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Newsletter Psychotherapie & Persönlichkeitsentwicklung

In meinem Newsletter schreibe ich über das selbstbestimmte Leben, was uns daran hindert und wie wir wieder mit uns selbst in Kontakt kommen können.

VERGANGENE NEWSLETTER ZU PSYCHOTHERAPIE, TRAUMA & PERSÖNLICHKEITSENTWICKLUNG

LOSLASSEN, UM ERFÜLLT ZU SEIN 

Loslassen macht Angst. Angst vor dem Schmerz, den tiefen Gefühlen, der Leere, des Alleinseins. Doch unsere Trauer wird uns beim Loslassen helfen. Mit jeder Träne wird es leichter und wir können unseren Schmerz verwandeln. Jeder kennt die Angst, dass der Schmerz nie mehr aufhört, denn so fühlt es sich in diesem Moment an. Doch wenn wir unsere Tränen weinen, merken wir irgendwann, wie sie auch wieder versiegen und wir wieder Hoffnung schöpfen. Ein neues Gefühl taucht auf, ein hilfreicher Gedanke, ein neuer Impulse, ein Bild der Zukunft.

Wir müssen lernen loszulassen, um zu wachsen. Nur wenn Altes geht, kann Neues kommen. Wer sich übt im Loslassen, findet irgendwann zur inneren Freiheit und Zufriedenheit. Schon kleine Übungen im Alltag können uns das Loslassen lehren. Zum Beispiel das Ausmisten der Wohnung. Wieviel Ungenutztes sich in Wohnungen stapelt und den Blick trübt. Der Minimalismus macht es uns vor, sich auf das zu beschränken, was man wirklich braucht und Freude schenkt. Auf der Arbeit kann es sich lohnen, unfruchtbare Ideen loszulassen anstatt auf Teufel komm raus darauf zu beharren. Manchmal müssen wir auch Loslassen von Vorstellungen, Erwartungen und Wünschen. Wir müssen uns neu orientieren an den Gegebenheiten oder den Umständen, die sich einfach nicht verändern lassen. Anstatt zu kämpfen oder uns in Dinge einzumischen, wo wir nicht zuständig sind, können wir lernen zu akzeptieren.

Jeder träumt von einem erfülltem Leben. Die Zeitungen und Sozialen Medien sind voll von Glücks- und Heilsversprechen. Doch kann oder soll es das immerwährende Glück überhaupt geben? Was ist der Maßstab? Immer Erfolg, immer gute Nachrichten, immer positives Feedback, immer Harmonie, immer im Flow? Diese Grenzenlosigkeit ist ungesund und nicht nur ein unrealistisches Bild der Welt, sondern führt uns auch weg von einem erfüllten Leben. Es wird zu einer Gefangenschaft in Illusionen, Sehnsüchten und Flucht vor der Realität. Loslassen von dem Anspruch des immerwährenden Glücks, der Perfektion ist entlastend und lässt uns erden.

Zu einem erfüllten Leben gehören alle Höhen und Tiefen dazu. Sie machen das Leben reich, schenken Tiefe und lassen uns innerlich wachsen. Mit jeder Auseinandersetzung, Konflikt oder schwierigem Gefühl, denen wir nicht aus dem Weg gehen, können wir wachsen und uns neu erfahren.

Ein erfülltes Leben geht mit der Erfahrungen der Ganzheit einher. Man erfährt sich als vollständig, als verbunden und im Einklang mit sich selbst. Dieses integere autonome Handeln nährt uns, lässt das Selbstvertrauen und die Selbstachtung auf ganz natürlich Weise wachsen.

Loslassen, um erfüllt zu leben, lädt ein zu prüfen, was man wirklich will und braucht und was nicht. Manchmal rennen wir Vorstellungen oder fremden Erwartungen hinterher und sind dann enttäuscht, wenn sie nicht das ersehnte Gefühl schenken. Wirklich bei sich ankommen, heißt auch, sich von falschen Erwartungen zu lösen und sich an dem zu orientieren, was dem Eigenen entspricht.

LOSLASSEN VOM TRAUMA – Eine gesunde Grenze zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Gerade wenn wir Stressoren und Traumata begegnen, können wir die fehlende Grenze leibhaftig spüren. Jeder Trigger versetzt uns wieder in das Damals. Wir fühlen die Angst, Verzweiflung, Ohnmacht, Hilflosigkeit von früher, können nicht mehr handeln und sind wie erstarrt. Die Grenze zwischen Vergangenheit und Gegenwart fehlt.

In der Trauma-Arbeit zeigt sich immer wieder, wie stark man selbst an dem Trauma festhält. Nicht das Trauma kontrolliert uns, sondern wir versuchen das Trauma zu kontrollieren. Dabei halten wir innerlich an unseren Traumata fest, die längst vergangen sind. Dabei kommt es immer wieder zu Wiederholungen im Alltag, da wir versuchen das Trauma mit den Werkzeugen von damals zu lösen, was nicht funktioniert. Wir müssen von dem Vergangenen loslassen und damit auch das Trauma loslassen. Manchmal baut man seine ganz Identität auf ein Trauma bzw. an der daran gebundenen Überlebensstrategie auf, was sich dann anfühlt als wäre es unser Charakter. Dann sind wir mehr mit unserem „falschen“ Ich und Überlebensstrategien verbunden als mit uns selbst.

Die gesunde Grenze zwischen damals und heute ist für die Traumararbeit unerlässlich. Der Stress von damals muss körperlich nachverarbeitet werden, um aus dem Überlebensmodus herauszukommen und wieder zu uns selbst zu finden. Die damit verbundene körperliche Selbstregulation ist der Schlüssel, um das wahre Selbst zu leben, in die noch unbekannte Zukunft zu blicken und sie zu gestalten. Dabei werden alle alten verdrängten Gefühle zu Tage treten. Im therapeutischen Prozess müssen wir da durch und erfordert Geduld, Zeit und Mut.

Loslassen von der Vergangenheit bedeutet, sich auch von den negativen Erfahrungen zu lösen, sie zu akzeptieren und sich dem Hier&Jetzt ganz zu öffnen. Solange wir an alten Wunden festhalten, wird es schwer diese nicht in neue Beziehungen zu projizieren. Wir erschaffen täglich neue Dramen und machen andere dafür verantwortlich. Dabei dürfen wir immer loslassen, wir dürfen gehen, wir dürfen neu entscheiden. Wir sind erwachsen und kein abhängiges Kind mehr.

Dramen geben uns ein falsches Gefühl der Lebendigkeit. Wir verstricken uns immer wieder in Situationen anstatt das eigentliche Problem zu sehen und anzugehen. Wir müssen uns aus den destruktiven Überzeugungen und Mustern, von den inneren Antreibern, Richtern und Kritikern lösen, um freie Sicht zu haben. Identifikationen verstellen unseren Blick auf unser wahres Sein. Das Loslassen aus falschen Identifikation lässt uns immer mehr bei uns ankommen und die Freiheit spüren.

LOSLASSEN VON EMOTIONALEN ABHÄNIGKEITEN UND IDENTIFIKATIONEN 

Loslassen, was nicht glücklich macht, ist ein berühmter Buchtitel. Doch wir tun uns in der Regel schwer im Loslassen. Wir kleben an unseren unglücklichen Beziehungen, wie die Motten am Licht. Immer wieder schöpfen wir Hoffnung, der andere würde sich ändern, es würde ein Wunder passieren und endlich haben wir die erfüllte Partnerschaft, liebevolle Freundschaften, friedfertige Kollegen oder die liebevollen Eltern. Dazu wird es nicht kommen. Menschen sind per se sehr änderungsresistent, da das Gehirn sich schwer tut mit Veränderungen. Nicht, dass wir uns nicht ändern können, durchaus können wir das. Das Gehirn ist bis ins hohe Alter in der Lage neue Verbindungen zu schaffen. Doch dahinter steckt viel Arbeit und die muss machen dann auch machen, um Veränderungen ins Leben zu bringen. Es ist bequemer im Außen zu suchen, als bei sich selbst die dunklen Flecken zu erforschen, doch das führt zu immer weiteren emotionalen Verstrickungen.

Wenn wir erwachsen sind, sind wir aus der Schutzzone des Kindseins heraus. Wir müssen für unser Verhalten die Konsequenzen tragen, ob wir das wollen oder nicht. Sich aus der kindlichen Abhängigkeit zu lösen, ist kein leichter Prozess. Wir werden konfrontiert mit unseren Ängsten vor Verlust, Mangel an Zugehörigkeit, Verlassenwerden. Der Wille zur Verbundenheit ist größer als der Wille zur Macht. Daher werden wir alles unternehmen, um den Verlust einer Bindung nicht zu spüren. Doch es ist ein wichtiger Schritt, sich aus destruktiven Bindungen zu lösen, um bei sich selbst anzukommen und gesündere Beziehungen einzugehen.

Destruktive Bindungen zeigen sich im Grad der emotionalen Abhängigkeiten. Macht und Ohnmacht, Anpassung, Abwertungen, Verletzungen, Kränkungen, Gewalt, Missbrauch sind alles Aspekte von ungesunden Abhängigkeiten. Die Bindungsdynamik zu den Eltern prägt wesentlich unser späteres Bindungsverhalten. Instabile Eltern führen häufig zur Parentifizierung. Kinder beginnen früh, sich emotional um ihre Eltern zu kümmern und sich für ihr Wohlergehen verantwortlich zu fühlen. Nur präsente und stabile Eltern können eine sichere Umgebung für ein Kind geben. Wenn Eltern aus ihren Überlebensstrategien agieren, spüren das Kinder sofort und passen sich an die Gemütslage der Eltern an. Erst viel später im Erwachsenenalter kann man spüren, dass das eigentlich nicht man selbst ist. Doch dann gibt es ein innerliches Problem. Man möchte sich aus dieser Identifikation mit den Eltern lösen und das kann sich anfühlen wie Verrat und Treuelosigkeit. Schuldgefühle entstehen und Angst vor Bindungsverlust. Denn das Lösen aus dem Muster der Identifikation, bedeutet auch emotional die Zugehörigkeit zu verlieren. Daher ist es wichtig als Erwachsener zu erkennen, dass es ein Identifikationsmuster ist und eine Notlösung in der Kindheit war.

LOSLASSEN UND ERWACHSEN WERDEN 

Erwachsen werden, bedeutet sich aus den kindlichen Abhängigkeiten zu befreien, Verantwortung zu übernehmen für die eigenen Anteile am Beziehungsgeschehen, Grenzen zu setzen und Grenzen anderer zu achten und sich von Idealbildern zu lösen, die am Ende des Tages unrealistisch sind und nur unnötigen Stress erzeugen. Menschen schätzen ein authentisches und erwachsenes Gegenüber. Kindliche Bedürfnisse schrecken ab und die kann auch niemand erfüllen. Was wir in der Kindheit nicht bekommen haben, müssen wir lernen uns selbst zugeben.

Es geht nicht darum perfekt zu sein und damit die eigene Überlebensstrategie zu nähren, sondern autonom zu sein und bei sich selbst anzukommen. Die Selbstverbindung gibt Halt, Ruhe, Stabilität und eine gesunde Form der Lebendigkeit.

Wir bauen häufig unseren Selbstwert auf die Zustimmung von anderen auf und machen uns damit selbst abhängig. Damit laufen wir immer wieder Gefahr, manipuliert, missbraucht oder abgewertet zu werden ohne uns zu wehren. Sich aus den kindlichen Abhängigkeitsmustern zu lösen, macht frei und lässt uns erwachsen werden. Dann können wir uns wehren, eigene Grenzen setzen und auch die Grenzen von anderen respektieren. Erst dann wird es möglich aus Täter-Opfer-Dynamiken auszusteigen.

Wir können den traumatischen Stress nachbearbeiten und damit unseren Selbstwert wieder stärken. Je mehr wir von den negativen inneren Überzeugungen loslassen, desto mehr können wir unsere Integrität schützen und mit unserer natürlichen Würde durch die Welt gehen.

EINSAMKEIT IST EIN ZEICHEN, DASS ETWAS FEHLT 

Einsamkeit wird oft begleitet mit Scham- und Schuldgefühlen und ist Ausdruck eines Mangels. Es mangelt an sozialen Kontakten, Aufmerksamkeit, Liebe, Bindung, Halt oder einem Ort der Geborgenheit. Niemand will dies gerne zugeben und daher wird wenig darüber gesprochen. Es wird als ein Makel empfunden und man möchte sich den Blicken anderer nicht aussetzen. Doch Scham- und Schuldgefühle führen zu noch mehr Einsamkeit. Einsamkeit sollte aus der Tabuzone geholt werden, damit ein Austausch und Wege aus der Einsamkeit gefunden werden können.

Wir alle sehnen uns nach Verbindung, sozialer Anerkennung, Eingebundensein, Zugehörigkeit, Bindung, Resonanz. Das ist grundmenschlich. Doch traumatische Erfahrungen können Gefühle der Einsamkeit, des Verlassenseins und der Leere hinterlassen. Einsamkeit zeigt sich im Verstummen in Partnerschaften, nichts mehr von sich mitteilen und nur „über“ etwas oder jemanden reden. Man bekommt kein Echo mehr und läuft mit seinen Bedürfnissen ins Leere. Häufig sind die zentralen Grundbedürfnisse in der Kindheit nicht erfüllt (worden) – nach Liebe, Resonanz, Kontakt, Vertrauen, Autonomie.

Um die innere Leere nicht zu spüren, stürzen sich Menschen in die Arbeit, konsumieren Drogen und Alkohol, entwickeln Essstörungen oder flüchten in Scheinwelten.

EINSAMKEIT FÜHLT SICH AN, WIE EIN INNERES GEFÄNGNIS 

Einsamkeit beschreiben Menschen wie ein inneres Gefängnis. Sie kommen nicht von alleine raus, wissen nicht, wie sie in Kontakt treten sollen, haben Ängste vor Ablehnung oder Enttäuschung. Einsamkeit ist ein tiefer Schmerz.

Ursachen für Einsamkeitsgefühle haben häufig einen Bezug zu unserer Kindheit. Vielleicht konnten wir uns nicht entfalten, wurden beschämt, abgewertet, haben keine Resonanz bekommen oder mussten Verluste erleben. So entwickeln sich Entwicklungstraumata mit den Folgen eines chronischen Dauerstresses. Der chronische Dauerstress führt zu seelischen und körperlichen Symptomen, die uns am Kontakt hindern.

Einsamkeit ist Ausdruck existentieller Not und enormen Stress. Die Überlebens-und Kompensationsstrategien sind keine Dauerlösung und führen uns weg von uns selbst, von Bindung und Beziehung.
Wir können verschiedene Qualitäten von Einsamkeit unterscheiden:

– Bindungseinsamkeit
– Herzenseinsamkeit
– Intimitätseinsamkeit
– Freundschaftseinsamkeit
– Kontakteinsamkeit

Bindungseinsamkeit ist Ausdruck einer Bindungsstörung, die in frühkindlichen Traumatisierungen zu finden ist. Längerfristige Bindungen sind schwer möglich und das innere Erleben begleitet eine Leere, die aus frühen Leererfahrungen bei den Bezugspersonen entstanden ist.

Herzenseinsamkeit entspringt dem Herzen und der Unfähigkeit die lebendigen, spontanen Impulse vom Herzen zum Ausdruck zu bringen. Innere Bewerter nach richtig und falsch stehen dazwischen und blockieren unser Herz. Wir haben unser Herz verschlossen aufgrund von Verlusten, Kränkungen, Verrat, Enttäuschungen und versuchen uns gegen den Schmerz zu schützen.

Intimitätseinsamkeit entsteht, wenn der intime Raum mit niemanden geteilt wird. Dazu zählt Sexualität, genauso wie unsere tiefsten Gedanken und Gefühle.

Freundschaftseinsamkeit entsteht bei mangelndem gegenseitigen Interesse. Freunde müssen sich in der Not aufeinander verlassen und vertrauen können.

Kontakteinsamkeit ist der Ausdruck fehlender zwischenmenschlicher Kontakte. Oft liegen die bereits benannten Qualitäten der Einsamkeit hinter einer Kontakteinsamkeit.

Einsamkeitsgefühle können entstehen, wenn man in seinen sozialen Beziehungen keine Erfüllung findet. Eine Person, die allein ist, muss nicht unbedingt einsam sein. Und eine Person kann einsam sein, ohne allein zu sein.

EINSAMKEIT & TRAUMA 

Einsamkeit ist ein Gefühl und ein Symptom von frühen traumatischen Erfahrungen. Dabei geht Einsamkeit häufig auf ein Entwicklungstrauma zurück. Wir fühlen uns isoliert, können keine Verbindung zu Menschen spüren oder aufbauen. Das Gefühl der Zugehörigkeit fehlt und man erlebt sich als außen vor. Entstanden ist das Erleben schon als Baby, auch wenn es erst viel später für die Betroffenen zum Problem wird. Die innere Leere wird durch Überlebensstrategien schon früh kompensiert und erst wenn die eigenen Kräfte nachlassen und Beziehungen scheitern, wird das Ausmaß spürbar. Wir bauen eine Hülle unseres Selbst auf, wir spielen etwas vor, ziehen eine Maske auf. Wir können uns nicht zeigen und werden dadurch nicht gesehen, was die Einsamkeit verstärkt. Wir wissen oft auch nicht, wer wir wirklich sind, da Verletzungen den Zugang zu uns selbst versperren.

Um Kontakt zu anderen Menschen aufnehmen zu können, muss man erst mit sich selbst im Kontakt sein. Sich spüren, die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und den Körper als ein sicheres Zuhause empfinden, sind wichtige Fähigkeiten. Man braucht die gesunde Grenze und die klare Unterscheidung zwischen sich und dem anderen.

Einsamkeit macht bedürftig. Wir brauchen Aufmerksamkeit und Zuwendungen wie ein Kind, was nicht zu einer erwachsenen Person gehört und andere Menschen auf Abstand bringt. Dies kann dazu führen, immer wieder die alten Muster und verletzenden Erfahrungen von früher zu wiederholen.

VERLETZUNGEN HEILEN

Um die Verletzungen zu heilen, müssen wir uns unseren Verletzungen stellen: die Trauer über das Verlorene, das Ungelebte, die Enttäuschungen, das Unwiederbringliche. Das macht Angst. Daher hallten wir lieber an den Überlebensstrategien fest anstatt den Schmerz in unser Herz zu lassen und ihm unser Mitgefühl zu schenken.

Mitgefühl für uns selbst hilft, das verletzte Herz zu heilen. Erst wenn wir bereit sind, diesen Prozess zu gehen und den Blick auf uns selbst zu richten, können alte Wunden heilen und wir aus der Bedürftigkeit des Kindes heraustreten. Dann können wir als Erwachsene unsere Bedürfnisse achten, uns darum kümmern und die Bedürfnisse von anderen respektieren, ohne dies als Ablehnung zu erleben. Wir müssen uns bei uns selbst ankommen, unser Herz für uns selbst öffnen, um sich anderen zu öffnen und sie in unser Herz zu lassen. Das braucht Zeit, Mut und viel innere Arbeit.

SELBSTVERTRAUEN

Selbstvertrauen ist eine Basisfähigkeit, um in Kontakt zu gehen und Beziehungen aufzubauen. Entwicklungstraumata führen dazu, dass wir das Vertrauen oder die Liebe an der falschen Stelle zu suchen – im Außen. Wir vertrauen unser kindliches Selbst jemanden anderen an, wo es jedoch immer höchst unsicher ist und uns emotional abhängig macht. Auch ein Therapeut ist nicht für das kindliche Selbst zuständig. Er ist im besten Fall ein vertrauensvoller Begleiter durch den Schmerz und die Trauer. So kann ein lebendiger Kontakt entstehen und keine Abhängigkeit.

Wege aus der Einsamkeit führen über die Stärkung der Selbstverbindung, der Verarbeitung des traumatischen Stresses, dem emotionalen Loslassen an alten Erfahrungen und eigenen Überlebensstrategien. Denn nicht das Trauma hält uns gefangen, sondern wir halten am Trauma fest und verhindern den Weg für Neues.

WEGE AU DER EINSAMKEIT – KONTAKT AUFNEHMEN

Wege aus der Einsamkeit zu finden, ist ein therapeutischer Suchprozess. Was steht dem Kontakt im Wege, was muss geheilt werden, welche Menschen oder vergangene Situationen losgelassen werden, um sich wieder Neuem zu öffnen? Was hilft aus der Erstarrung hin zu einem lebendigen Kontakt?

Um Veränderungen ins Leben zu bringen, ist der erste Schritt sich den Einsamkeitsgefühlen mit Mitgefühl zuzuwenden, sie wahrzunehmen und zu akzeptieren. Es braucht eine innere Erlaubnis, dass auch unangenehme Gefühle da sein dürfen, um den Hintergrund und die Blockaden zu erforschen.

Manchmal kann es aber auch sein, dass wir von unseren Einsamkeitsgefühlen überschwemmt werden und damit andere Menschen überschütten oder dafür verantwortlich machen. Dann gehen die Menschen auf einen gesunden Abstand, was jedoch die eigenen negativen Erfahrungen füttern kann. Wir müssen lernen, uns um uns selbst zu kümmern und die vergangenen Erfahrungen aufarbeiten, damit wir andere nicht belasten.

Negative und traumatische Erfahrungen aus früheren Beziehungen sind oft eine große Barriere für neue Beziehungen. Die Barrieren liegen in uns und daher haben wir auch die Möglichkeit, diese zu bearbeiten und loszulassen.

Um Menschen kennenzulernen, müssen wir Interesse an dem anderen signalisieren. Wenn dies auf Gegenseitigkeit trifft, kann sich eine Freundschaft entwickeln. Das braucht Zeit und Geduld.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass unsere Interesse und das Interesse eines anderen, immer ein Vorgang der Bewertung ist. Ich bewerte, wie auch der andere bewertet, ob ich JA oder NEIN sage zu einem Menschen. Das muss ich aushalten und lernen auch mit den Grenzen der anderen souverän umzugehen. Für zwischenmenschliche Beziehungen ist es wichtig das Bewerten zu lernen. Das stärkt die Selbstsicherheit und das Selbstvertrauen. Dabei ist es wichtig den Unterschied zwischen Bewerten und Abwertung zu lernen. Bewerten schärft das Eigene, den inneren Kern. Abwertung bedeutet Erniedrigung, Grenzen nicht zu respektieren, sich über andere stellen, sich moralisch überlegen fühlen, etc.

Einsamkeit ist oft begleitet mit Verletzungen und Kränkungen. Sie brauchen erstmal ihren Raum und ihre Würdigung. Sie brauchen einen Ausdruck, ob schreiben, sprechen, malen, um sie dann Schritt für Schritt in der Vergangenheit lassen zu können. Das was war, können wir nicht ungeschehen machen, aber wir können der Vergangenheit die Macht nehmen, dass sie uns im Hier und Jetzt gefangen hält. Das ist alleine unsere Verantwortung und jeder kann dies ändern.

Wir müssen Kontakt üben, kontinuierlich. Beziehungen ergeben sich nicht einfach so.

Kontakt und Begegnung übt man durch Kontakt und Begegnung. Es braucht dazu Interesse, Zeit, Geduld, Austausch, sich mitteilen, zuhören können, präsent sein und andere in ihrem Anderssein zu respektieren. Weder Partner noch Freunde können das ersetzten, was wir in frühen Jahren nicht bekommen haben. Das sind die falschen Adressen und führen nur zu emotionalen Verstrickungen, die niemanden gut tun.

Wir müssen lernen, wo wir bereit sind Kompromisse einzugehen und wo nicht, Grenzen zu setzen und Grenzen zu achten, uns selbst zu spüren und den anderen. Wer sehr früh Leere-Erfahrungen gemacht hat, muss erstmal lernen, Nähe zuzulassen und sich zu nähren. Oft ist das Herz verschlossen und eine Mauer zu spüren, obwohl die Sehnsucht nach Kontakt so groß ist.

Therapeutisch arbeite ich mit den primären Leibbewegungen des Schauens, Hörens, Tönen und Greifens, dem Wahrnehmen von Körperempfindungen und dem Nachverarbeiten von traumatischem Stress mit den Online-Autonomie-Aufstellungen.

BEZIEHUNGEN AUF AUGENHÖHE 

In meiner Praxis werde ich sehr häufig mit dem Wunsch nach einer Beziehung auf Augenhöhe konfrontiert. Doch es fällt immer wieder auf, dass es verklärte Vorstellungen gibt und die Verantwortung auch mehr bei den anderen als bei sich selbst gesucht wird. Wir können andere nicht ändern, doch wir haben alle das Werkzeug an uns selbst zu arbeiten und damit selbst zu einer autonomen Persönlichkeit zu werden. Dazu sind Grenzen setzen und Grenzen achten wesentliche Fähigkeiten.

