche Selbst entsteht aus mangelnder emotionaler Fürsorge der Eltern oder auch der Überfürsorge. Letzteres entsteht häufig, wenn die Mutter ihren Kinder das gibt, was sie selbst nicht bekommen hat. So kann sie ihr Kind nicht wirklich sehen, sondern gibt ihren Kindern das, was ihr eigenes inneres Kind braucht. Kinder beginnen entweder die Mutter abzulehnen oder sich an ihre Bedürfnisse anzupassen.
Donald W. Winnicott, Kinderarzt und Psychoanalytiker, hat in den 40er Jahren den Begriff des falschen Selbst in der psychotherapeutischen Arbeit geprägt. Das falsche Selbst ist auf Identifikationen aufgebaut, d.h. wie man sein sollte oder müsste. Damit sind immer Erwartungen verbunden, die wir unbewusst in der Kindheit übernommen haben. Aus Angst die Eltern zu verlieren, zu enttäuschen, abgelehnt oder abgewertet zu werden, übernimmt das Kind enorme Anstrengungen sich anzupassen. Das eigene wahre Selbst wird verleugnet, um die Anerkennung von den Eltern zu bekommen und so gesehen zu werden, wie man ist und nicht wie man sein sollte „Der Sonnenschein“, „Die Prinzessin“, „Der Hoffnungsträger“, etc. Als Kind ist man abhängig von den Eltern, so dass bei unbefriedigten Kernbedürfnissen (Liebe, Vertrauen, Kontakt, Resonanz, Autonomie), existentielle Gefühle wie Angst, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Kontrollverlust oder Schuldgefühle auftauchen. Diese wiederholen sich im späteren Leben bei Triggersituationen.
„Das Konzept von einem falschen Selbst braucht als Gegengewicht eine Formulierung dessen, was man angemessenerweise als das wahre Selbst bezeichnen könnte. Nur das wahre Selbst kann kreativ sein, und nur das wahre Selbst kann sich real fühlen. Während ein wahres Selbst sich real fühlt, führt die Existenz eines falschen Selbst zu einem Gefühl des Unwirklichen oder einem Gefühl der Nichtigkeit.
Das wahre Selbst kommt von der Lebendigkeit des Körpers und dem Wirken der Körperfunktionen, einschließlich der Herzarbeit und Atmung. (…) Das wahre Selbst hat im gesunden Leben einen Aspekt des Sich-Fügens und der Fähigkeit zu Kompromissen. Beim Gesunden hört der Kompromiss jedoch zugleich auf, wenn es um entscheiden Fragen geht. Das wahre Selbst setzt sich gegenüber dem gefügigen Selbst durch.“ (Winnicott 1974)
Der Kontakt zum wahren Selbst ist der Schlüssel, um sich von dem falschen Selbst zu lösen, welches sich in der Kindheit als Überlebensstrategie entwickelt hat. In den Online-Autonomie-Aufstellungen hat sich die Arbeit in dieser Hinsicht mit dem wahren und dem falschen Selbst als sehr fruchtbar erwiesen. Nicht nur in der Arbeit mit dem falschen Selbst der Eltern, sondern auch mit dem eigenen falschen Selbst.

DER EIGENE RAUM 

„Wenn es irgendwo bedingungslose Liebe gibt, dann bei deinem Selbst“ ist eine zentrale Aussage in den Autonomie-Aufstellungen. Sobald man erwachsen ist, trägt man die Verantwortung für das eigene Leben selbst. Was man von seinen Eltern nicht bekommen hat, wird nicht mehr kommen und muss darauf verzichten. Man muss sozusagen für sich selbst gute Eltern werden.

Die Autonomie-Aufstellungen sind daher so wertvoll als Ergänzung, da immer der Kontakt zum wahren und kindlichen Selbst hergestellt und die Struktur für den eigenen Raum aufgebaut wird. Viele Menschen kennen ihr wahres Selbst nicht, da sie sich früh schon haben abspalten müssen von dem wahren, souveränen Selbst. Das kindliche Selbst wird mit dem schweren in der Kindheit verwechselt und der Kontakt vermieden. So steht das eigene Potential nicht zur Verfügung und es entsteht wieder Abhängigkeit.

Die Selbstintegration ist daher ein wesentlicher Teil des Aufstellungsprozesses in den Beziehungsklärungen und Traumaverarbeitung.

ERFAHRUNGSBERICHT EINER KLIENTIN 

IIch möchte mit Erlaubnis der Klientin einen Erfahrungsbericht teilen. Die Klienten hat zum jetzigen Zeitpunkt 40 Therapiestunden in den vergangenen anderthalb Jahren. Anlass der Therapie waren eine große Antriebslosigkeit, keine Kraft eigene Bedürfnisse umzusetzen, hohe Ansprüche an sich selbst, den Wunsch zu lieben und geliebt zu werden sowie emotionales Chaos.

Im Vergleich zwei Autonomie-Diagramme in der Zeitspanne von einem Jahr. Die Veränderung ist deutlich und es konnten destruktive Symbiosemuster (unterer Bereich) losgelassen und die eigene Autonomie (oberer Bereich) gestärkt werden. Der therapeutische Prozess war mit Höhen und Tiefen durchzogen. Immer wieder gab es Situationen, wo es wieder schlimmer wurde, Verwirrungen auftauchten, schwere Gefühle. Das gehört dazu, doch es ist eine Herausforderung genau dann dran zu bleiben und nicht dem inneren Widerstand und Frust zu folgen und aufzugeben. Die Klientin hat sich viel mit Freunden ausgetauscht und Literatur regelrecht verschlungen, um sich selbst zu verstehen und Dynamiken zu erkennen. Sie hat intensiv an sich gearbeitet und ich freue mich, heute ihren Erfahrungsbericht veröffentlichen zu dürfen:

Klientin 32 Jahre:
„Erst mal kurz über mich:
Ich habe mich nicht verstanden gefühlt, hatte tiefe Sehnsucht, war äußerst tiefst verletzt, hatte kaum noch Verbindung zu mir selbst und wusste nicht weshalb. Kaum noch Energie für meine Hobbys gehabt sowie auch kaum Kraft zum Putzen und zu Kochen, einfach kein Antriebsgefühl, keine Motivation. Seit dem ich bei Julia die Therapien habe und viele Aufstellungen mit ihr hatte, die mich viel schneller zur Befreiung geführt haben, wie auch zur Unabhängikeit, geht es mir so viel besser. Ich lerne mich neu kennen, bin viel mehr im Hier und Jetzt. So viele Erkenntnisse, die mein Leben so sehr verschönern und leichter gemacht haben.
 
Am Anfang waren all die Gefühle Chaos! Ich wusste nicht, warum ich was fühle, konnte es nicht zuordnen, aber mit der Zeit und der Begleitung von Julia bin ich viel klarer geworden, habe viel mehr Energie und Kraft für mich selber. Meine Beziehungen sind auf Augenhöhe und sooo harmonisch wie noch nie. Ich bin bei mir und das ist immens erfüllend! Bisher war ich immer bei dem Anderen. Je mehr ich neue Kenntnisse entdecke, desto mehr spüre ich die Ausgeglichenheit und desto mehr passieren schöne Dinge in meinem Leben, die ich sehr genieße, immer mehr Bereicherung.
 
Mit meinem “Upgrade” so nenne ich mein neues Ich, ist es enorm spannend wie ich wo bin, kommuniziere, usw. und es fühlt sich echt an. Es fühlt sich aufregend an, es fühlt sich nicht leer an wie zuvor. Ich genieße jeden Moment in meinem Leben. Wenn ich mal traurig bin, dann bin ich das und lasse der Traurigkeit Raum, denn ich weiß, es vergeht. Wenn ich glücklich bin, dann gebe ich dem Glück auch den Raum und es fühlt sich fabelhaft an und zwar all diese Gefühle so zu fühlen wie sie da sind, wie sie es nämlich brauchen, die Aufmerksamkeit. Gelernt habe ich auch, mich auf mein Gefühl zu verlassen. Denn das was ich fühle ist richtig. Personen, die mir sagen “Ach das kommt ja dir so vor”, lass ich mich nicht mehr manipulieren. Ich habe mein inneres Kind ich den Arm genommen, sie ganz fest gedrückt und ihr gesagt, jetzt bin ich bei dir, ich bin dein erwachsenes Ich und dank DIR bin ich heute die, die ich bin! Ich liebe dich und ich stehe zu dir. Ich vertraue dich keinem Menschen mehr an. Ich bin dein Licht, das dich auf deinem Weg erhellt. Ich liebe dich und ich versteh dich und ja du hast sehr schwierige Zeiten gehabt, aber jetzt bin ich da und du bekommst meine Zuneigung und Liebe ,egal wie du bist! DU bist ich, ICH bin du und das liebe ich.
 
