Seelische Spaltung

Wenn seelische Verletzungen aufgrund nicht vorhandener innerer und äußerer Ressourcen, nicht heilen können, spaltet sich die Seele.

Die Spaltung zeigt sich, wie in der modellhaften Abbildung in einem:

1. Traumatisierten Anteil
2. Überlebensanteil  
3. Gesunden Anteil


Seelische Spaltung nach Trauma

Die Lösung aus einem Trauma (Traumaenergie) kann nicht kognitiv geschehen, da die traumatische Erfahrung aus nicht aushaltbaren Gefühlen und den damit verbundenen körperlichen Reaktionen besteht. Der Lösungsweg kann daher nur über den Körper und die Integration der schmerzlichen Gefühle sein. Das Reden über das Trauma hilft, therapeutisch gesehen, wenig bis gar nicht.

Traumatische Erfahrungen wie beispielsweise Verlusttraumata, Existenztrauma, Bindungstrauma, Gewalttrauma, Geburtstrauma führen zum Verlust einer gesunden inneren Grenze, die die Autonomieentwicklung hemmt. Es entstehen destruktive Symbiosemuster, die sich in emotionalen Abhängigkeiten zeigen.

TRAUMATISIERTER ANTEIL

Die traumatisierten Anteile sind dem Bewusstsein nicht zugänglich und werden ausgeblendet. Die Überlebensanteile sorgen dafür, dass die traumatisierten Anteile nicht an die Oberfläche kommen. Traumatisierte Anteile melden sich in belastenden und stressreichen Lebenssituationen, wo die Überlebensanteile nicht mehr die Kontrolle haben können.

Traumatisierte Anteile „altern“ nicht und bleiben in der Entwicklungsstufe stehen, wo sie entstanden sind. Die Entwicklung ist an dieser Stelle blockiert. Unterbewusst sind traumatisierte Anteile sehr aktiv, verbrauchen viel Energie, die uns dann nicht zur Gestaltung des eigenen Lebens zur Verfügung steht. Wir suchen immer wieder einen Ausweg aus der bedrohlichen Situation und bringen uns unbewusst immer wieder in ähnliche Situationen. Fatal ist nur, solange das Trauma aktiv ist, es keine effektiven Lösungsstrategien und Fähigkeiten gibt dies zu lösen. Daher erleben Menschen oft, dass sie immer wieder mit ähnlichen Situationen konfrontiert sind.

Merkmale traumatisierter Anteile

  • bleibender Unruheherd in der Psyche
  • werden immer wieder „getriggert“
  • suchen nach einem Ausweg und reaktiven unbewusst die unverarbeitete Situation
  • beliebt auf der Altersstufe des Traumas
  • speichern die Erinnerung an das Trauma
  • überwältigenden Gefühle wie Hilflosigkeit, panische Todesangst, Ohnmacht, Scham, Wut, Hoffnungslosigkeit bleiben verdrängt und  haben keine Ressourcen zur emotionalen Verarbeitung
  • sind im Körper gespeichert

ÜBERLEBENS-ANTEIL

Die Überlebensanteile sind Teil des Traumas und werden zu einer Überlebensstrategie. Die Überlebensstrategie ist die einzige Möglichkeit, um am Leben zu bleiben. Sie sind kurzfristig lebensrettend, werden allerdings zu einer Entwicklungsblockade, wenn wir die verletzenden Erfahrungen nicht aufgearbeitet werden.

Überlebensanteile stehen unter Dauerstress und machen den Körper und das Denken eng, die Handlungsstrategien sind eingeschränkt und neue Erfahrungen werden so gut wie unmöglich.

Die entwickelten Überlebensstrategien sind sehr hartnäckig und oft schwer von gesunden Anteilen zu unterscheiden. Aussagen und Handlungen aus den Überlebensanteilen können sich durchdacht, nachvollziehbar und wohl begründet anhören, aber es bleibt kein Raum für Gefühle. Gefühle werden weggedrückt oder es wird rationalisiert oder intellektualisiert.

Merkmale Überlebensanteile

  • verdrängen und leugnen das Trauma
  • vermeiden Erinnerungen an das Trauma
  • ignorieren und lenken ab
  • erzeugen Illusionen
  • suchen nach Kompensationen
  • laden eigene Traumagefühle auf andere ab
  • kontrollieren andere Menschen
  • verwirren Gefühle
  • erzeugen Misstrauen
  • geringe Fähigkeit, warme oder auch ärgerliche Gefühle anderen gegenüber zu zeigen
  • Neigung, andere zu beschuldigen
  • chronisches Gefühl der Leere
  • Dramatisierung von Situationen
  • Unterordnung eigener Bedürfnisse unter andere Menschen > Abhängigkeiten

GESUNDER ANTEIL

Gesunde Anteile gehören zum Autonomieerleben eines jeden Menschen. Unter Autonomie versteht man die Fähigkeit, sein Leben selbstbestimmt nach seinen eigenen Bedürfnissen zu gestalten. Die gesunden Anteile können Gefühle angemessen zur Situation ausdrücken. Gefühle sind weder völlige Mangelware noch im Übermaß vorhanden. Es werden auch schmerzhafte und angstvolle Situationen erinnert, die eigenen Schwächen werden anerkannt wie die Stärken und tiefe emotionale Beziehung sind möglich.

Merkmale gesunde Anteile

  • Klarheit in den Gefühlen und im Handeln
  • stabile emotionale Bindungen
  • Fähigkeit sind aus ungesunden Beziehungen zu lösen
  • Vertrauen in andere Menschen
  • ausdrücken von Gefühlen angemessen zur Situation
  • eigene Grenzen und die Grenzen von anderen werden geachtet
  • reflektieren des eigenen Handelns
  • wahrnehmen der Realität und keine Flucht in Illusionen
  • Verbindung zum eigenen Selbst