Toxische Beziehungen erkennen: Merkmale und Lösung

TOXISCHE BEZIEHUNGEN RESULTIEREN AUS EMOTIONALEN ABHÄNGIGKEITEN

Zu einer toxischen Beziehung gehören immer zwei. Oft wird ein Schuldiger gesucht, ein Verantwortlicher für die Misere von destruktiven Beziehungen. Der Andere verhält sich inkorrekt, lügt, manipuliert, gibt zu wenig und man selbst gibt so viel, ist immer zur Stelle, bereit Opfer zu bringen usw. sind alles Aussagen von Menschen, die sich in toxischen Beziehungen befinden. Dabei wird der eigene Anteil oft übersehen. Toxisch kann eine Beziehung nur werden, wenn beide dazu beitragen – wie nach dem Schlüssel-Schloß-Prinzip. Hintergrund dieser destruktiven Dynamiken ist emotionale Abhängigkeit.

Emotionale Abhängigkeit gibt es in verschiedenen Ausprägungen, die das Leben massiv beeinträchtigen. Dabei ist hier von destruktiven Abhängigkeiten die Rede und sind von der gesunden Abhängigkeit zu unterscheiden. Destruktive Abhängigkeiten fördern psychische Schwierigkeiten, psychosomatische Erkrankungen bis hin zu Persönlichkeitsstörungen.

Emotionale Abhängigkeit wird oft mit Liebe verwechselt. Sich zu einem Menschen hingezogen fühlen, ihn aber nicht loslassen zu können, bedeutet nicht, dass man den anderen liebt.

MERKMALE TOXISCHER BEZIEHUNGEN

Toxische Beziehungen sind geprägt von einer emotionalen Ladung, immer wieder gibt es Drama, Beschuldigungen, unerfüllte Bedürfnisse und Erwartungen. Es gibt keine Gewinner, nur Verlierer. Die Lösung aus toxischen Beziehungen ist oft schwer, da sich dahinter ungelöste Probleme aus der Kindheit verstecken. Menschen haben meistens selbst emotionalen Missbrauch, Mangel an Liebe und Zuwendung erlebt und leben diese Dynamik unbewusst weiter.

  • Machtkämpfe und Machtspiele
  • emotionale Erpressung 
  • Manipulation
  • nicht loslassen können
  • Schuldgefühle
  • Falsch verstandene Hilfe
  • emotionale Bedürftigkeit
  • Überfürsorge
  • mehr beim anderen sein als bei dich selbst
  • Minderwertigkeitsgefühle
  • Kommunikation ist geprägt von Bewunderung und Entwertung, Abwertung
  • Selbstbetrug 
  • Hunger nach Anerkennung und Lob
  • Liebesentzug
  • Vorgetäuschte Selbstmordversuche
  • Eifersucht
  • Ungleichgewicht in geben und Nehmen
  • Ungleichgewicht in Nähe und Distanz
  • Ängste, Verlassenheitsangst
  • Kontrollsucht
  • Konfliktvermeidung
  • Mobbing

MANGEL AN GESUNDER ABGRENZUNG 

Wie äußert sich der Mangel an gesunder Abgrenzung? Nicht Nein-Sagen können, ist mit einer der wesentlichen Merkmale. Immer wieder fällt man auf die manipulativen Aussagen des Gegenübers herein. Man lässt sich verführen wie mit einer vergifteten Süßigkeit. 

  • „Ich will nur dein Bestes“
  • „Ich brauche dich“, „Du brauchst mich“
  • „Ich bin krank, du musst dich um mich kümmern“ 
  • „Ich bin so einsam, bleibe bei mir“

 

Der Mangel an einer gesunden Abgrenzung schwächt auf Dauer das Selbstwertgefühl. Man fühlt sich klein, schwach, bedeutungslos. Das Eigene wird kaum noch wahrgenommen. Die Bedürfnisse des Anderen stehen über den eigenen Bedürfnissen aus Angst vor Verlassenheit oder Abwertung. Wer die eigene Abhängigkeit erkennt, beginnt meistens sich selbst dafür noch abzuwerten. Der Selbsthass für die eigene Abhängigkeit wird immer größer und kann zu Depressionen führen. Ein Teufelskreis beginnt.

LÖSUNG AUS TOXISCHEN BEZIEHUNGEN 

Für eine gesunde Paarbeziehung oder auch Freundschaften braucht es immer eine gesunde Grenze. Erst durch die Trennung und Unterscheidung wer du bist und wer du nicht bist, kann Beziehung stattfinden. Dies setzt eine Eigenständigkeit und emotionale Unabhängigkeit voraus. Mit der gesunden Grenze geht eine starke Selbstverbindung einher. 

Gesunde Beziehungen sind geprägt von einer konstruktiven Abhängigkeit, die Nähe und Distanz zulässt. Begleitet werden diese durch die Gefühle der Verbundenheit und Freiheit.

Für die Lösung aus toxischen Beziehungen ist es wesentlich, den eigenen Anteil zu erkennen. Die dahinter liegenden schmerzlichen Erfahrungen, die eigenen unbewussten manipulativen Verhaltensweisen und der Prozess des Loslassens. Auch Erwachsene halten unbewusst noch an ihren Eltern fest und vermeiden eine emotionale Ablösung. Die Ablösung von den Eltern ist oft ein schwieriger und für beide schmerzhafter Prozess, wo therapeutische Unterstützung hilfreich sein kann. 

Die Stärkung der Eigenverantwortung und das Treffen eigener Entscheidung mit den dazugehörigen Konsequenzen sind weitere wichtige Schritte. Beispielsweise sieht man immer wieder, wie Eltern ihre Kinder durch finanzielle Zuwendungen emotional erpressen. Dann liegt es an einem selbst, ob man dieses Spiel mitmacht oder aussteigt. Dies bedeutet dann vielleicht eine kleinere Wohnung, weniger Reisen, weniger Bequemlichkeit oder Ähnliches. Viele bleiben daher lieber in der Abhängigkeit als sich zu befreien. Dies zeigt sich auch in Paarbeziehungen.

Die Bearbeiten von Schuldgefühlen ist auch ein wesentlicher Schritt im therapeutischen Kontext. Bei der Lösung von toxischen Beziehungen sind Schuldgefühle allgegenwärtig. Sich schuldig fühlen ist „leichter“ als eine gesunde Grenze zu ziehen. Schuldgefühle führen immer wieder zu Anpassung, was das Selbstwertgefühl massiv beeinträchtigt. Die Stärkung des Eigenen, der eigenen Wahrnehmung, Bedürfnisse und Wünsche sind ein Weg zur Autonomie.

> AUTONOMIE AUFSTELLUNG online

Die Autonomie-Aufstellung ist ein spezielles Aufstellungsformat sich aus toxischen Beziehungen emotional zu lösen und die gesunde Grenze zu stärken.

Eine Autonomie-Aufstellung mit Figuren (Holzklötze als Stellvertreter) findet online via Videokonferenz statt.