Was beinhaltet eine Beziehung auf Augenhöhe? Auf Augenhöhe heißt, den anderen und sich selbst zu achten. Ich kenne meine Grenzen und respektiere die Grenzen des anderen. Fritz Perls, der Begründer der Gestalttherapie, fasst dieses Zusammenspiel in seinem Gestaltgebet aus:

Du bist du,
und ich bin ich.
Ich tu, was ich tu;
und du tust, was du tust.
Ich bin nicht auf dieser Welt,
um deinen Erwartungen zu entsprechen,
und du bist nicht auf dieser Welt,
um meinen Erwartungen zu entsprechen.
Du bist du,
und ich bin ich.
Und wenn wir uns zufällig finden, – wunderbar.
Wenn nicht, kann man auch nichts machen.

Häufiger als wir uns bewusst sind, halten wir uns bildlich im Raum des anderen auf:

  • wir versuchen die Probleme unseres Gegenübers zu lösen
  • wir wissen war er/sie denkt, braucht oder fühlt
  • wir versuchen die Erwartungen anderer zu erfüllen
  • wir strengen uns über die Maßen an und geben mehr als wir zurück bekommen
  • wir können ein NEIN schlecht aushalten und verstehen es sofort als Ablehnung
  • wir sehen das ungelebte Potential des anderen und wollen helfen
  • wir verhalten uns wie gute Eltern bei Partnern oder Freunden

 

All dies hat wenig mit Begegnung, Beziehung oder Empathie zu tun. Insbesondere traumatisierte Menschen sind hochsensibel, aber nicht emphatisch. Es sind egozentrische und übergriffige Verhaltensweisen, die eine Augenhöhe verhindern.

Eine Begegnung auf Augenhöhe setzt eine gute Selbstverbindung voraus. Ich handle kongruent zu meinem inneren Erleben, achte mich selbst und respektiere die Grenzen des anderen. Die gesunde Grenze bietet überhaupt erst die Möglichkeit einen Kontakt und damit eine Beziehung auf Augenhöhe herzustellen.

GESUNDE GRENZEN

In der Gestalttherapie gehen wir davon aus, dass Kontakt nur an der Grenze stattfinden kann – an der Grenze zwischen Organismus und Umwelt. Die gesunde Grenze ermöglicht die Begegnung zwischen „ICH“ und „DU“.

„Kontakt ist die Wahrnehmung und Verarbeitung des anderen, des Verschiedenen, des Neuen, des Fremden. Es ist kein Zustand, in dem man sich befindet oder nicht befindet, sondern eine Tätigkeit. Ich mache Kontakt, ich nehme Kontakt auf an der Grenze zwischen mir und dem anderen. Die Grenze ist gleichzeitig der Ort der Berührung und der Trennung. Sie ist die Zone der Erregung, des Interesses, der Besorgtheit, der Neugier, oder der Furcht und Feindseligkeit, – der Ort, wo vormals nicht wahrgenommenes oder undeutliches Erleben in den Vordergrund tritt als prägnante Gestalt.“ (Laura Perls)

In der kreativen Leibtherapie sprechen wir von Bedeutungsräumen. Wir erleben Grenzen in verschiedenen Räumen, die auch immer wieder verletzt werden können:

  • der öffentliche Raum: Im öffentlichen Raum zeigen sich Menschen. Hier wird Zugehörigkeit und sozialer Status erlebt, wie auch Beschämung, Abwertung und Ausgeschlossensein.
  • Raum der Begegnung: Auch Raum der Zwischenleiblichkeit genannt, wenn Resonanzen entstehen.
  • der persönliche Raum: Der persönliche Raum beinhaltet den persönlichen Sicherheitsabstand, die Reichweite genauso wie das, was jeder erreichen kann. Durch Gewalt, Fahrlässigkeit und Unachtsamkeit werden die Grenzen des persönlichen Raums angegriffen.
  • der intime Raum: Der intime Raum beinhaltet, was für den Menschen als besonders schützenswert und vertraulich gilt. Man teilt diesen nur mit auserwählten Menschen. Traumatische Erfahrungen sexueller und emotionaler Übergriffe verletzen immer den intimen Raum.
  • der innere Kern: Der innere Kern ist der unzerstörbare Kern eines jeden Menschen. Es ist der Ort der Bewertung, der Entscheidungen, des Seins und der Würde.

Für den Aufbau von gesunden Grenzen müssen wir unsere eigenen Grenzen kennenlernen und achten. Schritt für Schritt können wir uns unsere Räume therapeutisch wiedererobern, wenn unsere Grenzen verletzt wurden. Immer wieder werden wir auch erkennen, wie wir die Grenzen anderer verletzt haben.

Gesunde Grenzen bedeutet, sich aus den symbiotischen Abhängigkeiten zu lösen und die eigene Autonomie zu leben und zu stärken. Gesunde Grenzen stärken das Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und die Selbstachtung.

KONTAKT HERSTELLEN  

Um gesunde Grenzen in Beziehungen zu leben, braucht es einen guten Kontakt zu sich selbst. Wieder mit sich selbst in Beziehung treten, sich wahrnehmen, sich spüren und die Trennung vom Körper überwinden. Die zunehmende „Körperlosigkeit“ durch Stress, Überforderung, Traumatisierung ist die größte Barriere in Beziehungen. Grenzen können nicht mehr gespürt werden, weder die eigenen noch die der anderen. Eine gesunde Interaktion wird zunehmend unmöglich.

Als Gestalttherapeutin gehe ich davon aus, dass jeder neurotische Mensch auch Kontaktprobleme hat. Die Kontaktlosigkeit äußert sich in seelischen und körperlichen Symptomen. Daher geht der Blick in der therapeutischen Arbeit weg von den Symptomen hin zur Ursache. An Symptomen kann man sich ohne Ende abarbeiten und keine Veränderung bewirken. Die Fragen nach der Ursache, des verlorenen Kontakts zu sich selbst, den emotionalen Verstrickungen und der mangelnden Grenzen, sind entscheidender. Sobald Menschen mit sich in Kontakt kommen, spüren sie auch wieder ihre Lebendigkeit und können in die Gesundheit hineinwachsen.

Wir können mit allem in Kontakt und in Beziehung treten – mit anderen Menschen, Tieren, der Natur, unserem Körper, Geld, Hobbys, etc. Alles im Leben ist auf Beziehung aufgebaut.

Beziehung und Verbundenheit werden erst durch gesunde Grenzen erfahrbar. Es herrscht oft ein Missverständnis, dass Verbundenheit durch Auflösung von Grenzen und Symbiose erreicht wird. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Das ist Stagnation.

Tiefe Verbundenheit und Entwicklung lässt sich nur mit Grenzen spüren. Ich nehme den anderen wahr UND mich selbst. Ich löse mich nicht auf, sondern bleibe mit mir im Kontakt.

WAS BEDEUTET RESILIENZ?

Resilient zu sein, heißt Stress gut zu verarbeiten und auch in Krisenzeiten handlungsfähig, stabil und klar zu sein.

  • Du spürst deine Bedürfnisse und kannst diese im Kontakt mit anderen in den Dialog bringen
  • Du achtest auf andere genauso wie auf dich und handelst danach
  • Du hast einen gesunden Schutzreflex und kannst ohne Schuldgefühle NEIN sagen
  • Du hast eine gesunde Grenze als Grundvoraussetzung für Beziehung und Bindung

 

Resiliente Menschen fühlen sich mit sich verbunden und erleben sich als vollständig. Sie müssen sich nicht für Aufmerksamkeit und Anerkennung verbiegen oder sich aufopfern. Sie verfügen über einen gesunden Selbstwert, der ihnen Selbstvertrauen und Sicherheit schenkt. Sie kennen ihre Grenzen und respektieren auch die Grenzen von anderen.

RESILIENZ IST UNSER PSYCHISCHES IMMUNSYSTEM 

Der Begriff Resilienz stammt aus der Physik und bedeutet die Fähigkeit eines Systems mit Veränderungen umgehen zu können. Im Grunde ist der Mensch per se ein sehr resilientes Wesen, da wir trotz aller Krisen, Kriege und Konflikten immer noch existieren. Das heißt, jeder trägt das Potential und die Fähigkeiten in sich, mit Krisen gelassen umgehen zu können. Resilienz ist unser psychisches Immunsystem, dass unsere heilende Kräfte aktiviert.

Resilienz beinhaltet, dass wir Schicksalsschläge überwinden, wieder aufstehen und uns ein gutes Leben trotz aller schwierigen Erfahrungen aufbauen können. Es bedeutet nicht, eine Stehaufmännchen-Mentalität zu entwickeln oder uns gar eine emotionale „Hornhaut“ zuzulegen. Genauso wenig wie in eine Selbstoptimierungsfalle zu tappen und dadurch unter Druck und Stress zu stehen.

Resilienz ist kein stabiles Element der Persönlichkeit, sondern immer in einem Person-Umwelt-Bezug eingebettet. Es schenkt uns ein Gefühl der Selbstwirksamkeit, unser Leben aktiv gestalten zu können und nicht ausgeliefert oder ohnmächtig zu sein. Wir können gelassen auch mit schwierigen Menschen umgehen, uns ohne Schuldgefühle und Angst trennen oder Krisen meistern. Wir haben nicht ständig das Gefühl, etwas tun zu müssen oder die Kontrolle behalten zu müssen. Wir können offen durch die Welt gehen und Dinge auch einfach mal sein lassen. In Beziehungen sind wir präsent, aber verstricken uns nicht in ihnen.

Resiliente Menschen

  • führen gesunden Beziehungen
  • sind besonders lernfähig
  • haben Ziele, Werte und Zukunftsvisionen
  • denken und handeln lösungsorientiert
  • und akzeptieren negative Ergebnisse und Erfahrungen

RESILIENZ BEI TRAUMA  

Lebenskrisen entstehen durch psychische Krisen. Es ist ein Ungleichgewicht entstanden zwischen subjektiver Bewertung und den zur Verfügung stehenden Bewältigungsmöglichkeiten.

Trauma definiere ich als unverarbeiteten Stress, der zu einer Dysregulation des Körpers führt. Je mehr unverarbeiteten Stress ein Menschen noch mit sich trägt, desto weniger Resilienz ist vorhanden. Immer wieder treffen äußere und innere Reize (Trigger) auf den noch unverarbeiteten Stress und lösen Gefühle des Kontrollverlusts, Hilflosigkeit, Ohnmacht und Angst aus. Um diese schwierigen Gefühle im Alltag nicht zu spüren, entwickeln Menschen Überlebensstrategien. Diese zeigen sich durch Kontrollsucht, Perfektionismus, Funktionieren oder Dissoziation.

Doch an jedem Überlebensverhalten hängt der traumatische Stress und ist damit per se ein Verhinderer von Resilienz.

Fast 90% der Bevölkerung macht im Laufe des Lebens mindestens eine traumatische Erfahrung. Doch nicht jedes Trauma muss später auch Traumareaktionen zur Folge haben. Studien zeigen, dass ein Trauma gut bewältigt werden kann, wenn mindestens eine sichere Bindung vorhanden ist.

In den meisten Fällen handelt es sich nicht um die sogenannten Schocktraumata (einzelnes abgegrenztes Ereignis), sondern um ein Entwicklungstrauma (hoher Stress über eine längere Zeit). Frühe Entwicklungstrauma entstehen beispielsweise durch emotionale Vernachlässigung, eine fehlende Bindungsperson, traumatisierte Eltern, Überfürsorge oder Unterversorgung, elterliche Gefühlskälte, Ablehnung, Abwertung, Trennungen oder wechselnde Lebensmittelpunkte. Dies sind alles Stressoren, die ein innerliches Stressornetzwerk aufbauen und wir mit Überlebensmustern darauf reagieren, wenn wir den damit verbundenen Stress nicht mehr adäquat verarbeiten können.

Wenn die Stressverarbeitung gestört ist, gibt es keine Balance in unserem Erregungs-Niveau und die Selbstregulierung ist gestört. Wir tendieren zu einer Über- und Untererregung.

Die Übererregung zeigt sich in

  • Nervosität
  • ständig beschäftigt sein
  • angespannt sein
  • immer etwas oben drüber
  • Ängste, Zwänge, Panik, Wut.

Die Untererregung zeigt sich in einer

  • Erschöpfung
  • nicht richtig da sein
  • Kraftlosigkeit
  • Depression
  • Dissoziation

 

In beiden Erregungs-Leveln ist unser Lernen und unsere Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Wir können uns nicht abgrenzen und die Selbstverbindung schwindet.

Wenn wir traumatischen Stress in uns tragen, wird positives Denken, Meditation oder Selbstfürsorge wenig nachhaltigen Effekte erzielen. Im Gegenteil. Oft erlebe ich, dass Menschen sich zusätzlich abwerten, dass sie es einfach nicht schaffen Vertrauen, Zuversicht oder Gelassenheit aufzubauen. Der Stress im Köper muss nachverarbeitet werden, um sich von den eigenen ungesunden Überlebensstrategien zu lösen und mit Gelassenheit auch Krisen gut zu bewältigen.

DISTANZ ZUM TRAUMA GEWINNEN & SELBSTVERBINDUNG STÄRKEN 

Wir stärken unsere Resilienz, wenn traumatischer Stress nachverarbeitet und dadurch die Selbstverbindung wieder hergestellt wird. Mit jedem Trauma ist eine Spaltung unserer Selbstanteile verbunden, so dass wir in Gefühle der Angst, Hilflosigkeit, Kontrollverlust oder Ohnmacht fallen können. In den Online-Autonomie-Aufstellungen ist zu sehen, wie stark wir mit einem Trauma/Stressor noch emotional verbunden und von unserem wahren Selbst und kindlichen Selbst getrennt sind.

Distanz zum Trauma gewinnen, ist Priorität 1. Wir können die Vergangenheit nicht ungeschehen machen, doch wir können die damit verbundene emotionale Ladung verarbeiten, so dass schlimme Erfahrungen nicht mehr getriggert werden können. So werden Erfahrungen als ein Teil der Vergangenheit gespeichert – „Es ist vorbei und kann nicht mehr gefährlich werden!“

In den Online-Autonomie-Aufstellungen wird das Trauma distanziert und sprichwörtlich aus dem eigenen Raum entfernt. Auch die mit dem Trauma verbundene Überlebensstrategie, welche mit destruktiven, selbstschädigenden Mustern verbunden ist, wird aus dem eigenen Raum entfernt. So wird der Raum frei für das wahre Selbst und das kindliche Selbst. Die Verbindung mit unserem wahren Selbst bringt Selbstvertrauen, Gelassenheit und Souveränität.

DAS INNERE KIND BEFREIEN

In den Online-Autonomie-Aufstellungen wird für die Klienten sichtbar, dass das kindliche Selbst nicht verletzt ist und keinen Schaden von den schmerzlichen Erfahrungen der Vergangenheit mitgenommen hat. Oftmals wird unser kindliches Selbst mit dem schweren von damals verwechselt. So halten wir die neugierigen, spielerischen und lebendigen Impulse von uns weg. Damit fehlt uns jedoch eine ganz wichtige Qualität des Lebens, die oft zu Depressionen führt.

Das Bild vom verletzten inneren Kind ist ein verbreitetes Narrativ, was sich sehr hartnäckig und uns in eine Opferrolle gefangen hält. Wir müssen das innere Kind erst heilen, bevor wir wieder leben können, wird damit selbst zu einem destruktiven Glaubenssatz.

In den Online-Autonomie-Aufstellungen können die Klienten sehen, wie das kindliche Selbst unter den Belastungen gelitten und alle lebendigen Impulse unterdrückt hat. Jetzt können die Klienten das kindliche Selbst aus der Traumazone befreien und in den eigenen sicheren Raum holen. Im Hier &Jetzt kann es nun die ganze spielerische und lebendige Kraft zum Ausdruck bringen, anstatt in der Vergangenheit gefangen zu sein.

GESUNDE BEZIEHUNGEN DURCH MEHR AUTONOMIE 

Eine gesunde Beziehung ist geprägt von einer gesunden Balance zwischen Nähe und Distanz. Dazu gehören ein gesunder Selbstschutz, sich abgrenzen zu können und für eigene Vorstellungen, Meinungen und Bedürfnisse einzustehen – im Privatbereich genauso wie im Beruflichen. In eine Beziehung gehört ein klares Ja und ein klares Nein.

Den Wunsch nach einer gesunden Beziehung auf Augenhöhe höre ich oft. Doch was genau heißt das? Was ist eine ungesunde und was eine gesunde Beziehung? Im Grunde gibt es genau zwei Beziehungsformen: die symbiotische Beziehung (unabgegrenzt) und die autonome Beziehung.

Bei der symbiotischen Beziehung sucht man die Harmonie in der Anpassung an den anderen. Oder man möchte, dass der andere so ist, wie man es gerne hätte > Manipulation. Das erzeugt Druck und Stress. Manche versuchen jede Form der Kritik oder des Konflikts zu unterdrücken, vielleicht auch aus Angst vor Ablehnung. Eigene Bedürfnisse werden unterdrückt oder gar nicht wahrgenommen. So kommt es auf Dauer zu aufgestautem Ärger und Wut. Das führt nicht selten zur Überabgrenzung, um wieder zu sich zu finden. Aggressionen sind in destruktiven Symbiosen immer präsent, da man sich aus den Abhängigkeiten befreien will.

Die Grundformen der destruktiven Symbiose und emotionalen Abhängigkeiten sind:

  • Du sollst so sein, wie ich dich brauche > Machtausübung, Kontrolle, Dominanz, Manipulation
  • Ich bin so, wie du mich brauchst > Überanpassung, Selbstaufgabe, Selbstverleugnung, Depression

Die gesunde Beziehung ist die autonome Beziehung. Erst mit einer gesunden Grenze, wo jeder seinen Raum hat und lebt, findet wahrer Kontakt statt. Wenn ein Mensch gut mit seinen Selbst verbunden ist, kann er sich abgrenzen ohne Schuldgefühle und da sein, wenn der andere ihn braucht. Es gibt ein Gleichgewicht im Geben und Nehmen. Auch eine gesunde Wut gehört dazu, um den Ummut über Handlungen auszudrücken. Gesunde Wut ist fokussiert und konkret. Es finden keine Verallgemeinerungen statt. Es gibt eine Bewegung zwischen Nähe und Distanz ohne Verlustängste. In einer partnerschaftlichen Beziehung wird eine gesunde Liebe gelebt. Dazu zählt, eindeutig zu sagen, ob man den Partner/Partnerin liebt oder nicht. Jeder übernimmt für sich selbst die Verantwortung.

AUTONOMIE VERSUS PSEUDOAUTONOMIE 

Pseudoautonomie oder auch Scheinautonomie entsteht, wenn Kinder emotional keinen Halt bei ihren Eltern gefunden haben und überfordert waren. Sie können durch den mangelnden Halt keine Bindung aufbauen und sind permanent hochgestresst. Sie müssen auf Distanz gehen und auf Unterstützung verzichten, da die Angst vereinnahmt zu werden oder die Eltern stützen zu müssen, zu groß ist. Kinder fühlen sehr genau, was bei den Eltern los ist. Das führt oft zu Irritationen, wenn die Eltern sagen, es ist nichts und die Kinder das Gegenteil spüren.

Kinder spalten ihre symbiotischen Bedürfnisse ab und kompensieren über intellektuelle Leistungen. Auch ein sehr angepasstes Verhalten und „Brav-Sein“ sind Ausdruck der Pseudoautonomie, was Eltern leider oft missinterpretieren. Unsicher gebundene Menschen zeigen selten ihre Bedürftigkeit und sind der Überzeugung, alles alleine schaffen zu müssen. Beziehungen gestalten sich schwierig, da es auf der einen Seite ein großes Bedürfnis nach Nähe gibt und auf der anderen Seite eine große Angst vor Nähe. Es werden eher verstrickte Beziehungen eingegangen, wo die Tragik immer präsent und die frühere traumatische Bindungserfahrung in aktuellen Beziehungen reinszeniert werden.

Pseudoautonomie geht mit der Angst vor Zurückweisung einher, die wahre Kontaktangebote unerreichbar macht. Um sich aus einer Pseudoautonomie zu lösen und wahre Autonomie zu erfahren, braucht es eine gesunde Grenze, die Erfahrung eines eigenen Raums, einen gesunden Schutzreflex und das Wahrnehmen der eigenen Gefühle und Bedürfnisse.

Autonomie ist das Lösen aus destruktiven Abhängigkeiten hin zu einer gesunden Abhängigkeit mit dem Boden des Vertrauens.

MOTIVATION ALS WIRKFAKTOR IN DER THERAPIE 

Therapeutische Prozesse brauchen Zeit, Geduld, Mut und ein hohes Maß an Eigenmotivation. Ohne eigenen Veränderungswillen wird es schwer bis unmöglich.
Als Therapeutin bin ich immer wieder mit dem Wunsch nach schnellen Lösungen konfrontiert. Den Wunsch, nach jeder Stunde mit einem guten Gefühl nach Hause zu gehen, die Veränderungen sofort zu spüren und all die Schmerzen in der Praxis zu lassen. Doch da muss ich als Therapeutin enttäuschen, da es diese schnellen Lösungen nicht gibt.

Was sich seit der Kindheit an selbstschädigenden Mustern aufgebaut hat, kann nicht in ein paar Stunden verändert werden. Immer wieder werden innere Kämpfe geführt oder Rückschritte gemacht bis es wieder leichter wird. Manche Themen müssen auch erst reifen, um bearbeitet zu werden. Daher geht es um den nächstmöglichen Schritt.

In der Therapie lernst du Verantwortung für deine Gefühle zu übernehmen und alten Schmerz loszulassen. Es werden offene Themen angestossen, alte Wunden berührt und schmerzliche Erinnerungen kommen hoch, um heilen zu dürfen. Unsere dysfunktionalen Muster sind Teil der Verdrängung und des Überlebens. Diese können nicht von heute auf morgen aufgegeben werden, auch wenn sie noch so schädlich sind, denn sie haben auch ihren Nutzen. Sie schützen uns vor weiterem Schmerz, auch wenn der Preis dafür hoch ist.

Niemand kann uns unseren Schmerz nehmen. Jeder trägt sein Schicksal. Doch in der Therapie können neue Erfahrungen gemacht und ein Boden geschaffen werden, um den alten Schmerz zu verarbeiten, die eigene Lebensenergie und Kraft wieder zu spüren und Beziehungen zu heilen.

Die Entwicklung zur Autonomie gelingt in der Therapie, indem wir die schmerzlichen Gefühle zulassen. Eine gelebte Trauer führt wieder zu uns selbst. Wir können uns verabschieden von Menschen oder Illusionen und mehr und mehr zu uns selbst stehen. Wir müssen durch die Angst, die Scham, um wieder frei zu werden und den eigenen unzerstörbaren Kern wieder zu spüren.

Für diesen Weg braucht es einen Veränderungswillen und die eigene Motivation. Du kannst Themen in einem Therapietagebuch sammeln, schwierige Situationen notieren und nach Mustern schauen, dich selbst beobachten und deine Gefühle aufschreiben und in der Familiengeschichte forschen, um dies in den Therapieprozess einzubringen.

Unser eigener Wille und der Wunsch nach Veränderung sind die wichtigsten Quellen, um sich immer wieder zu motivieren und dran zu bleiben. Es ist immer eine Freude zu sehen, was möglich ist und wenn Menschen berichten, wie sie ihre Kraft, Freude und Lebendigkeit wieder spüren und positive Beziehungserfahrungen machen.

SINNVOLLES ALS ERGÄNZUNG ZUR PSYCHOTHERAPIE 

Ziel von Psychotherapie ist Veränderung und Veränderung findet auf verschiedenen Ebenen statt. Als Psychotherapeutin mit ganzheitlichen Ansatz schaue ich auf die Seele und dessen Verkörperung. Und auch wenn die seelischen Verstrickungen bearbeitet sind, können noch dysfunktionale Muster in unserem Körper gespeichert sein.

Daher empfehle ich Klienten immer auf verschiedenen Ebene zu arbeiten und zusätzlich Maßnahmen in Anspruch zu nehmen. Das können die verschiedenen Arten der Körperarbeit sein, wie Yoga, Shiatsu, Rolfing, Feldenkrais, Kampfsport, Dorn-Therappie, Tuina, Massagen, u.ä. genauso wie entzündungshemmende Ernährung, TCM, etc.

Ständiger Stress fördert chronische Entzündungen im Körper ohne das eine Infektion vorliegt. Psychischer Stress, traumatischer Stress und negative Gefühle erhöhen die Aktivität der Amygdala und halten die Entzündungen aufrecht. Daher ist es wichtig auf verschiedenen Ebenen zu arbeiten, um Stressreaktionen zu mindern.

Es gibt ein wunderbar breites Angebot an Experten, die mit ihren Fachwissen zur Seite stehen und ergänzende Prozesse zur Psychotherapie leisten. Auch gibt es viele richtig gute Sachbücher, die helfen können, seelische Prozesse zu verstehen und zu spüren, dass man nicht alleine mit seine Erfahrungen und innerem Erleben ist.