Dank an Julia für all diese märchenhafte Gefühle die ich empfinde und mein neues ICH, das ich besonders liebe und schätze.“

UM WIRKLICH LEBENDIG ZU SEIN, MUSS MAN FÜHLEN 

Was sind Gefühle? Warum sind sie so wichtig? Und warum will man manchmal lieber nicht fühlen und stellt sich emotional ab?
Gefühle sind mit unseren Bedürfnissen, Kernimpulsen und sinnlichem Erleben verbunden. Wir fühlen uns anderen Menschen verbunden, nah oder fern. Wir sind verletzt, wenn wir ausgeschlossen oder abgewertet werden. Wir sind glücklich, wenn wir bekommen, was wir uns tief im Herzen ersehen. Wir fühlen uns genährt und vollständig, wenn unsere Kernbedürfnisse nach Liebe, Resonanz, Kontakt. Vertrauen und Autonomie erfüllt werden. Ohne Gefühle geht nichts. Sie sind die Grundlage unserer Entscheidungen und Handlungen. Gefühle schenken Orientierung und Lebendigkeit, wenn wir uns ganz auf sie einlassen.
Doch die vielen unterdrückten Gefühle führen früher oder später zu Angst vor Gefühlen. Die Angst, dass Gefühle uns überschwemmen, wir keinen Halt mehr finden. Es baut sich eine überdimensionale Angst auf, die Wut, die Trauer, den Schmerz, den Hass nie mehr los zu werden. Doch in Wahrheit können Gefühle uns nicht töten. Was uns tötet, sind die unterdrückten, verdrängten und angestauten Gefühle. Sie lauern im Unterbewusstsein, zeigen sich im Körper in Verspannungen, Enge, Herzrasen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, usw.
Wer sich von den eigenen Gefühlen abschneidet, schneidet sich von sich selbst ab. Auf Dauer führt das zum Selbstverlust, zur Verwirrung, Orientierungslosigkeit, Kompensationsverhalten und seelischen und körperlichen Krankheiten.
In der Therapie zeigt sich dann die Ambivalenz zwischen der großen Sehnsucht wieder mit sich selbst in Kontakt zu kommen, zu fühlen und zugleich die Angst davor. Wer viele Gefühle herunter geschluckt hat, muss diese erstmal wieder auskotzen. An den unterdrückten Gefühlen hängen oft schmerzliche Erfahrungen. Man will die Wut über das Nicht-verstanden-werden oder Nicht-gehört-werden nicht fühlen, die Scham über die Abwertung, die Trauer über den Verlust, die Schuldgefühle bei einer mangelnden Abgrenzungsfähigkeit. Dafür zahlen Menschen einen hohen Preis. Denn nicht nur die schwierigen Gefühle werden nicht mehr ausgedrückt, auch die schönen Gefühle bekommen keinen Raum mehr. Es ist nicht möglich nur die „positiven“ Gefühle wahrzunehmen. Entweder man dreht den Hahn auf oder zu. Der Fokus auf nur gute Gefühle ist eine Fixierung und damit neurotisch. Besonders in esoterischen und pseudospirituellen Kreisen ist die Fixierung auf das grenzenlose Glück, Liebe und Erfolg ein falsches Heilversprechen. Dabei geht die Lebendigkeit verloren, das Authentische und das Glaubhafte. Es wird immer etwas fehlen.
Wieder fühlen lernen, ist ein wichtiger Aspekt im therapeutischen Prozess. Je mehr von den verdrängten und traumatischen Gefühlen verarbeitet ist, desto freier, klarer und stimmiger werden Gefühle. So darf sich eine gesunde Wut, eine gesunde Scham, eine gesunde Trauer genauso zeigen wie eine gesunde Freude und eine gesunde Liebe.
  • Gefühle regulieren Beziehungen
  • Gefühle verhelfen zu Bewertungen
  • Gefühle stoßen Entscheidungen an, vor allem spontane Entscheidungen
  • Gefühle regulieren Intensität des Erlebens
  • Gefühle ermöglichen Prozesse und Veränderung

 

VERWIRRTE GEFÜHLE. DAS TRAUMA KEHRT WIEDER UND WIEDER.

Verwirrte Gefühle sind eng mit Traumaerfahrungen verbunden. Verwirrte Gefühle bringen uns nicht zu uns selbst und führen nicht zu einer Klarheit oder Orientierung. Im Gegenteil. Eine unverarbeitete traumatische Erfahrung kann immer wieder getriggert werden. Es folgen:

  • gesteigerte Angst
  • Panik
  • Gefühle der Verlassenheit
  • Gefühle der Gefühllosigkeit
  • Isolierung und Machtlosigkeit
  • Kontrollverlust
  • Gefühl, das Leben und die Welt sind außer Kontrolle
  • Taubheit und/oder Stimmungsschwankungen
  • Anfälligkeit für viele verschiedene Emotionen, wie Depression, Traurigkeit, Schuld, Wut, Frustration, Angst und Reizbarkeit

 

Hinzu kommen Herzklopfen, Schwitzen, Atemschwierigkeiten, Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafprobleme, etc.

Wir fühlen uns hilflos, kraftlos und ohnmächtig, wenn nicht genug innere und äußere Ressourcen zur Verfügung stehen. Häufig stehen dahinter kindliche traumatische Erfahrungen, die in aktuellen Situationen wieder zum Leben erweckt werden und uns von uns selbst trennen. Wir sind dann mehr mit dem Trauma verbunden als mit uns selbst. Unbewusst wird das Trauma festgehalten aus der Illusion heraus, man könnte es so kontrollieren oder in Schach halten. Jedoch ist das Gegenteil der Fall. Das Trauma trennt die Selbstverbindung, erzeugt Stress und macht handlungsunfähig.

Als Kind sind wir abhängig von der Präsenz und Fürsorge der Eltern. Um sich gesund zu entwickeln, brauchen Kinder Liebe, Vertrauen, Resonanz, Kontakt und Autonomie. Werden diese Kernbedürfnisse nicht erfüllt, weil Eltern selbst traumatisiert, bedürftig, nicht bei sich oder emotional nicht anwesend sind, bekommen Kinder existentielle Angst. Es entwickeln sich früh Überlebensstrategien aus Leistung, Perfektionismus, Kontrollverhalten, Emotionales nicht so nah an sich ran lassen oder Hochsensibilität. Das Verhalten ist Ausdruck einer mangelnden Autonomieentwicklung, einer fehlenden Grenze und traumatischen Stress.

Verwirrte Gefühle entstehen aus traumatischen Erfahrungen. Es braucht eine professionelle Begleitung, um das Trauma emotional zu distanzieren. Mit der gesunden Distanz und Desidentifikation wird der Stress nachverarbeitet und die Selbstverbindung wieder hergestellt. Mit der Selbstverbindung lösen sich die verwirrten Gefühle. Klarheit, Ruhe und Stabilität kehren wieder ein.

GEFÜHLE WIEDER FÜHLEN

Ein Großteil unseres Bestrebens liegt darin, Schmerzen zu vermeiden und der Wahrheit nicht ins Auge zu sehen. Dafür wird ein hoher Preis bezahlt – man kommt nicht bei sich selbst an, ist mehr im Aussen bei den Erwartungen von anderen, hat ein stärkeres Kompensationsverhalten, verstrickt sich in emotionalen Abhängigkeiten. Gefühle werden der Situation nicht mehr angemessen wahrgenommen. Sie sind zu viel oder zu wenig. Für einen authentischen Gefühlsausdruck müssen erstmal alle alten, unterdrückten, verdrängten Emotionen Raum bekommen und gefühlt werden. So darf sich alter Schmerz lösen und Gefühle verändern.

Wer durch den Schmerz geht, wird frei. Wer auf den Ausdruck von Gefühlen verzichtet und verdrängt, lässt die Fähigkeit degenerieren, Gefühle zu empfinden. Damit geht ein Selbstverlust einher. Der Kontakt mit den eigenen Gefühlen und Körperempfindungen stellt die Verbindung mit uns selbst wieder her. Mit der Anerkennung der eigenen gefühlten Wahrheit, wird Raum frei für klare Entscheidungen. Vielleicht trennt man sich von dem lieblosen Partner, kündigt die ausbeuterische Arbeitsstelle, erkennt die eigenen destruktiven Glaubenssätze, löst sich von den bedürftigen Eltern, kann einen Verlust loslassen und geht selbstbestimmt und selbstverantwortlich den eigenen Weg.

Gefühle zu erforschen, ist Teil eines therapeutischen Prozesses. Welches Gefühl taucht auf? Wie zeigt es sich im Körper? Woher kennt man das Gefühl? Was braucht es – Halt, Trost, Verständnis? Destruktive Gefühle sind von gesunden Gefühlen zu unterscheiden, die sich in einer gesunden Wut, gesunden Angst, gesunden Scham, gesunden Trauer zeigen.

