Wie hart trifft soziale Distanzierung die Menschen?

Die Folgen für die Psyche

Neben den wirtschaftlichen Folgen sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Psyche immens. Der erzwungene „Hausarrest“ ist für alle Menschen eine enorme Belastung. Der Mensch lebt von der sozialen Interaktion, den Beziehungen und Bindungen – das ist das Lebenselixier. Der Wille zur Verbundenheit ist stärker als der Wille zur Macht, wie die Forschung weiß.

In der Psychotherapie ist, unabhängig von der Schule und jeweiligen Methode, die Beziehungsarbeit der stärkste positive Wirkfaktor.

Mit der sozialen Distanzierung nehmen wir genau diesem heilenden Wirkfaktor die Kraft. Dies führt unweigerlich zu psychischen Belastungen. Betroffene klagen über Angstzustände, Depressionen, Panikattacken, Psychosen, Schlaflosigkeit, starker Unruhe bis zur posttraumatischen Belastungsstörung.

Aktivitäten, die Sinn machen, fehlen

Nicht nur Menschen, die bereits vor der Corona-Pandemie psychische Schwierigkeiten hatten, sind betroffen. Soziale Isolation bedeutet Stress!

Ein weiterer Stressfaktor ist die Unsicherheit. Habe ich mich schon infiziert? Was ist mit meiner Familie? Gibt es genug zu essen? Behalte ich meinen Arbeitsplatz? Wie kann ich die Miete zahlen?

Zusätzlich muss eine völlig neue Struktur für den Tagesablauf aufgebaut werden. Viele sind damit überfordert und finden keine sinnstiftenden Aktivitäten. Das führt zu einem ungesunden Konsumverhalten und negativen Gefühlen. Sie leiden unter Schlafstörungen, die Essgewohnheiten verändern sich, sind gelangweilt und frustriert. Manche Menschen legen ein anormales Verhalten an den Tag mit Zwangshandlungen wie permanenten Händewaschen oder ständiger Überprüfung möglicher Symptome. Auch häusliche Gewalt, Alkohol- und Drogenkonsum nehmen zu.

Ältere und Jüngere leiden an Einsamkeit

Die sozialen Medien können die reale Begegnung nicht ersetzen. Nach ein paar Tagen Dauervideotelefonie wird es schnell deutlich, dass viele nonverbalen Informationen fehlen. Die Kommunikation ist beschränkt. Der Austausch der nonverbalen (körperlichen) Kommunikation ist immens wichtig. Der Mangel führt zu Gefühlen der Einsamkeit. Nicht nur bei den Älteren, sondern auch bei den Jüngeren.

Hilfe in Anspruch nehmen

Es gibt zahlreiche Hotlines zur Krisenintervention. Jeder kann und sollte Hilfe in Anspruch nehmen, um mit den neuen Herausforderungen gut umzugehen und sicher durch die Krise zu kommen.