Problematisches Essverhalten: das Gefühl der Leere

DER SEELISCHE EINFLUSS AUF UNSER ESSVERHALTEN

Die Ursachen für ein schwieriges und problematisches Essverhalten sind vielfältig. Der seelische Einfluss zeigt sich im Umgang mit Gefühlen. Sie tauchen in unterschiedlicher Art und Weise im Leben auf und suchen einen Ausdruck. Ess- oder Hungerattacken werden oft als Reaktion beschrieben, um mit negativen oder unaushaltbaren Gefühlen umzu- gehen. Ein starkes und extistentiell bedrohliches Gefühl ist das Gefühl der Leere.

UNSER ESSVERHALTEN UND DAS GEFÜHL DER LEERE

Im „Das ABC der Gefühle“ von Udo Baer kommen unterschiedliche Gefühle zu Wort. Das Gefühl der Leere stellt sich wie folgt vor:

„Wie so viele meiner Verwandten habe ich mehrere Bedeutungen. Die Menschen haben die seltsame Eigenschaft, den Zustand eines äußeren Objekts auch subjektiv empfinden zu können. Sie fühlen sich leer – und da bin ich da, als Gefühl oder genauer gesagt: das Befinden.

 

Auch hier habe ich mehrere Qualitäten und Bedeutungen. Die Erste ist, dass ich das Empfinden eines Menschen bin, der mit seinen Regungen und Impulsen ins Leere geht. Dieses Empfinden sei, so sagen die Menschen, schrecklich, deswegen mag mich niemand gern. Nun könnten sich ja die Menschen anderen zuwenden, bei denen sie nicht ins Leere gehen, sondern zugreifen können und Antworten erhalten. Doch manche können das nicht, z.B. Kinder, und viele kleben mir fest. Ich habe nämlich Macht, große Macht. Wer ins Leere greift, versucht es zumeist immer wieder, will mich nicht wahrhaben und probiert es und probiert es, sucht die Schuld bei sich selbst, versucht es neu und immer wieder – bis meine Schwester, die Resignation erscheint.

 

Dann kann es sein, dass ich mich in meine zweite Qualität verwandele. Aus der ersten, dem Empfinden der Leere um einen Menschen herum, werde ich zu einer Leere in einem Menschen. Manchmal geht das so weit, dass ich sogar das, was der Mensch als seinen inneren Kern erlebt, umhülle und es ihm unmöglich mache, zu wissen und zu entscheiden, was er will. Sie sehen, meine Macht ist groß. Auch wenn diese Macht mehr im Geheimen wirkt. Ich hänge sie nicht an die große Glocke, das habe ich nicht nötig.

 

Als dritte Qualität trete ich auf, wenn Menschen sich innerlich ausgebrannt haben. Meistens beginnt das damit, dass ein Mensch versucht, sich eines Gefühls zu entledi- gen, z.B. die Trauer nicht wahrhaben will, und dann so viel powert, dass schließlich alle Reserven aufgebraucht sind und er sich völlig leer fühlt. Er will statt eines Gefühls eine Leerstelle setzen und wird selber leer. Auch hier sehen Sie wieder meine Macht! Eine respektvolle Verbeugung vor mir wäre angesagt.

 

Ich habe noch viele andere Bedeutungen und Qualitäten. Doch wie gesagt arbeite ich lieber im Geheimen. Mein Sinn könnte darin bestehen, dass Menschen mich spüren, um sich von mir abzuwenden zu können. Das weiß ich nicht genau. Aber die meisten tun es nicht. Würden sie so handeln, um mich einen Bogen machen und hätten dabei Hilfe und Unterstütung, hätte ich sicher Angst davor. Doch da ich auf die meisten eher anziehend wirke, brauche ich mir keine Sorgen zu machen. Nun ja, geliebt werde ich nicht. Man kann nicht alles haben. Mir reicht die Macht.“

 

Das Gefühl der Leere ist bedrohlich und existenziell. Es schneidet uns von uns selbst und der Außenwelt ab. Der Kontakt erlischt, wie eine Kerze im Wind. Es wird dunkel und leer. Diese Erfahrungen werden häufig in der Kindheit gemacht und sind prägend für das weitere Erleben und Lebenserfahrungen. Die Leere heißt, nicht gesehen, nicht gehört, nicht ergriffen worden zu sein und zu werden. Es sind die grundlegenden Bedürfnisse eines Menschen, um sich in der Welt zu bewegen, sich gesund zu entwickeln und eine Orientierung zu bekommen. Es ist wichtig, gespiegelt zu werden, ein Feedback oder eine Antwort zu bekommen und ein Gegenüber zu haben. Wenn wir diese Erfahrungen nicht gemacht haben, sind die Folgen Resigantion, Misstrauen, Sucht, Essstörungen, Gewalttätigkeit, Deppression und Angststörung.

Wenn unsere eigenen Intentionen, wie beispielsweise mit jemanden in Dialog treten zu wollen oder die Hand geben, ins Leere laufen, dann setzt sich das im Inneren fest und wird zu einer existentiellen Leere-Erfahrung.

WIE WERDEN LEERE-ERFAHRUNGEN ERLEBT?

  • eine Einöde in den Emotionen
  • Leistung, Perfektion, Wunsch nach Struktur
  • Ängste vor Körperkontakt
  • Handeln für Andere „Helfersyndrom“
  • sehr empathisch; fühlen mit dem Leid des anderen, um die eigene Leere nicht zu spüren
  • Vergleich mit anderen und in Konkurrenz
  • Angst vor der Maßlosigkeit der Bedürfnisse
  • Übererregtheit, ohnmächtliche Wut
  • Geringschätzigkeit sich selbst gegenüber
  • Überforderungsäußerungen
  • Aktionismus, um die Leere nicht zu spüren

 

Die Folgen der Leere-Erfahrung, wie ein schwieriges oder problematisches Essverhalten, Depressionen, Sucht, Ängste, sind erlernte Bewältigungsstrategien, die wir uns zum Überleben angeeignet haben. Bevor wir Neues und Anderes schaffen, muss die bisherige Bewältigungsstrategie gewürdigt werden.

BEZIEHUNGSARBEIT IM THERAPEUTISCHEN PROZESS

Bei einem schwierigen und problematischen Essverhalten steht nicht das Essverhalten im Vordergrund der Arbeit, sondern das Beziehungsgeschehen.

Es ist hilfreich, mehr Bewusstheit über die eigenen Vermeidungsmechanismen zu erfahren, um sich für neue Möglichkeiten zu öffnen. Körperarbeit ist ein weitere wichtige Maßnahme, um immer mehr Kontakt zu sich herzustellen, um die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu spüren. Oft gehen die eigenen Bedürfnisse im Kontakt mit anderen verloren, verschwinden regelrecht bis zur Unkenntlichkeit. Hier gilt es Schritt für Schritt den Weg zu öffnen, sich anderen zuzumuten, annehmen zu lernen, Grenzen zu setzen, Nähe und Distanz zu regulieren.

Vertrauenswürdige Menschen können bei diesem Weg unterstützen und wertvolle Hilfe leisten. Das Essverhalten wird sich ändern, wenn das dahinterliegende Problem sich löst.

> Hilfe bei einem gestörten Essverhalten mit der kreativen Leibtherapie

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