  • Chronische Angst dient meist der Abwehr von unerträglichem Schmerz. Sie ist der Preis dafür, von diesem Schmerz nicht überrollt zu werden.
  • Ängste sind der Verräter an den eigenen Bedürfnissen. Zu lange wurden Bedürfnisse unterdrückt, nicht ausgedrückt und nicht befriedigt. Angst ist ein Blockadegefühl, die Entwicklung ist gestoppt und der Selbstkontakt verloren.
  • Schuldgefühle binden auf destruktive Weise an ein System. Es treten Schuldgefühle auf, wenn man sich von dem Familiensystem lösen möchte, da der Verlust der Zugehörigkeit droht. Schuldgefühle können Ausdruck eines unbewussten Abgrenzungsverbots sein.
  • Scham entsteht in destruktiven Beziehungen aus Beschämungserfahrungen. Man wurde abgewertet, manipuliert, missbraucht. Scham bezieht sich immer auf die ganze Persönlichkeit und stellt den eigenen Wert in Frage.
  • Wut stellt sich häufig ein, wenn der Fortbestand einer Bindung bedroht ist. Hinter einer Wut steht oft Trauer und eine enttäuschte Liebe. Hass entsteht aus einer verletzten Liebe.
  • Depressionen sind häufig mit einer ungelebten Trauer verbunden. Mit der Trauer und dem damit verbundenen Loslassen kann die Depression gehen.
  • Hochsensibilität ist eine Überlebensstrategie aufgrund traumatischer Erfahrungen. Es fehlt die gesunde Grenze. Dies gilt auch in Bezug auf ADHS-Syndrom, was eine Folge der Hochsensibilisierung ist.
  • Ekel taucht häufig bei sexuellen oder emotionalen Missbrauch auf.

 

PSYCHOSOMATIK – DIE ERSCHÖPFTE SEELE 

Psychosomatik kennt jeder, der unter einer belastenden Situation leidet: Herzklopfen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Unruhe, Durchfall, Müdigkeit, Migräne, Bluthochdruck, Verspannungen. Der Körper ist außer Balance geraten und es stehen keine Ressourcen mehr zu Verfügung, um Stress zu verarbeiten. Der Kontakt zu uns selbst ist blockiert. Oft zeigt es sich in weiteren Aussagen wie „Ich habe mich selbst verloren“, „Ich habe keine Vertrauen mehr in mich“, „Mir fehlt es an Selbstwertgefühl“, „Ich kann mich selbst nicht lieben“, „Tief im Inneren lehne ich mich ab.“

Betroffene haben häufig jahrelange Arztbesuche hinter sich, viele Heilverfahren ausprobiert und jede Menge Medikamente geschluckt. Manchmal gelingt der medizinische Therapieprozess, manchmal jedoch auch nicht. Wenn keine medizinischen Ursachen gefunden werden, können seelische Konflikte und insbesondere Traumata die Ursache sein.

Eine ganzheitliche Betrachtungsweise ist die Grundlage der Psychosomatik. Jede Erfahrung ist körperlich. Traurigkeit und Weinen geht nicht ohne Tränen, Stress nicht ohne körperliche Verspannung.

Symptome haben in der Regel eine lange Entstehungsgeschichte. Sie sind per se ein Paradoxon, da Symptome auf der einen Seite stören und auf der anderen Seite schützen. Daher ist die Funktionalität der Symptome in der Therapie wesentlich. Vor was schützt das Symptom? Das innere Festhalten an Symptomen ist der Ruf des inneren Kindes nach der elterlichen Fürsorge. Es macht auf den Mangel und auf traumatische Erfahrungen in der Kindheit aufmerksam. So kann sich in der Kindheit ein unbewusstes Stressornetzwerk bilden, was später im Erwachsenenleben zu körperlichen Symptomen führt. Der damals sinnvolle Schutzmechanismus wird später zu einer chronisch dysfunktionalen Fixierung.

Gestalttherapie ist durch den ganzheitlichen Ansatz bereits eine psychosomatische Methode par excellence.

Das Gefühl im Hier&Jetzt ist einer der wichtigsten Brücken zwischen seelischem und körperlichem Verstehen. Es braucht Zeit, Mut und den Willen zur Veränderung, um wieder ein seelisches Gleichgewicht herzustellen und festgefahrene Muster zu verändern. Das Lösen aus emotionalen Verstrickungen, das Loslassen der Vergangenheit und die Wiederherstellung des Kontakts mit sich selbst sind der selbstregulierende Weg. Was über Jahre entstanden ist, lässt sich nicht in ein paar Therapiesitzungen lösen, sondern wird Schicht für Schicht ins Bewusstsein geholt und integriert.

WENN DIE KINDHEIT KRANK MACHT 

NEUE FORSCHUNGEN

Neue Forschungen belegen den Zusammenhang zwischen traumatischen Erfahrungen und körperlichen Erkrankungen wie Krebs, Rheuma, Bluthochdruck, Diabetes, Adipositas, Morbus Crohn, Neurodermitis, Zysten, Borreliose, Multipler Sklerose, Alkoholsucht, Manisch-Depressiv, Essstörungen.

Traumata sind seelische Verletzungen, die Stress- und Schockreaktionen auslösen. Sie werden begleitet von Gefühlen der Ohnmacht, Kontrollverlust, Hilflosigkeit. Wenn nicht genügend Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Stress zu bewältigen, bleibt er im Körpergedächtnis und wirkt unbewusst auf Seele und Körper ein.

Die seelische Dauerbelastung löst Entzündungsprozesse aus, die immer mehr das Immunsystem schädigen.

Untersuchungen zeigen, dass chronischer Stress die Nervenaktivität der Amygdala dauerhaft befeuert und kontinuierlich Entzündungsstoffe produziert werden. So werden chronische Entzündungen im Körper angeregt, ohne das eine Infektion vorausgegangen sein muss. Allein der seelische Stress sorgt für die Entzündungsherde im Körper und die Schwächung des Immunsystems. Psychosomatische Beschwerden sind daher bereits mehr als ein Alarmsignal und manifestieren sich in Erkrankungen.

WOHER KOMMT CHRONISCHER STRESS?

Chronischer Stress oder auch traumatischer Stress liegt ursächlich größtenteils in der Kindheit. Als Kind ist man abhängig von den Eltern. Man muss das nehmen, was man vorfindet, hinterfragt es nicht und passt sich an. Man unternimmt extreme Anstrengungen, um die Kernbedürfnisse nach Liebe, Vertrauen, Kontakt, Resonanz und Autonomie erfüllt zu bekommen. Wenn Kinder immer wieder ins Leere laufen, entstehen Leere-Erfahrungen und Überlebensstrategien werden entwickelt. Sie sichern das Überleben, doch das Gefühl von Leben und Stabilität stellt sich nicht ein. Mit einer Überlebensstrategie ist immer der traumatische Stress verbunden. Daher ist es in Therapien wichtig, die Überlebensstrategien zu erkennen, zu würdigen und daran zu arbeiten, sie als Alltagsbegleiter loszulassen.

„Im Einklang zu sein mit den Eltern heißt zu nehmen, was man bekommen hat und auf das zu verzichten, was man nicht bekommen konnte. Erst die emotionale Annahme des Verzichts lässt die Seele wirklich frei werden. Solange wir unbewusst noch hoffen, von den Eltern das zu bekommen , was man vermisst hat – Liebe, Vertrauen, Kontakt, Resonanz, Autonomie – halten wir unbewusst die Eltern fest. Wir verstricken uns in Partnerschaften, die diese Bedürfnisse nicht erfüllen können und entwickeln seelische und körperliche Krankheiten, in der kindlichen Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Nähe und Zuneigung gefangen.“
Stephan Hauser, Experte für Symptom- und Körperaufstellungen

BEISPIELE AUS THERAPEUTISCHEN BEOBACHTUNGEN

In der Fachliteratur finden sich zahlreiche Beispiele für Zusammenhänge zwischen traumatischen Erfahrungen in der Kindheit und Krankheiten. Ich habe ein paar Beispiele (Stephan Hauser „Auch wenn es mich das Leben kostet“) aufgeführt, die jedoch nicht als Verallgemeinerungen zu verstehen sind. Jeder Mensch hat andere Erfahrungen und verarbeitet Stress auch anders, daher muss im jedem einzelnen Fall geforscht werden, was der familiäre Hintergrund und die seelische Verstrickung sein könnte. Unheilbare Erkrankungen lassen sich auch nicht mit Psychotherapie heilen, aber die Seele kann Ruhe finden. Durch einen gelassenen und souveränen Umgang mit Krankheit wird der Stress reduziert und das Lebensgefühl steigt.