ANGST IST EIN VERRÄTER AN DEN EIGENEN BEDÜRFNISSEN 

Angst ist ein mächtiges Gefühl, dass unsere Lebensenergie blockiert, den Kontakt zu sich selbst und zu unseren sozialen Beziehungen hemmt –
die Angst zusammenzubrechen; die Angst vor dem Versagen; die Angst einen Fehler zu machen; die Angst vor dem, was andere denken; die Angst vor dem Misserfolg wie dem Erfolg; die Angst verlassen zu werden; die Angst vor Verlust; die Angst vor der Angst.
Wir hinterfragen aus Angst jede Handlung, jedes Worte bis wir schließlich dem Leben teilnahmslos gegenüber stehen und uns abgeschnitten fühlen – leblos.

Ängste gibt es in unterschiedlichen Qualitäten – von der intellektuellen Besorgtheit, Lampenfieber, Ängstlichkeit, über die Furcht, den Angstzustand bis zur Panikattacke. Eine ängstliche Spannung kann als durchaus lustvoll empfunden werden, schärft die Sinne und fördert die Konzentration. Wenn die Spannung jedoch zunimmt, wird das Erleben unangenehm und kann sich bis zur Panik steigern. Das Gefühl blockiert zu sein, tritt in den Vordergrund und die Reaktionsfähigkeit wird immer stärker eingeschränkt. Angst als hemmendes Gefühl führt in diesen Momenten zum Verlust der Souveränität und des Selbstvertrauens. Hilflosigkeit wird spürbar und häufig kommen Vergesslichkeit und das Gefühl „dumm“ zu sein hinzu.

Aktuelle Ängste sind häufig ein Resultat früher prägender Erfahrungen, die im Hier&Jetzt noch ihre Wirkung entfalten. Die Autonomiebestrebungen der aggressiven ICH-Funktionen mussten in der Kindheit zugunsten von Anpassung aufgegeben bzw. unterdrückt werden. Daraus entwickeln sich Vermeidungsmechanismen, wie:

  • Projektion: „Der/die/das macht mir Angst“
  • Retroflektion: Die aggressiven Impulse werden zurück gehalten. Die Erregung wendet sich nach innen: Zittern, Herzrasen, Schweißausbrüche
  • Introjektion: „Ich kann nicht“

Bei frühen Ängsten stoßen wir auf Löcher in der Persönlichkeit, strukturarme Bereiche, in denen die fehlenden Erlebnisse erst gemacht werden müssen, um dem Selbst zu ermöglichen, Strukturen auszubilden. Daher arbeite ich bei Ängsten gerne mit den Online-Autonomie-Aufstellungen, um genau diese fehlende Struktur und Autonomie zu stärken sowie die Selbstverbindung zu fördern. Dies braucht Zeit, Geduld und kontinuierliche Arbeit an der Struktur.

Einer meiner Lehrer, der Soziologe und Gestalttherapeut Prof. Dreitzel, nennt das Gefühl der Angst als „Verräter an den Bedürfnissen“, die den Kontaktprozess hindern und hemmen. Angst als Erregungsangst zeigt sich auf der körperlichen Ebene durch ein unangenehmes Gefühl der Beklemmung im Brust- und Halsbereich, das sich mit der aufsteigenden Erregung bei einem neuen, ungewohnten, aufregenden fremden Kontakt zuweilen einstellt und immer mit einer Störung des freien Atemflusses verbunden ist. Die eigenen Bedürfnisse werden zur Bedrohung und von der aufkommenden Angst unterdrückt.

Der Weg die eigenen Bedürfnisse wieder zu spüren, bedeutet der Angst in die Augen zu schauen und als transformierendes Element zu atmen. So verwandelt sich die Angst in handlungsmotivierende Gefühle wie Furcht oder Wut oder einfach Lust des Schaffens und Sich-Ausdrückens.

ANGST IN DER GESTALTTHERAPEUTISCHEN ARBEIT

Ein wesentliches Anlegen in der Gestalttherapie ist, den Klienten dazu zu bringen, die Verantwortung selbst zu übernehmen. Und Verantwortung kann nur für etwas übernommen werden, was man kennt.

Daher wird der Klient im sicheren Raum begleitet, seine Angst zu spüren, ganz in das Gefühl zu gehen und die körperlichen Reaktionen zu beobachten. So kann er spüren, welche Veränderungen in ihm vorgehen, wenn die Angst sich ausbreitet. Um die Angst loszuwerden, muss der Klient die Angst als ein Teil von sich akzeptieren, muss sie sich anschauen können und erfühlen, welche Reaktionen die Angst in ihm auslöst. Die Angst verliert an Macht und die Kontrolle kommt wieder.

Als Therapeutin leite ich immer wieder an, zu atmen und bei den Gefühlen zu bleiben. So kann der Klient lernen, dass es nicht das Außen ist, sondern das er sich selbst die Angst macht. Erst dann kann der Klient Verantwortung dafür übernehmen und damit auch die notwendigen Veränderungen setzen.

ANGST ALS RESSOURCE

Im biologischen Bereich ist die Angst eine elementare, zum Überleben notwendige Alarmreaktion. Sie mobilisiert die erforderlichen Energien für die Flucht oder den Angriff, um den Menschen bei Gefahr zu schützen. Es bieten sich demnach drei Handlungswege an, die aus der Angst entstehen – kämpfen, fliehen und verstecken. In der Handlung verwandelt sich die Angst und die dahinter liegenden Gefühle wie beispielsweise Wut oder Zorn treten in den Vordergrund.

Im psychotherapeutischen Kontext ist die Angst der Richtungsweiser für persönliche Veränderung. „Wo die Angst ist, geht’s lang“. Im Alltag begegnet uns das Spiel oder die Lust an der Angst beispielsweise in der Filmindustrie und bei Freizeitangeboten mit dem gewissen „kick“. Die Konfrontation mit der Situation bietet die Möglichkeit neue Erfahrungen zu machen und das eigene Angstpotential zu weiten.

„Der angstfreie Mensch ist eine Vision, die Angst macht. Denn ohne Angst ist das Leben weniger lebenswert. Es gäbe dann auch nichts mehr, um das man Angst haben müsste. Eine positive Zukunft der Angst könnte somit darin bestehen, dass dieser ihr Stellenwert als Indikator für Veränderung eingeräumt wird, sie vielleicht sogar als Wegweiser verstanden wird, aus eingefahrenen, verkrusteten, überregelten Wegen auszubrechen und Schritte zu mehr Lebensnähe, Komplexität aber damit auch weniger Vorhersagbarkeit und Kontrolle zu wagen. Angst ist nicht nur als eine Störung sondern auch als Ressource zu begreifen.“ (Jürgen Kirz 2003)

WAS IST DAS GEGENTEIL DEINER ANGST?

Wenn Menschen von ihrer Angst erzählen, frage ich immer wieder „Was ist das Gegenteil deiner Angst?“ und lasse es in der Praxis mit Seilen verraumen. Es gibt unterschiedliche Antworten von den Klienten: Mut, Sicherheit, Vertrauen, Freude, Leben, Halt, … So entsteht ein Raum der Angst und ein Raum des Gegenteils. In der leibtherapeutischen Arbeit können die verschiedenen körperlichen Reaktionen und Impulse in den einzelnen Räumen wahrgenommen werden, um sich aus der Starre zu lösen und Bewegungen aus der Angst zu finden.

Die Angst trennt uns vom Vertrauen. Wir verlieren nicht nur das Vertrauen in andere, sondern in erster Linie das Vertrauen in uns selbst. Unser Selbstvertrauen hat die Grundlage in dem Urvertrauen zu unseren Eltern oder Bezugspersonen. Wie konnten wir unseren Eltern vertrauen? Haben sie uns gehört und gesehen? Oder wurden wir geschlagen oder missbraucht? Waren die Eltern sicher oder unberechenbar? Wurden die intimen Grenzen beachtet oder Grenzen überschritten?

Dein Gegegenteil der Angst ist die Ressource, die wieder integriert werden muss. In der gestalt- und leibtherapeutischen Arbeit können immer wieder individuelle Wege der Veränderung durch die erfahrungsorientierte Arbeit gefunden werden.

BEI SICH SELBST ANKOMMEN UND VERTRAUEN

Selbstvertrauen bedeutet nicht, sich zuzutrauen, alle Antworten zu kennen. Es bedeutet auch nicht, zu glauben, dass man immer das Richtige tut. Es bedeutet, die Überzeugung zu haben, dass du dir selbst gegenüber freundlich und respektvoll bist, unabhängig vom Ergebnis aller Bemühungen.

Die Definition von Selbstvertrauen ist das feste Vertrauen auf die Integrität des eigenen Selbst. Es gibt einen Unterschied zwischen einem Leben, das auf Selbstvertrauen beruht, und einem, das das nicht tut. Die Verbindung zum eigenen Selbst stärkt unser Selbstvertrauen. Es lässt uns unabhängiger sein in Beziehungen, uns klare Entscheidungen treffen und Dinge akzeptieren, die wir nicht kontrollieren können.

Sich selbst vertrauen bedeutet, sich selbst ernst zu nehmen in den eigenen Bedürfnissen und Wünschen. Es heißt nicht, egoistisch seine Bedürfnisse durchzudrücken, sondern sie zu spüren und damit in Kontakt zu treten. Selbstvertrauen schenkt die Gewissheit auch mit schwierigen Situationen umgehen und sie überstehen zu können.

Selbstvertrauen kann dir niemand schenken, du musst es dir selbst erarbeiten. Du kannst dir bessere Bedingungen dafür schaffen, wie eine freundliche Umgebung, doch es ist eine eigene Leistung. Auch ein Therapeut kann das nicht „machen“, sondern nur Begleiter sein, den eigenen Prozess zu gehen. Mut hilft, sich den eigenen schmerzlichen Gefühle stellen. Vertrauen kommt von „trauen“. Du brauchst Mut, dich anderen zuzuwenden und das Risiko einzugehen, dich zu öffnen und dich zuzumuten.

Bei sich selbst anzukommen ist die Grundlage für Vertrauen. Dazu muss bildlich alles aus dem Weg geräumt werden, was einer gesunden Selbstverbindung entgegen steht.

WÜRDE-(VOLL) LEBEN 

Wir alle tragen einen tiefen, menschlichen Wunsch in uns, als etwas Wertvolles behandelt zu werden.

Unser gemeinsamer Wunsch nach Würde überwindet alle unsere Unterschiede und stellt unsere gemeinsame menschliche Identität über alles. Obwohl unsere Einzigartigkeit wichtig ist, hat uns die Geschichte gezeigt, dass Konflikte an unserem Arbeitsplatz, in unserem Privatleben und zwischen den Nationen weiterhin im Überfluss auftreten werden, wenn wir nicht den nächsten Schritt zur Anerkennung unserer gemeinsamen Identität machen.

Der Klebstoff, der alle unsere Beziehungen zusammenhält, ist die gegenseitige Anerkennung des Wunsches, gesehen, gehört und gerecht behandelt zu werden. Wir müssen uns in unseren Beziehungen erkannt, verstanden und sicher fühlen, um zu wachsen. Daher sind wir stets dazu angehalten, die Bedingungen für ein würdevolles Miteinander zu schaffen. Würde ist keine Einbahnstraße, sondern entwickelt sich in Resonanz. Wenn unsere Identität akzeptiert wird und wir uns einbezogen fühlen, entsteht ein Boden der Würde, der uns Freiheit und Gelassenheit schenkt.

Wenn die Würde verletzt wird und wir jemanden Schaden zufügt haben, gibt es einen Weg sich wieder zu verbinden mit den mächtigsten Worten „Es tut mir leid“.

DIE SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT DER WÜRDE 

Jeder lebende Mensch ist wichtig und wertvoll, und dieser Wert hat einen Namen: WÜRDE.

Würde ist eine Eigenschaft, die uns allen innewohnt. Und doch haben wir manchmal das Gefühl, sie verloren zu haben. Wir wurden entwürdigt durch Ignoranz, Gewalt, Erniedrigung, Missachtung oder Beschämung.

Wir beginnen unsere Würde nicht mehr als selbstverständlich zu erachten und um sie zu kämpfen. Täglich ist der Kampf bei Klienten zu spüren. Das Ringen um Selbstachtung, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Wenn unsere Würde verletzt wurde, fühlen wir uns ohnmächtig, voll Scham und Schuld. Wir beginnen uns zu verstecken, uns unsichtbar zu machen, verlieren an Lebenskraft und Lebensfreude.

Unser Selbst, unser unzerstörbarer innerer Kern, wird von der Würde genährt. Jeder Mensch hat ein Selbst, ob er damit verbunden ist oder nicht. Dieses Selbst hat seinen Wert und die Würde aus sich heraus, ohne etwas zu leisten. In (Wieder)-Verbindung mit unserem Selbst können wir unsere Würde spüren und sie in unserer Haltung uns selbst und anderen gegenüber erfahrbar machen.

Die Würde ist selbstverständlich, doch allzuoft fehlt uns selbst diese Selbstverständlichkeit. Um in Kontakt zu kommen mit der Selbstverständlichkeit der Würde, brauchen wir die Gewissheit der Zugehörigkeit und der dauerhaften Anerkennung unserer Individualität.

Im Kontakt mit unserer Selbstverständlichkeit unserer WÜRDE sind wir mit uns selbst verbunden. So entsteht auch ein Raum, wo nur das reingehört, was wir selbst sind. Wird unser eigener Raum spürbar, werden auch unsere Grenzen spürbar und können unterscheiden zwischen ICH und NICHT-ICH.

Unsere Würde drückt sich aus in einer Haltung – uns selbst gegenüber und zu anderen Menschen. Eine innere Haltung kann man nicht „machen“, eine Haltung kann man nur verkörpern. Eine würdevolle Haltung zeigt sich in unserer Sprache, unserer Mimik, unserer Gedanken, unseren Gefühlen und unserem Körperausdruck.

Was wir vielleicht verloren geglaubt zu haben, gilt es im therapeutischen Prozess wieder zu entdecken: > uns zu wehren, > die Stimme zu erheben, > uns zu schützen und > in Würde wieder aufzurichten.

WÜRDE BRAUCHT RESONANZ 

Würde erfährt ein Mensch nicht nur aus sich allein heraus. Genauso wie Selbstliebe nicht durch uns selbst alleine entstehen kann, sondern unser Potential geweckt werden muss. Im besten Fall durch die bedingungslose Liebe unserer Eltern.

Würde braucht Resonanz. Wir brauchen Menschen, die uns Zugehörigkeit vermitteln und uns in unserer Unverwechselbarkeit sehen. Zugehörigkeit zeigt sich durch die nährende Resonanz von anderen:

  • „Du gehörst dazu“
  • „Ich interessiere mich für dich“
  • „Ich nehme dich wirklich wahr“

Unsere Unverwechselbarkeit und Individualität werden bestätigt, indem man als ein Anderer gesehen wird und dafür nicht abgewertet. „Ich bin anders als du“. Indem wir in beidem bestätigt werden, kann sich unsere Würde voll entfalten.

Die Würdigung und Wertschätzung der eigenen Person geht mit der Würdigung und Wertschätzung anderer Menschen einher. In esoterischen Kreisen herrscht oft die Überzeugung, man kann nur andere wertschätzen, würdigen, lieben, wenn man sich selbst liebt. Das ist absolut nicht meine Erfahrung und Beobachtung. Oft sogar ganz im Gegenteil. Menschen, die ihr Herz vor sich selbst verschlossen haben, sind anderen Menschen gegenüber sehr gefühlvoll, wertschätzend und respektvoll. Das Problem ist, dass sie selbst von anderen wenig bekommen oder nichts annehmen können und daher leer ausgehen. Sie bekommen nicht genug würdigende Nahrung und bluten aus. Erschöpfung, Depressionen, Einsamkeit sind die Folgen.

Im therapeutischen Prozess ist es wichtig zu lernen, eine würdigende Haltung zu verkörpern und anzunehmen. Sich selbst achten, sich wertschätzen, sich respektieren und ein Gefühl für Grenzen zu entwickeln.

WÜRDE INS LEBEN BRINGEN 

Würde zeigt sich in unseren Beziehungen. Wie gut können wir unsere Bedürfnisse zum Ausdruck bringen und wie sehr können wir auf die Bedürfnisse von anderen eingehen?
Würde ins Leben bringen, ist ein Ausdruck von Augenhöhe, Begegnung, Berührung und Kontakt.

Würde wächst und gedeiht auf einem gesunden Boden. Der Boden sind gesunde Beziehungen. In Beziehungen bezieht man sich aufeinander, lässt sich berühren, nimmt Anteil und unterstützt das Gegenüber, wenn Hilfe von Nöten ist – ohne die Last zu tragen.

„Zur Freundschaft gehört Interesse. Freunde und Freundinnen müssen sich in der Not aufeinander verlassen können und vertrauen.“ Dr. Udo Baer, Begründer der kreativen Leibtherapie

Wir alle brauchen Menschen, auf die wir uns in der Not verlassen können. Trennungen, Verluste, Krisen erlebt jeder in seinem Leben. Häufig sind mehr die Freunde involviert als der Familienkreis, da sie häufig näher in die aktuellen Gefühlswelten und Erfahrungen eingebunden sind. Sie sind Vertraute und Begleiter auf dem eigenen Weg. Sie werden zu Vertrauten, wenn wir uns ihnen anvertrauen und unser Vertrauen auf einen sicheren Boden fällt.

Wer immer wieder ins Leere läuft, keine Resonanz bekommt, kein Interesse und Anteilnahme entgegengebracht bekommt, ignoiert, manipuliert oder missbraucht wird, hat keinen sicheren Boden. Jeder Mensch ist dazu angehalten, sich einen sicheren Boden zu Menschen aufzubauen, denen wir vertrauen, auf die wir uns verlassen können, wo wir gesehen und gehört werden und denen wir die gleiche Aufmerksamkeit und Interesse entgegen bringen. Stelle dir in deinen Beziehungen die Fragen:

  • Wirst du gehört oder überhört?
  • Wirst du gesehen oder läufst du ins Leere?
  • Wirst du beachtet oder ignoriert?
  • Hast du einen sicheren Boden oder findest du keinen Halt?
  • Kannst du dich zeigen oder muss du dich verstecken?

Teile den Menschen mit „Ich möchte, dass du mich siehst. Ich möchte, dass du mich hältst. Ich wünsche mir, dass du mir mehr zuhörst. Ich brauche dies, ich brauche das.“ (Dr. Udo Baer, Leibtherapeut). Vielleicht wirst du enttäuscht und musst feststellen, dass es diese Resonanz nicht gibt. Dann lasse los und ziehe weiter, wo du auf Menschen triffst, die dir zuhören, dich ernst nehmen und du auf ein Gegenüber triffst, der Interesse an dir hat.

Wenn Menschen krank sind oder alt werden, benötigen sie unsere besondere Aufmerksamkeit. Kranke Menschen brauchen der Unterstützung – der seelischen und der körperlichen – bis sie wieder gesund sind. Wenn Menschen alt werden, brauchen sie der kontinuierlichen Begleitung und Pflege. Als Kinder sind wir in der Regel in die Betreuung eingebezogen, unabhängig wie umfangreich diese sind. Als Kinder ist es unsere Aufgabe, unsere Eltern in Würde zu begleiten. Das heißt, wir unterstützen die Selbstbestimmung und greifen unter die Arme, wenn es alleine nicht mehr möglich ist.

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DER VERLORENE ZWILLING – Ein vorgeburtliches Trauma und dessen tiefgreifende Folgen 

Der verlorene Zwilling ist ein besonderes Phänomen pränataler Traumata, die tiefgreifende seelische Spätfolgen haben können.

Vorgeburtliche Traumata sind im psychotherapeutischen Prozess keine Seltenheit und sollten immer auch im Hinterkopf sein, wenn Klienten Symptomen beschreiben. Ängste, Panikattacken, Aufmerksamkeitsdefizite sowie Stresssyndrome bis hin zu Verhaltensstörungen, depressiven und schizophrenen Anwandlungen können auf vorgeburtliche Problematiken hindeuten. Auch wenn keine Worte gefunden werden können, das Erlebte nicht greifbar ist, Diffuses sich zeigt, können pränatale Erlebnisse in Betracht gezogen werden.

Bereits im Mutterleib beginnt unser Körper die Erfahrungen zu speichern und die ersten Überlebensmechanismen auf Stress zu entwickeln. Es gibt zahlreiche Erfahrungen für mögliche pränatale Traumata, wie ein unerwünschtes Kind zu sein, Stress der Mutter/Eltern während der Schwangerschaft, Nabelschnur um den Hals, vergiftetes Fruchtwasser, Abtreibungswünsche, Narkose, Frühgeburt, Kaiserschnitt, Kontaktlosigkeit nach der Geburt oder ein verlorener Zwilling.

DER KÖRPER SPEICHERT JEDE ERFAHRUNG  

Der Fötus speichert vom Moment der Zeugung an seine vorgeburtlichen Erfahrungen im Körpergedächtnis. Mit der Nabelschnur verbunden, übernimmt der Fötus alle Nähr- und Schadstoffe und erfährt durch unkontrollierbare Einflüsse von außen bereits Stress.
Jede Erfahrung ist körperlich und kann auch über den Körper wieder „abgerufen“ werden. Der Fötus setzt bereits alle seine Sinne ein, wobei der Tast-, Hör- und Geschmackssinn sich im Mutterleib entwickelt und der Sehsinn erst nach der Geburt folgt. Das Gehör entwickelt sich vor der sechsten Schwangerschaftswoche und danach das Herz.

Das Phänomen des verlorenen Zwillings ist in der Wissenschaft recht jung. Das Leben vor der Geburt wird erst seit den 70er Jahren erforscht und gut dokumentiert. Dabei zeigt sich, dass über 40% der Schwangerschaften (manche sagen noch mehr) als Zwilling bzw. Mehrlingsschwangerschaft angelegt sind. Der Zwillingsfötus entwickelt sich jedoch nicht weiter, wird von der Gebärmutterschleimhaut absorbiert, ohne das die Mutter davon etwas mitbekommt. Denn schon in der 9-12. Schwangerschaftswoche, wo die ersten routinemäßigen Ultraschalluntersuchungen beginnen, sind die meisten Zwillinge oder Mehrlinge wieder verschwunden. Doch für den überlebenden Fötus ist es die erste Verlusterfahrung, die eine lebenslange Prägung hervorrufen kann. Denn schon in den ersten Schwangerschaftswochen besteht der Kontakt zum Zwilling durch das Hören und Fühlen. Der Todeskampf wird hautnah miterlebt. Zunächst werden der Herzschlag und die Bewegungen schwächer, dann hören sie ganz auf. Das spürt der überlebende Embryo.

DER VERLORENE ZWILLING IM THERAPIEPROZESS 

In der psychotherapeutischen Arbeit zeigt sich, dass diese Liebe zwischen Zwillingen sehr innig und tief ist. Vielleicht kann man das mit der späteren Sehnsucht nach dem „Seelenpartner“ in Verbindung bringen. Die Sehnsucht nach dieser tiefen Liebe und Einheit. Der Verlustschmerz ruft ein Gefühl der Verlassenheit, Sehnsucht und Schmerz hervor, der seelisch noch nicht verarbeitet werden konnte. Es kann hier schon zu chronischen Verspannungen des Embryos kommen, die zu einer Gefühllosigkeit führen können. Verspannungen dienen dazu, bedrohliche Gefühle abzublocken und vor einer Überschwemmung zu schützen. Das „Abstellen“ der Gefühle ist ein Überlebensmechanismus, der sich später in Rationalisieren, Arbeits- oder Beziehungssucht, Totstellreflex u.ä. zeigen kann. Das Urvertrauen wird bei einem verlorenen Zwilling massiv erschüttert. Die Bindung zur Mutter kann einen verlorenen Zwilling nicht ersetzen. Was bleibt ist die Sehnsucht nach der verlorenen Bindung.

Symptome, die ein Hinweis sein können. Natürlich können die Symptome auch andere Ursachen haben. Doch häufig sind Klienten schon viele Jahre in Therapie oder auf der Suche und keinen Schritt weiter. Die Symptome bleiben hartnäckig bestehen. Da könnte es sich lohnen, sich mit dem Thema eines verlorenen Zwillings auseinanderzusetzen.

