Gestalttherapie & Gestaltansatz
Das Leben gestalten
Gestalttherapie ist mehr als eine therapeutische Methode. Sie ist eine Haltung zum Menschen und zum Leben.
Ihr liegt die Vorstellung zugrunde, dass alles Beziehung ist: die Beziehung zu anderen Menschen, zu unserem Körper, zu unseren Gefühlen und Bedürfnissen, zu unseren Werten, zu unserer Arbeit, zu Geld und vor allem die Beziehung zu uns selbst.
Seelische Belastungen entstehen dort, wo dieser lebendige Kontakt unterbrochen wurde. Wo wir gelernt haben, Gefühle zurückzuhalten, Bedürfnisse zu übergehen, uns anzupassen oder von wesentlichen Teilen unseres Erlebens abzutrennen. Was einmal Schutz gegeben hat, kann später verhindern, dass wir uns selbst, anderen Menschen und dem Leben wirklich begegnen.
In der Gestalttherapie richten wir die Aufmerksamkeit darauf, was den Kontakt im gegenwärtigen Moment unterbricht. Was hält dich davon ab, zu spüren, was du brauchst? Wo gehst du über deine Grenzen? Was bleibt unausgesprochen, ungefühlt oder unvollendet?
Gestalttherapie ist lebensnah, körperbezogen und gegenwartsorientiert. Veränderung entsteht nicht allein durch Verstehen, sondern durch eine neue Erfahrung im Hier und Jetzt. Wenn der Kontakt zu dir selbst wieder lebendiger wird, kannst du klarer wahrnehmen, was zu dir gehört, was du willst und wie du dein Leben gestalten möchtest.
Die Gestalttherapie zählt zu den phänomenologischen, erfahrungs- und erlebnisorientierten psychotherapeutischen Verfahren. In kritischer Distanz zu Freuds psychoanalytischen Vorgehen wurde die Gestalttherapie in den 60er und 70er Jahren entwickelt. Beeinflusst wurde die weitere Entwicklung vom Zen Buddhismus, Psychodrama und der Körpertherapie. Die Begründer sind Fritz Perls, Paul Goodman und Ralph Hefferline. Im Vordergrund steht die gegenwärtige Erfahrung im Hier & Jetzt.
„Gestalt ist eine sinnvoll organisierte Ganzheit.“ (Perls, 1951)
„In unserer modernen Welt
haben viele Menschen ungesunde Beziehungen
und noch eine ungesündere Beziehung zu sich selbst“
Gestalttherapie & Das wahre Selbst
In der Gestalttherapie ist das Selbstkonzept eng mit der Frage nach dem eigentlichen, wahren Selbst verbunden.
Das wahre Selbst zeigt sich dort, wo ein Mensch mit sich selbst verbunden ist, stimmig und authentisch handelt, Selbstwirksamkeit erlebt und der eigenen inneren Wahrheit folgt. Es bedeutet, den eigenen Maßstäben zu vertrauen, in eine lebendige Autonomie hineinzuwachsen und vorbehaltlos Ja zu sich selbst und zur eigenen Lebensrealität sagen zu können.
Selbstwerdung geschieht in der Gestalttherapie nicht isoliert, sondern in Begegnung. In der Ich-Du-Beziehung wird erfahrbar, wer ein Mensch wirklich ist.
Was lernen Klienten in der Gestalttherapie?
- entwickeln eine höhere Bewusstheit über sich selbst, bekommen eine stärkere Körperwahrnehmung, erhöhen ihre Wahrnehmung und Ausdruck von Gefühlen
- das eigene Erleben anzunehmen und nicht auf andere zu projizieren
- sich ihrer Bedürfnisse bewusst zu werden und Maßnahmen zu entwickeln, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, ohne andere zu verletzen
- entwickeln einen vollständigeren Kontakt zu den eigenen Sinnesempfindungen
- kommen in ihre Kraft, gut für sich selbst zu sorgen anstatt zu jammern, andere zur Verantwortung zu ziehen oder ihnen Schuldgefühle zu machen
- offen zu sein für ihre Umwelt und sich zugleich in giftigen Situationen abzugrenzen
- die Verantwortung für ihre Handlung und ihre Konsequenzen vollständig zu übernehmen
Psychische Schwierigkeiten aus Sicht der Gestalttherapie
Psychische Schwierigkeiten werden primär als Wahrnehmungs-, Beziehungs- bzw. Kontaktstörung verstanden. Daher findet die Arbeit im Hier&Jetzt im unmittelbaren Kontakt zwischen Coach/ Therapeut und Klient statt, da sich genau hier die prägenden Muster zeigen und neue Handlungsmöglichkeiten erarbeitet werden können. Das Interesse des Therapeuten ist das „Wie?“ und „Was?“ und nur sekundär das „Warum?“.
Durch die Frage nach dem „Wie?“ wird die Bewusstheit des Klienten ausgeweitet und die Selbstverantwortung gestärkt. Dabei spielen die Rückmeldungen des Coach/Therapeuten eine große Rolle, der seine eigene Wahrnehmung und Resonanzen mitteilt sowie auf körperliche und sprachliche Reaktionen des Klienten aufmerksam macht.
Gestalttherapeuten verstehen sich als „Forscher“, die nicht mit Interpretationen einer Situation oder von Menschen arbeiten, sondern nah am Menschen mit ihrem individuellen Erfahrungen sind, um Veränderungen zu bewirken.
Die Gestalttherapie ist ganz zentral auf die Gefühle des Menschen ausgerichtet. Mit den eigenen Gefühlen ist sich der Mensch selbst am nächsten und führt von der Selbstentfremdung zur Selbstfindung.
Gesundheit nach dem Gestaltansatz
Das Menschenbild der Gestalttherapie ist am gesunden Menschen orientiert. Wir sprechen von der „Weisheit des Organismus“, die in jedem Augenblick das in den Vordergrund treten lässt, was momentan am Dringlichsten ist. Gesundheit wird nach dem Gestaltansatz als ein ungestörter Kontakt nach innen und außen definiert und die Fähigkeit eines Menschen, seine psychischen, geistigen, physischen und sozialen Bedürfnisse ohne Schaden für sich und seine Umwelt zu befriedigen. Das beinhaltet beispielsweise in Stresssituationen die individuellen Möglichkeiten, sich stimmig zur Situation und sozialen Umwelt abgrenzen zu können.
Die Wirkfaktoren in der Gestalttherapie
- Heilung aus der Beziehung
- Bewusstheit ausweiten & Gewahrsein trainieren
- Selbstwirksamkeit erfahren
- Förderung der organismischen Integration
- Regulierung des Selbstwertgefühls
- Problemlösung durch Kreativität
- Experimente & zum Ausdruck bringen
- im Hier&Jetzt arbeiten