Patientin mit Zahnproblemen
Symptomatik: hohe Sensibilität an den Zähnen, wiederkehrende Entzündungen, Zähne waren schon immer ein Problem
Traumaursache: Identifikation mit der älteren Schwester des Vaters, die mit drei Jahren an einer Gehirnhautentzündung gestorben ist und darüber in der Familie geschwiegen wurde

Patientin mit Dystonie (Bewegungsstörung)
Symptomatik:15 Jahre Schiefhals und Krämpfe
Traumaursache: Abtreibung mit 17 Jahren durch Zwang der Mutter, Verlust- und Abtreibungstrauma der Patientin

Patientin mit Asthma
Symptomatik: Erstickungsanfälle
Traumaursache: Geburtstrauma, die Angst bei der Geburt zu sterben, Kaiserschnitt und Brutkasten. Zusätzliche Belastung der Mutter in der Schwangerschaft durch den Tod des Vaters der Mutter.

Patient mit Bluthochdruck
Symptomatik: 35-Jähriger leidet drei Jahre unter Bluthochdruck
Traumaursache: Vater hat die Familie verlassen als der Patient 17 Jahre alt war. Er hat die Rolle des Vaters übernommen. Die Liebe zu seinem Vater hat er aus Liebe zu seiner Mutter unterdrückt und zurückgehalten

Aus systemischer Sicht stehen berufliche Themen häufig im Zusammenhang mit der Beziehung zum Vater. Bei Bluthochdruckpatienten zeigen sich als hintergründige Familiendynamik oft eine Liebe, die zurückgehalten wird oder werden muss.

Patientin mit Drehschwindel
Symptomatik: Erkrankung im Innenohr und Schwindelanfälle
Traumaursache: Mutter der Patientin hat zwei Kinder verloren. Durch das Verlusttrauma war die Mutter emotional nicht mehr für die Patientin erreichbar.
Die hilfebedürftige Symptomatik des Schwindels war ein unbewusster Ausdruck einer Sehnsucht nach Nähe, Geborgenheit und Halt von der Mutter

Patientin mit Morbus Crohn
Symptomatik: Darmentzündung
Traumaursache: Verlusttrauma der Mutter. Sie hatte ihre Eltern verloren und der Vater war alkoholkrank. Die Patientin konnte keinen Kontakt zur Mutter herstellen ohne nicht von dem Trauma überwältigt zur werden und verzichtete auf die Nähe der Mutter.

Bei Morbus-Crohn Patienten konnte beobachtet werden, dass die Mutter der Patienten entweder an ihre Herkunftsfamilie, an einen früheren Partner oder auch an ein verlorenes oder abgetriebenes Kind gebunden war. Diese Bindung belastete die Bindung der Patienten an die Mutter. Die Sehnsucht nach der Nähe zur Mutter muss aufgegeben werden, um mit dem in Einklang zu kommen, was war.

In der systemischen Arbeit zeigen sich beispielsweise bei Depressivität, dass Menschen nicht möglich war oder erlaubt wurde, einen Elternteil oder beide in ihr Herz zu nehmen. Dies führt zu dem von Depressiven häufig empfundenen Grundgefühl verlassen und innerlich leer zu sein. Der Ursprung dafür liegt oft bereits in einer frühkindlichen Bindungsstörung, auch wenn das depressive Verhalten sich mit erst in einer späteren Lebensphase zeigt. (Prof. Dr. Franz Ruppert, System- und Traumatherapeut)

WIE LÄUFT EIN THERAPIEPROZESS AB? 

Inzwischen kombiniere ich immer öfters die Online-Autonomie-Aufstellungen mit Einzelsitzung Gestalttherapie als Therapieplan. Insbesondere bei körperlichen Symptomen, Bindungs- und Beziehungsschwierigkeiten sowie frühen traumatischen Erfahrungen erweist sich die Kombination als besonders wirksam.

Mit den Aufstellungen wird an der inneren Struktur gearbeitet, die notwendig ist, um Stress nachzuverarbeiten und in Zukunft besser mit Stress umzugehen – ohne Symptome zu entwickeln. Im gestalttherapeutischen Arbeiten wird die Wahrnehmung des Körpers und der Gefühle geschult, um einen Raum auch für die verdrängten schwierigen Gefühle zu schaffen. Durch die Praxis der Achtsamkeit entsteht Schritt für Schritt ein sicherer Umgang mit schwierigen Gefühlen. Man macht die Erfahrung, dass schwierige Gefühle kommen und gehen. Die Angst vor der Angst darf sich nach und nach lösen, wenn schmerzliche Gefühle gefühlt werden anstatt verdrängt.

Heilungsprozesse entstehen durch das „Bonding“ mit dem verlorenen inneren Kind.

Oft wird das kindliche Selbst verwechselt mit dem Schweren in der Kindheit und findet kein Gehör. So wird wiederholt die Erfahrung gemacht, Nicht-gesehen und Nicht-gehört zu werden. Es treten innere Widersprüche und verwirrte Gefühle auf, die die Selbstentfremdung zwischen den Selbstanteilen aufrechterhalten. So entsteht eine Abkoppelung von Emotionen, ein Sucht- und selbstzerstörerisches Verhalten sowie ein Hin- und Herschwanken zwischen Verletzlichkeit und Kontrolle, Liebe und Hass, Nähe und Distanz, Scham und Stolz. Es besteht ein großes Verlangen geliebt zu werden, sich geborgen und willkommen zu fühlen und zugleich unsichtbar zu sein. Doch passiert es immer wieder, dass man sich ängstlich an andere klammert, um sie dann wieder wegzustoßen. Selbsthass und wenig Toleranz für die Fehler anderer sind Teil des Ausdrucks der inneren Spaltung. Die innere Spaltung wird durch den therapeutischen Aufbau der Beziehungen zwischen den Selbstanteilen überwunden.

Der Kontakt mit dem erwachsenen/wahren Selbst schafft den sicheren Raum für unser kindliches Selbst. Die Bedürftigkeit und unser Potential der kindlichen Selbstanteile brauchen unsere Aufmerksamkeit. So kann sich eine Beziehung zu unseren Selbstanteilen aufbauen, die den therapeutischen Prozess im Sinne der Selbstheilung, Selbstbestimmung und Selbstermächtigung folgen.

Mit der therapeutischen Arbeit wird nach und nach der Raum und die Sicherheit geschaffen, schwierige Emotionen zu bewältigen und zu lösen. Es können sich Schritt für Schritt die emotionalen Ursachen für Belastungen zeigen und bearbeitet werden.

WAS KANN THERAPIE LEISTEN?

Im besten Fall kann Therapie die Seele wieder ins Gleichgewicht bringen, die Autonomie stärken und die Selbstheilungskräfte aktivieren. Damit verbunden ist die Selbstintegration, das Ankommen bei sich selbst. Jeder Mensch spürt sehr genau, ob er mit sich verbunden ist oder nicht. Die Sehnsucht nach Selbstvertrauen, Selbstverbindung, Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl und Selbstliebe ist groß.

Wie die Begriffe zeigen, handelt es sich immer um einen Beziehungsaspekt. Die Beziehung zwischen unserem ICH und unserem wahren SELBST. Zugleich spiegeln sie die fünf Kernbedürfnisse in der Kindheit wider:

VERTRAUEN: Ich vertraue mir selbst.

KONTAKT: Ich bin mit mir selbst verbunden.

AUTONOMIE: Ich bin mir meiner selbst bewusst.

RESONANZ: Ich bekomme, was ich brauche.

LIEBE: Ich liebe mich selbst.

Therapie kann nur Zugänge öffnen und Erklärungsangebote für Symptome machen. Jeder Klient entscheidet selbst, an welchen Themen er/sie arbeitet, was zu vertiefen und was im Moment offen bleiben kann oder sogar muss.

Eine Faustregel ist: körperliche Symptome sind oft Trauma-Erinnerungen.

Infos zu den Online-Autonomie-Aufstellungen hier

NEUROBIOLOGISCHE EBENE & TRAUMATISCHER STRESS

Auf der neurobiologischen Ebene ist das therapeutische Ziel die Gedächtnisrekonsolidierung. Durch traumatischen Erfahrungen werden die Selbstanteile fragmentiert, d.h. die gesunden Selbstanteile abgespalten. Es bilden sich Überlebensstrategien, die für den Zeitpunkt oder Zeitspanne der traumatischen Erfahrung existentiell waren, aber in aktuellen Situationen oder Beziehungen sich als destruktiv und anstrengend erweisen. An jeder Überlebensstrategie hängt der traumatische Stress.

Traumata sind Stressoren und werden als Ursache für eine gestörte Entwicklung der Autonomie gesehen. Die Fähigkeit, sich von anderen ohne Schuldgefühle abgrenzen zu können, andere Menschen nicht für eigene Bedürfnisse zu missbrauchen oder nicht missbraucht zu werden und sich selbst als vollständig wahrzunehmen, ist wenig bis gar nicht vorhanden. Als Kompensation für die mangelnde Autonomie werden destruktive Symbiosemuster entwickelt, die emotionale Abhängigkeiten schaffen und unfrei machen. Die Wahrnehmung und Erfüllung der eigenen Bedürfnisse ist blockiert.