  • On/Off-Beziehungen
  • Todessehnsucht, Lebensweisen nahe am Tod
  • Urvertrauen fehlt
  • Suche nach dem Seelenverwandten, unerfüllte Sehnsucht nach Einheit
  • Angst vor Bindung (Konfrontation mit dem Verlustschmerz)
  • Depressionen
  • Isolation und Einsamkeit
  • „Hauthunger“ – viel körperliche Nähe
  • Mangelnde Abgrenzungsfähigkeit, Neigung zu konfluentem Verhalten
  • Dreiecksbeziehungen (Verlust von Mehrlingen)
  • Hochsensibilität
  • Verlustängste, Panikattacken, Zwänge
  • Sucht und Abhängigkeiten
  • Depersonalisation
  • Gefühllosigkeit
  • Berufliche Misserfolge
  • unerklärliche Schuldgefühle
  • Chronische Müdigkeit
  • Konkurrenzthemen
  • Nicht ins Leben kommen, keine Halt finden
  • Alles doppelt kaufen
  • Symmetriezwang
  • Innerliche Leere
  • Schlaflosigkeit
  • chronische Unruhe

SELBSTREGULATION – SICH SICHER & ZUHAUSE FÜHLEN

Der Zustand der Selbstregulation gibt uns das Gefühl, im eigenen Körper zuhause zu sein. Er ist Quelle der Lust und Freude anstatt der Last. In den Gesichtern der Menschen kann man sehen, wie lebhaft ihre Mimik erscheint. Man kann ihnen direkt in die Augen schauen und den Blickkontakt halten. Der Geist ist frei, offen und neugierig anstatt im Grübeln versunken.
Das Zuhause-Gefühl ist die Basis, um mit sich selbst verbunden zu sein und dadurch mit anderen in Kontakt zu treten. In der kreativen Leibtherapie stammt das Wort Leib von dem indogermanischen „lib“ ab, was „Leben“ und „lebendig sein“ bedeutet.
Wir müssen im Köper ankommen, um uns selbst gut regulieren zu können. Über den Kopf ist das unmöglich. Man bleibt im Funktionsmodus, der den Handlungsspielraum erheblich verkleinert, eng macht und Stress verursacht. Im therapeutischen Prozess braucht es Zeit und Durchhaltevermögen, da der Blick von außen nach innen erstmal sehr unangehm sein und auch Angst verursachen kann. Um das Überleben zu sichern, trennen wir uns von unserenm Körper. Wenn wir beginnen dem Körper wieder Leben einzuhauchen, kommen wir in Konakt mit all den verdrängten Emotionen. Daher bitte ich Klienten „Bleib dran!“ anstatt der Angst zu folgen und aufzugeben. Es wird besser und die Lebendigkeit spürbar.
Selbstregulation ist die zentrale Fähigkeit, um selbstbestimmt zu leben und das eigene Leben zu gestalten.
In einem regulierten Zustand handelt man kongruent mit den eigenen Zielen, Bedürfnissen und Wünschen. Wir erleben die Welt als freundlich und weniger als gefährlich. Das autonome Nervensystem ist im Gleichgewicht. Wir wechseln zwischen Erregung und Entspannung. Damit befinden wir uns im „Window of Tolerance“ Je größer das Windows of Tolerance ist, umso mehr sind wir fähig auch bei höherer Anspannung oder Stress, in einer gesunden Reaktion zu bleiben und uns zu regulieren.

THE WINDOW OF TOLERANCE  

Window of Tolerance

Dr. Dan Siegel, klinischer Professor für Psychiatrie, entwickelte das Window of Tolerance und beschreibt den besten Erregungszustand, in dem wir im Alltag funktionieren und gedeihen können. Wenn wir uns innerhalb dieses Fensters befinden, können wir effektiv lernen, sind offen und neugierig, können gut mit uns selbst und anderen umgehen.

Wir regulieren uns ununterbrochen, da ständig neue Bedürfnisse, Gedanken, Gefühle auftauchen und wir auf äußere Reize reagieren müssen. Wenn wir gut mit unserem Körper, d.h. mit uns selbst verbunden sind, können wir diese ausreichend regulieren und Stress gut bewältigen. Je nach Tagesverfassung ist die Schwingung mal im oberen und mal im unteren Bereich.

Wichtig für uns selbst ist, herauszufinden, was die individuelle Begrenzung ist, mit Stress und der damit verbundenen Erregung und Entspannung umzugehen. Diese „Begrenzung“ wird sehr früh angelegt, schon in den ersten Lebensjahren oder auch schon durch die Umstände der Geburt. Menschen haben durch ein Schocktrauma, frühe seelische Verletzungen, mangelnde Bindung bereits ein dysreguliertes Nervensystem und da ist das Window of Tolerance sehr eng.

Die Symptom- und Störungsbilder wie Angststörungen, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen sind alle Ausdruck einer Selbstregulationsstörung. Menschen sind einem Dauerzustand der Dysregulation, der Über- oder Untererregung, und das Leben fühlt sich wie ein ständiger Kampf an.

Wenn wir uns außerhalb dieses Fensters bewegen, können wir unter- oder übererregt sein. Übererregung resultiert aus der Kampf- oder Fluchtreaktion und ist durch übermäßige Aktivierung/Energie gekennzeichnet. Sie kann sich in Form von Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit, Wut und Wutausbrüchen, Panik, ständiger Angst, leichter Angst oder Erschrecken, selbstzerstörerischem Verhalten usw. äußern.

Im Zustand der Untererregung fühlen wir uns wie betäubt, sind chronisch müde, fühlen uns wie gelähmt, erstarren bei Konflikten, zu viel Nähe oder hohen Anforderungen, können schwer Nein sagen und haben das Gefühl keinen eigenen Raum zu haben.

Wir alle haben unterschiedliche „Fenster“, was auf Faktoren wie einschneidende Kindheitserlebnisse, unsere Neurobiologie, soziale Unterstützung, unser Umfeld und unsere Bewältigungsfähigkeiten zurückzuführen ist. Die Größe unseres Fensters kann sich von Tag zu Tag ändern, aber je größer wir das Fenster machen können, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir Ärger und Frustration erleben oder uns niedergeschlagen und energielos fühlen.

Die Stärkung der Selbstregulation ist zentral in psychotherapeutischen Prozessen und kann Schritt für Schritt erlernt werden. Das braucht Zeit, Geduld und Mut.

TRAUMATA ENTPSYCHOLOGISIEREN 

Die somatische Sichtweise hilft, Trauma zu entpsychologisieren und als Dysregulation autonomer Körperprozesse zu verstehen.

„Übermäßiger Stress entsteht, wenn die Anforderungen an eine Organismus dessen realistisches Vermögen, diese zu erfüllen, übersteigen. Das Gummiband reißt, die Sprungfeder verformt sich. Die Stressreaktion kann durch eine physische Schädigung hervorgerufen werden, auch wenn diese vollständig auf Einbildung beruht. Physische Stressreaktionen können erzeugt werden, wenn die Bedrohung jenseits unserer bewussten Wahrnehmung liegt, und sogar, wenn ein Individuum der Meinung ist, auf „positive“ Art gestresst zu sein.“ Dr. Gabor Maté

Unsere Körperphysiologie bestimmt erheblich unser seelisches Erleben und die Erfahrung in der Welt, daher kann der Körper nicht außen vor gelassen werden. Es gibt vier Hauptsymptome, die in unserer Physiologie einen traumatischen Zustand kennzeichnen: Übererregung, Anspannung und Verkrampfung, Dissoziation und Verleugnung, Immobilisierung. Beispielsweise bei der Übererregung werden wir bereits durch kleine Ereignisse aktiviert und diese wird so stark, dass wir unseren Körper nicht mehr fühlen und die Gefahr nach außen projizieren anstatt mit unserem inneren Zustand in Verbindung zu bringen. Vielleicht fangen wir an zu schwitzen oder zittern. Eine Aufnahme von Informationen wird unmöglich, es zeigen sich Energieverlust und Konzentrationsmangel.

Wenn die innere Regulation ständig auf vergangene Situationen eingestellt ist, die wir nicht kontrollieren konnten oder als bedrohlich erlebt wurden, sprechen wir von Trauma. Der unverarbeitete Stress von damals wird zum Trigger in aktuellen Situationen.

ES GIBT EIN ENDE DES LEIDENS 

ES GIBT EIN ENDE DES LEIDENS

Jeder Mensch kennt die Gefühle der Hoffnungslosigkeit, der Trauer, des Schmerzes, der Angst. Und in den Gefühlen gefangen, denkt man, man kommt da nie wieder raus. Es wird nie mehr einen Tag der Freude, der Zufriedenheit und Ruhe geben. Doch jedes Leiden hat ein Ende.

Es ist eine unausweichliche Erkenntnis, dass es Leid auf dieser Erde gibt. Und es gibt eine Ursache des Leidens. Der Schriftsteller Thomas Merton schreibt: „In einer Welt der Spannungen und Zusammenbrüche ist es nötig, dass diejenigen, welche ihr inneres Leben integrieren wollen, nicht vor Problemen weglaufen und Leid vermeiden, sondern dass sie sich dem allen in der nackten Realität seiner Alltäglichkeit stellen.“

Es gibt unzählige Möglichkeiten sich Abzulenken und Leid zu vermeiden – Konsumverhalten, Süchte, Verdrängung. Doch das Leid bleibt. Es schlummert tief in uns und wartet nur auf die nächste Gelegenheit, um wieder auf der Bühne zu erscheinen. Im Buddhismus sagt man, es gibt zwei Arten von Leiden: „Das Leiden, vor dem du wegrennst und dir überall hin folgt. Und das Leiden, dem du dich stellst und von dem du dich befreist.“

Leiden entsteht aus Anhaftung. Wir halten an Menschen fest, die uns nicht gut tun und versuchen sie womöglich zu verändern. Wir halten an unseren Projektionen und Identifikationen fest, anstatt uns zu lösen und mit klaren Blick das Unerwartete zu sehen und willkommen zu heißen. Um das Leid zu überwinden und uns selbst zu verändern, müssen wir uns üben im Loslassen.

Trauern ist der Prozess, der uns beim Loslassen unterstützt.

WANDLUNG DURCH TRAUERN 

Loslassen ist Wandlung. Wir geben etwas Vertrautes auf und müssen uns Fremden stellen. Das Neue kennen wir noch nicht, daher fallen wir auch aus Gewohnheit immer wieder zurück in alte Muster. Sie tun uns nicht gut, aber wir wissen wenigstens, was uns erwartet. Loslassen bedeutet, sich für neue Erfahrungen zu öffnen, ohne zu wissen, was auf uns zukommt.

Durch die Trauer kommen wir wieder zu uns selbst. Wer den Schmerz durchlebt und sich ganz einlässt, wird frei. Trauern ist ein psychischer Prozess von höchster Wichtigkeit für die Gesundheit des Menschen. Niemanden auf der Welt bleiben Verluste erspart. Wir können daran zerbrechen oder daran wachsen.

Wir wachsen, indem wir uns auf den Prozess einlassen und uns unseren Gefühlen stellen. Wir werden Situationen neu bewerten, differenzierter sehen, die guten und die schlechten Seiten genauer wahrnehmen und ein neues Verständnis von der Welt erlangen. Der Verlust ist ein Teil des Lebens. Es ist die radikale Akzeptanz, dass wir nicht alles kontrollieren können. Wir können lernen, der Realität ins Auge zu schauen und mit dem zu gehen und zu leben, was ist.

Wir alle sind Alter und Tod unterworfen. Wir erleiden Verluste, die uns niemand abnehmen kann. Gegen Einsamkeit und Ungewissheit gibt es keine äußeren Heilmittel. Nur wenn wir uns dem Schmerz und dem Leiden voller Würde stellen, können wir wachsen.

DAS UNGELEBTE LEBEN, DAS LEBEN WILL 

Wendepunkte, Schlüsselsituationen, Krisen, Entscheidungen – immer wieder zeigt sich und verbirgt sich ungelebtes Leben in unserem Lebensweg. Wenn ungelebtes Leben, wenn gebremste Lebendigkeit leben möchte, aber nicht sein darf, kann sich dies in Leiden, Krankheiten oder Blockaden zeigen.

Versagungen, unerfüllte Hoffnungen, Aussichtslosigkeit, Unwiderruflichkeit – all das sind Aspekte ungelebten Lebens, in denen das soziale Umfeld auf die Person einwirkt und der Mensch sich auf das soziale Umfeld bezieht. Im Leben bleibt vieles ungelebt. Jede Entscheidung schließt eine andere aus. Jeder Entscheidung liegt eine Wahlmöglichkeit zugrunde – und jede Entscheidung engt weitere Wahlmöglichkeiten ein. Solche Entscheidungen verringern die Menge lebbaren Lebens, sind aber kein Ende der Wahlmöglichkeit, kein Ausschluss der Offenheit. Die dem Menschen zur Verfügung stehenden Wahlmöglichkeiten sind auch Möglichkeiten lebbaren Lebens.

Thomas Fuchs schreibt dazu: „Das ungelebte Leben ist zunächst die Folge von Entscheidungen und damit des Lebensentwurfs eines Menschen. Wir sind zur Freiheit berufen oder verurteilt und daher in jedem Augenblick gezwungen, das Wirkliche aus dem Möglichen auszuwählen, gelebtes Leben und ungelebtes Leben voneinander zu sondern. Weil der Möglichkeiten immer ungleich mehr sind als sich verwirklichen lassen, übertrifft die Fülle des nicht gelebten in unvorstellbaren Maße das kleine Reich des wirklich Gelebten. Unvermeidlich bleiben wir daher auch immer hinter unseren Möglichkeiten zurück und können mögliche Existenz nicht verwirklichen. Wir bleiben uns selbst etwas schuldig. Das Verwirklichte geht als Erlebnis, Erfüllung, als Leistung oder Werk in unsere faktische Vergangenheit ein und scheint so wirklicher, tatsächlicher zu sein als das Ungelebte. Aber das Ungelebte, obwohl oder gerade weil es unverwirklicht blieb, kann doch eine ungeheure Wirkung entfalten. Es kann zur Quelle von Enttäuschung, Reue und Schuldgefühlen werden, aber auch Hoffnungen, Sehnsüchten und Wünschen, die in die Zukunft weisen.“

In der therapeutischen Arbeit können wir dem ungelebten Leben begegnen in den Qualitäten des Verwerfens, Versäumend, Verpassen, Verzichten und der leeren Möglichkeit. Letzters zeigt sich, wenn es nie eine konkrete Möglichkeit gab, wie beispielsweise eine Junge, der nie einen Vater hatte. Wir können Möglichkeiten verwerfen, versäumen, verpassen oder darauf verzichten.

In der Beschäftigung mit dem ungelebten Leben trifft man auf Wendepunkte in der Biografie. In der Arbeit mit dem ungelebten Leben werden Hoffnungen und Sehnsüchte lebendig. In diesen verbirgt sich oftmals eine gewaltige Kraft. Diese Kraft lässt sich nutzbar machen, indem konkrete erste Schritte für die Handlung geplant werden. Was ist der erste Schritt, den du unternehmen kannst, ungelebtes Leben lebendig werden zu lassen?

GRÖSSENILLUSIONEN LOSLASSEN 

Größenillusionen loslassen, ist eine große Herausforderung, an der wir wachsen können. Größenillusionen entstehen in der Kindheit und sind eine Reaktion auf unerfüllte Kernbedürfnisse. Als Kind ist man darauf angewiesen, dass Eltern auf unsere Bedürfnisse eingehen und sie ausreichend erfüllen. Dadurch lernen wir, dass unsere Bedürfnisse richtig sind und wir ein Recht darauf haben.

Wenn die Bedürfnisse nicht ausreichend erfüllt werden, beginnt ein Kind die eigenen Bedürfnisse zu unterdrücken und sich anzustrengen. Es werden unterschiedliche Strategien und innere Überzeugungen entwickelt, wie beispielsweise „Ich kann alles alleine machen und brauche niemanden.“, „Ich muss mich nur genug anstrengen und dann kann ich Mutter oder Vater retten.“ Diese unbewussten Muster und Strategien werden auf neue Beziehungen im späteren Leben übertragen und erzeugen jede Menge Stress und Überforderung.

Manchmal opfert man sich für andere auf, kann sich gut in andere Menschen einfühlen und wissen, was sie brauchen. Damit verbunden ist der geheime Wunsch, irgendwann dafür die Anerkennung zu bekommen, die eigenen Bedürfnisse zurückgestellt zu haben. Man versucht sich bei anderen unentbehrlich zu machen und zahlt dafür einen hohen Preis, der mit Selbstverlust einhergeht. Größenillusionen sind mit einem hohen Energieaufwand verbunden, ohne etwas zurück zu bekommen.

Anderen zu helfen, obwohl man eigentlich selbst Hilfe braucht, wird dann zur Strategie und zu einer Art Ersatzhandlung, um die Gefühle der Hilflosigkeit und Ohnmacht zu vermeiden. (Dr. Laurence Heller)

Starke Hilflosigkeit und eine Form von Zynismus sind Ausdruck unterdrückter Wut und einem unbewussten Abgrenzungsverbot. Die Wut auf die Eltern hat sich in eine selbstverletzende Resignation verkehrt. Manchmal taucht eine Empfindung der Leere im Bauch auf, die das Mangelempfinden stärker werden lässt. Als Erwachsene beginnen wir unsere Unzufriedenheit nach außen zu projizieren – auf die Arbeit, die Freunde, die Partner, die Kinder. Wir werden mitunter sehr fordernd und kleinlich. Dabei bemerken wir nicht, dass wir an unserer alten Bindungsbeziehung zu unseren Eltern festhalten, während wir heute selbst für die Erfüllung unserer Bedürfnisse verantwortlich sind.

Wer von den eigenen Größenillusionen loslässt, kommt wieder bei sich selbst an. Eine gesunde Selbstverbindung lässt die Kraft und Würde wachsen, für die eigenen Bedürfnisse eigenverantwortlich da zu sein und sich aktiv dafür einzusetzen. Es ist die Anerkennung, dass man nicht alles kontrollieren kann und nicht für andere über die Maßen verantwortlich ist.

SELBSTMITGEFÜHL STÄRKEN

Selbstmitgefühl ist eine wesentliche Fähigkeit um alte Wunden zu heilen und das Selbstwertgefühl zu stärken. Abwertungen, Demütigungen, ins Leere gehen, Nicht-gehört oder Nicht-gesehen-Werden lassen schwächen unser Selbstwertgefühl. Wir definieren uns dann vielleicht über Leistung, Erfolg und gutes Aussehen. Doch all dies ist endlich und macht abhängig von Äußerlichkeiten. Das darf nicht falsch verstanden werden. Leistung und Erfolg sind schöne Qualitäten und können das Leben sehr bereichern. Doch es wird mühsam und anstrengend, wenn der Selbstwert darüber definiert wird.

Selbstmitgefühl hilft, die Höhen und Tiefen des Lebens zu nehmen, wie sie sind und daran zu wachsen anstatt daran zu zerbrechen. Uns selbst mit einem liebevollen Blick anzusehen, wenn wir gescheitert sind oder uns Selbstvorwürfe machen, ist Balsam für Herz und Seele. Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, den Blick nicht nur auf unsere Fehler zu richten und zu denken, dass man unfähig ist. Wir können viel mehr bewältigen als wir denken. Es ist in Ordnung festzustecken, um sich dann zu sortieren und wieder weiterzugehen.

SELBSTLIEBE VERSIS EGOISMUS  

Immer noch gibt es Irritationen über Selbstliebe und Egoismus. Was ist damit gemeint? Selbstliebe bedeutet, dass du auf deine seelische und körperliche Gesundheit achtest. Wenn die Seele zur Ruhe kommt, eigene Themen aufgearbeitet werden, wird auch der Körper ruhig und friedvoll. Das tut nicht nur uns selbst gut, sondern auch unseren Gegenübern. So entsteht eine Win-Win-Begegnung.

Egoismus sieht nur sich selbst, nicht den Anderen. Es bedeutet stolz, selbstbezogen und narzisstisch zu sein. Wir beuten andere emotional aus, manipulieren, um uns selbst gut zu fühlen. Das führt letztlich zur Selbstzerstörung.

Oft bekommt man selbst nicht mit, wie manipulierend man eigentlich unterwegs ist. Menschen mit wenig Selbstwertgefühl verhalten sich oft manipulierend, um Anerkennung zu bekommen oder geliebt zu werden. Sie helfen anderen Menschen, um sich selbst wie ein „guter Engel“ zu fühlen. Sie gehen über eigene und fremde Grenzen und verleugnen sich am Ende selbst, was wieder zu Selbstvorwürfen führt. Damit geht die Selbstachtung verloren. Wenn dann irgendwann die Erschöpfung des Verhaltens spürbar wird und ein Burnout sich abzeichnet, wird oft erkannt, dass man aus dem fehlenden Selbstwert heraus viel gegeben und nichts zurück bekommen hat. Verletzungen entstehen nicht nur durch das, was uns andere angetan haben , sondern auch wie wir mit uns selbst umgehen.

Selbstmitgefühl hilft, wieder bei sich selbst anzukommen. Zu erkennen, wie sehr man sich selbst verleugnet hat, um anderen zu gefallen, ist schmerzhaft. Der Schmerz heilt, mit dem liebevollen Blick auf uns selbst. Daher ist Selbstmitgefühl eine Qualität, um sich selbst wieder zu achten, sich zu vertrauen, zu respektieren und zu lieben.
Im Bemühen um Selbstmitgefühl bemessen wir unseren Wert nicht nach unseren weltlichen Erfolgen und vergleichen uns nicht mit anderen.

DER PREIS FÜR MANGELNDES SELBSTMITGEFÜHL

Der Preis für mangelndes Selbstmitgefühl zeigt sich nicht nur in den harten Urteilen über uns selbst. Häufig wird Selbstmitgefühl auch mit Selbstmitleid verwechselt. Selbstmitleid zeigt sich, wenn man sich in seine eigenen Probleme verstrickt, man sich selbst bedauert und die Menschen um sich herum vergißt.

Selbstmitgefühl hat auch nichts mit Selbstverwöhnung zu tun, wie noch eine Süßigkeit oder noch ein Kleidungsstück. Das Mitfühlende ist gerade sich nicht mit Essen oder Shopping zu belohnen, sondern sich aktiv für die eigene Gesundheit einzusetzen.
Mangelndes Selbstmitgefühl zeigt sich von der Selbstablehnung über die Selbstverachtung bis hin zum tief verwurzelten Selbsthass. Menschen halten an toxischen, missbräuchlichen, abwertenden Beziehungen fest. Oft denken sie auch noch, sie sind selbst schuld und müssten sich nur noch mehr anstrengen. Oder sie fühlen sich in ihrem Körper nicht wohl und meiden jeden Blick in den Spiegel, hungern sich aus, stopfen sich voll oder fügen sich Selbstverletzungen zu. Sie sind sich selbst gleichgültig. Sie gehen unachtsam mit sich selbst um und vernachlässigen ihre Grundbedürfnisse nach Schlaf, Ernährung und Bewegung. Immer mehr an Leistung ist das einzige Credo, was jedoch niemals nährt und nur die die Gier weiter füttert.

Mangelndes Mitgefühl geht mit viel Kränkungen einher. Menschen geraten bei Kritik außer sich oder glauben alles, was über sie gesagt wird, weil sie nichts entgegen setzen können. Sie verharren in Angst, eines Tages als Betrüger enttarnt zu werden, weil sie nicht daran glauben, etwas Gutes im Leben verdient zu haben.

MITGEFÜHL MIT SICH SELBST
Ein Schlüssel für Zufriedenheit 

Mitgefühl ist etwas vollkommen anders als Ichbezogenheit. Menschen, die echtes Mitgefühl mit sich selbst haben, sorgen für sich selbst, ohne dabei die Gefühle und Bedürfnisse anderer aus den Augen zu verlieren. Eigentlich ist es erst die Grundvoraussetzung, um für andere da zu sein. Denn wer einen liebevollen Umgang mit sich selbst pflegt, auf das seelische und körperliche Wohlbefinden achtet, kann umso mehr für andere da sein.

Selbstmitgefühl ist wie das Aufladen unserer Batterien. Der wohlwollende Blick auf uns selbst, ist auch der Blick, den wir uns als Kind von unserer Eltern gewünscht haben. So wie wir sind, sind wir gut genug. Wir müssen uns nicht ausbeuten und auch nicht ausbeuten lassen, um ein wertvoller Mensch zu sein. Wir dürfen oder müssen auch NEIN sagen zu Menschen und Dingen, die uns nicht gut tun. Der Umgang mit gesunden Grenzen ist elementar für unser Selbstwertgefühl.

Mitgefühl mit sich selbst heißt auch, sich realistische Ziele zu setzen. Realistische Zielsetzungen sind frei von den Erwartungen anderer und was sie über uns denken. Wünsche und Visionen, die von Herzen kommen, sind realistischer, da sie mit uns selbst verbunden sind. Das führt dazu, dass wir motiviert sind und nicht so schnell aufgeben, sie zu erreichen.

Mitgefühl bewahrt vor dem Sog der Selbstabwertung. Niederschläge und Misserfolge kennt jeder Mensch. Mit einer gesunden Portion Mitgefühl müssen wir uns jedoch nicht selbst abwerten, sondern können klar auf die Fehler schauen, aus ihnen lernen und passendere Wege einschlagen.