Für die Integration der Selbstanteile und Entwicklung der Autonomie braucht es eine innere Grenze, die den eigenen Raum schützt und die Traumata als Erinnerung in der Vergangenheit speichert.

GEDÄCHTNISREKONSOLIDIERUNG ALS SELBSTHEILUNGSPROZESS

Das Gehirn hat bis ins hohe Alter die Fähigkeit, frühere als Erinnerung gespeicherte Traumata zu löschen.

Neue Forschungen aus der Epigenetik zeigen:
„Die gute Nachricht ist, dass eine erfolgreiche traumapsychotherapeutische Behandlung zwar nicht die Sequenz des Genom verändert, wohl aber heilend bis in die epigenetischen Mechanismen der Stressregulierung und die Reparatur der DNA hineinwirkt.“
(Morath 2014: Effects of Psychotherapy on DNA Strand Break Accumulation Originating from Traumatic Stress).

Unbewältigte Traumata sind Fehlspeicherungen im Gehirn. Die gesunde Distanz zum Erlebten fehlt und kann daher immer wieder getriggert werden. Der Aufbau einer gesunden Distanz durch eine Abspeicherung in der Vergangenheit ist therapeutisch wichtig. „Vieles, was wir erleben haben, ist unbewusst als Reaktionsmuster unserer Körpers auf bestimmet Ereignisse gespeichert. Deshalb können auch vorgeburtliche Erfahrungen erinnert werden, z.b. ein Abtreibungsversuch, künstliche Befruchtungen, ungewollte Schwangerschaft. Die Tatsache, dass wir uns nicht bewusst erinnern, bedeutet nicht, dass wir es nicht erlebt haben.“

DAS LEBEN GESTALTEN

Inzwischen habe ich meinen zweiten Geburtstag im Lockdown verbracht. In der Lebensmitte angekommen und herausgefordert durch die anhaltende Corona-Pandemie, stelle ich mir erneut die Fragen, was die wahren Bedürfnisse sind und inwieweit man sich von den äußeren Bedingungen beeinflussen lässt, um das eigene Leben zu gestalten. Den Impuls dazu hat mir einer meiner Ausbilder gegeben, der vor zwei Wochen geschrieben hat:

„Liebe Freunde, liebe Kolleg*innen,
wenn ich heute mit 80 Jahren auf mein Leben zurück blicke, erfüllt mich eine tiefe Dankbarkeit.

Dank an meine Eltern
Im Sommer 1940 befand sich Deutschland in Krieg. Bevölkerungsgruppen wurden vom Nazi-Regime unterdrückt, verfolgt und vernichtet – darunter auch Bekannte und Freunde meiner Eltern. Die Zukunft war ungewiss. Ein Kind in diese verwirrte und gefährdete Welt zu setzen spricht für Mut und Vertrauen. Dafür danke ich meinen Eltern. Diesen Mut und dies Vertrauen brauchen wir auch heute.

Als ich vor 40 Jahren die Vision von einer Therapie hatte, konnte ich nicht ahnen, dass diese Vision sich erfüllen wird. Das ist ein weiterer Grund dafür dankbar zu sein.“

Die Worte haben mich berührt. Sie schenken Mut, sich selbst treu zu bleiben und auch unter widrigen Umständen die eigenen Ziele und Vision nicht aufzugeben.

SICH SELBST AM HERZEN LIEGEN

Wie oft richten wir am Tag die Aufmerksamkeit auf unsere Umwelt? Auf die Bedürfnisse und Erwartungen von anderen? Wir machen uns Druck, Stress und haben vielleicht auch Schuldgefühle, wenn wir nicht so „funktionieren“, wie wir glauben, dass andere uns haben wollen. Dafür zahlen wir ein hohen Preis, der zu Energieverlust und Abhängigkeit führt anstatt zu einer inneren Balance und Freiheit.

Wenn wir immer nur den Blick nach außen werfen, verlieren wir Stück für den Stück den Blick auf uns selbst. Ganz allmählich, schleichend, werden wir immer abhängiger von anderen Menschen: was sie denken, was sie fühlen, was sie erwarten, was sie brauchen. Oft verbunden mit der Hoffung, selbst gesehen und gehört zu werden.

Schließe für einen Moment die Augen und richte den Blick nach innen.
Was brauchst du gerade jetzt?

Um einen gesunden Energielevel zu erreichen, braucht es den Fluß von Geben und Nehmen und die Frage, was die eigenen wahren Bedürfnisse sind. Manchmal kann das vielleicht irritierend sein, weil man die Frage so selten an sich selbst richtet. Manchmal ist es auch verwirrend oder kann Schamgefühle hervorrufen, weil man es einfach nicht weiß. Daher nicht gleich wegrennen. Richte mit Geduld und Mitgefühl den Blick nach innen. Es ist nicht immer leicht, seine wirklichen Bedürfnisse zu spüren. So viele „Sollest“ und „Müsste“ stehen im Weg, die den Kontakt zu den wahren Bedürfnissen verstellen.

Manchmal sind die wahren Bedürfnisse überlagert und es kommt zu vorschnellen Bedürfnisbefriedigungen. Dazu zählen Konsumverhalten, wie Alkohol, Zigaretten, Shoppen, Medienkonsum. All dies bringt kurzfristig eine Entspannung, hat jedoch in der Regel wenig nachhaltigen Effekt. Es ist eher der Impuls, schwierige Gefühle erst gar nicht aufkommen zu lassen und sie mit übereilter Bedürfnisbefriedigung zu betäuben oder zu verdrängen.

Schwierige Gefühle sind jedoch ein Signal, ein Hinweis auf unseren wahren Bedürfnisse, die nicht erfüllt sind. Das Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse ist ein Prozess. Manchmal auch verbunden mit Angst, Scham und Schuldgefühlen. Zu oft hat man sich vielleicht verbiegen müssen oder hat sich angepasst. Man durfte das Eigene, das Individuelle nicht leben und nicht zeigen.

Das Spüren und Erfüllen der wahren Bedürfnisse bereitet tiefste Freude. Es nährt sprichwörtlich Seele und Herz. Wir werden plötzlich ruhig anstatt getrieben, klarer anstatt verwirrt, freudvoller anstatt ängstlich.

VON DER FREMDABHÄNGIGKEIT ZUR SELBSTABHÄNGIGKEIT

Abhängigkeit ist oft sehr negativ besetzt. Vermutlich liegt es daran, dass so viele Menschen eine ungesunde Form der Abhängigkeit erlebt haben, die auf Druck, Stress, Erwartungen, Abwertungen, Anpassung, Angst und Schuldgefühlen beruht.

Als Kind sind wir abhängig von unseren Eltern. Wir sind darauf angewiesen, dass wir gehört, gesehen und in unseren Bedürfnissen gespiegelt werden. Wenn die Grundbedürfnisse nach elterlicher Resonanz, Kontakt, Vertrauen, Nähe, Liebe nicht erfüllt werden, kommen Kinder in emotionalen/ traumatischen Stress und entwickeln Überlebensstrategien wie Anpassung, Abspaltung der Bedürfnisse, Perfektionismus, Kontrollverhalten, Aktionismus, Rationalität, Funktionieren, Nicht-Fühlen. Die Überlebensstrategien sichern das Leben, aber trennen von dem positiven sicheren Lebensgefühl – der Lebensfreude, der Selbstliebe und des Urvertrauens.

Je nach den traumatischen Stresserfahrungen in der Kindheit kann eine zunehmende Selbstentfremdung entstehen, die sich in den Gefühlen äußert, wie „Ich bin nicht bei mir“, „Ich weiß nicht, was ich fühle“, „Ich fühle mich außerhalb von meinem Körper“, „Ich kann mir selbst nicht vertrauen“, „Ich bin falsch“, …
Man fühlt sich unsicher in sich selbst und sucht im Außen nach Sicherheit. Die Erfahrungen aus einem Trauma suggerieren „Unsere Empfindungen haben ihren Ursprung nicht ins uns selbst. Andere Menschen bewirken, dass es uns schlecht geht, und nur andere Menschen können bewirken, dass es uns gut geht.“ (Trauma-Ausbilderin im Forschungscenter Massachusetts)

So kann eine traumatische Erfahrungen in eine emotionale Abhängigkeit führen, die sich destruktiven anstatt in konstruktiven Abhängigkeiten äußert. Die traumatisierten kindlichen Anteile können sich durch den entstandenen Stress nicht weiterentwickeln. Es bleiben unerfüllte Sehnsüchte in Bezug auf die Eltern, die unbewusst weiter im Außen gesucht werden, auch wenn man bereits erwachsen ist. So werden die kindlichen Bedürfnisse auf Partner oder Arbeitskollegen projiziert, die mit den hohen Erwartungen überfordert sind und innerlich auf Abstand gehen. Dies wiederum erfährt man als Kränkung oder Ablehnung und nährt den Selbstzweifel. Die Negativ-Spirale in eine Fremdabhängigkeit beginnt.

In der Therapie führt der Weg weg von der Fremdabhängigkeit hin zu sich selbst – in die Selbstbestimmung, Selbstermächtigung, Selbstabhängigkeit. Die Stärkung des wahren Selbst/ erwachsenen Selbst öffnet den Raum für den eigenen kindlichen Anteil. Dem kindlichen Anteil, der Kontrollverlust, Ohnmacht, Hilflosigkeit erfahren hat, steht allmählich ein erwachsenes inneres Selbst gegenüber, dass genau diese Bedürfnisse erfüllen kann. So entsteht emotionale Unabhängigkeit, die wiederum erst eine Begegnung auf Augenhöhe und eine konstruktive Abhängigkeit zu Anderen ermöglicht.

STRESSORBASIERTE PSYCHOTHERAPIE

In der Therapie verwende ich sehr häufig den Begriff des Traumas. Das mag vielleicht erstmal etwas irritiertend sein. Manchmal löst es vielleicht auch Widerstand aus, sich selbst damit in Verbindung zu bringen.

Traumata werden als Ursache für eine gestörte Entwicklung der Autonomie gesehen. Die Fähigkeit, sich von anderen ohne Schuldgefühle abgrenzen zu können, andere Menschen nicht für eigene Bedürfnisse zu missbrauchen oder nicht missbraucht zu werden und sich selbst als vollständig wahrzunehmen, sind Aspekte einer Autonomie-Entwicklung. Als Kompensation für die mangelnde Autonomie werden destruktive Symbiosemuster entwickelt, die emotionale Abhängigkeiten schaffen. Die Wahrnehmung und Erfüllung der eigenen Bedürfnisse ist blockiert.

Für die Integration der Selbstanteile und Entwicklung der Autonomie braucht es eine innere Grenze, die den eigenen Raum schützt und unbewusst wirkende Traumata/ Stressoren entfernt.

Ein Trauma ist auf einer biologischen Ebene unbewältigter Stress.

Sobald wir Stress erfahren und nicht genug Ressourcen zur Verfügung haben, um diesen zu verarbeiten, bleibt er im Körper „liegen“. Unverarbeiteter Stress bildet auf Dauer ein Stressornetzwerk. Dieses innere Stressornetzwerk zeigt sich in den Überlebensstrategien und in den alltäglichen Triggern. Die emotionale Ladung dahinter ist noch nicht verarbeitet und ruft die gleichen Gefühle von Hilflosigkeit, Ohnmacht, Kontrollverlust wie zum Entstehungszeitpunkt hervor. Es gibt noch keine Differenzierung der Zeit – zwischen damals und heute. Gefühlt findet alles jetzt statt.

In der stressorbasierten Therapie, die ich mit der Gestalttherapie verbinde, ist das Ziel, die unbewussten und verdrängten Stressoren ausfindig zu machen und den Stress nachzuverarbeiten. Dadurch wird die emotionale Ladung auf der neurobiologischen Ebene gelöscht und der Mensch erlebt nach und nach mehr innere Ruhe und Stabilität. Dadurch wird der eigene Handlungsspielraum erweitert und sich wiederholende Muster aufgebrochen.

Der Aufbau der Beziehung zu sich selbst durch die Beziehung der Selbstanteile, bringt die Selbstregulation in Gang. Es ist das angeborene Streben des Körpers nach Vollständigkeit und Ganzheit, wenn er aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die Erfahrung der Selbstregulation lässt das Selbstvertrauen wachsen, führt von der Ohnmacht zur Selbstermächtigung und von der Hilflosigkeit zur Freiheit.

Dies ist ein neuer und innovativer Ansatz in der Psychotherapie, der sich aus den neurobiologischen Forschungen ergeben hat. Das Gehirn hat bis ins hohe Alter die Fähigkeit, frühere als Erinnerung gespeicherte Traumata zu löschen. (Kindertraumatherapeut Thomas Hensel)

Eine Belastungserfahrung kann einen subjektiv bedeutsamen Stressor entstehen lassen. Bildlich gesprochen entsteht ein psychosomatisch wirksamer Entzündungsherd. Dieser zeigt sich in körperlichen Symptomen und seelischem Leid. Ziel ist es, die Stressoren zu identifizieren und sich dann von ihnen durch den Aufbau einer gesunden Grenze zu distanzieren. Stress kann immer nur Schicht für Schicht verarbeitet werden. Daher brauchen Psychotherapien auch ihre Zeit. Was über Jahre entstanden ist, lässt sich nicht in ein paar Wochen auflösen. Die Seele gibt immer nur soviel preis, wie auch verarbeitet werden kann.

Das Autonomie-Diagramm, welches ich zu Beginn einer Therapie gerne ausfüllen lasse, gibt erste Hinweise auf unverarbeiteten Stress und vorhandene destruktive Symbiosemuster, die die Autonomieentwicklung und damit die Stressbewältigung blockieren.

VON DER SELBSTENTFREMDUNG ZUR SELBSTVERBINDUNG 

Niedergeschlagenheit, depressive Phasen, Ängste und auch psychosomatische Beschwerden wie Migräne, Verspannungen, Bauchschmerzen, zu viel oder zu wenig Essen gehen mit einer mangelnden Selbstverbindung einher. Der Kontakt zu sich selbst ist brüchig oder nicht mehr spürbar. Die Grenze zwischen dem eigenen Selbst und anderen verschwimmt. Die Aufmerksamkeit ist mehr auf die Erwartungen, Vorstellungen oder Meinungen von anderen gerichtet als auf das Eigene. Bewusst oder unbewusst ist man mit bestimmten Rollen identifiziert. Eine Überidentifikation mit der Arbeit führt auf Dauer zum Burnout, da die Grenzen nicht mehr klar wahrgenommen werden.

Je mehr die Aufmerksamkeit im Außen liegt, desto stärker wird die emotionale Abhängigkeit, die über kurz oder lang zur Selbstentfremdung führt. Selbstentfremdung bringt Menschen weg von ihren Gefühlen, ihren Bedürfnissen und ihrer Lebenskraft.

Der Überlebensmodus durch Funktionieren, Perfektionismus, Aktionismus, Kontrolle, Leistungsorientierung, Anpassung und Größenphantasien erzeugt enormen Stress. Wie ein Getriebensein wird der Alltag erlebt, der nie zur emotionalen Fülle beiträgt, sondern die Leere oder Mangelerleben immer weiter nährt.

Der Mensch hat immer die Sehnsucht nach Vollständigkeit. In der Verbindung mit sich selbst – dem wahren Selbst – erlebt jeder Mensch seine Vollständigkeit, innere Fülle und Kraft. Das wahre Selbst ist unabhängig und frei, muss nichts leisten, um geliebt zu werden und spürt den Wert in sich selbst. Das wahre Selbst ist der unzerstörbare innere Kern, den jeder Mensch in sich trägt.

Die Selbstverbindung ist der Weg, seelische und psychosomatische Beschwerden aufzulösen.

DAS FALSCHE SELBST ALS ÜBERLEBENSSTRATEGIE 

Das falsche Selbst agiert aus dem Überlebensmodus. Hier sind die Überlebensstrategien und Glaubenssätze beheimatet. Sie entstehen aus eigenen oder übernommenen Traumata. Der Verlust eines Menschen kann so tief gehen, dass die Seele nicht mehr erreichbar ist. Kinder laufen bei Eltern emotional ins Leere, wenn diese die Verstorbenen in ihrer Seele unbewusst festhalten. Kinder strengen sich über die Maßen an, um gesehen und gehört zu werden. Meistens ohne jemals die Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen, die sie gebraucht hätten. Oder es entstehen Glaubenssätze wie „Ich brauche niemanden“, „Ich muss perfekt sein“, „Immer werde ich enttäuscht.“ Der Kontakt zum eigenen wahren Selbst geht verloren und es entsteht ein falsches Selbst.

Das falsche Selbst zeigt sich in Verhaltensweisen, wie einer übermäßigen Stärke und Dominanz, manischen Phasen, narzisstischem Drang, maßlose Wut, Bindungsangst, umherirrender Geist und in negativen Glaubenssätzen über sich selbst. Das falsche Selbst ist immer mit Stressoren und unverarbeiteten Stress verbunden.

Menschen mit einem gesunden Selbstverbindung und gesunder Selbstliebe wissen, dass sie nicht perfekt sein müssen, dass sie anderen nicht überlegen sein müssen oder sie dominieren müssen. Sie dürfen Fehler machen und haben trotzdem das sichere Gefühl wertvoll zu sein. Sie müssen andere nicht beeindrucken und Bewunderung erfahren oder andere idealisieren. Sie leben aus sich selbst heraus – frei, authentisch, unabhängig.