Selbstmitgefühl ist auch eine Fähigkeit sich selbst zu beruhigen bei emotionalen Leid. Wer mit einem sicheren Bindungsstil aufgewachsen ist, hat weniger Schwierigkeiten Hilfe anzunehmen, sich geborgen zu fühlen und sich mit einem mitfühlenden Blick zu begegnen. Wer weniger gute Startbedingungen ins Leben hatte und keine sichere Bindung erfahren hat, muss das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit erst ganz neu lernen. Es ist nicht leicht, aber auch nicht unmöglich. Die vergangenen Bindungserfahrungen sind gemacht und andere Eltern können wir uns nicht mehr zulegen, daher sind wir als Erwachsene gefordert von der Vergangenheit loszulassen und uns selbst gute Eltern zu werden. Dies gelingt mit dem mitfühlenden Blick auf uns selbst, sich selbst anzunehmen und sich selbst vergeben zu können.

MITGEFÜHL & MITLEID IN BEZIEHUNGEN 

Wie oft wird gesagt „Ach, das tut mir leid“, was klingen mag, wie ein Schlag ins Gesicht. Mitleid macht schwer. Mitleid entfremdet. Keiner will das Leid eines Anderen tragen. Es kann auch keiner. Das fremde Schicksal ist zu schwer, das eigene Schicksal kann man bewältigen. Es gehört zu uns und wir können daran wachsen.

Wer jedoch in Beziehungen zu viel Verantwortung übernimmt, ist schnell im Mitleid gefangen. Man versucht vielleicht die Probleme des Anderen zu lösen oder Ratschläge zu geben, vielleicht vermeidet man es auch Schönes von sich zu erzählen, um den Anderen nicht zu kränken. Im Mitleiden ist jedoch keinem geholfen. Für alle Beteiligten ist es eine Last. Meistens nimmt man sogar eher Abstand von Menschen, die leiden, weil man Angst hat, hineingezogen zu werden oder sich als wirkungslos zu erfahren. Oder man ist so mit dem Leid des Anderen identifiziert, dass ein eigenes freies Leben nicht mehr möglich ist.

Wer eine ablehnende Haltung gegenüber dem eigenen Leiden hat, wird unmöglich das Leid es Anderen sehen. Denn dazu müsste das eigene Leid anerkannt werden. Die Augen werden verschlossen und die Beziehung entfremdet sich. Menschen in Not bleiben alleine zurück. Menschen Mitgefühl zu schenken, im Kontakt zu bleiben, geht nur über das Zulassen und Anerkennen des eigenen Leides. Wer durch die eigene Trauer, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Schmerz, Wut geht, hat keine Angst vor den Gefühlen von Anderen und kann Beistand leisten, ohne sich in das Leid des Anderen zu verstricken. Wer bereit ist, den eigenen Schmerz zu fühlen, kann sich auch anderen Menschen und ihrem Leid zuwenden.

Mitgefühl öffnet die Herzen. Mitgefühl ist ein Beziehungsgefühl. „Ich fühle mit dir und bin ganz für dich da, aber ich leide nicht mit“. Diese Haltung äußert Respekt und Anteilnahme. In der emphatischen Anteilnahme steckt Verbundenheit und Gemeinschaft. Der Respekt vor dem Schicksal eines jeden Menschen bringt die Würde und Achtung zu zurück. Im Mitgefühl lassen wir uns von dem Schicksal eines anderen Menschen berühren und bringen unsere Anteilnahme zum Ausdruck. Wir stehen zur Seite, erkundigen uns nach dem Wohlergehen, hören aufmerksam zu und sind präsent. Wir beginnen nicht, das Schicksal zu tragen oder es zu lösen zu wollen. So würde die Achtung verloren gehen.

PSYCHOTHERAPIE FÜR FÜHRUNGSKRÄFTE & IM BERUFLICHEN KONTEXT

Berufliche Fragestellungen sind im psychotherapeutischen Prozess nicht nur sehr spannend, sondern sind immer gefragter. Viele Jahre stand die körperliche Fitness im Vordergrund. Heute wird die psychische Gesundheit immer relevanter. Investitionen von Unternehmen in Angebote zur mentalen Gesundheit für Führungskräfte und Mitarbeiter nehmen deutlich zu.

„Das Führungskäfte-Coaching bewährter Prägung ist bei der heutigen schnelllebigen Zeit und den wachsenden Anforderungen nicht mehr passend. Psychotherapie für Führungskräfte bearbeitet Faktoren wie der Übertragung, Projektion, Verdrängung, Verstrickung und den biografischen Hintergrund von beruflichen Erfolgen und Misserfolgen. Die familiären Zusammenhänge zu erkennen und aufzulösen, helfen die Selbstwirksamkeit zu stärken, sich weniger in destruktive Beziehungskonstellationen zu verstricken und Stress nachhaltig zu verarbeiten.“

Psychotherapie für Führungskräfte setzt nicht nur auf den Umgang mit Stress, sondern bezieht insbesondere das eigene Familiensystem mit ein. Immer wieder ist zu beobachten, wie sich private und berufliche Themen vermischen. Ungelöste Konflikte in der Ursprungsfamilie werden häufig in den Firmen unbewusste reinszeniert. Nicht nur eigene Leistungsanforderungen und Glaubenssätze zeigen sich, sondern gerade die zwischenmenschlichen Beziehungen sind voll von Projektionen. Im therapeutischen Prozess ist es wichtig zu differenzieren und den Konflikte am Ursprung anzupacken, um dann eine Lösung auf der beruflichen Ebene zu erlangen.

BERUFLICHER MISSERFOLG „OHNE WURZEL KEINE FLÜGEL“ 

Beruflicher Misserfolg hat häufig einen Hintergrund in der eigenen Familiengeschichte. Ungelöste emotionale Verstrickungen, falsche Loyalitäten, unbewusste Identifikationen oder eigene Traumata führen zu Blockaden, die den beruflichen Weg erschweren. Eigene Kompetenzen werden nicht gesehen, falsche Wahl des Berufs oder Arbeitsplatzes, fehlende Aufträge oder Kunden, Geldsorgen, Arbeitslosigkeit, Konflikte am Arbeitsplatz, Überforderung, Mobbing, Pleiten sind beruflichen Themen, die unter dem Systemkontext betrachtet werden können.

Um erfolgreich agieren zu können, braucht es einen guten Platz im System – in der Familie, am Arbeitsplatz. Es braucht ausreichend Ressourcen, um Entwicklung und Wachstum hervorzubringen. Hindernisse können eigene und übernommene Traumata aus den Generationen sein. Unbewusst kann man sich mit einem Schicksal aus dem Familiensystem identifizieren und erlebt das gleiche Schicksal. Auch übernommene Glaubenssätze sind eine Blockade, die dem eigenen Erfolg unbewusst im Weg stehen. Gerade in Geldangelegenheiten gibt es häufig innere Überzeugungen, die den Erfolg verhindern. Manchmal fehlt auch die Kraft ,die nötigen Schritte für den Erfolg zu unternehmen, man bleibt in Illusionen stecken und flüchtet vor der Realität.

Im beruflichen Kontext geht es häufig um die fehlende männliche Kraft. Vaterthemen tauchen immer wieder auf und zeigen, dass die Vaterfigur gefehlt hat oder kein Zugriff auf männlich dominierte Ressourcen vorhanden ist. Auch ein verletzter Selbstwert durch seelische Erfahrungen, können Ursache für berufliche Blockaden sein.

Ohne Wurzeln keine Flügel – Um sich entwicklen zu können und vorwärts zu gehen, braucht es einen Boden. Wer gut verwurzelt ist, seine Wurzel kennt und anerkennt, überwindet Hindernisse, erkundet mit Freude und Zuversicht neue Landschaften und bleibt sich selbst in den entscheidenden Lebensfragen treu.

GESUND FÜHREN

Gesund führen ist in erster Linie Selbstführung. Jede Arbeit an sich selbst zahlt sich am Ende aus. Um authentisch zu agieren, als vertrauensspendend von Mitarbeitern wahrgenommen zu werden und selbstsicher aufzutreten, braucht es einen emotionalen Boden. Rein kognitiv durch das Erlernen von Verhaltensweisen oder nur den Blick aufs Außen gerichtet, wird es keine innere Stabilität geben. Innere Stabilität und Souveränität erwächst mit dem Blick nach Innen.

Gesund führen, heißt auch, sich um seine seelische und körperliche Gesundheit aktiv zu kümmern. Als Führungskraft hat man eine Vorbildfunktion. Es ist nicht schön eine gestresste, aggressive, genervte, unkonzentrierte Führung vor sich zu haben. Ständig keine Zeit zu haben, keine Rückmeldungen zu geben, ist kein Ausdruck von Wichtigkeit, sondern von mangelnder Wertschätzung und falschen Prioritäten.

Stress ist ungesund! Mir begegnen immer wieder Menschen, die beteuern unter Stress besser arbeiten zu können und mehr zu leisten. Ich mache da ein Fragezeichen dran. Warum? Weil es meistens Menschen sind, die noch nie erfahren haben, ohne Stress und unter Druck zu arbeiten.

Stress verhält sich wie ein Suchtmittel. Wer bereits früh in seiner Kindheit mit Stress konfrontiert war, hat früh Überlebensstrategien entwickelt. An einer Überlebensstrategie hängt jedoch immer der unverarbeitete Stress von damals, der sich im Körper und der Seele ausbreiten. Die Folgen sind Gereiztheit, mangelnde Konzentration, Schlafstörungen, Suchtverhalten, Herz-Kreislauf-Probleme, Migräne, Tinnitus, und so weiter.

Überlebensstrategien werden nicht einfach so aufgegeben und sind im therapeutischen Prozess „Schwerstarbeit“. Es gilt erstmal die Ruhe auszuhalten und sich achtsam mit den eigenen „falschen“ Strategien auseinanderzusetzen. Es gilt das dahinter liegende Stressornetzwerk mit den einzelnen Stressoren zu identifizieren und Schritt für Schritt zu bearbeiten.

Wer sich ich selbst gut kennt, kann sich auch seinen Mitarbeitern öffnen und eine gesunden Führungsstil entwickeln. Gesunde Führung entspringt aus einer Haltung. Daher braucht es auch Zeit, denn eine Haltung ist ein verinnerlichte Erfahrung mit Grund und Boden.

TRAINING: MINDFUL LEADERSHIP 

Unter dem Begriff „Mindful Leadership“ werden verschiedene Trainingsprogramme angeboten, die die Praxis der Achtsamkeit in den Führungsalltag integriert.

„Eine achtsame Führungskraft verkörpert Führungspräsenz, indem sie Konzentration, Klarheit, Kreativität und Mitgefühl zum Wohle anderer entwickelt.“ Janice Marturano

Das Wesentliche in diesem Zitat ist meines Erachtens das Wort „verkörpert“. Hier drückt sich die Haltung aus, die täglich geübt werden muss. Wenn man etwas verkörpert, hat man es sich einverleibt, ist in Fleisch und Blut übergangen. Man muss nicht darüber nachdenken oder sich erkämpfen oder kontrollieren. Nein, es drückt vielmehr den Zustand „ICH BIN“ aus. Diese Authentizität, die auch vielfach in den Medien und diversen Managementbüchern leichtfertig herbeigerufen wird, ist jedoch in Wahrheit harte Arbeit an sich selbst. Es dauert mitunter Jahre sich von alten Gewohnheiten zu befreien und sich Neues einzuverleiben. Und es bedarf der täglichen Praxis. Das soll jedoch nicht abschrecken, sondern einladen sich näher mit der Praxis der Achtsamkeit zu beschäftigen.

Das Gute an der Praxis der Achtsamkeit ist, dass man einfach loslegen kann. Man braucht keine spezielle Kleidung oder Orte oder Equipment. Jeder kann sofort loslegen.
Mindel Leadership bedeutet ganz präsent zu sein, im Hier & Jetzt, und mit dieser Präsenz anderen Menschen zu begegnen.

„Beim Leadership geht es nicht um Titel, Positionen oder Flowcharts. Es geht darum, dass ein Leben ein anderes beeinflußt.“ John C. Maxwell

Daher ist es so wichtig, gut mit sich selbst im Kontakt zu sein und zu erkennen, wenn dies nicht der Fall ist. Wer mit sich selbst gut verbunden ist, ist verbunden mit seinen eigenen Werten, der persönlichen Ethik, mit dem was unverhandelbar ist. Man ist selbst der Steuermann seines eigenen Bootes, kann Grenzen setzen und auch Grenzen achten.

ORGANISATIONSAUFSTELLUNGEN

Ein bewährte Methode im beruflichen Kontext sind die Organisationsaufstellungen. Auch hier gibt es bereits zahlreiche Art&Weisen, wie gearbeitet werden kann. Im Gruppen- und Einzelsetting, mit Teams und als Begleitung von Innovations- und Veränderungsprozessen. Unterschieden werden können bei der Arbeit mit den Raumbildern:

> diagnostische Aufstellungen: Sichtbarmachen von Organisations- und Beziehungsdynamiken
> auf Veränderung zielende Aufstellung: Sinnvolle und nützliche Veränderungen
> Szenarienaufstellungen: Ausprobieren von Handlungen

Erfahrungsbericht

In einer Organisationsaufstellung mit dem Anliegen „Wir kann die Arbeit gut gemacht werden?“ hat sich gezeigt, dass die Führungskräfte einzelner Abteilungen noch nicht in ihre Rolle hineingewachsen sind. Es wurden zu wenig Führungsaufgaben übernommen und zu viel operative Aufgaben, was zu einer Überforderung und Frustration führte. Die Entwicklung der strategischen Ausrichtung an den lang- und kurzfristigen Zielen stand bei den Führungskräften nicht im Vordergrund, sondern die Bewältigung der täglichen Büroaufgaben. Die Verteilung auf die zuständigen Mitarbeiter wurde nicht vorgenommen, sondern noch viel zu viel von den Führungskräften selbst erledigt.

Nach der Aufstellung haben Gespräche stattgefunden, was es braucht, um die Führungskräfte in ihrer Entwicklung und Rolle zu unterstützen. Im Laufe eines Jahres hat es einen Wechsel in den Positionen gegeben. Es hat sich herausgestellt, dass viele Jahre zuvor unter einer anderen Leitung, die Positionen als Führungskraft an Personen gegeben wurden, die gar keine Führungskraft werden wollten. Damit gab es gar keine eigene Motivation und auch unbewusster Widerstand, die Rolle als Führungskraft einzunehmen.

Durch die Organisationsaufstellung konnten die relevanten Hindernisse erkannt und im folgenden Veränderungen in Angriff genommen werden.

ONLINE-AUTONOMIE-AUFSTELLUNGEN IM BERUFLICHEN KONTEXT

Die Online-Autonomie-Aufstellungen sind im beruflichen Kontext eine wirksame Methode, um Berufliches vom Privaten zu trennen und Themen an der Wurzel zu bearbeiten. Der Aufbau einer gesunden Grenze führt zu mehr Ruhe, Gelassenheit und Stabilität.

ERFAHRUNGSBERICHT EINES KLIENTEN

Eine Führungskraft kam mit dem Anliegen, dass er von einer Mitarbeiterin regelrecht gemobbt wird und er sich besser abgrenzen möchte. Es gab falsche Anschuldigungen, eine vergiftete Atmosphäre und immer wieder Eskalationen. Die Situation war für den Klienten äußert belastend. Es zeigten sich Verunsicherung, Antriebslosigkeit, Ohnmachtsgefühle und Erschöpfung.

Mein Vorschlag war eine Beziehungsklärung mit der Mitarbeiterin mit der Methode der Autonomie-Aufstellung. Es hat sich bereits nach der Aufstellung eine positive Wirkung gezeigt, so dass an dieser Stelle keine weitere Arbeit notwendig war.
Rückmeldung des Klienten:

„Mithilfe der durch Dr. Belke durchgeführten Autonomieaufstellung hat mein inneres Ich es geschafft sich abgrenzen zu lernen und das ganz ohne schlechtes Gewissen und Schuldgefühle. Am Anfang war ich etwas skeptisch und hab mir eigentlich nicht vorstellen können, dass das zu diesem Erfolg führen kann. Ich habe Autonomieaufstellungen im beruflichen als auch im familiären Umfeld mit Dr. Belke durchgearbeitet und muss sagen, dass ich wirklich begeistert davon bin. Der Effekt ist nachhaltig und geht wirklich tief, die belastenden toxischen Verbindungen konnten für mich aufgelöst werden und der daraus resultierende Schmerz war sehr bald darauf nicht mehr zu spüren. Ich habe insgesamt das Gefühl, dass ich wieder freier und mehr bei mir selbst bin. Mir hat das wirklich sehr geholfen.“

OHNE EINE GESUNDE GRENZE WIRD’S KOMPLIZIERT

Seit ich die Autonomie-Aufstellungen in meine Arbeit integriere und noch stärker den Fokus auf eine gesunde Autonomieentwicklung lege, sehe ich Beziehungen nochmals unter einem anderen Blickwinkel. Grenzen setzen und Grenzen achten, sind der Kitt in Beziehungen, um sich weiterzuentwickeln, sich zu unterstützen, kooperativ zu handeln und Win-Win-Situationen zu kreieren anstatt sich gegenseitig zu blockieren, zu manipulieren und auszubrennen.

Dabei geht es nicht nur um Paarbeziehungen, sondern um die grundsätzliche Gestaltung von Beziehungen. Es gehört immer eine gesunde Distanz und gesunde Nähe zu einer Beziehung, um das eigentliche Paradoxon von Freiheit und Verbundenheit zu leben. Menschen möchten frei und unabhängig sein und sich zugleich zugehörig fühlen, eingebunden in eine Gemeinschaft. Es ist existentiell notwendig, vertrauensvolle Menschen um sich zu haben, wo man sich mit seinen Stärken und Schwächen zeigen kann, wo man um Hilfe fragen und diese annehmen kann genauso wie man sein Gegenüber unterstützt.

In der Alltagssprache würde man von einer Beziehung auf Augenhöhe sprechen. Jeder wünscht sich diese, doch ich beobachte, wie wenig im Grunde an Wissen und an Fähigkeiten vorhanden sind, dies im Alltag umzusetzen. Es reicht nicht, sich eine Beziehung auf Augenhöhe zu wünschen oder den Anforderungskatalog an das Gegenüber zu formulieren, sondern es gehört auch dazu, alle diese Fähigkeiten selbst zu erlernen.

Die gesunde Grenze bietet überhaupt erst die Möglichkeit einen Kontakt herzustellen. Ohne eine gesunde Grenze sind wir entweder mehr bei dem anderen als bei uns selbst oder wir sind in der Überabgrenzung. Eine gesunde Grenze bezieht immer den Anderen mit ein.

So möchte ich einige Aspekte für eine gesunde Grenze in Beziehungen aufgreifen. Vielleicht ist es ein Anstoß, sich über das eigene Beziehungsverhalten Gedanken zu machen und Grunddynamiken zu beobachten.

WENN DER ANDERE SICH ANDERS VERHALTEN WÜRDE, WÜRDE ES MIR GUT GEHEN

Wenn das Wörtchen WENN nicht wäre …

Das eigene Glück machen Menschen viel zu sehr von anderen Menschen abhängig. So wird kostbare Zeit und Energie verschwendet, sich mit Dingen zu beschäftigen, die man nicht ändern kann. Kein Mensch in der Welt ist dazu fähig, einen anderen Menschen zu verändern. Man kann noch so lieb, brav, nett, angepasst, verständnisvoll, fordernd, manipulativ sein. Es funktioniert nicht und ist am Ende nur zum Scheitern verurteilt. Es gibt nur Verlierer und keine Gewinner.

Eine Veränderung kann man nur bei sich selbst bewirken oder in einer Beziehung, wenn beide das wollen und jeder für sich, den eigenen Prozess aktiv verfolgt. Einer alleine reicht nicht.

Wenn er/sie mal an sich arbeiten würde, hätten wir keine Probleme und mehr Harmonie.“

„Wenn mein Freund/ Freundin nicht alles bei mir abladen würde, wäre es mir leichter.“

„Wenn mein Freund/ Freundin mich wirklich lieben würde, wäre ich endlich glücklich.“

„Wenn er/sie nicht so viel Zeit bei der Arbeit, beim Sport, bei Freunden verbringen würde, wäre unsere Ehe besser.“

Das sind Kernsätze, die nicht nur in der Therapie auftauchen, sondern überall. Es dreht sich immer wieder um die Anderen – den blöden Chef, die arrogante Kollegin, den schrecklichen Ex-Mann/Ex-Frau, egoistische Freunde und was der Andere tut oder nicht tut. Wie viel Verständnis man für die Situation des Anderen aufbringt, warum man gerade nicht das bekommt, was man braucht. Man wartet, hat Verständnis, entschuldigt, diskutiert, fordert, aber im Grunde ändert sich gar nichts. Null komma null.

Jeder hat eine andere Lebensgeschichte, andere Bedürfnisse, andere Werte, andere Meinungen, andere Zukunftspläne. Entweder es passt oder es passt nicht. Und mit dem „Es passt“, ist nicht gemeint nur auf sein Recht zu pochen, sondern mit der gesunden Grenze den Kontakt herzustellen, um sich auszutauschen, sich zu arrangieren, sich zu verständigen, sich um Kooperationen zu bemühen. Doch dazu gehören zwei „Willige“.

In toxischen Paarbeziehungen zeigen sich häufig Dynamiken, die mit Leere-Erfahrungen verbunden sind. Man gibt viel rein und bekommt nichts zurück. „Ich liebe den Menschen so sehr, aber er/sie ist nicht da, ruft nicht an, hat keine Zeit, viele Ausreden, arbeitet zu viel, hört mir nicht wirklich zu, etc..“, sind wiederholende Aussagen. An dieser Stelle sollte sich jeder fragen, ob man mit einem Menschen lebenslang glücklich sein kann, der unzuverlässig ist, das Wort nicht hält, dich ängstlich fühlen lässt, kein Aufeinanderbeziehen vorhanden ist? Was liebst du daran, schlecht behandelt zu werden? Hier wiederholen sich alte Kindheitserfahrungen in aktuellen Beziehungen.

Loslassen und sich Menschen suchen, wo es besser passt, ist die Herausforderung im Erwachsenenleben. Sie sind Teil der Autonmieentwicklung. Darin spiegelt sich die eigene Würde wieder und der Respekt vor dem Anderen. Dazu zählt insbesondere, sich den eigenen destruktiven Beziehungsmustern zu stellen und aufzuarbeiten. Denn wer hier nicht an sich arbeitet, kommt in der nächsten Beziehung mit großer Wahrscheinlichkeit wieder in das gleiche Fahrtwasser.

•Wie gehst du mit der Abgrenzung, einem NEIN von anderen um?

•Was tust du alles, um Anerkennung zu bekommen?

•Wie viel Verständnis hast du für das Fehlverhalten von anderen?

•Wie oft bist du anderen behilflich, ohne das der Andere gefragt hat?

•Wie sehr kannst du die Bedürfnisse des Anderen schon in den Augen lesen?

•Wie verantwortlich fühlst du dich für das Glück der anderen?

•Wie sehr kennst du mehr die Themen der Anderen als die eigenen Themen?

•Wie oft hast du das Gefühl erschöpft und ausgebrannt zu sein?

DER RAUM DES ANDEREN 

Im Raum des Anderen haben wir nichts verloren. Jeder Mensch hat das Recht sein Leben so zu gestalten und zu leben wie er/sie will und muss dafür die Konsequenzen tragen. Richten wir mehr die Aufmerksamkeit auf den Anderen – den Freund, die Freundin, die Eltern, die Kollegen – als auf uns selbst, entsteht Abhängigkeit. In der Regel sind es die kindlichen Abhängigkeitsmuster, die sich in den späteren Beziehungen wiederholen. Unbewusst sind wir immer noch mit den Eltern emotional verstrickt und nicht frei und autonom. Wir handeln aufgrund alter Erfahrungen, ohne sie als vergangen gespeichert zu haben. Das führt dazu, dass wir andere Menschen durch eine falsche Brille sehen und nicht ganz wahrnehmen. Wir agieren mit alten Beziehungsmustern, wundern uns dann, das Beziehungen nicht funktionieren und hängen es dem Anderen um.

Die gute Nachricht ist, das muss nicht so bleiben. Jeder kann den Raum des Anderen verlassen und wieder zu sich selbst zu kommen. Beziehungen werden automatisch ruhiger, stabiler, harmonischer, wenn Menschen mehr bei sich selbst sind. Menschen, die eine gute Selbstverbindung haben, wirken anziehend. Sie sind in ihrer Selbstachtung, wissen um die eigenen Grenzen und können die Grenzen anderer achten. Sie richten die Aufmerksamkeit auf sich selbst, um mit diesem souveränen ICH in Kontakt zu bleiben. Denn ein klares ICH und ein klares DU ergeben ein klares WIR (Martin Buber).

Wenn emotional keine Abhängigkeiten bestehen, kann man einfach da sein, Menschen wirklich unterstützen und hilfreich sein. Sobald emotionale Abhängigkeiten im Spiel sind, ist das eigene Handeln nicht mehr frei, sondern manipulativ, anstrengend, dominant, angepasst. All die angeblichen Hilfen haben einen Beigeschmack. Und das spürt auch das Gegenüber.

Therapeutisch ist der Weg, den Raum des Anderen zu verlassen, indem man sich aus den unbewussten kindlichen Abhängigkeiten löst, die introjizierten Eltern loslässt und bei sich ankommt. Dann steht die ganze Lebenskraft zur Verfügung, das Selbstwertgefühl wächst und die innere Freiheit wird spürbar.

BEZIEHUNG AUF AUGENHÖHE 

Das wahre Selbst – dieses wahre, souverän ICH ist die Basis für die Begegnung auf Augenhöhe. Wer sich selbst nicht gefunden hat, hat es schwer, eine Beziehung auf Augenhöhe führen. Auf Augenhöhe zu sein, bedeutet im Kontakt mit anderen bei sich selbst zu bleiben und nicht sich zu verlieren oder sich selbst zu verleugnen. Wer gut mit sich selbst verbunden ist, kann auch mit schwierigen Menschen umgehen und in seiner Ruhe und Kraft bleiben.
In einer Beziehung auf Augenhöhe schaue ich mit einem liebevollen Blick auf mich selbst und den anderen. Geben und Nehmen ist in einem Gleichgewicht.
Wie respektvoll geht dein Partner/Partnerin, Freund/Freundin oder Kollege/Kollegin mit dir um? In jeder Beziehung ist es ratsam gleich zu Beginn wahrzunehmen, welche Dynamiken sich zeigen. Oft wird zu wenig darauf geachtet, welche Qualitäten der Andere mitbringt und wie sie mit den eigenen Werten zusammen passen. Wenn dir Zuverlässigkeit wichtig ist, wirst du mit großer Wahrscheinlichkeit mit keinem unzuverlässigen Partner glücklich. Auch Angst hat in einer Beziehung nichts zu suchen – Angst vor Ablehnung, Angst den anderen zu verlieren, Angst nicht gut genug zu sein, etc. Das Eine ist also, sich über die Qualitäten und Fähigkeiten des Anderen bewusst zu werden, da wir sie nicht ändern können und auf der anderen Seite, die eigene Selbstverbindung und damit das Selbstwertgefühl zu stärken.
Der eigene Raum ist ein Synonym für eine starke Beziehung zu uns selbst. Wir sind verbunden mit unserem wahren, erwachsenen Selbst und dem Potential des kindlichen Selbst. Das Grundgefühl „Ich bin okay ohne etwas zu leisten oder gebraucht zu werden.“ ist vorhanden sowie die Fähigkeit sich abzugrenzen ohne Schuldgefühle und anderen zu schaden. Man trägt für sich selbst und seine Bedürfnisse die volle Verantwortung.

 ABGRENZUNG & GEGENABGRENZUNG

Mit der gesunden inneren Grenze weiß man um die eigenen Grenzen und achtet auch die Grenzen des Anderen. Meine Beobachtungen sind, dass beides, Grenzen setzen und Grenzen achten, schwierig ist.

Grenzen setzen ist oft mit Ängsten vor Ablehnung begleitet, so dass man dem eher aus dem Weg geht. Anstatt eine gesunde Grenze zu setzen, richtet man die Energie gegen sich selbst, was sich in Selbstvorwürfen bis zum Selbsthass oder in psychosomatischen Symptomen zeigt. Oder man geht ganz aus dem Kontakt in die Überabgrenzung. Man lässt den anderen einfach stehen, sagt nicht offen, was einem selbst zu viel ist, sondern wechselt Themen, zeigt kein Interesse bis hin zum Ghosting. Das hat allerdings mit Grenzen setzen nichts zu tun, sondern zeigt nur die mangelnde Fähigkeit in Kontakt zu gehen. Die Konfrontation und Auseinandersetzung wird gescheut. Die Vermeidung wird Teil einer Pseudoautonomie, die die mangelnde Kontaktfähigkeit noch weiter verstärkt.
Grenzen setzen, ist Kontakt. Grenzen setzen heißt, dem Anderen klar zu sagen, was man geben kann und was nicht. Genauso, wie sich auch aus einer destruktiven Beziehung zu verabschieden.

Grenzen achten, ist genauso schwer, insbesondere für emotional abhängige Menschen. Sie sind übergriffig, dominant und manipulativ, ohne dass es ihnen bewusst ist. Da sie mehr im Raum des Anderen sind, fühlt sich dies für emotional abhängige Menschen sogar oft stark, fürsorglich und hilfsbereit an. Sie bekommen nicht mit, dass sie keine Grenzen achten und sich ständig bei anderen einmischen. Erkennen lässt sich dies, wer sich oft erschöpft oder überfordert fühlt. Diese Menschen ziehen häufig ihren Selbstwert daraus, für andere da zu sein oder fühlen sich nur wertvoll, wenn sie etwas leisten oder gebraucht werden. Damit geht jedoch ein übergriffiges Verhalten einher, was andere Menschen auf Distanz gehen lässt oder nur bedürftige Menschen anzieht.

DAS FALSCHE SELBST

Therapeutisch spiegelt sich hier das eigene falsche Selbst wieder bzw. der eigene Schatten. Das falsche Selbst entsteht aus mangelnder emotionaler Fürsorge der Eltern oder auch der Überfürsorge. Letzteres entsteht häufig, wenn die Mutter ihren Kinder das gibt, was sie selbst nicht bekommen hat. So kann sie ihr Kind nicht wirklich sehen, sondern gibt ihren Kindern das, was ihr eigenes inneres Kind braucht. Kinder beginnen entweder die Mutter abzulehnen oder sich an ihre Bedürfnisse anzupassen.
Donald W. Winnicott, Kinderarzt und Psychoanalytiker, hat in den 40er Jahren den Begriff des falschen Selbst in der psychotherapeutischen Arbeit geprägt. Das falsche Selbst ist auf Identifikationen aufgebaut, d.h. wie man sein sollte oder müsste. Damit sind immer Erwartungen verbunden, die wir unbewusst in der Kindheit übernommen haben. Aus Angst die Eltern zu verlieren, zu enttäuschen, abgelehnt oder abgewertet zu werden, übernimmt das Kind enorme Anstrengungen sich anzupassen. Das eigene wahre Selbst wird verleugnet, um die Anerkennung von den Eltern zu bekommen und so gesehen zu werden, wie man ist und nicht wie man sein sollte „Der Sonnenschein“, „Die Prinzessin“, „Der Hoffnungsträger“, etc. Als Kind ist man abhängig von den Eltern, so dass bei unbefriedigten Kernbedürfnissen (Liebe, Vertrauen, Kontakt, Resonanz, Autonomie), existentielle Gefühle wie Angst, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Kontrollverlust oder Schuldgefühle auftauchen. Diese wiederholen sich im späteren Leben bei Triggersituationen.
„Das Konzept von einem falschen Selbst braucht als Gegengewicht eine Formulierung dessen, was man angemessenerweise als das wahre Selbst bezeichnen könnte. Nur das wahre Selbst kann kreativ sein, und nur das wahre Selbst kann sich real fühlen. Während ein wahres Selbst sich real fühlt, führt die Existenz eines falschen Selbst zu einem Gefühl des Unwirklichen oder einem Gefühl der Nichtigkeit.
Das wahre Selbst kommt von der Lebendigkeit des Körpers und dem Wirken der Körperfunktionen, einschließlich der Herzarbeit und Atmung. (…) Das wahre Selbst hat im gesunden Leben einen Aspekt des Sich-Fügens und der Fähigkeit zu Kompromissen. Beim Gesunden hört der Kompromiss jedoch zugleich auf, wenn es um entscheiden Fragen geht. Das wahre Selbst setzt sich gegenüber dem gefügigen Selbst durch.“ (Winnicott 1974)
Der Kontakt zum wahren Selbst ist der Schlüssel, um sich von dem falschen Selbst zu lösen, welches sich in der Kindheit als Überlebensstrategie entwickelt hat. In den Online-Autonomie-Aufstellungen hat sich die Arbeit in dieser Hinsicht mit dem wahren und dem falschen Selbst als sehr fruchtbar erwiesen. Nicht nur in der Arbeit mit dem falschen Selbst der Eltern, sondern auch mit dem eigenen falschen Selbst.

DER EIGENE RAUM 

„Wenn es irgendwo bedingungslose Liebe gibt, dann bei deinem Selbst“ ist eine zentrale Aussage in den Autonomie-Aufstellungen. Sobald man erwachsen ist, trägt man die Verantwortung für das eigene Leben selbst. Was man von seinen Eltern nicht bekommen hat, wird nicht mehr kommen und muss darauf verzichten. Man muss sozusagen für sich selbst gute Eltern werden.

Die Autonomie-Aufstellungen sind daher so wertvoll als Ergänzung, da immer der Kontakt zum wahren und kindlichen Selbst hergestellt und die Struktur für den eigenen Raum aufgebaut wird. Viele Menschen kennen ihr wahres Selbst nicht, da sie sich früh schon haben abspalten müssen von dem wahren, souveränen Selbst. Das kindliche Selbst wird mit dem schweren in der Kindheit verwechselt und der Kontakt vermieden. So steht das eigene Potential nicht zur Verfügung und es entsteht wieder Abhängigkeit.

Die Selbstintegration ist daher ein wesentlicher Teil des Aufstellungsprozesses in den Beziehungsklärungen und Traumaverarbeitung.

ERFAHRUNGSBERICHT EINER KLIENTIN 

IIch möchte mit Erlaubnis der Klientin einen Erfahrungsbericht teilen. Die Klienten hat zum jetzigen Zeitpunkt 40 Therapiestunden in den vergangenen anderthalb Jahren. Anlass der Therapie waren eine große Antriebslosigkeit, keine Kraft eigene Bedürfnisse umzusetzen, hohe Ansprüche an sich selbst, den Wunsch zu lieben und geliebt zu werden sowie emotionales Chaos.

Im Vergleich zwei Autonomie-Diagramme in der Zeitspanne von einem Jahr. Die Veränderung ist deutlich und es konnten destruktive Symbiosemuster (unterer Bereich) losgelassen und die eigene Autonomie (oberer Bereich) gestärkt werden. Der therapeutische Prozess war mit Höhen und Tiefen durchzogen. Immer wieder gab es Situationen, wo es wieder schlimmer wurde, Verwirrungen auftauchten, schwere Gefühle. Das gehört dazu, doch es ist eine Herausforderung genau dann dran zu bleiben und nicht dem inneren Widerstand und Frust zu folgen und aufzugeben. Die Klientin hat sich viel mit Freunden ausgetauscht und Literatur regelrecht verschlungen, um sich selbst zu verstehen und Dynamiken zu erkennen. Sie hat intensiv an sich gearbeitet und ich freue mich, heute ihren Erfahrungsbericht veröffentlichen zu dürfen:

Klientin 32 Jahre:
„Erst mal kurz über mich:
Ich habe mich nicht verstanden gefühlt, hatte tiefe Sehnsucht, war äußerst tiefst verletzt, hatte kaum noch Verbindung zu mir selbst und wusste nicht weshalb. Kaum noch Energie für meine Hobbys gehabt sowie auch kaum Kraft zum Putzen und zu Kochen, einfach kein Antriebsgefühl, keine Motivation. Seit dem ich bei Julia die Therapien habe und viele Aufstellungen mit ihr hatte, die mich viel schneller zur Befreiung geführt haben, wie auch zur Unabhängikeit, geht es mir so viel besser. Ich lerne mich neu kennen, bin viel mehr im Hier und Jetzt. So viele Erkenntnisse, die mein Leben so sehr verschönern und leichter gemacht haben.
 
Am Anfang waren all die Gefühle Chaos! Ich wusste nicht, warum ich was fühle, konnte es nicht zuordnen, aber mit der Zeit und der Begleitung von Julia bin ich viel klarer geworden, habe viel mehr Energie und Kraft für mich selber. Meine Beziehungen sind auf Augenhöhe und sooo harmonisch wie noch nie. Ich bin bei mir und das ist immens erfüllend! Bisher war ich immer bei dem Anderen. Je mehr ich neue Kenntnisse entdecke, desto mehr spüre ich die Ausgeglichenheit und desto mehr passieren schöne Dinge in meinem Leben, die ich sehr genieße, immer mehr Bereicherung.
 
Mit meinem “Upgrade” so nenne ich mein neues Ich, ist es enorm spannend wie ich wo bin, kommuniziere, usw. und es fühlt sich echt an. Es fühlt sich aufregend an, es fühlt sich nicht leer an wie zuvor. Ich genieße jeden Moment in meinem Leben. Wenn ich mal traurig bin, dann bin ich das und lasse der Traurigkeit Raum, denn ich weiß, es vergeht. Wenn ich glücklich bin, dann gebe ich dem Glück auch den Raum und es fühlt sich fabelhaft an und zwar all diese Gefühle so zu fühlen wie sie da sind, wie sie es nämlich brauchen, die Aufmerksamkeit. Gelernt habe ich auch, mich auf mein Gefühl zu verlassen. Denn das was ich fühle ist richtig. Personen, die mir sagen “Ach das kommt ja dir so vor”, lass ich mich nicht mehr manipulieren. Ich habe mein inneres Kind ich den Arm genommen, sie ganz fest gedrückt und ihr gesagt, jetzt bin ich bei dir, ich bin dein erwachsenes Ich und dank DIR bin ich heute die, die ich bin! Ich liebe dich und ich stehe zu dir. Ich vertraue dich keinem Menschen mehr an. Ich bin dein Licht, das dich auf deinem Weg erhellt. Ich liebe dich und ich versteh dich und ja du hast sehr schwierige Zeiten gehabt, aber jetzt bin ich da und du bekommst meine Zuneigung und Liebe ,egal wie du bist! DU bist ich, ICH bin du und das liebe ich.
 
Dank an Julia für all diese märchenhafte Gefühle die ich empfinde und mein neues ICH, das ich besonders liebe und schätze.“

UM WIRKLICH LEBENDIG ZU SEIN, MUSS MAN FÜHLEN 

Was sind Gefühle? Warum sind sie so wichtig? Und warum will man manchmal lieber nicht fühlen und stellt sich emotional ab?
Gefühle sind mit unseren Bedürfnissen, Kernimpulsen und sinnlichem Erleben verbunden. Wir fühlen uns anderen Menschen verbunden, nah oder fern. Wir sind verletzt, wenn wir ausgeschlossen oder abgewertet werden. Wir sind glücklich, wenn wir bekommen, was wir uns tief im Herzen ersehen. Wir fühlen uns genährt und vollständig, wenn unsere Kernbedürfnisse nach Liebe, Resonanz, Kontakt. Vertrauen und Autonomie erfüllt werden. Ohne Gefühle geht nichts. Sie sind die Grundlage unserer Entscheidungen und Handlungen. Gefühle schenken Orientierung und Lebendigkeit, wenn wir uns ganz auf sie einlassen.
Doch die vielen unterdrückten Gefühle führen früher oder später zu Angst vor Gefühlen. Die Angst, dass Gefühle uns überschwemmen, wir keinen Halt mehr finden. Es baut sich eine überdimensionale Angst auf, die Wut, die Trauer, den Schmerz, den Hass nie mehr los zu werden. Doch in Wahrheit können Gefühle uns nicht töten. Was uns tötet, sind die unterdrückten, verdrängten und angestauten Gefühle. Sie lauern im Unterbewusstsein, zeigen sich im Körper in Verspannungen, Enge, Herzrasen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, usw.
Wer sich von den eigenen Gefühlen abschneidet, schneidet sich von sich selbst ab. Auf Dauer führt das zum Selbstverlust, zur Verwirrung, Orientierungslosigkeit, Kompensationsverhalten und seelischen und körperlichen Krankheiten.
In der Therapie zeigt sich dann die Ambivalenz zwischen der großen Sehnsucht wieder mit sich selbst in Kontakt zu kommen, zu fühlen und zugleich die Angst davor. Wer viele Gefühle herunter geschluckt hat, muss diese erstmal wieder auskotzen. An den unterdrückten Gefühlen hängen oft schmerzliche Erfahrungen. Man will die Wut über das Nicht-verstanden-werden oder Nicht-gehört-werden nicht fühlen, die Scham über die Abwertung, die Trauer über den Verlust, die Schuldgefühle bei einer mangelnden Abgrenzungsfähigkeit. Dafür zahlen Menschen einen hohen Preis. Denn nicht nur die schwierigen Gefühle werden nicht mehr ausgedrückt, auch die schönen Gefühle bekommen keinen Raum mehr. Es ist nicht möglich nur die „positiven“ Gefühle wahrzunehmen. Entweder man dreht den Hahn auf oder zu. Der Fokus auf nur gute Gefühle ist eine Fixierung und damit neurotisch. Besonders in esoterischen und pseudospirituellen Kreisen ist die Fixierung auf das grenzenlose Glück, Liebe und Erfolg ein falsches Heilversprechen. Dabei geht die Lebendigkeit verloren, das Authentische und das Glaubhafte. Es wird immer etwas fehlen.
Wieder fühlen lernen, ist ein wichtiger Aspekt im therapeutischen Prozess. Je mehr von den verdrängten und traumatischen Gefühlen verarbeitet ist, desto freier, klarer und stimmiger werden Gefühle. So darf sich eine gesunde Wut, eine gesunde Scham, eine gesunde Trauer genauso zeigen wie eine gesunde Freude und eine gesunde Liebe.
  • Gefühle regulieren Beziehungen
  • Gefühle verhelfen zu Bewertungen
  • Gefühle stoßen Entscheidungen an, vor allem spontane Entscheidungen
  • Gefühle regulieren Intensität des Erlebens
  • Gefühle ermöglichen Prozesse und Veränderung

 

VERWIRRTE GEFÜHLE. DAS TRAUMA KEHRT WIEDER UND WIEDER.

Verwirrte Gefühle sind eng mit Traumaerfahrungen verbunden. Verwirrte Gefühle bringen uns nicht zu uns selbst und führen nicht zu einer Klarheit oder Orientierung. Im Gegenteil. Eine unverarbeitete traumatische Erfahrung kann immer wieder getriggert werden. Es folgen:

  • gesteigerte Angst
  • Panik
  • Gefühle der Verlassenheit
  • Gefühle der Gefühllosigkeit
  • Isolierung und Machtlosigkeit
  • Kontrollverlust
  • Gefühl, das Leben und die Welt sind außer Kontrolle
  • Taubheit und/oder Stimmungsschwankungen
  • Anfälligkeit für viele verschiedene Emotionen, wie Depression, Traurigkeit, Schuld, Wut, Frustration, Angst und Reizbarkeit

 

Hinzu kommen Herzklopfen, Schwitzen, Atemschwierigkeiten, Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafprobleme, etc.

Wir fühlen uns hilflos, kraftlos und ohnmächtig, wenn nicht genug innere und äußere Ressourcen zur Verfügung stehen. Häufig stehen dahinter kindliche traumatische Erfahrungen, die in aktuellen Situationen wieder zum Leben erweckt werden und uns von uns selbst trennen. Wir sind dann mehr mit dem Trauma verbunden als mit uns selbst. Unbewusst wird das Trauma festgehalten aus der Illusion heraus, man könnte es so kontrollieren oder in Schach halten. Jedoch ist das Gegenteil der Fall. Das Trauma trennt die Selbstverbindung, erzeugt Stress und macht handlungsunfähig.

Als Kind sind wir abhängig von der Präsenz und Fürsorge der Eltern. Um sich gesund zu entwickeln, brauchen Kinder Liebe, Vertrauen, Resonanz, Kontakt und Autonomie. Werden diese Kernbedürfnisse nicht erfüllt, weil Eltern selbst traumatisiert, bedürftig, nicht bei sich oder emotional nicht anwesend sind, bekommen Kinder existentielle Angst. Es entwickeln sich früh Überlebensstrategien aus Leistung, Perfektionismus, Kontrollverhalten, Emotionales nicht so nah an sich ran lassen oder Hochsensibilität. Das Verhalten ist Ausdruck einer mangelnden Autonomieentwicklung, einer fehlenden Grenze und traumatischen Stress.

Verwirrte Gefühle entstehen aus traumatischen Erfahrungen. Es braucht eine professionelle Begleitung, um das Trauma emotional zu distanzieren. Mit der gesunden Distanz und Desidentifikation wird der Stress nachverarbeitet und die Selbstverbindung wieder hergestellt. Mit der Selbstverbindung lösen sich die verwirrten Gefühle. Klarheit, Ruhe und Stabilität kehren wieder ein.

GEFÜHLE WIEDER FÜHLEN

Ein Großteil unseres Bestrebens liegt darin, Schmerzen zu vermeiden und der Wahrheit nicht ins Auge zu sehen. Dafür wird ein hoher Preis bezahlt – man kommt nicht bei sich selbst an, ist mehr im Aussen bei den Erwartungen von anderen, hat ein stärkeres Kompensationsverhalten, verstrickt sich in emotionalen Abhängigkeiten. Gefühle werden der Situation nicht mehr angemessen wahrgenommen. Sie sind zu viel oder zu wenig. Für einen authentischen Gefühlsausdruck müssen erstmal alle alten, unterdrückten, verdrängten Emotionen Raum bekommen und gefühlt werden. So darf sich alter Schmerz lösen und Gefühle verändern.

Wer durch den Schmerz geht, wird frei. Wer auf den Ausdruck von Gefühlen verzichtet und verdrängt, lässt die Fähigkeit degenerieren, Gefühle zu empfinden. Damit geht ein Selbstverlust einher. Der Kontakt mit den eigenen Gefühlen und Körperempfindungen stellt die Verbindung mit uns selbst wieder her. Mit der Anerkennung der eigenen gefühlten Wahrheit, wird Raum frei für klare Entscheidungen. Vielleicht trennt man sich von dem lieblosen Partner, kündigt die ausbeuterische Arbeitsstelle, erkennt die eigenen destruktiven Glaubenssätze, löst sich von den bedürftigen Eltern, kann einen Verlust loslassen und geht selbstbestimmt und selbstverantwortlich den eigenen Weg.

Gefühle zu erforschen, ist Teil eines therapeutischen Prozesses. Welches Gefühl taucht auf? Wie zeigt es sich im Körper? Woher kennt man das Gefühl? Was braucht es – Halt, Trost, Verständnis? Destruktive Gefühle sind von gesunden Gefühlen zu unterscheiden, die sich in einer gesunden Wut, gesunden Angst, gesunden Scham, gesunden Trauer zeigen.

  • Chronische Angst dient meist der Abwehr von unerträglichem Schmerz. Sie ist der Preis dafür, von diesem Schmerz nicht überrollt zu werden.
  • Ängste sind der Verräter an den eigenen Bedürfnissen. Zu lange wurden Bedürfnisse unterdrückt, nicht ausgedrückt und nicht befriedigt. Angst ist ein Blockadegefühl, die Entwicklung ist gestoppt und der Selbstkontakt verloren.
  • Schuldgefühle binden auf destruktive Weise an ein System. Es treten Schuldgefühle auf, wenn man sich von dem Familiensystem lösen möchte, da der Verlust der Zugehörigkeit droht. Schuldgefühle können Ausdruck eines unbewussten Abgrenzungsverbots sein.
  • Scham entsteht in destruktiven Beziehungen aus Beschämungserfahrungen. Man wurde abgewertet, manipuliert, missbraucht. Scham bezieht sich immer auf die ganze Persönlichkeit und stellt den eigenen Wert in Frage.
  • Wut stellt sich häufig ein, wenn der Fortbestand einer Bindung bedroht ist. Hinter einer Wut steht oft Trauer und eine enttäuschte Liebe. Hass entsteht aus einer verletzten Liebe.
  • Depressionen sind häufig mit einer ungelebten Trauer verbunden. Mit der Trauer und dem damit verbundenen Loslassen kann die Depression gehen.
  • Hochsensibilität ist eine Überlebensstrategie aufgrund traumatischer Erfahrungen. Es fehlt die gesunde Grenze. Dies gilt auch in Bezug auf ADHS-Syndrom, was eine Folge der Hochsensibilisierung ist.
  • Ekel taucht häufig bei sexuellen oder emotionalen Missbrauch auf.