DIE CORONA-KRISE ALS TRIGGER FÜR FRÜHERE TRAUMATA 

Seit fast einem Jahr sind Menschen gezwungen sich aus dem Weg zu gehen, Distanz zu halten und mit all den Sorgen und Nöten emotional fertig zu werden. Damit wird die Corona-Krise automatisch zum Trigger für frühere Traumata, die bislang verdrängt wurden und jetzt reaktiviert werden können. Trigger sind Auslöser und Hinweisreize, die unverarbeitete schwierige Erfahrungen wieder in das gegenwärtige bewusste Erleben bringen.

Der Eingriff von außen auf das Leben und die stärker wahrgenommene Fremdbestimmung rücken Gefühle von Ohnmacht, Hilflosigkeit und Kontrollverlust in den Vordergrund. Belastende Erfahrungen aus der Kindheit, die aus dem Gedächtnis verbannt wurden, können dadurch wieder aktiviert werden und führen damit zu seelischen Beschwerden oder zu körperlichen Symptomen.

Durch die Einschränkungen des Alltags in der Corona-Krise können Kompensationsmuster nicht mehr ausgelebt werden, die im Laufe des Lebens entstanden sind, um die überwältigenden Gefühle von damals nicht zu fühlen. Oder die bis dato aufgebauten Kompensationsmuster funktionieren nicht mehr wie gewohnt und bringen die Seele durcheinander.

Spürbar wird, wie fragil die eigenen Kompensationsmuster eigentlich sind, die als Überlebensstrategien zwar das Überleben sichern, aber kein Leben ermöglichen.

Überlebensstrategien sind immer verbunden mit unbewussten oder bewussten Stress. Das kann zu Bluthochdruck, Nervosität, Unruhe, Schlafstörungen, Verspannungen, Verdauungsproblemen, schwierigem Essverhalten, etc führen. All dies sind letztlich Symptome, die auf den unverarbeiteten Stress aufmerksam machen. Oftmals ist dieser Stress in der Kindheit entstanden und wird durch aktuelle Konflikte und Krisen, sogenannte Trigger, reaktiviert. Die Grenzen zwischen den verdrängten Erfahrungen von damals und heute sind nicht vorhanden. Die ganze Wucht der Gefühle überschwemmt die Seele. Die weitere Verdrängung führt zu weiteren Symptomen.

REVUE: EIN JAHR ONLINE-AUTONOMIE-AUFSTELLUNGEN

Ein Jahr arbeite ich nun schon intensiv mit den Online-Autonomie-Aufstellungen. Entweder als eigenständigen Prozess oder in Kombination bzw. Wechsel mit den klassischen 50-Min-Settings. Die Erfahrungen sind durchweg positiv und effektiv. Bereits nach den ersten Aufstellungen sind Entlastungen spürbar. Klienten berichten, wie sie wieder mit sich selbst im Kontakt sind und sich freier und unabhängiger fühlen.

Die Aufstellungsmethode arbeitet an der Ich-Struktur:

  • Aufbau eines gesunden inneren Distanz und eigenen Raums
  • Stärkung der Selbstverbindung
  • emotionale Distanzierung und Nachbearbeitung von traumatischen Stress

 

Der zugrunde liegende Lösungsalgorithmus basiert auf dem Ansatz der Gedächtnisrekonsolidierung (Thomas Hensel, Stressorbasierte Psychotherapie). Die neueren Forschungen belegen, dass das Gedächtnis auch nach traumatischen Erfahrungen reversibel ist, was frühere Traumaansätze nicht berücksichtigen. Damit eröffnen sich ganz neue Perspektiven auf die Bewältigung von Traumata und emotionale Entlastung von Stresserleben.

DANKE FÜR DIE ERFAHRUNGSBERICHTE ❤︎

Ich möchte mich herzlich für die Erfahrungsberichte bedanken und freue mich, diese teilen zu dürfen:

Klientin: „Die Autonomie-Aufstellung hat mir dazu verholfen, die Sicht auf eingefahrene Muster zu verändern, zu reflektieren, was hinter langjährigen Abwehr- und Überlebensmechanismen steckt und wie ich in weiterer Folge in Momenten, die mich triggern, bestmöglich bei mir und mit mir verbunden bleiben kann. Es ist eine tolle Möglichkeit, um einen wertfreien Blick auf emotional behaftete Themen zu gewinnen und ein guter, wichtiger Weg um alte Wunden heilen zu lassen. Fr. Belke geht mit ihrer einfühlsamen Art und Weise verständnisvoll und achtsam mit den zu bearbeiteten Themen um und lenkt durch gezielte Fragestellungen dazu an, lösungsorientiert zu denken und selbstständige Erkenntnisse zu gewinnen.“

Klient: „Mithilfe der durch Dr. Belke durchgeführten Autonomieaufstellung hat mein inneres Ich es geschafft sich abgrenzen zu lernen und das ganz ohne schlechtes Gewissen und Schuldgefühle. Am Anfang war ich etwas skeptisch und hab mir eigentlich nicht vorstellen können, dass das zu diesem Erfolg führen kann. Ich habe Autonomieaufstellungen im beruflichen als auch im familiären Umfeld mit Dr. Belke durchgearbeitet und muss sagen, dass ich wirklich begeistert davon bin. Der Effekt ist nachhaltig und geht wirklich tief, die belastenden toxischen Verbindungen konnten für mich aufgelöst werden und der daraus resultierende Schmerz war sehr bald darauf nicht mehr zu spüren. Ich habe insgesamt das Gefühl, dass ich wieder freier und mehr bei mir selbst bin. Mir hat das wirklich sehr geholfen.“

Klientin: „Seitdem ich mit Julia zu arbeiten begonnen habe, fühle ich mich vollständiger, präsenter und bin „mehr bei mir“. Diese Wahrnehmung stimmt sehr gut mit den sich über den Lauf der Zeit veränderten Ergebnissen der Autonomie-Aufstellung überein: In den Punkten, in denen ich zu Beginn der Arbeit weiter von mir entfernt war, zeigt sich jetzt mehr Übereinstimmung mit mir und ein gesundes Verhältnis zu „meinen Anteilen“. Es hat mir sehr beim Verstehen geholfen und mich stolz gemacht, meine Empfindungen über meinen veränderten Zustand klar in Form der Autonomie-Aufstellung zu sehen.“

ACHTSAMKEIT – SCHATZSUCHE IM ALLTAG

So langsam zeigen sich die ersten Sonnenstrahlen, die die Zuversicht im Herzen wachsen lassen. Das Gesicht kurz in der Sonne wärmen, ein Duft von Frühling und ein Lächeln im Vorbeigehen von einem Unbekannten, können Schätze des Alltags sein.

Die Krise fordert allen Menschen viel ab – Geduld, Einsamkeit, Monotonie, Ängste und Sorgen. Viele erleben den Alltag als Tretmühle und als eine Last. Umso mehr sind wir auf die Momente des Glücks, des inneren Friedens und der Hoffnung angewiesen. Jeder Mensch hat seine eigenen Schätze des Alltags. Es ist die Einladung bewusst diese zu erleben und ins Schatzkästchen des Herzens zu legen.

Achtsamkeit kann helfen, die Schätze des Alltags zu erkennen und zu genießen. Achtsamkeit ist nicht nur das Bild von einem meditierenden Menschen, der sich in Stille und Abgeschiedenheit zurück zieht. Achtsamkeit ist die bewusste Lenkung der Aufmerksamkeit auf das Hier & Jetzt, der Einsatz unserer Sinne und sich zu erden.

Achtsamkeit ist Beziehung. Wir gehen in Beziehung mit uns selbst und mit unserer Umgebung. Indem wir bewusst wahrnehmen, gehen wir Kontakt. Wir stellen eine Verbindung her zu unseren Gefühlen, unserer Wahrnehmung, zu der Natur, zu den Tieren, zu den Menschen. Jeder Gruß und jedes Lächeln ist ein Akt der Beziehung.

RELATIONALE ACHTSAMKEIT

Gerade durch die strikten Maßnahmen des Social Distancing kann insbesondere die relationale Achtsamkeit unterstützend wirken. Achtsamkeit wird oft gleichsetzt mit „Bei-sich-sein“ oder „Bei-sich-bleiben“. Dies ist auch ein wichtiger Teil der Achtsamkeit und ein Schlüssel für ein intensiveres Leben. Doch möchte ich die Aufmerksamkeit aktuell auf die relationale Achtsamkeit, auf Beziehungen, in den Fokus rücken.