 

PSYCHOSOMATIK – DIE ERSCHÖPFTE SEELE 

Psychosomatik kennt jeder, der unter einer belastenden Situation leidet: Herzklopfen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Unruhe, Durchfall, Müdigkeit, Migräne, Bluthochdruck, Verspannungen. Der Körper ist außer Balance geraten und es stehen keine Ressourcen mehr zu Verfügung, um Stress zu verarbeiten. Der Kontakt zu uns selbst ist blockiert. Oft zeigt es sich in weiteren Aussagen wie „Ich habe mich selbst verloren“, „Ich habe keine Vertrauen mehr in mich“, „Mir fehlt es an Selbstwertgefühl“, „Ich kann mich selbst nicht lieben“, „Tief im Inneren lehne ich mich ab.“

Betroffene haben häufig jahrelange Arztbesuche hinter sich, viele Heilverfahren ausprobiert und jede Menge Medikamente geschluckt. Manchmal gelingt der medizinische Therapieprozess, manchmal jedoch auch nicht. Wenn keine medizinischen Ursachen gefunden werden, können seelische Konflikte und insbesondere Traumata die Ursache sein.

Eine ganzheitliche Betrachtungsweise ist die Grundlage der Psychosomatik. Jede Erfahrung ist körperlich. Traurigkeit und Weinen geht nicht ohne Tränen, Stress nicht ohne körperliche Verspannung.

Symptome haben in der Regel eine lange Entstehungsgeschichte. Sie sind per se ein Paradoxon, da Symptome auf der einen Seite stören und auf der anderen Seite schützen. Daher ist die Funktionalität der Symptome in der Therapie wesentlich. Vor was schützt das Symptom? Das innere Festhalten an Symptomen ist der Ruf des inneren Kindes nach der elterlichen Fürsorge. Es macht auf den Mangel und auf traumatische Erfahrungen in der Kindheit aufmerksam. So kann sich in der Kindheit ein unbewusstes Stressornetzwerk bilden, was später im Erwachsenenleben zu körperlichen Symptomen führt. Der damals sinnvolle Schutzmechanismus wird später zu einer chronisch dysfunktionalen Fixierung.

Gestalttherapie ist durch den ganzheitlichen Ansatz bereits eine psychosomatische Methode par excellence.

Das Gefühl im Hier&Jetzt ist einer der wichtigsten Brücken zwischen seelischem und körperlichem Verstehen. Es braucht Zeit, Mut und den Willen zur Veränderung, um wieder ein seelisches Gleichgewicht herzustellen und festgefahrene Muster zu verändern. Das Lösen aus emotionalen Verstrickungen, das Loslassen der Vergangenheit und die Wiederherstellung des Kontakts mit sich selbst sind der selbstregulierende Weg. Was über Jahre entstanden ist, lässt sich nicht in ein paar Therapiesitzungen lösen, sondern wird Schicht für Schicht ins Bewusstsein geholt und integriert.

WENN DIE KINDHEIT KRANK MACHT 

NEUE FORSCHUNGEN

Neue Forschungen belegen den Zusammenhang zwischen traumatischen Erfahrungen und körperlichen Erkrankungen wie Krebs, Rheuma, Bluthochdruck, Diabetes, Adipositas, Morbus Crohn, Neurodermitis, Zysten, Borreliose, Multipler Sklerose, Alkoholsucht, Manisch-Depressiv, Essstörungen.

Traumata sind seelische Verletzungen, die Stress- und Schockreaktionen auslösen. Sie werden begleitet von Gefühlen der Ohnmacht, Kontrollverlust, Hilflosigkeit. Wenn nicht genügend Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Stress zu bewältigen, bleibt er im Körpergedächtnis und wirkt unbewusst auf Seele und Körper ein.

Die seelische Dauerbelastung löst Entzündungsprozesse aus, die immer mehr das Immunsystem schädigen.

Untersuchungen zeigen, dass chronischer Stress die Nervenaktivität der Amygdala dauerhaft befeuert und kontinuierlich Entzündungsstoffe produziert werden. So werden chronische Entzündungen im Körper angeregt, ohne das eine Infektion vorausgegangen sein muss. Allein der seelische Stress sorgt für die Entzündungsherde im Körper und die Schwächung des Immunsystems. Psychosomatische Beschwerden sind daher bereits mehr als ein Alarmsignal und manifestieren sich in Erkrankungen.

WOHER KOMMT CHRONISCHER STRESS?

Chronischer Stress oder auch traumatischer Stress liegt ursächlich größtenteils in der Kindheit. Als Kind ist man abhängig von den Eltern. Man muss das nehmen, was man vorfindet, hinterfragt es nicht und passt sich an. Man unternimmt extreme Anstrengungen, um die Kernbedürfnisse nach Liebe, Vertrauen, Kontakt, Resonanz und Autonomie erfüllt zu bekommen. Wenn Kinder immer wieder ins Leere laufen, entstehen Leere-Erfahrungen und Überlebensstrategien werden entwickelt. Sie sichern das Überleben, doch das Gefühl von Leben und Stabilität stellt sich nicht ein. Mit einer Überlebensstrategie ist immer der traumatische Stress verbunden. Daher ist es in Therapien wichtig, die Überlebensstrategien zu erkennen, zu würdigen und daran zu arbeiten, sie als Alltagsbegleiter loszulassen.

„Im Einklang zu sein mit den Eltern heißt zu nehmen, was man bekommen hat und auf das zu verzichten, was man nicht bekommen konnte. Erst die emotionale Annahme des Verzichts lässt die Seele wirklich frei werden. Solange wir unbewusst noch hoffen, von den Eltern das zu bekommen , was man vermisst hat – Liebe, Vertrauen, Kontakt, Resonanz, Autonomie – halten wir unbewusst die Eltern fest. Wir verstricken uns in Partnerschaften, die diese Bedürfnisse nicht erfüllen können und entwickeln seelische und körperliche Krankheiten, in der kindlichen Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Nähe und Zuneigung gefangen.“
Stephan Hauser, Experte für Symptom- und Körperaufstellungen

BEISPIELE AUS THERAPEUTISCHEN BEOBACHTUNGEN

In der Fachliteratur finden sich zahlreiche Beispiele für Zusammenhänge zwischen traumatischen Erfahrungen in der Kindheit und Krankheiten. Ich habe ein paar Beispiele (Stephan Hauser „Auch wenn es mich das Leben kostet“) aufgeführt, die jedoch nicht als Verallgemeinerungen zu verstehen sind. Jeder Mensch hat andere Erfahrungen und verarbeitet Stress auch anders, daher muss im jedem einzelnen Fall geforscht werden, was der familiäre Hintergrund und die seelische Verstrickung sein könnte. Unheilbare Erkrankungen lassen sich auch nicht mit Psychotherapie heilen, aber die Seele kann Ruhe finden. Durch einen gelassenen und souveränen Umgang mit Krankheit wird der Stress reduziert und das Lebensgefühl steigt.

Patientin mit Zahnproblemen
Symptomatik: hohe Sensibilität an den Zähnen, wiederkehrende Entzündungen, Zähne waren schon immer ein Problem
Traumaursache: Identifikation mit der älteren Schwester des Vaters, die mit drei Jahren an einer Gehirnhautentzündung gestorben ist und darüber in der Familie geschwiegen wurde

Patientin mit Dystonie (Bewegungsstörung)
Symptomatik:15 Jahre Schiefhals und Krämpfe
Traumaursache: Abtreibung mit 17 Jahren durch Zwang der Mutter, Verlust- und Abtreibungstrauma der Patientin

Patientin mit Asthma
Symptomatik: Erstickungsanfälle
Traumaursache: Geburtstrauma, die Angst bei der Geburt zu sterben, Kaiserschnitt und Brutkasten. Zusätzliche Belastung der Mutter in der Schwangerschaft durch den Tod des Vaters der Mutter.

Patient mit Bluthochdruck
Symptomatik: 35-Jähriger leidet drei Jahre unter Bluthochdruck
Traumaursache: Vater hat die Familie verlassen als der Patient 17 Jahre alt war. Er hat die Rolle des Vaters übernommen. Die Liebe zu seinem Vater hat er aus Liebe zu seiner Mutter unterdrückt und zurückgehalten

Aus systemischer Sicht stehen berufliche Themen häufig im Zusammenhang mit der Beziehung zum Vater. Bei Bluthochdruckpatienten zeigen sich als hintergründige Familiendynamik oft eine Liebe, die zurückgehalten wird oder werden muss.

Patientin mit Drehschwindel
Symptomatik: Erkrankung im Innenohr und Schwindelanfälle
Traumaursache: Mutter der Patientin hat zwei Kinder verloren. Durch das Verlusttrauma war die Mutter emotional nicht mehr für die Patientin erreichbar.
Die hilfebedürftige Symptomatik des Schwindels war ein unbewusster Ausdruck einer Sehnsucht nach Nähe, Geborgenheit und Halt von der Mutter

Patientin mit Morbus Crohn
Symptomatik: Darmentzündung
Traumaursache: Verlusttrauma der Mutter. Sie hatte ihre Eltern verloren und der Vater war alkoholkrank. Die Patientin konnte keinen Kontakt zur Mutter herstellen ohne nicht von dem Trauma überwältigt zur werden und verzichtete auf die Nähe der Mutter.

Bei Morbus-Crohn Patienten konnte beobachtet werden, dass die Mutter der Patienten entweder an ihre Herkunftsfamilie, an einen früheren Partner oder auch an ein verlorenes oder abgetriebenes Kind gebunden war. Diese Bindung belastete die Bindung der Patienten an die Mutter. Die Sehnsucht nach der Nähe zur Mutter muss aufgegeben werden, um mit dem in Einklang zu kommen, was war.

In der systemischen Arbeit zeigen sich beispielsweise bei Depressivität, dass Menschen nicht möglich war oder erlaubt wurde, einen Elternteil oder beide in ihr Herz zu nehmen. Dies führt zu dem von Depressiven häufig empfundenen Grundgefühl verlassen und innerlich leer zu sein. Der Ursprung dafür liegt oft bereits in einer frühkindlichen Bindungsstörung, auch wenn das depressive Verhalten sich mit erst in einer späteren Lebensphase zeigt. (Prof. Dr. Franz Ruppert, System- und Traumatherapeut)

WIE LÄUFT EIN THERAPIEPROZESS AB? 

Inzwischen kombiniere ich immer öfters die Online-Autonomie-Aufstellungen mit Einzelsitzung Gestalttherapie als Therapieplan. Insbesondere bei körperlichen Symptomen, Bindungs- und Beziehungsschwierigkeiten sowie frühen traumatischen Erfahrungen erweist sich die Kombination als besonders wirksam.

Mit den Aufstellungen wird an der inneren Struktur gearbeitet, die notwendig ist, um Stress nachzuverarbeiten und in Zukunft besser mit Stress umzugehen – ohne Symptome zu entwickeln. Im gestalttherapeutischen Arbeiten wird die Wahrnehmung des Körpers und der Gefühle geschult, um einen Raum auch für die verdrängten schwierigen Gefühle zu schaffen. Durch die Praxis der Achtsamkeit entsteht Schritt für Schritt ein sicherer Umgang mit schwierigen Gefühlen. Man macht die Erfahrung, dass schwierige Gefühle kommen und gehen. Die Angst vor der Angst darf sich nach und nach lösen, wenn schmerzliche Gefühle gefühlt werden anstatt verdrängt.

Heilungsprozesse entstehen durch das „Bonding“ mit dem verlorenen inneren Kind.

Oft wird das kindliche Selbst verwechselt mit dem Schweren in der Kindheit und findet kein Gehör. So wird wiederholt die Erfahrung gemacht, Nicht-gesehen und Nicht-gehört zu werden. Es treten innere Widersprüche und verwirrte Gefühle auf, die die Selbstentfremdung zwischen den Selbstanteilen aufrechterhalten. So entsteht eine Abkoppelung von Emotionen, ein Sucht- und selbstzerstörerisches Verhalten sowie ein Hin- und Herschwanken zwischen Verletzlichkeit und Kontrolle, Liebe und Hass, Nähe und Distanz, Scham und Stolz. Es besteht ein großes Verlangen geliebt zu werden, sich geborgen und willkommen zu fühlen und zugleich unsichtbar zu sein. Doch passiert es immer wieder, dass man sich ängstlich an andere klammert, um sie dann wieder wegzustoßen. Selbsthass und wenig Toleranz für die Fehler anderer sind Teil des Ausdrucks der inneren Spaltung. Die innere Spaltung wird durch den therapeutischen Aufbau der Beziehungen zwischen den Selbstanteilen überwunden.

Der Kontakt mit dem erwachsenen/wahren Selbst schafft den sicheren Raum für unser kindliches Selbst. Die Bedürftigkeit und unser Potential der kindlichen Selbstanteile brauchen unsere Aufmerksamkeit. So kann sich eine Beziehung zu unseren Selbstanteilen aufbauen, die den therapeutischen Prozess im Sinne der Selbstheilung, Selbstbestimmung und Selbstermächtigung folgen.

Mit der therapeutischen Arbeit wird nach und nach der Raum und die Sicherheit geschaffen, schwierige Emotionen zu bewältigen und zu lösen. Es können sich Schritt für Schritt die emotionalen Ursachen für Belastungen zeigen und bearbeitet werden.

WAS KANN THERAPIE LEISTEN?

Im besten Fall kann Therapie die Seele wieder ins Gleichgewicht bringen, die Autonomie stärken und die Selbstheilungskräfte aktivieren. Damit verbunden ist die Selbstintegration, das Ankommen bei sich selbst. Jeder Mensch spürt sehr genau, ob er mit sich verbunden ist oder nicht. Die Sehnsucht nach Selbstvertrauen, Selbstverbindung, Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl und Selbstliebe ist groß.

Wie die Begriffe zeigen, handelt es sich immer um einen Beziehungsaspekt. Die Beziehung zwischen unserem ICH und unserem wahren SELBST. Zugleich spiegeln sie die fünf Kernbedürfnisse in der Kindheit wider:

VERTRAUEN: Ich vertraue mir selbst.

KONTAKT: Ich bin mit mir selbst verbunden.

AUTONOMIE: Ich bin mir meiner selbst bewusst.

RESONANZ: Ich bekomme, was ich brauche.

LIEBE: Ich liebe mich selbst.

Therapie kann nur Zugänge öffnen und Erklärungsangebote für Symptome machen. Jeder Klient entscheidet selbst, an welchen Themen er/sie arbeitet, was zu vertiefen und was im Moment offen bleiben kann oder sogar muss.

Eine Faustregel ist: körperliche Symptome sind oft Trauma-Erinnerungen.

Infos zu den Online-Autonomie-Aufstellungen hier

NEUROBIOLOGISCHE EBENE & TRAUMATISCHER STRESS

Auf der neurobiologischen Ebene ist das therapeutische Ziel die Gedächtnisrekonsolidierung. Durch traumatischen Erfahrungen werden die Selbstanteile fragmentiert, d.h. die gesunden Selbstanteile abgespalten. Es bilden sich Überlebensstrategien, die für den Zeitpunkt oder Zeitspanne der traumatischen Erfahrung existentiell waren, aber in aktuellen Situationen oder Beziehungen sich als destruktiv und anstrengend erweisen. An jeder Überlebensstrategie hängt der traumatische Stress.

Traumata sind Stressoren und werden als Ursache für eine gestörte Entwicklung der Autonomie gesehen. Die Fähigkeit, sich von anderen ohne Schuldgefühle abgrenzen zu können, andere Menschen nicht für eigene Bedürfnisse zu missbrauchen oder nicht missbraucht zu werden und sich selbst als vollständig wahrzunehmen, ist wenig bis gar nicht vorhanden. Als Kompensation für die mangelnde Autonomie werden destruktive Symbiosemuster entwickelt, die emotionale Abhängigkeiten schaffen und unfrei machen. Die Wahrnehmung und Erfüllung der eigenen Bedürfnisse ist blockiert.

Für die Integration der Selbstanteile und Entwicklung der Autonomie braucht es eine innere Grenze, die den eigenen Raum schützt und die Traumata als Erinnerung in der Vergangenheit speichert.

GEDÄCHTNISREKONSOLIDIERUNG ALS SELBSTHEILUNGSPROZESS

Das Gehirn hat bis ins hohe Alter die Fähigkeit, frühere als Erinnerung gespeicherte Traumata zu löschen.

Neue Forschungen aus der Epigenetik zeigen:
„Die gute Nachricht ist, dass eine erfolgreiche traumapsychotherapeutische Behandlung zwar nicht die Sequenz des Genom verändert, wohl aber heilend bis in die epigenetischen Mechanismen der Stressregulierung und die Reparatur der DNA hineinwirkt.“
(Morath 2014: Effects of Psychotherapy on DNA Strand Break Accumulation Originating from Traumatic Stress).

Unbewältigte Traumata sind Fehlspeicherungen im Gehirn. Die gesunde Distanz zum Erlebten fehlt und kann daher immer wieder getriggert werden. Der Aufbau einer gesunden Distanz durch eine Abspeicherung in der Vergangenheit ist therapeutisch wichtig. „Vieles, was wir erleben haben, ist unbewusst als Reaktionsmuster unserer Körpers auf bestimmet Ereignisse gespeichert. Deshalb können auch vorgeburtliche Erfahrungen erinnert werden, z.b. ein Abtreibungsversuch, künstliche Befruchtungen, ungewollte Schwangerschaft. Die Tatsache, dass wir uns nicht bewusst erinnern, bedeutet nicht, dass wir es nicht erlebt haben.“

DAS LEBEN GESTALTEN

Inzwischen habe ich meinen zweiten Geburtstag im Lockdown verbracht. In der Lebensmitte angekommen und herausgefordert durch die anhaltende Corona-Pandemie, stelle ich mir erneut die Fragen, was die wahren Bedürfnisse sind und inwieweit man sich von den äußeren Bedingungen beeinflussen lässt, um das eigene Leben zu gestalten. Den Impuls dazu hat mir einer meiner Ausbilder gegeben, der vor zwei Wochen geschrieben hat:

„Liebe Freunde, liebe Kolleg*innen,
wenn ich heute mit 80 Jahren auf mein Leben zurück blicke, erfüllt mich eine tiefe Dankbarkeit.

Dank an meine Eltern
Im Sommer 1940 befand sich Deutschland in Krieg. Bevölkerungsgruppen wurden vom Nazi-Regime unterdrückt, verfolgt und vernichtet – darunter auch Bekannte und Freunde meiner Eltern. Die Zukunft war ungewiss. Ein Kind in diese verwirrte und gefährdete Welt zu setzen spricht für Mut und Vertrauen. Dafür danke ich meinen Eltern. Diesen Mut und dies Vertrauen brauchen wir auch heute.

Als ich vor 40 Jahren die Vision von einer Therapie hatte, konnte ich nicht ahnen, dass diese Vision sich erfüllen wird. Das ist ein weiterer Grund dafür dankbar zu sein.“

Die Worte haben mich berührt. Sie schenken Mut, sich selbst treu zu bleiben und auch unter widrigen Umständen die eigenen Ziele und Vision nicht aufzugeben.

SICH SELBST AM HERZEN LIEGEN

Wie oft richten wir am Tag die Aufmerksamkeit auf unsere Umwelt? Auf die Bedürfnisse und Erwartungen von anderen? Wir machen uns Druck, Stress und haben vielleicht auch Schuldgefühle, wenn wir nicht so „funktionieren“, wie wir glauben, dass andere uns haben wollen. Dafür zahlen wir ein hohen Preis, der zu Energieverlust und Abhängigkeit führt anstatt zu einer inneren Balance und Freiheit.

Wenn wir immer nur den Blick nach außen werfen, verlieren wir Stück für den Stück den Blick auf uns selbst. Ganz allmählich, schleichend, werden wir immer abhängiger von anderen Menschen: was sie denken, was sie fühlen, was sie erwarten, was sie brauchen. Oft verbunden mit der Hoffung, selbst gesehen und gehört zu werden.

Schließe für einen Moment die Augen und richte den Blick nach innen.
Was brauchst du gerade jetzt?

Um einen gesunden Energielevel zu erreichen, braucht es den Fluß von Geben und Nehmen und die Frage, was die eigenen wahren Bedürfnisse sind. Manchmal kann das vielleicht irritierend sein, weil man die Frage so selten an sich selbst richtet. Manchmal ist es auch verwirrend oder kann Schamgefühle hervorrufen, weil man es einfach nicht weiß. Daher nicht gleich wegrennen. Richte mit Geduld und Mitgefühl den Blick nach innen. Es ist nicht immer leicht, seine wirklichen Bedürfnisse zu spüren. So viele „Sollest“ und „Müsste“ stehen im Weg, die den Kontakt zu den wahren Bedürfnissen verstellen.

Manchmal sind die wahren Bedürfnisse überlagert und es kommt zu vorschnellen Bedürfnisbefriedigungen. Dazu zählen Konsumverhalten, wie Alkohol, Zigaretten, Shoppen, Medienkonsum. All dies bringt kurzfristig eine Entspannung, hat jedoch in der Regel wenig nachhaltigen Effekt. Es ist eher der Impuls, schwierige Gefühle erst gar nicht aufkommen zu lassen und sie mit übereilter Bedürfnisbefriedigung zu betäuben oder zu verdrängen.

Schwierige Gefühle sind jedoch ein Signal, ein Hinweis auf unseren wahren Bedürfnisse, die nicht erfüllt sind. Das Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse ist ein Prozess. Manchmal auch verbunden mit Angst, Scham und Schuldgefühlen. Zu oft hat man sich vielleicht verbiegen müssen oder hat sich angepasst. Man durfte das Eigene, das Individuelle nicht leben und nicht zeigen.

Das Spüren und Erfüllen der wahren Bedürfnisse bereitet tiefste Freude. Es nährt sprichwörtlich Seele und Herz. Wir werden plötzlich ruhig anstatt getrieben, klarer anstatt verwirrt, freudvoller anstatt ängstlich.

VON DER FREMDABHÄNGIGKEIT ZUR SELBSTABHÄNGIGKEIT

Abhängigkeit ist oft sehr negativ besetzt. Vermutlich liegt es daran, dass so viele Menschen eine ungesunde Form der Abhängigkeit erlebt haben, die auf Druck, Stress, Erwartungen, Abwertungen, Anpassung, Angst und Schuldgefühlen beruht.

Als Kind sind wir abhängig von unseren Eltern. Wir sind darauf angewiesen, dass wir gehört, gesehen und in unseren Bedürfnissen gespiegelt werden. Wenn die Grundbedürfnisse nach elterlicher Resonanz, Kontakt, Vertrauen, Nähe, Liebe nicht erfüllt werden, kommen Kinder in emotionalen/ traumatischen Stress und entwickeln Überlebensstrategien wie Anpassung, Abspaltung der Bedürfnisse, Perfektionismus, Kontrollverhalten, Aktionismus, Rationalität, Funktionieren, Nicht-Fühlen. Die Überlebensstrategien sichern das Leben, aber trennen von dem positiven sicheren Lebensgefühl – der Lebensfreude, der Selbstliebe und des Urvertrauens.

Je nach den traumatischen Stresserfahrungen in der Kindheit kann eine zunehmende Selbstentfremdung entstehen, die sich in den Gefühlen äußert, wie „Ich bin nicht bei mir“, „Ich weiß nicht, was ich fühle“, „Ich fühle mich außerhalb von meinem Körper“, „Ich kann mir selbst nicht vertrauen“, „Ich bin falsch“, …
Man fühlt sich unsicher in sich selbst und sucht im Außen nach Sicherheit. Die Erfahrungen aus einem Trauma suggerieren „Unsere Empfindungen haben ihren Ursprung nicht ins uns selbst. Andere Menschen bewirken, dass es uns schlecht geht, und nur andere Menschen können bewirken, dass es uns gut geht.“ (Trauma-Ausbilderin im Forschungscenter Massachusetts)

So kann eine traumatische Erfahrungen in eine emotionale Abhängigkeit führen, die sich destruktiven anstatt in konstruktiven Abhängigkeiten äußert. Die traumatisierten kindlichen Anteile können sich durch den entstandenen Stress nicht weiterentwickeln. Es bleiben unerfüllte Sehnsüchte in Bezug auf die Eltern, die unbewusst weiter im Außen gesucht werden, auch wenn man bereits erwachsen ist. So werden die kindlichen Bedürfnisse auf Partner oder Arbeitskollegen projiziert, die mit den hohen Erwartungen überfordert sind und innerlich auf Abstand gehen. Dies wiederum erfährt man als Kränkung oder Ablehnung und nährt den Selbstzweifel. Die Negativ-Spirale in eine Fremdabhängigkeit beginnt.

In der Therapie führt der Weg weg von der Fremdabhängigkeit hin zu sich selbst – in die Selbstbestimmung, Selbstermächtigung, Selbstabhängigkeit. Die Stärkung des wahren Selbst/ erwachsenen Selbst öffnet den Raum für den eigenen kindlichen Anteil. Dem kindlichen Anteil, der Kontrollverlust, Ohnmacht, Hilflosigkeit erfahren hat, steht allmählich ein erwachsenes inneres Selbst gegenüber, dass genau diese Bedürfnisse erfüllen kann. So entsteht emotionale Unabhängigkeit, die wiederum erst eine Begegnung auf Augenhöhe und eine konstruktive Abhängigkeit zu Anderen ermöglicht.