Relationale Achtsamkeit richtet sich auf unsere Umwelt und Interaktionen. Alle Menschen sind relationale Wesen, wir entwickeln uns nur im Kontakt mit unserer Umwelt. Daher ist es umso spannender genau diesen Teil der Achtsamkeit bewusst zu machen. Dabei geht es nicht nur um die zwischenmenschlichen Kontakte, sondern auch um den Kontakt zu unserer Umwelt – den Stuhl, auf dem wir sitzen, den Baum, den wir anschauen, das brennende Teelicht, das wir sehen, den Vogel, den wir hören ….

Achtsamkeit wird häufig nur über das körperliche Spüren oder die Wahrnehmung mentaler Prozesse gelehrt. Jedoch ist dies oft problematisch, insbesondere für Menschen mit seelischen Schwierigkeiten. Sie spüren zu wenig, werden verwirrt oder es werden problematische Assoziationen getriggert. Manchmal findet eine starke Selbstabwertung statt, wenn nicht so viel „gespürt“ wird. Achtsamkeitsübungen können daher äußerst kontraproduktiv sein, wenn der Fokus zu sehr auf die innere Achtsamkeit gerichtet wird. Oft ist es leichter Objekte oder Geräusche wahrzunehmen und die äußere Achtsamkeit zu praktizieren.

Wenn wir den Fokus auf das Beziehungsgeschehen, das Dazwischen richten, verschwindet die Fokussierung auf das, was scheinbar fehlt und was scheinbar unbedingt gebraucht wird. Relationale Achtsamkeit kann eine Nahrung sein für das Gefühl der Verbundenheit, was gerade in der aktuellen Krise dem Erleben nach immer mehr verloren geht.

EINE GESCHICHTE – DAS PERFEKTE HERZ

Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich, und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, was sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter mit seinem schönen Herzen.

Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: “Nun, Dein Herz ist nicht mal annähernd so schön, wie meines.” Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an.

Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig, und es gab einige ausgefranste Ecken…..genauer… an einigen Stellen waren tiefe Furchen, wo ganze Teile fehlten.

Die Leute starrten ihn an. Wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner, dachten sie? Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: “Du musst scherzen”, sagte er, “Dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und Deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen.”

“Ja”, sagte der alte Mann, “Deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit Dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen, und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten. Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen.

Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde und ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?”

Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen. Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Der alte Mann nahm das Angebot an, setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde des jungen Mannes Herzen. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte. Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen. Sie umarmten sich und gingen weg, Seite an Seite.

WEIHNACHTEN, NEUES JAHR & NEUE PRAXIS 

Endlich ist es mit der neuen Praxis soweit, was mich sehr freut 🙂 Hier und da sind noch ein paar Feinjustierungen, aber das große Ganze ist schon mal fertig. Ich möchte mich bedanken, dass jeder so flexibel und unkompliziert die Zwischenlösung angenommen hat. Vielen lieben Dank nochmals!

Mit der neuen Praxis soll es auch neue Angebote geben. Sobald wieder Gruppen erlaubt sind, wird es Selbsterfahrungs-Wochenenden mit max 6 Personen geben, gestalttherapeutische Familienaufstellungen und spezielle Aufstellungsformate, wie beispielsweise „Das innere Team“ und „Ressourcen-Aufstellungen“.

Auch habe ich endlich mein ganze Therapiewerkstatt da mit einer kleinen Auswahl an Musikinstrumenten, Stoffen, Stofftieren, Malutensilien und Aufstellungsmaterial. Meine Bibliothek ist natürlich mitgekommen und lädt alle zum Stöbern ein. Es sind nicht nur Fachbücher, sondern auch Bücher unter der Rubrik Lebenshilfe, Achtsamkeit, Buddhismus und Spiritualität. Natürlich fehlen auch nicht Romane von einem meiner Lieblingsautoren des Psychotherapeuten Ervin Yalom. 

NEUE WEBSITE

Im Zuge des Umzugs hat sich auch die Website verändert. Die einzelnen Angebote und auch Methoden werden ausführlicher beschrieben. Auch gibt es einen Blog „Psychotherapie & Persönlichkeitsentwicklung“ und die FAQ’s der Psyche mit kurzen Infos. Hier kommt immer wieder etwas Neues dazu und wird weiter wachsen 🙂

ONLINE-AUTONOMIE-AUFSTELLUNG

Besonders freue ich mich über das neue Online-Aufstellungsformat der Autonomie-Aufstellung. Diese spezielle Aufstellungsmethode wurde von dem Münchner Psychiater und Systemtherapeut Dr. Ero Langlotz entwickelt.

Ich bin sehr dankbar, bei ihm habe lernen zu dürfen und bin mit Begeisterung dabei. Ich habe viel Erfahrung mit Aufstellungen und auch verschiedene Formate kennengelernt. Das besondere an dieser Methode ist die Nachverarbeitung von Stress und die Gedächtnisrekonsolidierung. Das heißt, traumatische, verletzende Erfahrungen werden nachverarbeitet und emotional „gelöscht“. Die emotionale Ladung des Traumas und die Trigger sind danach nicht mehr präsent. Dadurch entsteht eine innere Ruhe, Stabilität und inneres Gleichgewicht.

Wesentlich in der Arbeit ist die Selbstverbindung, die uns vollständig und unabhängig macht. Durch eigene traumatische Erfahrungen, übernommene Familientraumata und Beziehungskonflikte werden wir von unseren Selbstanteilen getrennt. Dadurch entsteht immer wieder eine emotionale Abhängigkeit und die gesunde innere Grenze geht verloren. 

Mit der Autonomie-Aufstellungen können Beziehungen zu Partnern, Eltern und Freunden geklärt werden, um sich auf Augenhöhe zu begegnen und Konflikte zu lösen. Die Methode eignet sich besonders gut für die Nachverarbeitung traumatischer Erfahrungen und körperliche Symptome, die einen seelischen Hintergrund haben. 

Für mehr Informationen können wir gerne ein Vorgespräch vereinbaren. 

ZUVERSICHT: DAS NEUE JAHR IM WANDEL

Das neue Jahr wird einen eingreifenden Wandel mit sich bringen. Die Pandemie hat die Gesellschaft verändert. Wie kommen wir wieder in Kontakt? Was haben wir gelernt, was vielleicht auch verlernt? Was braucht es an Fähigkeiten und Widerstandskräften, um dem neuen Jahr mit Zuversicht und Vertrauen entgegen zu blicken?

Das Jahr 2020 und die Einsamkeit

Wenn ich einen Blick zurückwerfe, wird ein Gefühl sehr präsent – Einsamkeit. Das große Tabu Einsamkeit rückt in das Scheinwerferlicht der Gesellschaft. Aus Angst und Scham wird dieses mächtige Gefühl oft versteckt. Die Corona-Krise holt die Einsamkeit aus ihrem Versteck und macht sie öffentlich. Sie wird sichtbar und dadurch greifbarer. Die Scham sinkt, da wir feststellen, dass wir in diesem Gefühl nicht alleine sind. Nicht nur Alleinstehende trifft dieses Gefühl, auch in Partnerschaften und Freundschaften kann man sich einsam fühlen. So ist Einsamkeit die Todesursache Nummer 1, wie Studien zeigen. Einsamkeit führt zu Depressionen, Ängsten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Alzheimer, usw.

 Was hilft gegen die Einsamkeit, dem Gefühl der inneren Leere? Wenn wir uns wieder als Mensch begegnen und mit unseren natürlichen Fähigkeiten in Resonanz gehen und miteinader zu reden. Gegen Einsamkeit hilft > gesehen zu werden, gehört zu werden, wahrgenommen zu werden. Anstatt Abwertung und Gleichgültigkeit brauchen Menschen Wertschätzung, ein liebes Wort der Anerkennung. Es sind die vielen kleinen und kurzen Begegnungen im Alltag, die unser Leben bereichern können und uns zeigen, wir sind nicht alleine.

Das Jahr 2021 und die Kraft der Zuversicht

Das neue Jahr wird uns den Weg aus der Corona-Krise weisen und die globale einschneidende Erfahrung wird Neues bringen. Wir können wir dem Neuen und vielleicht Unbekanntem begegnen?

 Die Kraft der Zuversicht schenkt Motivation, Optimismus und Kreativität. Die innere Haltung ist geprägt von dem Wissen: „Es wird auch wieder besser werden.“, „Jede Krise hat ein Ende“, „Nach einem Tief geht es auch wieder bergauf.“ Zuversicht lässt uns hoffen und die anstehenden Aufgaben in die Hand nehmen. Krisen sind positiv betrachtet, der Herd für Kreativität. Jeder muss mit den Veränderungen einen Weg auf seine ganz eigene Art und Weise finden. Vielleicht sich neu erfinden, neue Fähigkeiten erlernen und verborgene Potentiale erkennen. Die Kraft der Zuversicht ist der Zündstoff.

 So wünsche ich allen den Funken der Zuversicht, schöne Feiertage und einen guten Beginn im Neuen Jahr 🙂