STRESSORBASIERTE PSYCHOTHERAPIE

In der Therapie verwende ich sehr häufig den Begriff des Traumas. Das mag vielleicht erstmal etwas irritiertend sein. Manchmal löst es vielleicht auch Widerstand aus, sich selbst damit in Verbindung zu bringen.

Traumata werden als Ursache für eine gestörte Entwicklung der Autonomie gesehen. Die Fähigkeit, sich von anderen ohne Schuldgefühle abgrenzen zu können, andere Menschen nicht für eigene Bedürfnisse zu missbrauchen oder nicht missbraucht zu werden und sich selbst als vollständig wahrzunehmen, sind Aspekte einer Autonomie-Entwicklung. Als Kompensation für die mangelnde Autonomie werden destruktive Symbiosemuster entwickelt, die emotionale Abhängigkeiten schaffen. Die Wahrnehmung und Erfüllung der eigenen Bedürfnisse ist blockiert.

Für die Integration der Selbstanteile und Entwicklung der Autonomie braucht es eine innere Grenze, die den eigenen Raum schützt und unbewusst wirkende Traumata/ Stressoren entfernt.

Ein Trauma ist auf einer biologischen Ebene unbewältigter Stress.

Sobald wir Stress erfahren und nicht genug Ressourcen zur Verfügung haben, um diesen zu verarbeiten, bleibt er im Körper „liegen“. Unverarbeiteter Stress bildet auf Dauer ein Stressornetzwerk. Dieses innere Stressornetzwerk zeigt sich in den Überlebensstrategien und in den alltäglichen Triggern. Die emotionale Ladung dahinter ist noch nicht verarbeitet und ruft die gleichen Gefühle von Hilflosigkeit, Ohnmacht, Kontrollverlust wie zum Entstehungszeitpunkt hervor. Es gibt noch keine Differenzierung der Zeit – zwischen damals und heute. Gefühlt findet alles jetzt statt.

In der stressorbasierten Therapie, die ich mit der Gestalttherapie verbinde, ist das Ziel, die unbewussten und verdrängten Stressoren ausfindig zu machen und den Stress nachzuverarbeiten. Dadurch wird die emotionale Ladung auf der neurobiologischen Ebene gelöscht und der Mensch erlebt nach und nach mehr innere Ruhe und Stabilität. Dadurch wird der eigene Handlungsspielraum erweitert und sich wiederholende Muster aufgebrochen.

Der Aufbau der Beziehung zu sich selbst durch die Beziehung der Selbstanteile, bringt die Selbstregulation in Gang. Es ist das angeborene Streben des Körpers nach Vollständigkeit und Ganzheit, wenn er aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die Erfahrung der Selbstregulation lässt das Selbstvertrauen wachsen, führt von der Ohnmacht zur Selbstermächtigung und von der Hilflosigkeit zur Freiheit.

Dies ist ein neuer und innovativer Ansatz in der Psychotherapie, der sich aus den neurobiologischen Forschungen ergeben hat. Das Gehirn hat bis ins hohe Alter die Fähigkeit, frühere als Erinnerung gespeicherte Traumata zu löschen. (Kindertraumatherapeut Thomas Hensel)

Eine Belastungserfahrung kann einen subjektiv bedeutsamen Stressor entstehen lassen. Bildlich gesprochen entsteht ein psychosomatisch wirksamer Entzündungsherd. Dieser zeigt sich in körperlichen Symptomen und seelischem Leid. Ziel ist es, die Stressoren zu identifizieren und sich dann von ihnen durch den Aufbau einer gesunden Grenze zu distanzieren. Stress kann immer nur Schicht für Schicht verarbeitet werden. Daher brauchen Psychotherapien auch ihre Zeit. Was über Jahre entstanden ist, lässt sich nicht in ein paar Wochen auflösen. Die Seele gibt immer nur soviel preis, wie auch verarbeitet werden kann.

Das Autonomie-Diagramm, welches ich zu Beginn einer Therapie gerne ausfüllen lasse, gibt erste Hinweise auf unverarbeiteten Stress und vorhandene destruktive Symbiosemuster, die die Autonomieentwicklung und damit die Stressbewältigung blockieren.

VON DER SELBSTENTFREMDUNG ZUR SELBSTVERBINDUNG 

Niedergeschlagenheit, depressive Phasen, Ängste und auch psychosomatische Beschwerden wie Migräne, Verspannungen, Bauchschmerzen, zu viel oder zu wenig Essen gehen mit einer mangelnden Selbstverbindung einher. Der Kontakt zu sich selbst ist brüchig oder nicht mehr spürbar. Die Grenze zwischen dem eigenen Selbst und anderen verschwimmt. Die Aufmerksamkeit ist mehr auf die Erwartungen, Vorstellungen oder Meinungen von anderen gerichtet als auf das Eigene. Bewusst oder unbewusst ist man mit bestimmten Rollen identifiziert. Eine Überidentifikation mit der Arbeit führt auf Dauer zum Burnout, da die Grenzen nicht mehr klar wahrgenommen werden.

Je mehr die Aufmerksamkeit im Außen liegt, desto stärker wird die emotionale Abhängigkeit, die über kurz oder lang zur Selbstentfremdung führt. Selbstentfremdung bringt Menschen weg von ihren Gefühlen, ihren Bedürfnissen und ihrer Lebenskraft.

Der Überlebensmodus durch Funktionieren, Perfektionismus, Aktionismus, Kontrolle, Leistungsorientierung, Anpassung und Größenphantasien erzeugt enormen Stress. Wie ein Getriebensein wird der Alltag erlebt, der nie zur emotionalen Fülle beiträgt, sondern die Leere oder Mangelerleben immer weiter nährt.

Der Mensch hat immer die Sehnsucht nach Vollständigkeit. In der Verbindung mit sich selbst – dem wahren Selbst – erlebt jeder Mensch seine Vollständigkeit, innere Fülle und Kraft. Das wahre Selbst ist unabhängig und frei, muss nichts leisten, um geliebt zu werden und spürt den Wert in sich selbst. Das wahre Selbst ist der unzerstörbare innere Kern, den jeder Mensch in sich trägt.

Die Selbstverbindung ist der Weg, seelische und psychosomatische Beschwerden aufzulösen.

DAS FALSCHE SELBST ALS ÜBERLEBENSSTRATEGIE 

Das falsche Selbst agiert aus dem Überlebensmodus. Hier sind die Überlebensstrategien und Glaubenssätze beheimatet. Sie entstehen aus eigenen oder übernommenen Traumata. Der Verlust eines Menschen kann so tief gehen, dass die Seele nicht mehr erreichbar ist. Kinder laufen bei Eltern emotional ins Leere, wenn diese die Verstorbenen in ihrer Seele unbewusst festhalten. Kinder strengen sich über die Maßen an, um gesehen und gehört zu werden. Meistens ohne jemals die Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen, die sie gebraucht hätten. Oder es entstehen Glaubenssätze wie „Ich brauche niemanden“, „Ich muss perfekt sein“, „Immer werde ich enttäuscht.“ Der Kontakt zum eigenen wahren Selbst geht verloren und es entsteht ein falsches Selbst.

Das falsche Selbst zeigt sich in Verhaltensweisen, wie einer übermäßigen Stärke und Dominanz, manischen Phasen, narzisstischem Drang, maßlose Wut, Bindungsangst, umherirrender Geist und in negativen Glaubenssätzen über sich selbst. Das falsche Selbst ist immer mit Stressoren und unverarbeiteten Stress verbunden.

Menschen mit einem gesunden Selbstverbindung und gesunder Selbstliebe wissen, dass sie nicht perfekt sein müssen, dass sie anderen nicht überlegen sein müssen oder sie dominieren müssen. Sie dürfen Fehler machen und haben trotzdem das sichere Gefühl wertvoll zu sein. Sie müssen andere nicht beeindrucken und Bewunderung erfahren oder andere idealisieren. Sie leben aus sich selbst heraus – frei, authentisch, unabhängig.

DIE CORONA-KRISE ALS TRIGGER FÜR FRÜHERE TRAUMATA 

Seit fast einem Jahr sind Menschen gezwungen sich aus dem Weg zu gehen, Distanz zu halten und mit all den Sorgen und Nöten emotional fertig zu werden. Damit wird die Corona-Krise automatisch zum Trigger für frühere Traumata, die bislang verdrängt wurden und jetzt reaktiviert werden können. Trigger sind Auslöser und Hinweisreize, die unverarbeitete schwierige Erfahrungen wieder in das gegenwärtige bewusste Erleben bringen.

Der Eingriff von außen auf das Leben und die stärker wahrgenommene Fremdbestimmung rücken Gefühle von Ohnmacht, Hilflosigkeit und Kontrollverlust in den Vordergrund. Belastende Erfahrungen aus der Kindheit, die aus dem Gedächtnis verbannt wurden, können dadurch wieder aktiviert werden und führen damit zu seelischen Beschwerden oder zu körperlichen Symptomen.

Durch die Einschränkungen des Alltags in der Corona-Krise können Kompensationsmuster nicht mehr ausgelebt werden, die im Laufe des Lebens entstanden sind, um die überwältigenden Gefühle von damals nicht zu fühlen. Oder die bis dato aufgebauten Kompensationsmuster funktionieren nicht mehr wie gewohnt und bringen die Seele durcheinander.

Spürbar wird, wie fragil die eigenen Kompensationsmuster eigentlich sind, die als Überlebensstrategien zwar das Überleben sichern, aber kein Leben ermöglichen.

Überlebensstrategien sind immer verbunden mit unbewussten oder bewussten Stress. Das kann zu Bluthochdruck, Nervosität, Unruhe, Schlafstörungen, Verspannungen, Verdauungsproblemen, schwierigem Essverhalten, etc führen. All dies sind letztlich Symptome, die auf den unverarbeiteten Stress aufmerksam machen. Oftmals ist dieser Stress in der Kindheit entstanden und wird durch aktuelle Konflikte und Krisen, sogenannte Trigger, reaktiviert. Die Grenzen zwischen den verdrängten Erfahrungen von damals und heute sind nicht vorhanden. Die ganze Wucht der Gefühle überschwemmt die Seele. Die weitere Verdrängung führt zu weiteren Symptomen.

REVUE: EIN JAHR ONLINE-AUTONOMIE-AUFSTELLUNGEN

Ein Jahr arbeite ich nun schon intensiv mit den Online-Autonomie-Aufstellungen. Entweder als eigenständigen Prozess oder in Kombination bzw. Wechsel mit den klassischen 50-Min-Settings. Die Erfahrungen sind durchweg positiv und effektiv. Bereits nach den ersten Aufstellungen sind Entlastungen spürbar. Klienten berichten, wie sie wieder mit sich selbst im Kontakt sind und sich freier und unabhängiger fühlen.

Die Aufstellungsmethode arbeitet an der Ich-Struktur:

  • Aufbau eines gesunden inneren Distanz und eigenen Raums
  • Stärkung der Selbstverbindung
  • emotionale Distanzierung und Nachbearbeitung von traumatischen Stress

 

Der zugrunde liegende Lösungsalgorithmus basiert auf dem Ansatz der Gedächtnisrekonsolidierung (Thomas Hensel, Stressorbasierte Psychotherapie). Die neueren Forschungen belegen, dass das Gedächtnis auch nach traumatischen Erfahrungen reversibel ist, was frühere Traumaansätze nicht berücksichtigen. Damit eröffnen sich ganz neue Perspektiven auf die Bewältigung von Traumata und emotionale Entlastung von Stresserleben.

DANKE FÜR DIE ERFAHRUNGSBERICHTE ❤︎

Ich möchte mich herzlich für die Erfahrungsberichte bedanken und freue mich, diese teilen zu dürfen:

Klientin: „Die Autonomie-Aufstellung hat mir dazu verholfen, die Sicht auf eingefahrene Muster zu verändern, zu reflektieren, was hinter langjährigen Abwehr- und Überlebensmechanismen steckt und wie ich in weiterer Folge in Momenten, die mich triggern, bestmöglich bei mir und mit mir verbunden bleiben kann. Es ist eine tolle Möglichkeit, um einen wertfreien Blick auf emotional behaftete Themen zu gewinnen und ein guter, wichtiger Weg um alte Wunden heilen zu lassen. Fr. Belke geht mit ihrer einfühlsamen Art und Weise verständnisvoll und achtsam mit den zu bearbeiteten Themen um und lenkt durch gezielte Fragestellungen dazu an, lösungsorientiert zu denken und selbstständige Erkenntnisse zu gewinnen.“

Klient: „Mithilfe der durch Dr. Belke durchgeführten Autonomieaufstellung hat mein inneres Ich es geschafft sich abgrenzen zu lernen und das ganz ohne schlechtes Gewissen und Schuldgefühle. Am Anfang war ich etwas skeptisch und hab mir eigentlich nicht vorstellen können, dass das zu diesem Erfolg führen kann. Ich habe Autonomieaufstellungen im beruflichen als auch im familiären Umfeld mit Dr. Belke durchgearbeitet und muss sagen, dass ich wirklich begeistert davon bin. Der Effekt ist nachhaltig und geht wirklich tief, die belastenden toxischen Verbindungen konnten für mich aufgelöst werden und der daraus resultierende Schmerz war sehr bald darauf nicht mehr zu spüren. Ich habe insgesamt das Gefühl, dass ich wieder freier und mehr bei mir selbst bin. Mir hat das wirklich sehr geholfen.“

Klientin: „Seitdem ich mit Julia zu arbeiten begonnen habe, fühle ich mich vollständiger, präsenter und bin „mehr bei mir“. Diese Wahrnehmung stimmt sehr gut mit den sich über den Lauf der Zeit veränderten Ergebnissen der Autonomie-Aufstellung überein: In den Punkten, in denen ich zu Beginn der Arbeit weiter von mir entfernt war, zeigt sich jetzt mehr Übereinstimmung mit mir und ein gesundes Verhältnis zu „meinen Anteilen“. Es hat mir sehr beim Verstehen geholfen und mich stolz gemacht, meine Empfindungen über meinen veränderten Zustand klar in Form der Autonomie-Aufstellung zu sehen.“

ACHTSAMKEIT – SCHATZSUCHE IM ALLTAG

So langsam zeigen sich die ersten Sonnenstrahlen, die die Zuversicht im Herzen wachsen lassen. Das Gesicht kurz in der Sonne wärmen, ein Duft von Frühling und ein Lächeln im Vorbeigehen von einem Unbekannten, können Schätze des Alltags sein.

Die Krise fordert allen Menschen viel ab – Geduld, Einsamkeit, Monotonie, Ängste und Sorgen. Viele erleben den Alltag als Tretmühle und als eine Last. Umso mehr sind wir auf die Momente des Glücks, des inneren Friedens und der Hoffnung angewiesen. Jeder Mensch hat seine eigenen Schätze des Alltags. Es ist die Einladung bewusst diese zu erleben und ins Schatzkästchen des Herzens zu legen.

Achtsamkeit kann helfen, die Schätze des Alltags zu erkennen und zu genießen. Achtsamkeit ist nicht nur das Bild von einem meditierenden Menschen, der sich in Stille und Abgeschiedenheit zurück zieht. Achtsamkeit ist die bewusste Lenkung der Aufmerksamkeit auf das Hier & Jetzt, der Einsatz unserer Sinne und sich zu erden.

Achtsamkeit ist Beziehung. Wir gehen in Beziehung mit uns selbst und mit unserer Umgebung. Indem wir bewusst wahrnehmen, gehen wir Kontakt. Wir stellen eine Verbindung her zu unseren Gefühlen, unserer Wahrnehmung, zu der Natur, zu den Tieren, zu den Menschen. Jeder Gruß und jedes Lächeln ist ein Akt der Beziehung.

RELATIONALE ACHTSAMKEIT

Gerade durch die strikten Maßnahmen des Social Distancing kann insbesondere die relationale Achtsamkeit unterstützend wirken. Achtsamkeit wird oft gleichsetzt mit „Bei-sich-sein“ oder „Bei-sich-bleiben“. Dies ist auch ein wichtiger Teil der Achtsamkeit und ein Schlüssel für ein intensiveres Leben. Doch möchte ich die Aufmerksamkeit aktuell auf die relationale Achtsamkeit, auf Beziehungen, in den Fokus rücken.

Relationale Achtsamkeit richtet sich auf unsere Umwelt und Interaktionen. Alle Menschen sind relationale Wesen, wir entwickeln uns nur im Kontakt mit unserer Umwelt. Daher ist es umso spannender genau diesen Teil der Achtsamkeit bewusst zu machen. Dabei geht es nicht nur um die zwischenmenschlichen Kontakte, sondern auch um den Kontakt zu unserer Umwelt – den Stuhl, auf dem wir sitzen, den Baum, den wir anschauen, das brennende Teelicht, das wir sehen, den Vogel, den wir hören ….

Achtsamkeit wird häufig nur über das körperliche Spüren oder die Wahrnehmung mentaler Prozesse gelehrt. Jedoch ist dies oft problematisch, insbesondere für Menschen mit seelischen Schwierigkeiten. Sie spüren zu wenig, werden verwirrt oder es werden problematische Assoziationen getriggert. Manchmal findet eine starke Selbstabwertung statt, wenn nicht so viel „gespürt“ wird. Achtsamkeitsübungen können daher äußerst kontraproduktiv sein, wenn der Fokus zu sehr auf die innere Achtsamkeit gerichtet wird. Oft ist es leichter Objekte oder Geräusche wahrzunehmen und die äußere Achtsamkeit zu praktizieren.

Wenn wir den Fokus auf das Beziehungsgeschehen, das Dazwischen richten, verschwindet die Fokussierung auf das, was scheinbar fehlt und was scheinbar unbedingt gebraucht wird. Relationale Achtsamkeit kann eine Nahrung sein für das Gefühl der Verbundenheit, was gerade in der aktuellen Krise dem Erleben nach immer mehr verloren geht.

EINE GESCHICHTE – DAS PERFEKTE HERZ

Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich, und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, was sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter mit seinem schönen Herzen.

Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: “Nun, Dein Herz ist nicht mal annähernd so schön, wie meines.” Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an.

Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig, und es gab einige ausgefranste Ecken…..genauer… an einigen Stellen waren tiefe Furchen, wo ganze Teile fehlten.

Die Leute starrten ihn an. Wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner, dachten sie? Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: “Du musst scherzen”, sagte er, “Dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und Deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen.”

“Ja”, sagte der alte Mann, “Deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit Dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen, und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten. Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen.

Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde und ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?”

Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen. Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Der alte Mann nahm das Angebot an, setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde des jungen Mannes Herzen. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte. Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen. Sie umarmten sich und gingen weg, Seite an Seite.

WEIHNACHTEN, NEUES JAHR & NEUE PRAXIS 

Endlich ist es mit der neuen Praxis soweit, was mich sehr freut 🙂 Hier und da sind noch ein paar Feinjustierungen, aber das große Ganze ist schon mal fertig. Ich möchte mich bedanken, dass jeder so flexibel und unkompliziert die Zwischenlösung angenommen hat. Vielen lieben Dank nochmals!

Mit der neuen Praxis soll es auch neue Angebote geben. Sobald wieder Gruppen erlaubt sind, wird es Selbsterfahrungs-Wochenenden mit max 6 Personen geben, gestalttherapeutische Familienaufstellungen und spezielle Aufstellungsformate, wie beispielsweise „Das innere Team“ und „Ressourcen-Aufstellungen“.

Auch habe ich endlich mein ganze Therapiewerkstatt da mit einer kleinen Auswahl an Musikinstrumenten, Stoffen, Stofftieren, Malutensilien und Aufstellungsmaterial. Meine Bibliothek ist natürlich mitgekommen und lädt alle zum Stöbern ein. Es sind nicht nur Fachbücher, sondern auch Bücher unter der Rubrik Lebenshilfe, Achtsamkeit, Buddhismus und Spiritualität. Natürlich fehlen auch nicht Romane von einem meiner Lieblingsautoren des Psychotherapeuten Ervin Yalom. 

NEUE WEBSITE

Im Zuge des Umzugs hat sich auch die Website verändert. Die einzelnen Angebote und auch Methoden werden ausführlicher beschrieben. Auch gibt es einen Blog „Psychotherapie & Persönlichkeitsentwicklung“ und die FAQ’s der Psyche mit kurzen Infos. Hier kommt immer wieder etwas Neues dazu und wird weiter wachsen 🙂

ONLINE-AUTONOMIE-AUFSTELLUNG

Besonders freue ich mich über das neue Online-Aufstellungsformat der Autonomie-Aufstellung. Diese spezielle Aufstellungsmethode wurde von dem Münchner Psychiater und Systemtherapeut Dr. Ero Langlotz entwickelt.

Ich bin sehr dankbar, bei ihm habe lernen zu dürfen und bin mit Begeisterung dabei. Ich habe viel Erfahrung mit Aufstellungen und auch verschiedene Formate kennengelernt. Das besondere an dieser Methode ist die Nachverarbeitung von Stress und die Gedächtnisrekonsolidierung. Das heißt, traumatische, verletzende Erfahrungen werden nachverarbeitet und emotional „gelöscht“. Die emotionale Ladung des Traumas und die Trigger sind danach nicht mehr präsent. Dadurch entsteht eine innere Ruhe, Stabilität und inneres Gleichgewicht.

Wesentlich in der Arbeit ist die Selbstverbindung, die uns vollständig und unabhängig macht. Durch eigene traumatische Erfahrungen, übernommene Familientraumata und Beziehungskonflikte werden wir von unseren Selbstanteilen getrennt. Dadurch entsteht immer wieder eine emotionale Abhängigkeit und die gesunde innere Grenze geht verloren. 

Mit der Autonomie-Aufstellungen können Beziehungen zu Partnern, Eltern und Freunden geklärt werden, um sich auf Augenhöhe zu begegnen und Konflikte zu lösen. Die Methode eignet sich besonders gut für die Nachverarbeitung traumatischer Erfahrungen und körperliche Symptome, die einen seelischen Hintergrund haben. 

Für mehr Informationen können wir gerne ein Vorgespräch vereinbaren. 

ZUVERSICHT: DAS NEUE JAHR IM WANDEL

Das neue Jahr wird einen eingreifenden Wandel mit sich bringen. Die Pandemie hat die Gesellschaft verändert. Wie kommen wir wieder in Kontakt? Was haben wir gelernt, was vielleicht auch verlernt? Was braucht es an Fähigkeiten und Widerstandskräften, um dem neuen Jahr mit Zuversicht und Vertrauen entgegen zu blicken?

Das Jahr 2020 und die Einsamkeit

Wenn ich einen Blick zurückwerfe, wird ein Gefühl sehr präsent – Einsamkeit. Das große Tabu Einsamkeit rückt in das Scheinwerferlicht der Gesellschaft. Aus Angst und Scham wird dieses mächtige Gefühl oft versteckt. Die Corona-Krise holt die Einsamkeit aus ihrem Versteck und macht sie öffentlich. Sie wird sichtbar und dadurch greifbarer. Die Scham sinkt, da wir feststellen, dass wir in diesem Gefühl nicht alleine sind. Nicht nur Alleinstehende trifft dieses Gefühl, auch in Partnerschaften und Freundschaften kann man sich einsam fühlen. So ist Einsamkeit die Todesursache Nummer 1, wie Studien zeigen. Einsamkeit führt zu Depressionen, Ängsten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Alzheimer, usw.

 Was hilft gegen die Einsamkeit, dem Gefühl der inneren Leere? Wenn wir uns wieder als Mensch begegnen und mit unseren natürlichen Fähigkeiten in Resonanz gehen und miteinader zu reden. Gegen Einsamkeit hilft > gesehen zu werden, gehört zu werden, wahrgenommen zu werden. Anstatt Abwertung und Gleichgültigkeit brauchen Menschen Wertschätzung, ein liebes Wort der Anerkennung. Es sind die vielen kleinen und kurzen Begegnungen im Alltag, die unser Leben bereichern können und uns zeigen, wir sind nicht alleine.

Das Jahr 2021 und die Kraft der Zuversicht

Das neue Jahr wird uns den Weg aus der Corona-Krise weisen und die globale einschneidende Erfahrung wird Neues bringen. Wir können wir dem Neuen und vielleicht Unbekanntem begegnen?

 Die Kraft der Zuversicht schenkt Motivation, Optimismus und Kreativität. Die innere Haltung ist geprägt von dem Wissen: „Es wird auch wieder besser werden.“, „Jede Krise hat ein Ende“, „Nach einem Tief geht es auch wieder bergauf.“ Zuversicht lässt uns hoffen und die anstehenden Aufgaben in die Hand nehmen. Krisen sind positiv betrachtet, der Herd für Kreativität. Jeder muss mit den Veränderungen einen Weg auf seine ganz eigene Art und Weise finden. Vielleicht sich neu erfinden, neue Fähigkeiten erlernen und verborgene Potentiale erkennen. Die Kraft der Zuversicht ist der Zündstoff.

 So wünsche ich allen den Funken der Zuversicht, schöne Feiertage und einen guten Beginn im Neuen Jahr 🙂